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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Stars and Stripes
Eingestellt am 11. 09. 2005 16:45


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Druckmaus
AutorenanwÀrter
Registriert: Aug 2005

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Stars and Stripes

Die Strecke zieht sich. Sie zieht sich wie Gummi. Ich kenne diese Strecke im Schlaf, sie zieht sich immer wie Gummi.
Ich fahre. Ich fahre wie erstarrt weiter.
Mein ganzer Körper ist angespannt. Schmerzhaft spĂŒre ich jeden einzelnen Muskel. Ich sitze verkrampft hinter dem Lenkrad und fahre. Ich fahre neunzig km/h. Bloß jetzt nicht zu schnell fahren denke ich und starre auf den Tacho.

Ich denke an Holger. Ob er mich wohl abholt denke ich.
Attention! Your are leaving the american sector.
Die Grenze kommt nÀher.
Ich kann den Kontrollpunkt bereits sehen. Ich halte an. Eine graue Uniform kommt auf mich zu.
Ich kurbele die rechte Scheibe meines Sciroccos herunter.
„Sind se allein im Wagen?“ Die Uniform steckt den Kopf halb durch das Fenster.
„Ja“ antworte ich artig und denke, dass siehste doch.
„Wo wollense denn hin?“ Er starrt mich an.
„Nach Berlin“ sage ich artig und fĂŒge hinzu: „West.“ Und denke, was geht dich das an.
„Fahrense ma rechts ran!“
Ich fahre wie befohlen rechts ran und denke auch das noch.
„Sooo, zeigen se ma ihre Papiere.“
Ich krame meinen Pass und FĂŒhrerschein aus dem grĂŒnen Nylonrucksack und denke dass hĂ€tteste auch gleich haben können.
„Hmhm.“ Er stiert mich an als stĂŒnde ich auf Platz eins einer internationalen Fahndungsliste von Interpol.
„Machense ma den Kofferraum auf.“
Vorsichtig steige ich aus meinem Wagen schleiche nach hinten, öffne langsam den Kofferraum und denke hoffentlich ist das bald vorbei.
Mein Brustkorb verengt sich, ich kann nur schwer atmen.

Er sieht hinein, zieht den schwarzen Veloursteppich hoch, leuchtet mit einem Handscheinwerfer jede Ecke des Kofferraums aus.
„Weiterfahren“, befiehlt er.
Ich springe hastig in meinen Wagen und versuche tief durchzuatmen.
Es gelingt mir nicht.
Ich fahre weiter.
Weiter neunzig km/h.
Meine schweißnassen HĂ€nde umklammern das schwarze Lenkrad, so als könnte ich es nicht loslassen.
Die Transitstrecke zieht sich wie Gummi. Wieder denke ich fahr bloß nicht schneller und starre unentwegt auf die Tachonadel.
Nach zwei Stunden endlich die Abzweigung. Geradeaus Ostberlin, rechts nach Berlin West. Ich fahre rechts ab. Hoffentlich holt mich Holger ab, denke ich.

Plötzlich sehe ich sie. Dahinten am Horizont weht sie majestĂ€tisch im lauen Wind. Stars and Stripes. Freiheit und UnabhĂ€ngigkeit. In mir wĂ€chst Vertrauen. Sie gibt mir Freiheit. Sie gibt mir Sicherheit. Sie nimmt mir die Angst. Ich kann wieder frei atmen. Ich atme tief und lange durch. Meine schweißnassen HĂ€nde lockern sich am Lenkrad. Gleich ist es geschafft denke ich.
Ein Soldat in amerikanischer Uniform winkt mich zur Seite.
Wieder kurbele ich das Fenster runter. Er fragt mich in fließendem Deutsch mit amerikanischem Akzent: “Sind sie belĂ€stigt worden?“
„ Nöö.“ Ich schĂŒttele den Kopf.
„Na dann viel Spaß und einen angenehmen Aufenthalt in Berlin.“
Ich fahre zĂŒgig weiter. Gott sei dank denke ich, es ist geschafft.
Hundert Meter weiter am Rastplatz entdecke ich Holger. Er wirbelt seine hochgerissenen Arme in der Luft umher und winkt krÀftig.
Ich bremse direkt neben ihm.
„ Hallo Schatz“, ruft er, und reißt die BeifahrertĂŒr auf.
Er stĂŒrzt sich ins Auto und schlingt seine stark behaarten Arme um meinen Hals.
„Na wars schlimm?“
Er hĂ€lt mich liebevoll im Arm und kĂŒsst mich zĂ€rtlich auf die Wange.
Ich entdecke auf dem Rasen ein junges PĂ€archen. Sie sitzen auf einer ausgebreiteten Wolldecke und picknicken. Sie lachen und unterhalten sich angeregt.
Ich genieße den Augenblick und fĂŒr einen Moment vergesse ich, dass ich mich auf einer Insel befinde.
Auf einer ungewollten Insel.
Übermorgen, ĂŒbermorgen werde ich die selbe Strecke wieder zurĂŒck nach Hause fahren mĂŒssen.


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F Fuller
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2005

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Hallo Druckmaus:

Die ersten beiden AbsÀtze erinnern mich an ein Lied, deren Strophen aus Wiederholungen eines Verses bestehen:

quote:
Die Strecke zieht sich. Sie zieht sich wie Gummi. Ich kenne diese Strecke im Schlaf, sie zieht sich immer wie Gummi.
Ich fahre. Ich fahre wie erstarrt weiter.

Ich wĂŒrde das etwas verkĂŒrzen, etwa so:
"Die Strecke zieht sich wie Gummi. Ich kenne diese Strecke im Schlaf, sie zieht sich immer wie Gummi.
Ich fahre wie erstarrt weiter."

Und dann die Frage: warum "wie erstarrt"?
FĂŒr mich ist jemand "wie erstarrt", wenn er gerade einen Schrecken bekommen hat. Ich denke eher, Dein Protagonist ist nur steif vom langen Sitzen.

quote:
Ich denke an Holger. Ob er mich wohl abholt denke ich.

Auch hier reicht m.E. ein Satz: "Ich denke an Holger und frage mich, er mich abholt."

"denke ich" kommt ĂŒberhaupt sehr hĂ€ufig vor. Ich finde das nicht sehr störend, denn die Story "lebt" von einer gewissen Monotonie (nĂ€mlich die der Fahrt). Blöd ist nur, dass an zwei Stellen zwischen dem "denke ich" und dem, was gedacht wird, keinerlei Zeichensetzung erfolgte. Das macht es manchmal etwas schwierig zu lesen.

quote:
Ich fahre wie befohlen rechts ran und denke auch das noch.
„Sooo, zeigen se ma ihre Papiere.“
Ich krame meinen Pass und FĂŒhrerschein aus dem grĂŒnen Nylonrucksack und denke dass hĂ€tteste auch gleich haben können.

Nach der Kontrolle erzÀhlt der Protagonist wieder, dass sich die Strecke zieht und er auf die Geschwindigkeit achten muss. Das verdeutlicht, wie monoton die Fahrt verlÀuft - gut!

Dann nur noch zwei kleine Fehlerchen:
"Hundert Meter weiter am Rastplatz entdecke ich Holger. Er wirbelt seine hochgerissenen Armen in der Luft umher und winkt krÀftig."

Nette kleine Geschichte!

Gruss
Fuller

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Druckmaus
AutorenanwÀrter
Registriert: Aug 2005

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Hallo Fuller,

ich danke Dir fĂŒr Deine konstruktive RĂŒckmeldung.
Ich freue mich, das die Geschichte Dir gefallen hat.

Gruß Druckmaus

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Corto
Guest
Registriert: Not Yet

Hi Druckmaus,

Text gefĂ€llt mir sehr gut. Im Gegensatz zu Fuller bevorzuge ich kurze SĂ€tze, vor allem wenn Gedanken wiedergegeben werden. Meine Gedanken kommen jedenfalls nicht ausformuliert und mit mehreren NebensĂ€tzen ans Tageslicht. Von daher wĂŒrde ich diesen Teil auch nicht zwingend Ă€ndern.

Diese Thematik an 9/11 und eine Woche vor der Bundestagswahl einzustellen, rief doch ein breites Grinsen bei mir hervor. Sehr gute Wahl!

Wir neigen dazu, zu schnell zu vergessen. Deine Reise in und durch die Vergangenheit ist ein gelungener Beitrag gegen das Vergessen!

*lg
Corto

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norge
Hobbydichter
Registriert: Nov 2004

Werke: 0
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hi druckmaus

klasse Geschichte, die gekonnt eingesetzten Wiederholungen gefallen mir sehr gut.

Nur Kleinigkeiten:

heißt es wirlich "den" tacho (meter)? oder das? inzwischen ist selbst ein grammatikfreak wie ich verunsichert ;-)

zweimal "artig antworten" nacheinander wĂŒrde ich etwas verĂ€ndern

einige Gedanken wĂŒrde ich in AnfĂŒhrungsstriche setzen, nicht immer, ich stehe auf so etwas, aber manchmal verwirrt es doch, wenn sie wie im Satzfluss eingesetzt werden und es kein satzfluss ist


Ich entdecke auf dem Rasen ein junges PĂ€archen. Sie sitzen auf einer ausgebreiteten Wolldecke und picknicken. Sie lachen und unterhalten sich angeregt.

fĂŒr deine geschichte ist dieser satz nicht wichtig, nett, aber nicht wichtig. WĂŒrde ihn fĂŒr andere forum als das der sds rausnehmen ;-)))
Aber das ist wie jede Meinung nur meine Meinung!

liebe GrĂŒĂŸe von norge aus dem ostfriesischen Norden
__________________
Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.

(Albert Einstein)

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Druckmaus
AutorenanwÀrter
Registriert: Aug 2005

Werke: 4
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Hallo norge,

vielen Dank fĂŒr deine RĂŒckmeldung. Ich werde mir deine VorschlĂ€ge durch den Kopf gehen lassen.

Ich entdecke auf dem Rasen ein junges PĂ€archen. Sie sitzen auf einer ausgebreiteten Wolldecke und picknicken. Sie lachen und unterhalten sich angeregt.

Der obige Satz mag vielleicht nicht wichtig sein. Ich finde das er die Geschichte ein wenig abrundet.


GrĂŒĂŸe Druckmaus
__________________
Ig/Druckmaus

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