Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92225
Momentan online:
385 Gäste und 16 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Stadgraben 2
Eingestellt am 12. 06. 2002 08:00


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
lester
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2002

Werke: 50
Kommentare: 41
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Und kein Gehen, sehen,
sehen was kommt.
Und kein Bleiben, schreiben,
weiter, was war.

Unter dem Dach, der Kinderraum,
schmale B├Ąnke, der Neue,
sagte man, stank.

Mein Bruder wei├č ein Gedicht
und stand ich nun, sagte
es auf: 7 Worte.

Sie sa├č auf der letzten Bank
mit ihren Br├╝dern, im Sommer
mit wei├čer Schleife im Haar.

Sch├Ânheit, am Ende, geht
sie die Treppe hinunter und
rettet die Welt.

Gummireifen, rote Handstutzen
abgeschabt, man lie├č ihn fallen
und lebte ganz langsam.

Nur die N├Ąchte wu├čten
bereits von diesen Tagen,
ein Bild, das in den Sternen noch heute.

Mitspielen k├Ânne sie nicht,
am Gartenzaun hin├╝berblicken
am Abend, und schien stolz darauf.

Sauerampfer essen unter der Kastanie,
liegen hinter dem umgest├╝rzten Baum
Brigittes Handschrift zu lesen.

Wei├čt du wieviel Sternlein stehen,
eine Nacht, ich hatte immer Zweifel,
wie schl├Ąft man vor dem Ende?

Ein milder, heller Tag,
lasciate ogni speranza,
zu pr├╝fen nur in der Kunst.

Die Erschie├čung der Aufst├Ąndischen
gemalt in schwarzer Kreide -
Breitwandkino, Elephanten, die Kommission schl├Ąft.

Auf dem Stoppelfeld das
Kartoffelfeuer, ├╝ber der Flamme
sieht das Aug nur Dunkelheit, W├Ąrme.

Wieso das Bild mit der gro├čen
Einschulungst├╝te vor der
Kirchent├╝r, das was ich verga├č.

Friedrich hielt uns eine Kerze vor,
sagt Paris - wehe die Flamme erlischt,
ohne Hauch sprichst du, Paris.

(Je suis bien ... si tard ma premi├Ęre lettre
mais je vous... de vous envoyer
bientot la seconde).

Das Bild am Ende der Stra├če
im Winter, die Begrenzung, du mit dem Eis,
nah, gestern noch standen wir dort.

Neue Wallstra├če zu diesen
Tr├Ąumen, damals Aircondition
war eine Welt neben den Schei├čh├Ąusern.

Damals gab es in der Woche Sonnabend,
am Abend: ich a├č und ha├čte -
verachtete. Einsamkeit hat auch sein Beginn.

Dort zu stehen unter den
stampfenden, wiegenden Gestalten,
Lemuren, Blitzlicht erstarrt.

Niemand strich mir ├╝ber die Wangen
so wie du, wiegte mich in den
Schlaf, niemand unter dem Himmel.

Dunkel das Wasser im Stadtgraben
in ihm spiegelten sich die herabh├Ąngenden
Zweige der alten Trauerweide.

Sonderbar ├╝ber die gefrorenen Fl├╝sse
zu laufen, unter uns finstergr├╝ner Abgrund
ungewohnte, fremde Sicht.

Meist fror ich, froh hinaus-
sehen zu k├Ânnen in die wei├če
winterliche Welt aus der W├Ąrme.

Am Tisch sitzen, manchmal,
Sonntags, an dem runden Tisch, Ekel
vor dem Fleisch, man bringt mich zu Bett.

In der kleinen K├╝che, drau├čen singt
Bernd zu der Gitarre,
Gro├čmutter streicht mir ├╝bers Haar.

Vater teilt, d├Ąmmrige Stunde,
w├Ąhrend des Abendessens
seh ich mich neu, verwundert.

Schach spielen, es stinkt
und Jever, B. ruft an,
versteht was ich nicht verstand.

Stille, lange Sonnabende,
um vier wurde es Nacht
unter den Laternen zog Nebel vorbei.

Neben mir, sah mir zu
der Tag, das Erschrecken, du,
so mu├čt du leben und kommst nicht davon.

Und die Ruhe, mag es sein,
das seltene Durchatmen, keine Sonne,
Herbst war es, blieb Herbst.

Zu meinen Geburtstagen fielen die
ersten Bl├Ątter, Kastanien, in den N├Ąchten
wurde es kalt, Jahr f├╝r Jahr.

Der Traum blieb New York,
noch in Lederhosen fuhren wir hinauf
wie zu den Wolken, Empire State Building.

Damals hatten Wolken Gesichter, langsam
w├Ąhrend man wartete, zogen sie vorbei
mit den endlosen Stunden, als w├Ąren es Berge.

Myers Rum, Essig tranken wir draus,
f├╝rchterlich, die Zeit am Nachmittag, so fr├╝h
ohne Sinn, Reise in mir fort.

R├Ątselhaft, fremde Lippen zum
immersteten Tr├Ąumen, keine Zeit
ist ├Ąhnlich ihrem ersten Mal.

Unter dem Schatten der Buche
rechts vom Becken, der erste
Sprung vom 3-Meter-Brett.

An der wei├čgekalkten Wand zu sitzen
in praller Sonne, Mukueis,
Stunden entfernt von der Nacht.

Der lange schw├╝le Weg zur├╝ck
endlos bis zur Aue zum Wall
hinauf die staubige, steile Stra├če.

Der Fabrikant mit den dummen S├Âhnen,
Bürgermeisterknaben, Ärzte mit Friedhof,
wie ihre V├Ąter zu werden, schmaler Mund.

Das muffige Treppenhaus, hoch wie hier,
die erste Wohnung, die mir wirklich gefiel,
der riesige Balkon, mit dem Blick zu dir.

Wechselnde Feiern, und Namen, Spiele,
f├╝r alles zu haben, Dachb├Âden,
das war alles, und Popcorn.

Vier Ecken Raten, Tee und mehr
im Gelausche, verschwindende Grenzen
zwischen ihm und ihr. Musik.

Die Zeit dort vorbei,
andere, weite Stra├čen zu sehen,
ein Wind in den Bl├Ąttern.

Zu lesen in der dunklen Stube,
spannend und verboten, wie jede Freiheit
erreichbar wenn man will.

Als Gro├čmutter starb im oberen Zimmer,
was lange w├Ąhrt wird endlich gut,
am n├Ąchsten Tag war Schnee, der See fror zu.

Das war ein seltsamer Traum,
als wollte sie mich besuchen,
T├Âne und Bilder, fern, neu, ungeh├Ârt.

F├╝r immer das Bild der wei├če Hof
schneebedeckt der gro├če helle Mond
steh ich im kleinen Zimmer am Fenster.

Am Hafen das lange Ruderhaus,
der Hohlweg, der Stein auf der Landspitze
mit der Bank, geritzte Spr├╝che.

Wilder B├╝rgerpark, zugewachsen die
schmalen Trampelpfade, umgest├╝rzte,
verfaulte B├Ąume, sie traf ihn dort.

Moonlight / Sunshine, simple Melodien,
im Studio 65, Tillyklause,
wo wir Remmer hatten und Politik.

Unter den Sternen das Kotzen,
die Sonntagmorgende in der Bank, links,
sang und meistens war mir schlecht.

Heizen, im Winter, allein am Tag,
nur die Katze streicht herum,
w├╝nschen, das es spukt.

Dunkle Tage, Schneetreiben, alle
Fenster hell, Stra├čenlaternen, Lange Stra├če
hinunter, hinauf, zur├╝ck aus der Stadt.

Und das Fahren im Zug, Holzb├Ąnke,
G├Ąhnen, keine Zeit vergeht, die Fenster
sind feucht, dunkel dahinter, der Wald.

Die kleine Stadt mit dem Storch,
Sommergewitter, am Sonntag verlassene Stra├čen,
Hopper hat sie gemalt.

In Wirklichkeit ist keiner jener Tage.
Fremd und fern in mir
wie Tr├Ąume der vergangenen Nacht.

Eingebrannte Wege durch den Sonntag,
hei├č, auch schon eine Sauna, zu Fu├č
durch die Sonne zur├╝ck.

Sp├Ąter durch die Nacht dann doch,
Karin sitzt gegen├╝ber,
ein Aufgu├č denk ich, k├Ânnt helfen.

Atta unsar thu in himinam,
durchs Fenster links ein mildes Licht,
leise sprach er mit seiner gro├čen Stimme.

Manchmal, trotz Verbot, Milch holen,
vorbei bei Hindenburg, solche Sommer
kennen keine, wenn die Bl├Ątter treiben.

Und hinaus zu lauschen, im Winter,
wenn alles schl├Ąft, Geschichten kommen
wie Tr├Ąume, Schmetterling lebt.

Die Reise zur Nordsee, auf Stroh im Zelt
zu schlafen, salziges, tr├╝bes Meer,
als w├Ąr ich dort gewollt, da war ich.

Die Reise nach Hamburg, Neugraben,
Sachsenwald, Ruth telefoniert, ich sehe Schwiers ,
das war ein erstes Lachen in dieser Stadt.

In der Stille h├Ârbar Regen am Fenster,
im Sommer zu den Schreberg├Ąrten:
gelbe Pflaumen, staubige Stra├čen, Sonntage.

Wenn ich schlief, der Sprung
├╝ber den Zaun, der Weg war unendlich
bis zur Br├╝cke, mit nackten F├╝├čen.

Asche, R├Âhre, wei├č gekalkt, neben
den Gast├╝rmen, Regentage wie andere,
Sinn, am noch unbekannten Berg.

Lang war der Weg nur f├╝r Kinderbeine,
am Eismann und Milchmann vorbei
zur Langen Stra├če, Richtung Weser.

Buttereiche und Puls, voller Menschen,
eingezw├Ąngt summte ich Lieder,
aus der hellen Stra├če den Wall hinunter.

Vor Weihnachten war es dunkel vor vier,
an den Stra├čenr├Ąndern Schneeberge,
die Weser runterrutschen, da├č mir der Atem stockte.

Kalt waren solche Tage, ich, der immer fror,
und liebte, wenn sie mit dem Kopf zur├╝ckgelehnt
stand, im Advent, lauschte still dem Chor.

Drachen steigen - kann man lassen,
Gewichte, das ist neu, die nach oben ziehn,
wie in der Algebra, dachte ich.

Der Baum ├╝ber der Aue,
schr├Ąg, zwei ├äste zum Klettern, die
Ketten, hier und dort vor dem Flu├č.

Winter, und Tanz mit ihr, vorbei
an der Bar, dem Ofen, 18 Uhr,
Gerd Ruges Radiobericht aus Moskau.

Einen toten Vogel zu begraben,
hinter dem Schuppen, dorthin kommen die Gro├čen nie,
ein kleines Kreuz, fl├╝chtiges Gebet, sind wie sie.

Sah noch das Fenster, Sp├╝lbecken,
links der Herd, dort war es immer warm,
und dunkel, fern was niemand lehrt.

Peugeot 404 f├Ąhrt um den Block,
Herbst, der Wind legt Laub uns vor die F├╝├če,
sie versteht nicht, es k├Ânnte Winter werden.

Wein, das einzige Haus wohl,
an dem er wuchs, sauer und hutzlig,
verteilte seine Spielkiste, zum Tod seiner Eltern.

Die armen Kinder im Kindergarten,
ein Zaun als w├Ąr's und war's: ein Gef├Ąngnis,
da├č nur dort, w├Ąre eine Katastrophe.

Die Scheiben beschlagen von innen
in jenem Herbst, an der Zelle kam ich vorbei
Abend f├╝r Abend, bis dorthin begleitest du mich.

Noch fern das Bad, hei├č ungewohnt,
der Kachelgeruch, feucht, warme Nebelluft,
so nah von zuhaus, wurde nie wiederholt.

Tanzen im Zimmer, genau da, da war
wie immer ein fast, ein Riegel, ein liegen
auf Stroh, Doris vielleicht, wer war's?

Im Bahnhof den Schaukasten h├Ąmmern,
Bette Davis, Ben Hur und Moses,
anschlie├čend manchmal Bratwurst, oder Micky Maus.

Der Gang durch die Baracken,
jenseits der Kampstra├če wo es roch
nach Kohl und die Tritte dr├Âhnten ├╝ber das Holz.

Jederzeit war dort zu kaufen, das Zimmer
ein Warenlager, ein Tresen nahe der T├╝r,
im Hintergrund spielende Kinder.

Tr├Ąume spielen um dieses Viertel,
Wiesen und Schlamm zwischen den Holzh├Ąusern,
weitl├Ąufig wie ein Nieders├Ąchsisches Langhaus.

Die Gitter zu ├╝berklettern, mein Sport,
Speere, nebeneinanderstehend, ein Schlo├č,
dortherunter kam Vater, trieb die Katze ihre Beute.

Ihm trug ich nichts nach, wir waren weit weg
von ihm, lebten hier, ihn trug in der Mitte des Lebens
jedes Gespr├Ąch aus allem Lachen, f├╝r nichts.

Die Sonntag Nachmittage, wir a├čen um halb eins,
dann schl├Ąft das Haus, ich sa├č und sah hinaus,
wenn es regnete und Autos langsam fuhren vorbei.

Pfingstsonntag war wohl der erste Kinogang,
nach der Kinderzeit voller freier Filme,
die erste eigene Reise, aus deren Stadt.

Mit dem Taunus zum Zoo,
wunderte mich welche Knochen aus dem Kopf wachsen,
erz├Ąhlte man mir, nichts mehr in mir.

Die Reise nach Braunschweig doch, die
vielen Stufen hinauf zur Wohnung,
so vielleicht wird es ihn erinnern an Berlin.

Und nach Bremen, die Klasse,
Roland war der Gr├Â├čte, wenn man w├╝├čte
wie sehr in der Zukunft liegt, die Liebe zur Stadt.

Aufs Eis zu springen, dunkle K├Ąlte,
die, die immer kreisten in weiten B├Âgen,
dort, wo sie schwebten und ich war.

Es ist neben dem Leben ein anderes,
das es betrachtet und wei├č im Herzen
wohin es will und langsam folgt.

Der Weg vorbei an der Gaslaterne,
neben dem Fu├čweg die Schneeberge, dunkel neblig,
zur├╝ck, menschenleer und frostig, der gl├╝hende Ofen.

Der Geruch, Laub, als ich
auf der Wiese, da war
noch Nebel ├╝ber dem Feld.

Fast nur Herbst, die M├Ądchen
tragen M├Ąntel, in Rot, B├Ąume,
Flu├č, ich kam nicht n├Ąher.

Sie werfen ihre Geldscheine in K├Ârbe,
dazu Musik, riesengro├č auf der Leinwand,
die vorbeihetzenden Menschen, Ungarn, Wochenschau.

Unter dem Dach war es stickig, hei├č,
Briefe, Berlin Notopfer - 2 Pfennig, Spinnen,
staubig, fern, damals noch keine Gedanken an Sylt.

Da war niemand neben mir,
Herbst wie heut, unrasiert, zum Garten
das Fenster, kalt immer, gefroren das Land.

Seltsamer M├Ądchengang, sie schob
ihren Unterk├Ârper vor wie andere die Lippe,
sie sprach kein Wort, schaute nur zur Stra├če.

Das war nicht hier, der kleine Tod,
ein Nachmittag im sp├Ąten Sommer, kurz vor
dem Umzug, als w├╝rde es Licht.

Bitter, wahr zu werden, und niemals zu wissen,
es war immer ein Verstecken, sp├Ąter in Hamburg
erinnerte mich daran deine Nacht.

Wir fahren nach M├╝nchen, sie sa├č neben mir
Kretschmer und der Malventee, rot,
nach der Nacht machte es krank.

So m├╝de, im Zug zur├╝ck, ein Bild
zwischen ihm und ihm, das
ich verschenkte im Fr├╝hling am Stahnwall.

Wir schossen mit Stahlzwingen,
die gab's bei Goldeway, recht billig,
niemand verlor sein Gesicht, na also.

Vor dem alten Baum ├╝ber den schmalen Flu├č
sa├č ich oft, er war alt und knorrig,
das Ufer voller Schlamm und Patronen.

Die Patronen konnte man bei der Polizei abgeben,
Pickelhaube, Laternen beschie├čen oder,
wie macht man das, Knallgas in Flaschen.

Sie rief ich an, Film-Eck
w├╝rde sie mich treffen,
und sie kam, sah wie sie suchte.

Alsterwasser trank ich mit dreizehn,
Doppelkopf mit den von den D├Ârfern,
bis die Busse fuhren.

Das Haus war immer dunkel,
die Treppe hinauf, oben,
dort drunten, manche aber.

Kr├Ąnze aus Margeriten und Z├Âpfe,
geflochten, sp├Ąt schnitt sie sie ab,
wovon sie tr├Ąumte erfuhr ich nie.

So ferne Spiele in den Zimmern,
ein Leben lang der Versuch
wieder Kind zu werden bis zum Tod.

Versunken in eine Idee,
jenseits dieser Welt,
spielt das Kind, es schl├Ąft.

Wir schwiegen zusammen,
aufgeschreckt an der sch├Ânen neuen Welt,
bis sie uns wieder verlie├čen.

Agricola hei├čt der Bauer,
z├Ąhlte mich nie dazu,
alt waren sie f├╝r mich.

Sie trug schwarz solange ich mich erinnere,
gern ging ich mit ihr am Sonntag den Weg,
auch damals November, fern jedes neue Jahr.

Das Urteil was macht man danach,
erstaunt, verst├Ârt, verwundet,
noch einmal lesen, es bleibt.

Z├Ąhlte sie nicht, sechzehn Cola-Rum,
oder so, h├Ârte nur zu,
sie erz├Ąhlte, ich hellwach.

Schnee, wenn ich daran denke,
auf die Stufen, dunkle Halle,
hohe Fenster, Postwertzeichen.

Seltsamer, fahler Park, hier ist Sommer,
und doch schon dunkel am fr├╝hen Abend,
sie kommt, zu dritt zur Musik.

Der kleine Laden linker Hand
Amerikaner gab es dort, voller Zuckergu├č -
grau, voller Kr├╝ppel, war damals die Stadt.

Blinde mit Hund, bettelnd am Wege,
amputiert, beide Beine bis zum Ges├Ą├č,
auf kleinem Wagen, mit den H├Ąnden gehend.

Und sie in ihrer gro├čen Ruhe, sie sprach
mit mir, dem Kind, das ich war,
als w├Ąr ich bereits fort aus dieser Stadt.

Rechts, Richtung Niemandsland, war ich zu oft,
sah mich, im Spiegel schon ging ich zur├╝ck,
neben dem Klavier der B├╝rgerwald, seine alten Wege.

Die Dielen schwankten seitw├Ąrts zum Fenster,
ein einziges Mal ging ich hinauf,
alles mit ihr war Erdbeben.

Alles schwarz/wei├č, jeder Blick,
auf dem Hof links war die Steintreppe,
in meinem R├╝cken das niedrige Fenster, vor mir sie.

Manche Bilder, Traum, - Katze f├Ąllt,
Hubschrauber von rechts, Regenbogen ├╝bers Dach,
im Keller die Spinnen, Elke, meine Hand.

Hier war ich nie, nicht dort wo andere waren,
im Kino, Silvesterschlo├č, wenn ich dort stand,
sah mich, als w├Ąr selbst ein Besuch zu viel.

Im November, wenn es dunkel wird,
stehen beim Gr├╝├čen der Bekannten
die alten Geb├Ąude vor mir auf, schneebedeckt.

Der lange dunkle Wall, rechts der hellen Stra├če,
der Schwulentreff, links, Martini-Caf├ę,
B├Ąume neu gepflanzt, d├╝rr wie ich selbst.

Die Beklemmung vor dem Seil, der
Griff ins schmerzende Genick,
die hohen, breiten Steintreppen.

Als ich die Tasche fand,
erinnerte die Vereinbarung,
solche Tage sind im Herbst.

Barfu├č die kurze Stra├če hinunter,
warm noch im Gewitter waren die Steine,
am Abend beim Murmelspiel.

Glocke von St. Martin, die Sirenen
Sonnabend um zw├Âlf, lange Reihe der Verk├Ąufer,
Pestkorb ├╝ber uns, Eierverk├Ąufer.

Geschenk, Weihnachten, wie sie feiern,
wei├č ich nicht, und dachte manchmal,
blind, da├č ich ihre Freude nicht empfand.

Und nicht trauerte um die Toten,
sondern Angst sp├╝rte vor ihrem Anblick
und floh in den kalten Januarmorgen.

Da├č ich nicht bleiben mochte bei ihnen
war ein fr├╝her Gedanke, wunderlich,
ihre Umz├╝ge mit Weihrauch und Altar.

Schwarz ging sie gekleidet, jede Stunde,
und ohne bitteres Pulver, da├č ich ihr gab auf dem L├Âffel
konnte sie nicht leben einen Tag.

Mit solchem Schild und Schwert
zu spielen, das war von ihm
der alles gab wenn er nur weniges hatte.

Ich war ihm fremd als w├Ąr's sein Feind,
auch wenn er sprach und sein Gebet
war mir als m├╝├čt ich gehn.

Ein K├Ânig, der nur Knecht und
beides nicht gewollt, am Ende
ging, betrunken, ohne Welt.

Niemand sah zu, nur das Ged├Ąchtnis,
einsame, verlorene Spiele,
beides geschah, der Tod danach.

Links das Haus, die Treppe,
im Pagenschnitt, und was sie sagte,
ganz vergessen, war nichts.

Auf einer Bank, sie das Kind,
die Stra├če nach Uhland benannt
fast ein Abschied.

Eine h├Âlzerne Br├╝cke, solche
Morgen gibt es nur in schwarz/wei├č,
staubiger, hei├čer Tag.

Hier war es ohne Licht,
kein Weg, nur die Erinnerung
nahm Schritt f├╝r Schritt.

Und hier auch, einmal nur,
Das Gehen in meiner Hand,
stolpernd, in tiefer Nacht.

Auf Island ein Mooshaus,
mit B├╝chern voll, Schafe,
Butler soll werden, du oder ich.

Vorbei. Im B├╝rgerpark Musik,
an ihren Zelten und Treiben vorbei
dort schon, die zweite H├Ąlfte begann.

Vorbei: an Stadtgraben und Schule,
rechts unter dem Arm eine Mappe,
keinem sah ich ins Gesicht.

Das war der Beginn:
ohne W├Ąchter wollte ich leben,
da├č machte mich dazu.

Ein Rot, Mohn wenn er reift,
in dunkler Zeit, Regen f├Ąllt in einen Park,
Schw├Ąne, mein Weg, allezeit.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur├╝ck zu:  Experimentelle Lyrik Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!