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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Stadtgedanken II.
Eingestellt am 23. 04. 2017 14:59


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klaatu
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Stadtgedanken II.

Im Bus (genannt „City-Shuttle“):
Ich rieche die Achtziger Jahre in den Sitzpolstern,
zweibeinige DrĂŒsen, das Aroma von Affen
und mich selbst hundertfach verstÀrkt.
Ich bin mir sicher,
der Busfahrer trÀumt davon,
das Gaspedal einfach durchzutreten
und dem Ganzen ein Ende zu setzen.
Ich weiß, ich wĂŒrde es.

Ich hatte was gespart,
um mir ein wenig Spaß zu kaufen,
doch als ich die Preise im Spaßshop sehe,
vergeht mir das Lachen.
Also treibe ich ziellos durch die Menschenwellen,
wie ein Hamster in einer Kokosnussschale.

Ein großer Hund lĂ€uft vorbei
und wir nehmen Blickkontakt auf.
Er an der Leine – ich nicht.
In seinen grauen Augen Mitleid.

Mir wachsen tausend Augen
und tausend Ohren.

Ich sehe MĂ€nner in fadenscheinigen AnzĂŒgen,
die in der FußgĂ€ngerzone FĂŒnf-Minuten-Seminare anbieten
(„Wie man mit der Dummheit anderer zum MillionĂ€r wird“).
Ich sehe Frauen mit sprechenden Schuhen
und taubstummen Leggins.
Ich sehe einen Maskierten,
der eine Bank mit einer Waffe betritt
und sie mit einem Bausparvertrag verlÀsst.

Der hier hat es verstanden:
Ein kleiner Junge wirft sich vor seiner Mutter auf den Boden und kreischt theatralisch. Er wolle nach Hause, sofort. Von allen Menschen hier, scheint er mir der vernĂŒnftigste.

Straßenmusiker spielen fröhliche Musik
(Darf man eigentlich noch Zigeuner sagen?)
und ich denke an die letzten Minuten auf der Titanic.
Jetzt erste sehe ich es:
Der Boden unter mir
besteht aus den festgestampften Leibern der Gefallenen
und lÀuft sich erstaunlich angenehm.

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Tula
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Hallo klaatu

gefÀllt mir besser als "Stadtgedanken I". Es baut sich in der Tat wie (zuerst die Fahrt mit dem Bus und dann) ein Spaziergang durch die Innenstadt auf, hat also den inhaltlichen 'Faden', den ich im ersten etwas vermisste.

Schöne skurrile (und doch so wahrhaftige!) Bilder; jemand der noch mit offenen Augen und Ohren (und Hirn) herumlÀuft.

LG
Tula

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klaatu
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Registriert: Jan 2017

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Hey Tula,

mit einem offenen Hirn renne ich zum GlĂŒck nicht rum. WĂ€re auch nicht gut fĂŒr meine Umwelt, wenn der ganze Wahnsinn ungefiltert nach außen dringen wĂŒrde... Habe mir die Kritik am ersten Part zu Herzen genommen und es diesmal etwas kĂŒrzer und etwas chronologischer gehalten.

Danke fĂŒrÂŽs Lesen und Kommentieren!

Liebe GrĂŒĂŸe

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