Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92250
Momentan online:
293 Gäste und 10 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Sprechstunde
Eingestellt am 22. 11. 2003 10:53


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

Werke: 587
Kommentare: 977
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Ich erkannte ihn schon beim Betreten des Wartezimmers. Er war der typische (Ex)Alkoholiker (vermutlich, da es immerhin die Sprechstunde eines Arztes war).

Einige Patienten drĂŒckten ihre Nase tief in ihre Zeitschrift.
„Papa“ drang die Stimme eines etwa 2-jĂ€hrigen Kindes an unsere Ohren. Papa stĂŒtzte seine Arme auf die Knie und hielt den Kopf gesenkt. Unruhig lief der Junge um den Tisch herum und nahm sich eine Zeitschrift nach der anderen, um sie auf den Boden zu befördern.
„Lass das!“ kam die tiefe Brummstimme des Vaters zurĂŒck. Eine etwa 60-JĂ€hrige hob geduldig alle Zeitschriften wieder auf und sprach mit ihm.
Danach lief der Junge unruhig hin und her, scheinbar mit der Überlegung beschĂ€ftigt, wie er diese langweiligen Menschen etwas aufmischen könnte.
Er begann damit, StĂŒhle zu verrĂŒcken und hatte Erfolg. Vaters Stimme dröhnte: „Komm mal hier!“ Er nahm ihn auf seinen Schoß und das Kind bĂ€umte sich auf, um wieder dort hin zu gelangen, wo seiner Meinung nach die Freiheit war, mit der er nichts anzufangen wusste.
Sein Vater polterte erneut und drohte dem Jungen SchlĂ€ge an. Da griff die Dame erneut in das Geschehen ein, nahm das Kind auf den Schoß und spielte mit ihm einfache Fingerspiele.
Das Kind sah und hörte fasziniert zu und blieb bei ihr sitzen, bis sie es wieder frei gab.
„Mit Kinder muss man sich beschĂ€ftigen, dann sind sie ruhig!“ sagte sie zu mir. „Ich habe schon 11 Kinder großgezogen.“ „Sind denn auch eigene Kinder dabei?“ fragte ich sie.
„Ich hatte vier Kinder, doch jetzt sind es nur noch zwei.“ gestand sie mir mit traurigem Blick.
Eine Tochter verlor im Alter von 10 Jahren ihr Leben durch einen Autounfall. Ich hielt es nicht mehr aus allein zu Hause und suchte mir Arbeit im Haushalt mit Kindern. Noch heute kommen diese Kinder oft zu mir und umarmen mich.“ Leider war unser GesprĂ€ch da zu Ende, weil sie zum Arzt gerufen wurde.
„Er war nicht mehr geplant!“ gestand mir der Vater. Der Kleine machte dermaßen viel LĂ€rm, dass er sich gezwungen sah, mit ihm in den Flur zu gehen.
Das Leben ist oft ungerecht.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


ZurĂŒck zu:  Tagebuch - Diary Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!