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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Staubsaugerrohr
Eingestellt am 05. 11. 2005 17:52


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Buchsbaumbaby
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Staubsaugerrohr


„Ich hab beim Jugendamt angerufen…“ Es war eher kalt als warm, eher Nacht als Tag, es war alles ziemlich… mittel… undefinierbar, nicht allzu fein, eher schlecht, es passte nicht. Wir liefen an hübschen Neureichenbauten vorbei durch die Viktoriastraße und ich machte mir bereits zu diesem Zeitpunkt keine Gedanken mehr darüber, was genau uns eigentlich hier hinlaufen lassen hatte. Mary wollte mit mir reden, allerdings nur weil ich mal mit ihr hatte reden wollen, prinzipiell war genau das der Grund dafür, dass mir alles ziemlich gegensätzlich vorkam: Das Wetter passte ja eh nicht. Genauso wenig wie die komplette Situation. „Und?“ „Was und?“ „Du hast gesagt, du hast beim Jugendamt angerufen…“ Es passte nicht zu ihr, mir zu helfen, vor allem passte es nicht zu ihr, mir auf eine Weise zu helfen, die mir was bringen würde. Sie guckte mich an und ich fiel in ihre ekelhaft hellblauen Augen, ohne dass ich mich irgendwo festkrallen konnte um mir noch den letzten kleinen Funken unseres normalen Verhältnisses aufzuheben. Eingepackt in rosa Geschenkband, hinter 10zentimeter dickem Stahl, sodass niemand außer uns beiden drankam. Sie war spießig und klein und teilweise ein bisschen dumm, dümmer als ich und das, obwohl ich rein theoretisch 5 Jahre jünger war. Mir ging’s nicht gut, mir ging’s so scheiße, dass ich nicht mal mehr weinen konnte. „Die helfen nur richtigen Härtefällen, Drogenmenschen und so.“ Sie war definitiv zu dumm. „Und was heißt das?“ „Das heißt, dass dein Papa dich behalten kann wenn er das Sorgerecht kriegt.“ Sie war definitiv zu dumm.„Ich komm nicht klar mit ihm.“. „Aber das kann das Jugendamt nich finanzieren Ida, das geht nicht, da musst du selbst mit klar kommen, es kommen so viele nicht klar mit ihren Eltern.“ „Ich hab keine eltern mehr.“ „Du hast noch nen Vater.“ Sie war definitiv zu dumm. „Und was soll ich machen?“ Wir blieben vor einer kleinen, süßen Bank stehen, einer von denen, die in Neureichenbautenbezirken ja unendlich oft anzutreffen sind, Mary wusste nicht genau ob es ok war sich hinzusetzen, ich sah es in ihrem Gesicht, sie kannte mich zu wenig um irgendwas einfach so zu machen. Wir guckten uns an und wussten, dass der Andere genau das Gleiche dachte, dass sich der Andere genau wie man selbst fragte, wie es jetzt denn eigentlich weitergehen sollte. Ich ließ sie den Anfang machen mit dem Hinsetzen, ich war schließlich das kleine Blag, dem geholfen werden musste, und sollte somit nicht unbedingt ein Problem damit haben, Mary entscheiden zu lassen, was zu tun war. Es war ein so kleines unelementares Ding und dauerte ungefähr 2 Sekunden, 2 Sekunden zu viel, 2 Sekunden die zeigten, dass sie die Falsche war.
Immerhin, es hatte gestern angefangen zu regnen und es regnete IMMER NOCH. Nicht schon wieder, sondern immer noch, es war aber so ein schlimmer Fisselregen, bei dem man nicht genau weiß, was er eigentlich soll, es war grau, aber hellgrau. Nicht richtig abgrundtief schlechtes Wetter, aber eher zum Schlechten hintendierend, was ja sowieso das Schlimmste schlechthin ist. Ekelhaft. Insofern passte es also irgendwie doch. „Mh.“ Sie guckte mich an, ich wich ihrem Blick aus, das MH, das sie macht in Situationen, in denen sie keinen Bock hat was anderes zu sagen, hört sich immer so abweisend und unbeholfen an und gibt einem das Gefühl, dass man in einer Situation ohne Ausweg steckt. „Ich weiß es nicht.“ Der Fisselregen wurd mir langsam egal... „Ich weiß es ehrlich nicht, Ida. Vielleicht musst du zu ner Therapie oder so, die Leute da sind für so was ja ausgebildet.“… Der Eimer Wasser, der soeben über meinem Kopf ausgeschüttet wurde, nicht. „Du weißt nicht was du da redest, Mary…“ „Oh doch, und ich glaube, es ist das Beste für dich.“ Für so was wie mich. Nicht so halbherzig. Du verstehst nichts. Du verstehst nicht, dass ich nicht die Treppe runter gefallen bin und du verstehst nicht, dass Psychologen arbeiten anstatt zu helfen. „Glaub ich nicht.“ Sie könnten mir Weinen beibringen, damit du siehst wie schlecht es mir geht. Damit DU mir hilfst. „Ist auch egal, du musst dich darum nicht kümmern.“ Nicht so. „Doch, das muss ich, ich kenn dich jetzt schon relativ lange und ich will nicht sehen wies weiter bergab geht mit dir… Du bist meine Tanzschülerin und ich bin verpflichtet dazu.“ „Aber es bringt doch nichts.“ „Warum hast du geweint vorgestern?“
Die Frage erinnerte mich an zwei Dinge: Daran, dass ich doch noch weinen konnte. Und daran, dass ich wollte, dass sie sich um mich kümmert. „Ist nicht so wichtig.“ „Wegen deiner Mama?“ Ich schüttelte den Kopf. „Hattet ihr Streit?“ Mein Vater und ich? Ja. Ich schüttelte den Kopf. „War es wegen deinem Arm?“ Vielleicht hat sie es
doch verstanden. Ich schüttelte den Kopf. „Ist irgendwas passiert?“ Viel. Kopfschütteln. „Mh“ Sie war hübsch. „Mh mh mh…Du musst sagen was los ist, sonst kann ich dir doch nicht helfen.“ Ich wusste nicht, wie sie mir überhaupt helfen konnte, einfach, indem sie jemand war, dem ich wichtig war, Genaueres war schwer zu erklären bzw. überhaupt nicht auch nur ansatzweise in Worte zu fassen, mir fehlte was. Es tut weh, Sachen zu vermissen und genau zu wissen, dass sie nie wiederkommen, nie, auf keinen Fall, sie sind einfach weg und mit ihnen all das hübsche Zeug das man mit ihnen in Verbindung bringt. Vermissen tut weh, egal was, Menschen zu vermissen ist jedoch am schlimmsten. Der Tod von Anderen ist grausamer als der Eigene. Ich wusste, dass ich sie nie wieder sehen würde und um bei dem Gedanken nicht verrückt zu werden, wollte ich einfach nur, dass mich jemand festhält. „Du hast gesagt, du bist nicht die Treppe runter gefallen.“ Der Fisselregen entwickelte sich so langsam zu einem kleinen, feinen Regensturm und ich musste an einen 80000jahrealten Echtsong denken, an den mit dem Typ, der nicht weiß ob der Tropfen auf der Nase seiner Freundin eine Träne oder bloß ganz banaler Regen ist. „Nein. Ich bin nicht die Treppe runter gefallen.“ „So, dann sag jetzt mal bitte was wirklich passiert ist…“ Sie wollte es nicht wissen, das war mir irgendwie klar, sie wollte bloß so schnell wie möglich was machen um nicht mehr diejenige zu sein, die alles erfahren muss. „Es ist egal.“ „Hör auf, das ist nicht egal, erzähl es bitte! Warum sonst ist dein Arm so blau? Hat dein Papa irgendwas mit dir gemacht oder was?“ Ja. „Nein.“ „Und was ist dann das Problem? Ich sag doch, Psychologen sind ausgebildet für so was…“…für so was…“Die helfen dir besser klar zu kommen mit deinem Vater.“ „Wenn’s nur psychisch wär…“ „Du hast doch gesagt er hat dir nichts getan.“
Stille. 3 Seiten lang. Es schien ein bisschen dunkler zu werden. Und das erinnerte mich an was. Daran, wie es ist, den ganzen Tag im Bett zu liegen, weil man Angst vorm Aufstehen hat, davor, was einen erwartet wenn man als achtjähriges Mädchen in die Küche stapft um sich Kakao zu machen. Deswegen den ganzen Tag hellwach im bett zu liegen und nach draußen zugucken, um mitzukriegen, wann es endlich dunkel wird, wann der Tag endlich vorbeigeht und man in Sicherheit ist. Noch einmal schlafen und sie ist wieder normal. Dann tut sie nichts mehr, dann tut sie dir nicht mehr weh, sie hat dich ja lieb.
Mir war das lieber als der ganze Scheiß, der im Moment ablief. Mir war SIE lieber als ER, und mir waren Ohrfeigen lieber als Staubsaugerrohre. Sie war tot und er war da, sie war ihm egal, ich nicht, ich lebte noch, sie nicht mehr. Wut auf zwei an einem einzigen Menschen auslassen. Vielleicht so gar Wut auf achtzig. So war es mir vorgekommen, als er das erste Mal ausgeholt hatte. Und es war dunkel. Ich hatte es nur gespürt. Ich spürte es immer noch, immer wenn ich daran dachte, immer wenn ich mich anguckte und immer wenn mich andere anguckten, um sich dann letztendlich doch nur mit der Treppengeschichte zufrieden zu geben.
„Ach Ida…“ „Wieviel Uhr ist es?“ „Spät. Sollen wir mal langsam gehen?“ Hübsche Idee, eventuell so gar bester Weg um sich aus der Situation raus zu schleichen. „Ja.“
„Okay.“ Mir wurd ein bisschen schlecht. „Ich bring dich dann nach Hause.“

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Rumpelsstilzchen
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Sag' mal, wer da spricht.

Ich weiß es nämlich nicht.
Wenn jede wörtliche Rede in eine neue Zeile sprünge, hülfe das Verfolgern schon enorm.

Aber auch sonst habe ich nicht viel kapiert.
Ein paar Puzzleteilchen hast Du uns hingeworfen, alle blau.
Wer soll sich damit ein vollständiges Bild legen?
Ich kann das nicht.

Wusste nicht, worum es geht, da ist er mitten durchgegangen

__________________
Ich glaube
an das Gesetz
der kritischen Masse

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flammarion
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Registriert: Jan 2001

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erst einmal herzlich willkommen auf der lupe.
eine stärkere gliederung täte deinem werk gut und auch, wenn du dich etwas klarer ausdrücken würdest. um wen oder was geht es?
fragend guckt
__________________
Old Icke

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F Fuller
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Hi,

um was es geht, geht schon aus dem Text hervor: um den Teenager Ida, dessen Mutter tot ist (hat der Vater was damit zu tun?) und die jetzt beim Vater lebt, der sie mit einem Staubsaugerrohr misshandelt (sexuell?). Ida möchte sich jemandem anvertrauen, möchte Hilfe und wendet sich an die Tanzlehrerin, in die vielleicht ein bisschen verschossen ist.

Doch ich muss Rumpelsstilzchen und flamarion zustimmen: der Text liest sich wie ein spontaner Tagebucheintrag, wo Gedanken völlig unstrukturiert und ohne erkennbare Logik aufgeschrieben werden.

Was bitte ist ein "Echtsong", der übertriebenermaßen 80000 Jahre alt ist?

Gruss
Fuller

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GabiSils
???
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"Echt" ist eine Popband. Muß man nicht kennen.

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F Fuller
Festzeitungsschreiber
Registriert: Aug 2005

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Ah, danke!

Dann würde ich es abers schreiben, z.B. "einen alten Song von Echt" oder "einen alten Echt-Song".

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