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Leselupe.de > Humor und Satire
Sprechende Paare
Eingestellt am 14. 02. 2011 09:27


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DocSchneider
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StĂ€ndig hört und liest man, Paare mĂŒssen miteinander sprechen. Ja doch. Aber wie lange sprechen sie denn wirklich? Neun Minuten am Tag? Oder noch weniger?

Das Problem ist altbekannt: MĂ€nner wollen nicht sprechen - Frauen wollen es.

Der Ehemann kommt nach Hause, abgekĂ€mpft, mĂŒde von der tĂ€glichen Maloche. Die Ehefrau ist schon da, sie ist zwar auch mĂŒde, aber das zĂ€hlt jetzt nicht so. Die Kinder sind ebenfalls anwesend - aber nicht wirklich. Sie fĂŒhren ein geheimnisvolles Eigenleben und tauchen nur auf, wenn sie Mama oder Papa brauchen.

Die kluge Ehefrau fragt ihren Mann, wie sein Tag war. Sie wird sich hĂŒten, ihn noch mehr zu fragen oder gar von sich selbst zu erzĂ€hlen. Nach WĂ€lzen zahlreicher BĂŒcher folgt sie der obersten Regel: MĂ€nner mĂŒssen erst einmal in das Feuer starren, wenn sie von der Arbeit kommen.

Der Mann antwortet auf ihre Eingangsfrage erwartungsgemĂ€ĂŸ mit den Worten "Wie soll es heute schon gewesen sein? Einfach nur ein Scheißtag eben!" und vertieft sich in sein Feuer, das allerdings wie eine Zeitung und ein GetrĂ€nk seiner Wahl aussieht.

Die kluge Ehefrau schweigt und weiß sich zu beschĂ€ftigen - aber das ist nach fĂŒnf Minuten verkehrt. "Was war heute bei Dir? Los, berichte mir alles! Du erzĂ€hlst doch sonst immer!" fordert der Ehemann, mit einem Auge in die Zeitung schielend.
Das kann natĂŒrlich die liebende Ehefrau (die genau weiß, dass die beste Kommunikation immer noch die ohne Worte ist) nicht abschrecken, in allen Einzelheiten von ihrem Tag zu berichten. Ob er sie hört? Sie kann es nur vermuten, denn seine Antworten - wenn ĂŒberhaupt - bleiben einsilbig. Falls ein Kind unvermutet die eheliche Gemeinschaft stört, wird es von seiner Mutter mit barschen Worten hinausgeschickt. Verstört stellt es fest: Mama hĂ€lt zu Papa!

So geht es die ganze Woche. Aber die Ehefrau weiß: Es wird der Tag kommen, an dem sie etwas von ihrem Mann erfĂ€hrt.

Sie soll Recht behalten. Samstags sind Mann und Frau eingeladen. Mehrere Paare sind gekommen und es wird gelacht, getrunken und geredet. Vor allem am Ende des Tisches. Denn dort sitzt der schweigsame Ehemann.

Die Ehefrau knabbert ErdnĂŒsse, hĂ€lt ihren Mund und lauscht ansonsten entzĂŒckt den ausfĂŒhrlichen ErzĂ€hlungen ihres Mannes. Sie erfĂ€hrt staunend, dass seine Kollegin einem Sohn von neun Pfund das Leben geschenkt hat, dass die SekretĂ€rin einen Riesenbockmist verursacht hat und dass Kollege X schon seit drei Wochen krank feiert. Verborgen blieb ihr bis dahin auch die anstehende Beförderung - sie ist aber ja wirklich nicht der Rede wert angesichts der Tatsache, dass ihr Mann nun doch tatsĂ€chlich fĂŒr den alternativen Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde. Er wird ihn aber ablehnen. Die GrĂŒnde erlĂ€utert er weitschweifig.

Die kluge Ehefrau hört gebannt zu und weiß nicht zum ersten Mal, welch attraktiven, tollen und redseligen Mann sie geheiratet hat. Das letzte Attribut trifft durchaus zu. Denn er redet schon.

Es mĂŒssen halt nur noch ein paar mehr Leute dabei sein !


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Charmaine
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Hallo DocSchneider,

sehr erhellend erscheint deine Darstellung sprechender Paare. Ich sage absichtlich nicht Geschichte, denn ich finde dein Text geht schon mehr in Richtung Essay. Ob es deine Absicht ist weiß ich nicht, doch nĂ€herst du dich mehr der Kolumne, als einer Kurzgeschichte. So betrachtet, finde ich deine Arbeit gelungen.
Ein paar VorschlĂ€ge fĂŒr VerĂ€nderungen habe ich aber schon.

Die Einleitung könntest du noch ein wenig ausbauen. Ein paar GrĂŒnde dafĂŒr angeben, warum Paare miteinander sprechen sollten. Vlt. die Scheidungsquote anfĂŒhren oder das Steigen seelischer Erkrankungen

Über die Anwesenheit der Kinder könntest du noch ein paar Worte mehr verlieren. Ein paar Anzeichen, liegen gebliebene Sachen oder das Klingeln der Mikrowelle.

quote:
Nach WĂ€lzen zahlreicher BĂŒcher folgt sie der obersten Regel: MĂ€nner mĂŒssen erst einmal in das Feuer starren, wenn sie von der Arbeit kommen.

Hier wĂ€re ein Zitat aus einem der BĂŒcher ganz brauchbar. Mich wĂŒrde jedenfalls interessieren, woher sie das hat, dass MĂ€nner, wenn sie heimkommen in das Feuer starren. Vielleicht wĂŒrde sich dann erhellen, welche Art von Feuer gemeint ist.

Im Folgenden könntest du das Heimkommen des Mannes ein wenig beschreiben, was tut er gewöhnlich, was zu aller erst, wie sieht er aus. Das könntest du in die Erwartungen der Frau verpacken, auf diese Weise die Ironie ein wenig schÀrfen.

quote:
Falls ein Kind unvermutet die eheliche Gemeinschaft stört, wird es von seiner Mutter mit barschen Worten hinausgeschickt. Verstört stellt es fest: Mama hÀlt zu Papa!

Das ist nicht logisch. Warum stört das Kind? Sie streiten doch nicht oder sind gerade dabei sich libidonös zu nÀhern.

Bei der Beschreibung der Einladung kommt die atmosphĂ€rische Darstellung zu kurz Wie verhĂ€lt sich der Ehemann? Ist er großsprecherisch, zuvorkommend oder ein MĂ€nnerbĂŒndler?
Du könntest ein paar wörtliche Zitate einflechten und etwas ĂŒber den Rest der Gesellschaft, die Aufmachung der Feier und die Art der Gastgeber verlieren.

Den letzten Satz braucht es nicht. Das beinhaltet der vorhergehende Abschnitt und „Denn er redet schon“.
Dies könnte die Überleitung fĂŒr eine allgemeinere Zusammenfassung sein, ein Fazit oder vielleicht ein Ausblick darauf, wie die Ehefrau in Zukunft vorgeht, um mehr ĂŒber ihren Gatten zu erfahren. Oder vlt. um nicht mehr zu sehr nur die Frau an seiner Seite zu sein.

Der Aufbau und die daraus folgende Absicht, die Ironisierung gefÀllt mir sehr gut.

LG
Charmaine
__________________
Dann eines Tages regt sich dieser gebrechliche Leib in Gottes Bauch. (Marguerite Duras)

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