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Leselupe.de > Humor und Satire
Staubiges
Eingestellt am 04. 03. 2011 21:11


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K├╝hn-Schierholz
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Staub

Ein einzelnes Staubkorn ist nur eine Winzigkeit. Viele Staubk├Ârner verursachen uns Unwohlsein. Manche Menschen sind sogar allergisch gegen Staub. Ist Staub in unseren Wohnungen, beginnen wir abzustauben. Wir wissen nat├╝rlich, dass sich immer wieder Staub absenken wird. Dann wiederholen wir den Vorgang. Meine Nachbarin behauptete, der Staub auf unseren Fenstern sei W├╝stenstaub aus der Sahara, der Hunderte von Kilometern durch die Luft getragen worden sei. Wie auch immer, der Staub und das Staubwischen ist eine ewige Last.

Unangenehm sind auch die Leute, die immer etwas abstauben wollen. Sie wollen etwas von uns haben, das wir vielleicht gar nicht abgeben wollen. Aber sie wollen nichts daf├╝r geben. In dem Fall ist es am besten, einfach nein sagen.

Aus manchem Staub entsteht aber neues Leben. Auch unser Leben w├Ąre gar nicht m├Âglich ohne diesen Staub, den die Bienen von einer Bl├╝te zur n├Ąchsten tragen. Nur wenn sie die Pflanzen best├Ąuben, k├Ânnen diese Fr├╝chte und Samen tragen. Was sollten die Tiere essen, was sollten wir essen, g├Ąbe es nicht diesen Staub?

Aber es gibt wohl nicht nur auf der Erde Staub. Ich habe auch schon einmal von Sternenstaub geh├Ârt. Das Wort h├Ârt sich gut an. Es befl├╝gelt die Fantasie. Es l├Ąsst mich tr├Ąumen. Ich stelle mir goldenen Staub vor. Wie sch├Ân. Aber was ist Sternenstaub wirklich? Ist das ├╝berhaupt Staub? Oder sind es viele, ganz kleine Sterne? Bevor ich mich hier als unwissend entlarve, mache ich mich mal lieber aus dem Staub! Tsch├╝ss und weg bin ich.



Version vom 04. 03. 2011 21:11

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Dominik Klama
???
Registriert: Nov 2008

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Stichwort Staub auf der Startseite ersp├Ąht. Musste ich sofort lesen, weil Staub einer der gr├Â├čeren Leidensverursacher meines Lebens ist. Da war ich dann etwas ennt├Ąuscht, dass du in der Verfahrensweise einer launigen Plauderei, bei der es eigentlich um gar nichts mehr als netten Zeitvertreib geht, so bald vom Hausstaub auf den Bl├╝ten-, schlie├člich Sternenstaub kommst, der schon gar nicht mehr real ist, sondern ein literarischer Vergleich.

Meine Wohnung ist sehr klein, dazu noch ├Ąu├čerst verwinkelt. Und ziemlich dunkel, weshalb genau vorgeschrieben ist, wo man die Arbeitszone errichten und die Ruhezone hin verweisen muss bzw. kann. Allerdings sind s├Ąmtliche Steckdosen und Telekommunikationsanschl├╝sse genau dort, wo man sie nicht ben├Âtigt. Ein Gewirr von Verl├Ąngerungskabeln ist also vorprogrammiert. Au├čerdem ist diese kleine Wohnung voll gestopft mit B├╝chern und Musik-CDs. F├╝r etliche davon war einfach nirgendwo mehr Raum, darum sind sie jetzt in Kartons unterm Bett versorgt. (Es gibt da den Merksatz: Vor allem arme Menschen haben Gegenst├Ąnde unterm Bett eingelagert. Und arme Menschen sitzen auf einem h├Âheren Haufen unn├╝tzen Krimskrams als Reiche.) Gerade diese Zone zwischen Matratzenunterseite und Schachteloberseite ist einer der beliebtesten Versammlungsr├Ąume f├╝r Staubpartikel.

Welche innerhalb des Hausen meist eine helle, wei├čliche, auch hellbr├Ąunliche Farbe annehmen, um, wenn sie ganz viele werden, schlie├člich eher schwarzgrau zu wirken. Und welche gr├Â├čtenteils kaum aus der Sahara stammen, dann w├Ąren sie gelb, sondern von einem selber: abgestorbene Hautzellen. Bzw. von den Textilien, die man am Leib hat.

Ich bin nicht die wunderbarste Hausfrau der Welt, aber ich komme meinen Pflichten ganz ordentlich nach, was Einkaufen, Kochen, Abwaschen, Aufr├Ąumen, Waschen angeht. Aber Staubwischen, Staubsaugen und nass Aufwischen, das hasse ich und finde tausend Gr├╝nde, es immer noch mal wieder zu vertagen. Da w├Ąchst die Staubschicht allenthalben. Diese Nachl├Ąssigkeit erkl├Ąrt sich aus dem Charakter der Wohnung. Er macht diese Arbeiten zur Tortur. Zumal da irgendwo immer noch weitere B├╝cherstapel sich auf dem Fu├čboden t├╝rmen (und einstauben), f├╝r die einfach nirgendwo Platz zu finden war. ("Ich muss einfach mal paar alte raussortieren, dann haben die wieder Platz.") Und zumal man ja nicht umhin kommt, heutzutage, Ger├Ąte wie Computer-Drucker und Internetmodeme vorzuhalten, die erstens weitere Kabel erfordern und zweitens ebenfalls recht staubattraktiv zu sein scheinen.

Wenn ich mal richtig gut sauber mache, was neulich der Fall war, dann ist das ein Gro├čkampftag bei mir und ich verzweifle jedes Mal und frage mich, ob ich eigentlich noch damit einverstanden bin, so eine elende Existenz zu f├╝hren. Bzw. was man dagegen tun k├Ânnte. Fenster nie mehr ├Âffnen hilft gar nichts. Hab ich schon probiert. Der Staub regnet an jeglichem Tag. Gestern gesaugt, morgen liegt wieder eine erste d├╝nne Staubdecke auf den Kacheln im Badezimmer. Einstauben ist eine der verl├Ąsslichsten Konstanten, die das menschliche Dasein kennt. Wenn man es so sieht: Doch sch├Ân, dass man sich auf manche Sachen immer noch feste verlassen kann.

Und es mahnt einen an die allegegenw├Ąrtige Entropie, die geneigt ist, die Welt nicht zu h├Âherer Ordnung, sondern zu h├Âherem Chaos "fortschreiten" zu lassen.

Man liest eigentlich recht wenig ├╝ber Staub. Aber wenn mal was irgendwo steht, bin ich gespannt. Darum erinnere ich mich nach langer Zeit immer noch an eine Stelle, die ich in dem Buch "Crisperanto" von Quentin Crisp las (Origialtitel: "The Naked Civil Servant").

Crisp war ein Londonder, der die l├Ąngste Zeit seines Lebens in New York verbrachte. Er erreichte ein biblisch hohes Alter. Es ist genau der "Englishman in New York", ├╝ber den Sting einen ziemlich bekannten Song gemacht hat. Crisp geh├Ârte zu diesen "typisch" britischen Exzentrikern, also im Grunde hatte er voll ne Meise, aber das mit ganz gro├čer Klasse und Unverfrorenheit.

Von eher proletarischer Herkunft, zog er sich das ganze Leben hindurch flamboyant an, schminkte sich auch und trat mit Bedacht "wie ein Lord" oder auch wie ein "Geniek├╝nstler" auf, als er das Letztere noch l├Ąngst nicht war. Vielmehr war er in seiner Jugend ganz einfach Strichjunge am Piccadily Circus und verdiente ansonsten Geld mit Sachen wie Blutspenden und Aktmodellstehen an der Kunstakademie oder Aushelfen beim Friseur. Auch sp├Ąter in New York kam er nie zu Wohlstand, sondern lebte in einer "elenden Bude" - wie ich. Obwohl er jetzt allm├Ąhlich weltber├╝hmt wurde, vor allem mit seiner Autobiografie, dem erw├Ąhnten "nackten B├╝rgerdiensteleister". Das Buch wurde verfilmt, im Alter wurde Crisp sogar selber noch Filmschauspieler (in kleineres Rollen), zuletzt wohl zu sehen in der "Orlando"-Verfilmung von Sally Potter. N├Ąmlich als Queen Elizabeth, die Erste.

In dem Buch behauptet Crisp (den Namen hat er sich fr├╝h als Pseudonym angeschafft, er hie├č viel prosaischer), er staube NIE ab. Er habe noch NIE abgestaubt und werde auch NIEMALS abstauben. Abstauben sei einer Existenz auf dem geistigen Niveau der seinen schlicht unw├╝rdig. Und Dienstboten k├Ânne er sich leider keine leisten.

Er behauptet, die Staubberieselung innerhalb einer Wohnung nehme anf├Ąnglich kontinuierlich zu, erreiche nach etwa zwei Jahren aber einen Stand, wo sie so gut wie nicht mehr wachse. Jedenfalls sehe von da an die Staubschicht stets gleich und v├Âllig unver├Ąndert aus. Damit lasse es sich dann leben.

Ich konnte das nie selber ausprobieren. Irgendwann werde ich, wenn ├╝berall, wo ich hinsehe, feiner Staub im Sonnenlicht erstrahlt oder an den Figerkuppen haften bleibt, wenn ich wohin fasse, wo ich sonst eher selten hinfasse, depressiv. So depressiv, wie ich dann auch werde, wenn ich mit der Tortur des Saubermachens beginne. Aber, das wei├č ich mittlerweile halt, wenn ich da mal durch bin, dann werden die n├Ąchsten zwei Wochen voller Sonnenschein. Dann geht der Zirkus wieder von vorne los.

Au├čerdem las ich mal ein anderes Buch, Titel und Thema hab ich mometan nicht mehr im Kopf, da kommt einer nach Monaten oder gar Jahren zur├╝ck in seine alte Wohnung. Und sagt, es sei ein zutiefst betr├╝blicher Anblick, dass absolut jede, auch die allerkleinste horizontale Fl├Ąche - auf jeglicher H├Âhe des Raumes - flauschig mit Staub ├╝berzogen sei. Da muss ich widersprechen!

Nicht nur die horizontalen, auch viele vertikale Fl├Ąchen sauen bei mir mit Staub ein. Ich habe zum Beispiel so h├Âlzerne, dunkle, aber nicht gro├č lackierte T├╝ren. F├╝rchterlich, besonders die unteren H├Ąlften davon. Und was rundum, 360 Grad, einsifft, sind diese vermaledeiten Kabel ├╝berall.


__________________
14.11.2015 Forum Lupanum Threads H├Âhe Zeit Aufkl├Ąrung Verteidiger: Es ist genug.

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K├╝hn-Schierholz
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Ja, es ist eine nette Plauderei und es hat Spa├č gemacht, sie zu schreiben. Aber es ist auch eine kleine Sprachanalyse. Ich habe versucht, die verschiedenen Arten von Staub und ihre Bedeutung auszuloten. Es ist vielleicht nicht besonders tiefsinnig, aber - das m├Âchte ich behaupten - auch nicht trivial oder bedeutungslos.

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Ofterdingen
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Hallo K├╝hn-Schierholz,

Ob das Texterl geistreich ist oder nicht, lasse ich mal dahingestellt. Nur ein paar Anmerkungen zur Sprache:

"Ein einzelnes Staubkorn ist nur eine Winzigkeit. Viele Staubk├Ârner verursachen uns Unwohlsein. Manche sind sogar allergisch dagegen."

So unbeholfen, wie das da steht, bedeutet der dritte Satz: Manche Staubk├Ârner sind sogar allergisch gegen Unwohlsein. Es wird auch nicht besser, wenn du schreibst: Manche Menschen sind sogar allergisch dagegen, dann sind n├Ąmlich die Menschen allergisch gegen Unwohlsein. Am ehesten ginge: Manche Menschen sind sogar allergisch gegen Staub.


"Aus manchen Staub entsteht aber neues Leben."

Du scheinst ein norddeutscher Sprecher zu sein, der die Endsilben verschluckt oder ├╝berhaupt Akkusativ und Dativ verwechselt, sonst h├Ąttest du geschrieben: Aus manchem Staub ...
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Man soll keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schlie├člich gro├č genug. J. P. Sartre

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K├╝hn-Schierholz
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Alle Kritik ist berechtigt. Das erste war mir auch schon aufgefallen. Ja, ich bin norddeutsch, aber hier handelt es sich wohl um einen Tippfehler. Ich ├Ąndere entsprechend.
Danke f├╝r die Hinweise!

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