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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Stadtgraben 1
Eingestellt am 11. 06. 2002 14:07


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Routinierter Autor
Registriert: Apr 2002

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Kornblumen sind nur in der
Erinnerung noch, als Tage begannen
wie eine lange, lange Reise.

Staub an den Landwegen,
das Gezirpe, verdorrtes, gelbes Gras,
mit dir meine Zeit auf der Schaukel.

Stille am Abend, Stoppelfelder,
wo wir Laub abbrannten, Kartoffeln,
die uns die Lippen versengten.

Stege, Wege, nur f├╝r mich,
entlang der Weser, Muscheln,
Wellenschlag der Kutter.

Im kleinen Hafen, nach Westen,
hinter dem Findling, zu sitzen,
mit neuen, verwirrenden Namen.

Atemlos spielen auf der Eisdecke,
sie war so fest in meinem Traum
und brach als ich erwachte.

Bis der Sommer verschwand,
versteckten wir uns am Tage,
unter wildem Rhabarber.

Fl├╝chteten ├╝ber verbotene Z├Ąune
in das wirre Paradies des Englischen Gartens
zu den Rosen der bewachsenen Seen.

So fern war dieser Ort wie das Meer,
einmal fuhren wir dort im Gewitter,
Salz und tote Wespen, Schlaf.

Wir zerschossen blinde Fenster,
die schw├╝le Mittagszeit, betrachten
das Treiben der Schw├Ąne.

Von Mauern in Sandberge zu springen,
fror auf der Wanderung im Schnee
als einziger, fremd auf dem Weg.

Die Fahrt mit dem Rad, Schrebergarten,
hin und her zwischen beiden,
Kirschb├Ąume auf den Wegen.

Grillengesang und die Suche danach,
Lupinen wurden untergegraben,
Kartoffelk├Ąfer zertreten am Weg.

Blumen und Efeu, Holz f├╝r den Winter,
die H├╝tte vergeblich gebaut,
fern und hei├č die Sonne am Sommerabend.

Wie der Weg die Weser entlang,
vorbei an den Fabriken, dem Galgenberg,
und links der Riese, Stelzen und beizender Gestank.

So hoch war kein Sommer mehr
barfu├č ├╝ber den steinigen Platz
menschenleer um Mittag alle Wege.

Mit dem Gesicht zu den Wolken
sich erz├Ąhlend ihre wechselnde Gestalt,
Zeiten, so weit, kommende Geschichten.

Niemand gleicht diesem Verstummen
der sp├Ąten Jahre, wie fern, am Ende
liegen Schnee und Frost alter Stra├čen.

Und wie fern was ich niemals verga├č
ein Weg zum Verwundern,
das Rot in dem du geh├╝llt.

Der Blick hinaus in den Garten,
im Oktober, alles erfriert, leer
alle Gedanken nur an dich.

Wir gehen ums Karree, ein
Peugeot 404, schwarz, f├Ąhrt
uns langsam entgegen.

Tr├Ąume von mir, vor
dem Film-Eck treffen sich H├Ąnde
in deinem Mantel.

Mit dem Fahrrad im August
auf die Felder, hei├č, ihre
Milch und Brombeeren.

Bezahlt mit einer gro├čen M├╝nze
kamst du dir vor, kniend
vor dir auf dem Boden.

So warst du Kind und fern in dir
wie ein Hauch lag
ein Vergessen von Engeln.

Auf dem Hof, ein Ku├č, nach
dem die Blicke gehn bei
jedem neuen Versuch.

Frei, damals, waren die Wege
in dir, bis du von den Sternen erwachtest
erschrocken bis auf den Verstand.

Verloren gl├Ąnzt jener Streifen
D├Ąmmerung her├╝ber, der Weg durch Schnee
von der Schlittenfahrt am Immergr├╝n.

Wie breit und wie steil war uns
jener leichte H├╝gel wie lang
der kurze Weg nach Haus.

Nacht lag ├╝ber dem Hof
unter dem Vollmond
ging die Katze ├╝ber den Schnee.

Eisblumen glitzerten an den Scheiben,
unter der Decke fuhren wir im
Panzer durch die eisige Nacht.

Unter mir spielten sie Skat
und fragten: wie ist es drau├čen,
klirrender Frost, sag ich, wer wechselt mich ab ?

Zwei St├╝mpfe als Unterleib,
der kleine Bettler, stand
auf einem rohgezimmerten Brett.

Der Gr├Â├čte in der Klasse
lie├č man mich in Ruhe, niemand,
den ich schlug.

Mit dem R├╝cken an die Tafel gelehnt,
in der noch d├Ąmmrigen Klasse,
stand sie und lauschte dem fernen Chor.

Einmal fuhr ich in die Wortstra├če,
├Ąngstlich, sie k├Ânnte mich entdecken,
und wollte sie k├Ąme.

Die Sonne ging unter jenseits der Weser,
stumm sa├čen wir und ich lauschte
den Worten nach: l'oiseau-mouche.

Ein Dachziegel erschlug ihn,
der nicht bezahlen wollte,
so, sprach man, sterben die Freimaurer.

Nach Hamburg, dorthin f├Ąhrt die Klasse,
und mit den Bus vorbei, langsam, die Herbertstra├če,
durch den Tunnel, Bilder einer Hafenrundfahrt.

Das Gespr├Ąch an der Bushaltestelle,
nachts, verloren, bis auf einmal,
da kamst du vorbei.

1970, Sommer, ich sa├č auf dem Fu├čboden,
das Freigef├╝hl, lachend ├╝ber
alle Tage, wei├če, schnelle Schuhe, war ich weg.

Ein Fahrrad war zwischen uns
w├Ąhrend des ganzen Weges, dieser Dienstag,
das war leicht zu umgehen.

Und einmal, durch den wilden B├╝rgerpark
ging ich, und sah eure Zeichen
liegen auf dem Weg wie eine Strafe.

Als der Steg noch war, hinterm Haus,
mein Englisch war zu schlecht,
verwundert, blickt sie auf meine Hand.

Vorbei an der wei├čen Perdoni-Wand,
Menschen, Autos, Pferde, zum Milchladen,
still der Verkehr, oder ich w├Ąre tot.

Die roten Goldfische im Bassin
waren so wichtig wie das Eis, sie
im hellen Kleid und ich verdunkelt.

Gro├čmutter in ihrem Ohrensessel,
neben dem Radio, das gr├╝ne, gl├╝hende Auge,
still, aus Moskau der Kommentar, Vater horcht, Ruge spricht.

So fern sind die Kindertotenkl├Ąnge
bei dir, mit ihrem durchsichtigen Kleid
kam sie und sa├č neben uns eine Weile.

B├╝cher gelesen, gesammelt seit ich mich wei├č,
vergessen, wie auch die anderen vergessen werden,
mit dem es begann.

Karl May, Hornblower, dann Science Fiction,
sie hatte ein blaues Kleid, wei├čbepunktet,
ich, der einzige Spiegel-leser dort.

Sie war zweifach, vielleicht, nichts,
nach dem langen, hei├čen Spaziergang,
langer Damm: Agenten sterben einsam.

Als ich Goyas Erschie├čung malte
und nachdachte ├╝ber Hannibal und Hollywood-Kino
war mir eine T├╝r offen wie eine Selbstverst├Ąndlichkeit.

Wei├čt du wieviel Sterne stehen sang ich,
die Nacht davor, bleich wie das Licht des Mondes,
im kleinen Zimmer, bis ich schlief.

Weihnacht, der ruhige Weg durch den frischen Schnee,
an meinem Arm deine Hand, es war glatt,
menschenleer, und dunkel dein Lachen.

Diese hei├čen, langen Sonnabende, jeder
Weg hatte seine Schrecken, alles
geschah was noch Traum ist.

Nougatmilch trank ich am liebsten,
Nighthawks, vielleicht dort
hat alles Verwunderliche begonnen.

Ein kleines Rumglas mit einem Zuckerst├╝ck
am Sonntagnachmittag, der Glasschrank
voller Porzellant├Ąsschen und Kitsch.

Als er begraben worden war,
wie Kinder liefen wir nach
all den schweren, dunklen Ges├Ąngen.

Beifall f├╝r das Normale ich
hatte das nicht erwartet
verbl├╝fft lauschte ich dem Blinden K├Ânig.

Maggisuppenw├╝rfel, das erste Gef├╝hl
von Freiheit, die Idee, den Kinderwagen
als Pilotenkanzel.

Die Tage wie die Tr├Ąume heute,
und in ihm wach, wenn man durch Stra├čen ging,
da blieb nichts ungesehn.

Bucheckern lagen auf dem nackten Waldboden,
Licht durch die Äste, so sehen sie aus, dreieckig,
Vater stoppte ein Auto, dreir├Ądrig, Regen, Dunkelheit.

Es war als knipste er die Stra├čenr├Ąnder an,
im VW hinten sa├č ich, verloren, schwarze Nacht,
sp├Ąter lernte ich, es war ein Fu├čhebel.

Es waren die stillen Heimwege im Herbst,
bleiche Nebel ├╝ber den Wiesen zum B├╝rgerpark,
im eiskalten Zimmer, mit dem R├╝cken an der w├Ąrmenden Wand.

Links und rechts der Heizsonne war es bitterkalt,
splitternackt tanzte ich in dem W├Ąrmekegel,
wagte mich au├čerhalb wie ein Kind, floh schnell zur├╝ck.

Der Regensonntag, hin und wieder,
Ger├Ąusch von Reifen, links,
schreiben jetzt, was wird - vielleicht.

Verdammt in alle Ewigkeit
Pfingsten, warm wie fern
durch stille Stra├čen.

Oder Onibaba, keine Schauburg,
nur der Geschmack von Nougat,
schwere Vorh├Ąnge, wie sternenfern.

Weihnacht, wer kotzt, Wunderkerzen
Geruch, und Befreiung am Abend,
tauchend in den Brunnen, Jakob erz├Ąhlt.

Manchmal, nachts auf dem Hof, von
Schnee bedeckt, frierend im Nachthemd
unter dem Mond war ich froh.

Im Traum floh ich ├╝ber die Zaunt├╝r
├╝ber den Ascheplatz, Pf├╝tzen ausweichend,
├╝ber die Auebr├╝cke in einen Film.

Fu├čb├Ąder, Sauerkraut, Abwasch,
jedes eine eigene dicke Geschichte,
Kellergew├Âlbe: und B├Âden, Briefmarken.

Angst vorm Leeren des Briefkasten,
langsamer Weg nach Haus,
Vergeblichkeit zu begreifen, Freiheit.

Bei Ulrich B├╝cher gekauft,
Hutzelm├Ąnnchen hinter Gebirgen,
Studio 65, dort gabs andere Milch.

Niemand, Lange Theke, erinnert sich
wie ich: Tilly, wie sie hie├č.
Vorbei, Sir Winston.

Es ist in keine Hand geschrieben,
als ich den Wagen verlie├č,
wu├čten wir unsere Wege.

Dein Blick zur├╝ck von der Treppe
wie fern bist du, die Hand leicht erhoben,
f├╝r einen Augenblick steht die Welt still.

So ging ich nie zur├╝ck,
wie im Fieber, die Haut meint
sie hielte uns im Traum.

Monde seit dem sind vorbei,
schlaf, Engelein, schlaf,
wer schwingt sich: wei├čgedacht.

Mein B├Ąr, gelb, lang wie mein Arm,
Holzwolle, sonst nichts in ihm,
totes Brummen wenn man ihn warf.

Sylvester Weserschl├Â├čchen,
Schnee, in der Stille -
ferne, kommende Tage.

Minigolf mit ihr, die
gro├čen Augen ihres Kindes,
meine, von dem es bitter tr├Ąumte.

Im Ohr Alexanderplatz,
Tag f├╝r Tag las man mir
meine Verse.

Sonntagnachmittag, ferne Geschichten
im Radio M├╝llers Lied, da├č
ich Menschen sollte scheun.

Kopfsteinpflaster, etwas gew├Âlbt,
Gaslaterne, bleicher Schein im Schnee,
wie neue Jahre begannen.

Endlose Nacht, Geschichten zu
erz├Ąhlen, sich selbst wiegend
in dem Takt der Ahnung, frieren.

Wach lag ich lange, in der Nacht
als Gro├čmutter starb, besuchte sie mich
von ganz fern, sah meine Angst und lie├č es.

Am anderen Tag das stille Haus,
Schnee lag noch immer, kalt waren
die Stunden, gefroren zu Eis am Wall der See.

Sie sang Wei├čer als der Schnee, schlief
in ihrem Ohrensessel am Nachmittag, mit
mir auf dem Scho├č, neben dem magischen Auge.

Schwimmen, schwimmen, in eine neue Welt,
weites, fr├Âhliches Gef├╝hl, Waffelbruch,
halbnackte Zeit, liegen auf brandhei├čen Steinen.

Einmal herumgehen, wie weit, so viel zu
sehen, sitzen, schauen, schauen, die Zehnmeter-
springer, endloser, unbegrenzter Tag.

Die verlorenen Sonntage, im dunklen Anzug
die hei├če, staubige Stra├če entlang, durch
den Tunnel, den immer gleichen Weg.

Die Betontreppe hinauf, Bankreihen aus hellem Holz,
das alte Harmonium neben dem Altar,
bedeckt von einem gr├╝nen Tuch.

Kinderlieder, die sie dirigierte, die
letzten Worte am Kreuz, sagt meine
Schwester und deutet auf mich.

Bei Marchoni R├╝hreis, Skat, R├╝diger
gewinnt immer, selbstgew├Ąhlte Freistunde,
Sommer, Kirsten kommt und geht.

Traf ihn auf dem Stahnwall,
Gespr├Ąch ├╝ber Anz├╝ge, Stoffe, Krawatten,
vierzehn waren wir, an diesem Sonntag.

In der Pause, so mit nach Bonbon
schmeckenden Z├Ąhnen war Edda,
t├Ąglich Kaffee (mit Zucker) hinter der Scheibe.

Die hellen Pfingsttage,
leere Stra├čen, Sonnabende,
k├╝hler, dunkler Kinosaal.

Im Admiral zu fahren,
im Sommer durch Langendamm,
ferne, exotische Welt.

Nichts zusehen, im Keller,
rabenschwarz, nur f├╝hlen,
warm, nahezu unbekannt.

Die vier Stufen, grau,
am Abend, die Alte, zitternd
der Kopf, meine Frage.

Der Garten, Schuppen, der
Gang zwischen den H├Ąusern,
wo ich die Zwille vergrub.

Und Karin, die sich auf meine
F├╝├če setzte, die
Spiele, Kinderzeug.

Niemand in dieser Stadt
sah mehr, Kino, tote, leere
R├Ąume, Rauch, wie im Schlaf am Vorhang stehen.

Schneewei├če Locke, eine, im schwarzen Haar,
wir fuhren zum H├Ąmelsee, sah beide,
barfu├č im Himalaja, sind wie ein Gras.

Gespr├Ąch bevor der Bus kommt,
eine Zigarette verglimmt im Gras,
im Dunkel sind die Worte, ohne Gesicht.

Das bitterliche Hoffen auf den Tod des Vaters,
endloser schwarzer Garten, tr├╝ber Mond,
nicht abzuwaschen, mit wechselnden Kleidern.

So hoch zu werfen, im August die Kastanien,
mit Kn├╝ppeln und ├ästen herunterzurei├čen,
Sauerampfer zu essen, vergessen die Nacht.

Baumhoch ├╝ber der Aue, Vater ersoff
die Katzenjungen im Sack, am Abend
still lag der Platz, finster, niemand sprach.

Ein Platz, bedeckt mit Koksabfall, voller
Pf├╝tzen und L├Âcher, ein gr├╝ner Saum,
wilde Kamille, Gr├Ąser, wei├če R├Âhren.

Als wir Memory spielten:
da, zum letzten Mal, haben
wir die Welt wichtig genommen.

Dunkles Gew├Âlbe, in Reihen
mit Spinnenweben ├╝berzogen,
unter der Treppe wer wei├č was.

Schwert und Schild, ein
Teddyb├Ąr, Roller und Schachspiel,
Joseph und seine Br├╝der.

Kleine durchsichtige Spinnen um ihr
Muttertier, zwischen den Beinen
das Gef├╝hl alles zu k├Ânnen.

Auf dem Dachboden Briefe, M├╝ll,
Staub auf Truhen, Bilder, M├Âbelst├╝cke.
Stille, nur das Knacken der Diele.

1963 wird der Ton sch├Ąrfer im TV,
lauter die Kommentare, schlafe nicht,
Aus den nahen Lagern Panzerger├Ąusche.

Als sie ohnm├Ąchtig lag, sie
nur langsam erwachte verstand ich
alles was ich sah.

Zu schnell trank ich die Remmer,
R., wenn ich verschwand, hat
es am Ende verstanden.

Aus Island zur├╝ck, im
Saskatchewan, mit halben
Bart, so wollte ich mich immer f├╝hlen.

Kanzler, erz├Ąhlte er mir von Sigrid,
ich ├Âffnete den Mund, zeigte die Z├Ąhne,
so zu l├Ącheln und ging.

Staubig waren die Wege, steinig,
lautlos wo ich ging unter der
mir kaum vertrauten Sonne.

Das erste Foto, Schwester vor der
rotbraunen Mauer, seltsam schief
das L├Ącheln und Bild.

Langsamer Gang zum Briefkasten
jeder Schritt machte mich wacher
damals begann alle Bereitschaft.

Versuch. Hallo Allo. Hoch-
haus, dunkel, man konnte sich
den Hals brechen, Dingh Pingh Meh.

Lange Tage bei Cola
und Sonne, auf Steinen liegen,
ohne Gebet, alles fern.

K├╝che nannte man den Waschraum,
W├Ąrme, N├Ąsse, Dunkelheit,
dort war ich gern, vielleicht.

Der Hof voller W├Ąsche, Leine
neben Leine, lustiges Laufen
durch die Reihen, vorbei.

Wei├če Schw├Ąne, noch in der Nacht
sieht man sie, Hals und Kopf vergraben
im Gefieder, schwebend ├╝ber dem Teich.

Die Reise zum Big Apple, damit
begann jede Sehnsucht nach Stadt,
nach Weite und Verborgenheit.

Unerwartete Geschenke, Schild und Schwert,
Hesse Gesammelte Werke, Josephroman,
Schach - Monopolyspiel.

Tage, warm, auf der Wiese liegen,
im hellen warmen Licht, ohne Gedanken,
sie, vor dir, in zehn Jahren, New York.

Und dann die lange, staubige Stra├če
hinunter am Sonntag Nachmittag im
schwarzen Anzug, Onkel Tom.

Finsterer Oktobertag, dein Nebel
im Garten, kalt standen die B├Ąume,
schon am Morgen, Rauhreif auf allen Bl├╝ten.

Nach dem Gewitterregen stand das
Wasser bis zur ersten Treppenstufe,
warm h├╝llte die Luft die letzten Tropfen.

Mit zehn dachte ich alles zu kennen,
erinnere dich, Brigittes Entwurf,
der erste erfolgreiche Versuch.

Warme Luft, ├╝ber staubige Wege
in die Stadt, Sonntag Nachmittag,
verlassene Winkel, m├╝de.

Gedanken an das immerbewegte Ich
in den gro├čen, fernen St├Ądten
meiner zuk├╝nftigen Zeit.

Das Verenden der Spiele,
Sehnsucht nach den kopfbewegenden
Tr├Ąumen zur├╝ckliegender Jahre.

In den Pausen der Gang
zum Milchladen, vorbei am
M├Ądchengymnasium.

Das br├╝chige Eis, da war
ich noch klein, als ich spielte
und spielend beinahe ertrank.

Mir im Stacheldraht beide
Schenkel aufri├č, die Narben kamen sp├Ąter
und bleiben solang mir die Haut geh├Ârt.

Kindertotenlieder, seltsamer Gesang,
ungewohnt fremd, ein lichter Tag
fremd in der Idee, er verstand mehr.

Der Gang ├╝ber den Berg, dort
zeigte er, dort war ich Kind,
lief ich, trank ich, die erste Zigarette.

Nur die Ferne war konkret
'wenn ich mal gro├č bin'
alles war dann.

Der Ofen im kleinen Zimmer, manchmal
kochten wir dort, neben dem
stinkenden Aquarium.

Im rosa Hemd mit der Rose
zwischen den Z├Ąhnen, Tasche in
der Hand durch den Tunnel.

Sir Winston N├Ąchte,
Rum Cola bis in den Morgen
sie, im D├Ąmmerlicht, keinen Namen.

Unter dem Mistelzweig,
an diesem Sylvester war es bitterkalt,
Sekt an der Bar, v├Âllige Stille.

Oder Sonne, entlang der Aue,
knirschender Schnee, das ist kein Sand,
Ged├Ąchtnis, verlassene Ruhe, ein Wort.

Das Erschrecken, sich sehen in
den Fensterscheiben, das also,
so siehst du aus. Nie.

Und den Seilen zu folgen
in andere Gegenden, Gedanken
zu lesen, seltsam vertraut.

Sich trauen und leben
schwimmen, tauchen, dort,
endlich, alles zu k├Ânnen.

Vor der Scheibe zu stehen,
27┬░ Celsius, die hei├čen Steine unter dem Fu├č,
so wirst du leben, ohne Sieg.

Und kein Gehen, sehen,
sehen was kommt.
Und kein Bleiben, schreiben,
weiter, was war.

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Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

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Hallo, Lester,

ein sehr bemerkenswertes Gedicht, gut durchgehalten, mit vielen Bildern und recht ├╝berzeugend erscheint es mir.
Es scheint ein schwerm├╝tiges Gedicht zu sein, ein Gedicht vom Abschied. Bei der Erw├Ąhnung Goyas sehe ich vor mir Donatas Banionis in der Rolle von Goya, ich glaube in einem Film von Konrad Wolf, bin mir nicht v├Âllig sicher. Der Tod schwingt immer mit, doch auch die Hoffnung. Und am Ende wird die streng dreizeilige Struktur aufgel├Âst in vier Zeilen, gehen und sehen, Geh und Sieh!, und schreibe.

__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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lester
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2002

Werke: 50
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..danke f├╝r deine Anmerkung. ja, der 4-Zeiler markiert die Mitte von insgesamt 307 Versen. Leider passte der ganze Text nicht rein, mu├čte ihn teilen. Bin mir nicht sehr sicher, ob die Form und der (doch sehr private d.h nicht nachvollziehbare) Inhalt mehr bringt als nur eine gewisse 'Stimmung' beim Lesen.

Gru├č
lester

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