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Leselupe.de > Kurzprosa
Stehen. Einfach so stehen.
Eingestellt am 28. 03. 2008 15:48


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solastyear
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Mar 2008

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STEHEN. EINFACH SO STEHEN.

Ich stehe hier. Einfach so stehe ich da. In einer vom Mond beleuchteten Stra├če Ostberlins und das einzige, was ich besitze, ist die M├Âglichkeit der zeit- und teilweisen Beeinflussung des Menschen.

Pl├Âtzlich ein lautes Hupen, gefolgt von einem Kreischen aus dem Wagen und genervten Gesten der in der Umgebung stehenden Menschen. Genaueres kann ich nicht erkennen, vermute aber, dass Unwichtiges die Ursache der Erregung war.
Was soll's. Ist ja nicht das erste Mal, dass hier so etwas passiert.

Zur├╝ck zu mir:
Ich kann, was ich k├Ânnen will und soll und das gen├╝gt mir. Muss es ja.
Selbst wenn ich von Zeit zu Zeit die Lust an der mir zugeteilten Aufgabe verliere und mir mein Aussehen in letzter Zeit nicht mehr zusagt. Aber ich bin schlie├člich auch nicht mehr die J├╝ngste. So muss man das ja auch mal sehen.
Noch bin ich ├╝brigens auch nicht wirklich wach, doch lassen Sie mich ein wenig davon plaudern, wie das dann w├Ąre:
Klick. Farbwechsel meinerseits und Stimmungswechsel der vor mir stehenden Person. Der Mensch setzt sich mit einer kurzen Verz├Âgerungszeit in Bewegung, setzt sich mit einem kurzen Blick nach links, rechts und ein weiteres Mal links fort. Habe ich ja eigentlich nie verstanden dieses Ritual, aber man muss ja wohl nicht allwissend sein, stimmt's?

Nunja. Einen winzigen Augenblick sp├Ąter hinterl├Ąsst der Unbekannte eine Leere und ist auch schon in weite Ferne ger├╝ckt. Seine Existenz hier scheint nicht von Dauer zu sein und den Platz, den er hinterl├Ąsst, f├╝llen bereits wenig sp├Ąter andere.
Was relevant daran ist, ist das st├Ąndige Gehen und Verschwinden. Das Stehen und Fortbewegen. Das Ersetzen und Ersetztwerden. Der Zwiespalt zwischen Stoppenm├╝ssen und Weiterwollen. Weshalb letzteres so ist, wie es ist? Einfach nur, weil ich hier bin. Weil ich existiere und beeinflusse.
Ja, so ist das. Irgendwie durchaus paradox. Paradox im Sinne von seltsam. Seltsam, dass etwas, das sich niemals bewegen wird, die Bewegung anderer steuert.

Doch vielleicht soll es auch so sein, vielleicht braucht dieses sich st├Ąndig fortbewegende Wesen einfach eine Institution. Etwas, das es durch eine Regel beeinflusst, damit es zur Ruhe kommt und sich auf sein Handeln und nicht nur die Folge besinnt.
Soll hei├čen: Einlegen einer kurzen Denkpause abseits aller lebensnotwendigen Ma├čnahmen und Mittel. Dieses Geld oder Mittel, so sagt man, sei ein wichtiger Bestandteil des Menschenlebens.
Achherje, bin ich froh, dass wir uns unter meinesgleichen nicht damit besch├Ąftigen m├╝ssen. Alles, was wir brauchen, ist bereits da. Alles, was die Menschheit braucht, ist bereits da.

Nur hat er es scheinbar f├╝r sich entdeckt, wirtschaftlich zu handeln. Auch wenn er, so erkl├Ąrte zuletzt ein Mann derart wild gestikulierend, dass ihm fast das "Handelsblatt" zu Boden fiel, meist die "Ausbeutung", die ihn zu einem "Spielball" mache, nicht erkenne.
Nein, nein, es erscheint mir nicht gerade allzu positiv zu sein dieses Geld.
Geradezu bedr├╝ckend wirke es auf ihn ein, erkl├Ąrte der Mann weiter, ehe er nach einem "Klick" blitzschnell in einen riesigen Mercedes auf der gegen├╝berliegenden Stra├čenseite stieg.
Irgendwie durchaus .. Ach, lassen wir das! Bilde dir selbst eine Meinung, lieber Leser.

Die aufgehende Sonne steht blutrot am Himmel. Mein Kreislauf kommt langsam in Bewegung und ich sp├╝re, wie mich dieses altgewohnte, seltsame Gef├╝hl ├╝berkommt, das ich jeden Morgen habe. Das musste dieser ÔÇô ├Ąhm ÔÇô wie sagt man noch gleich dazu? Genau. Strom musste das sein, was in mir brodelt. Mein Arbeitstag beginnt und nun werde ich leider die Kommunikation einstellen m├╝ssen.
Klick ÔÇô gr├╝n. Erst die Arbeit, dann das Vergn├╝gen. Das erfordere die Industrialisierung, hei├čt es. Was auch immer das ist. Klick ÔÇô rot. Wenn's die Leute sagen, wirdÔÇÖs wohl so sein ..



"Es k├Ânnte doch sein, dass es den Kapitalismus ab morgen nicht mehr gibt.
Dass die Menschen sich rausstellen und einmal das System betrachten - anstatt zur Arbeit zu gehen."
- Peter Licht: Aus einem Interview der TAZ



PS: Ich wollte nur noch hinzuf├╝gen, dass ich sehr hoffe, dass ich meinen Text selbst in die richtige Kategorie eingeordnet habe, da ich mir dabei sehr unsicher war. Und nun:
Viel Spa├č beim Bewerten und schonmal vielen Dank daf├╝r!

Gr├╝├če!

Version vom 28. 03. 2008 15:48
Version vom 29. 03. 2008 12:44

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Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

Werke: 671
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Hallo, solastyear,

Deine Gedanken ├╝ber den Kapitalismus in eine Ampel zu verlegen, finde ich originell. Auf diese Weise kommt Deine Aufforderung, dass der Mensch doch einmal innehalten sollte und sich Gedanken machen sollte ├╝ber sein Leben, angenehm unaufdringlich r├╝ber. Dass Du den Leser ansprichst, so wie das vor anderthalb Jahrhunderten noch ├╝blich war, oder wie das auch noch Williams(glaube ich?) in "Die Brautprinzessin" gemacht hat ("Vorsicht Leute, vielleicht sterben jetzt die Falschen"), finde ich hier nicht so gut,denn der Leser macht sich bei einem so kurzen Text ohnehin sein eigenes Bild.

Der Titel ist gut, denn das ist es, was uns fehlt. Einfach mal stehen zu bleiben und die Dinge betrachten mit denen wir leben und die uns etwas angehen. Auch wir k├Ânnen unser Ampellicht auf gr├╝n oder rot schalten und so lange wir unsere "Seele nicht verkaufen", brauchen wir uns auch nicht als Spielball zu f├╝hlen, selbst wenn die Lebensumst├Ąnde noch so schwierig sind.

Es ist immer noch das Festhalten an unserer inneren W├╝rde, das uns auch in schwierigen Situationen ausharren l├Ąsst und uns Hoffnung schenkt.

Von Prosa verstehe ich nicht so viel, aber ich denke, wenn der Text so viele Gedanken auf Anhieb bei mir ausgel├Âst hat, kann er nicht schlecht sein. Ob man formal noch etwas ├Ąndern k├Ânnte, werden Dir hoffentlich die Prosa-Experten mitteilen.

Liebe Gr├╝├če von Vera-Lena
__________________
Der Mensch ist sich selbst das gr├Â├čte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Hakan Tezkan
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo solastyear,

zun├Ąchst einmal hei├če ich dich herzlich auf der Leselupe Willkommen!

Dein Werk, das du richtigerweise hier eingestellt hast, enth├Ąlt einige interessante, philosophische Grundgedanken, auf die ich jetzt erst einmal eingehen m├Âchte. Anschlie├čend werde ich zum Text an sich ein paar Kritikpunkte ├Ąu├čern. Hier meine Gedanken zu deinen Gedanken:

Zuallererst beschreibst du die Grundsituation. So berichtet dein Ich-Erz├Ąhler von einem Passanten, der die Stra├če ├╝berqueren m├Âchte und zuvor, wie es ├╝blich ist, erst nach links, dann rechts und zu guter letzt noch einmal nach links schaut.
Wenig sp├Ąter verschwindet dieser Passant in der Ferne und die L├╝cke, die er hinterl├Ąsst, wird von einer anderen unbekannten Person ausgef├╝llt.
Nun widmest du dich den philosophischen Gedanken, zu denen diese Ausgangslage f├╝hren sollte.
Es erscheint dem Ich-Erz├Ąhler so, als w├Ąre jeder Mensch beliebig austauschbar, was dadurch verst├Ąrkt wird, dass die Menschen, denen er begegnet, nicht beschrieben werden, sondern als Schatten agieren.
Es erscheint vollkommen gleichg├╝ltig, wer da an der Stra├če steht und ersetzt wird, wichtig ist nur das "Stehen und Fortbewegen", das "Ersetzen und Ersetztwerden". Hierbei tritt der Mensch als Individuum in den Hintergrund.
Von deinem letzten Punkt des "Stoppenm├╝ssen[s] und "Weiterwollen[s]" hievst du dich zum n├Ąchsten Gedanken.
So erscheint es dem Ich-Erz├Ąhler seltsam, dass eine unbewegliche Regel(die des zuerst nach links, dann nach rechts, und zum Schluss nach links Schauens, bevor man die Stra├če ├╝berquert) die Bewegung eines Menschen derart beinflussen kann und auch tats├Ąchlich beeinflusst.
Der Ich-Erz├Ąhler fragt sich, ob es nicht vielleicht wirklich so sein sollte. Denn auf diese Weise k├Ânnte der stets eilende Mensch zur Ruhe kommen und eine "Denkpause" einlegen, frei von lebensnotwendigen Mitteln wie Geld.
Damit ist auch das Stichwort f├╝r den letzten Gedankengang gegeben und es geht weiter.
Schlie├člich folgt eine Kritik am Kapitalismus und dar├╝berhinaus wird der Typus Mensch angeprangert, der sich scheinheilig gegen die "Ausbeutung" in der Marktwirtschaft einsetzt, und selber mit viel Geld versehen ist.
Am Ende wird die Kommunikation eingestellt, hei├čt: zwischenmenschliche Beziehung werden fortan nicht mehr m├Âglich sein, da der Ich-Erz├Ąhler zur Arbeit geht, oder vielmehr: gehen muss und aus nicht genannten Gr├╝nden eine Kommunikation nicht mehr tragbar ist.
Die Verbindung zum Zitat ist damit gegeben, dass das Innehalten bevor man eine Stra├če ├╝berquert, der Betrachtung des System von au├čen, gleichzukommen scheint.

Ich hoffe, hiermit habe ich deine Punkte alle erwischt.
Ich finde die Idee, philosophisches Gedankengut in eine allt├Ągliche Situation zu verpacken, sehr ansprechend, muss aber gestehen, dass ich den Spielraum, auf dem du dich bewegst, noch zu oberfl├Ąchlich finde.
So k├Ânnte man aus dieser Bedeutungslosigkeit, aus der Austauschbarkeit des Menschen eine viel l├Ąngere Kette an Gedankeng├Ąngen machen.
Oder die Kritk am Geld k├Ânnte viel tiefgehender ausfallen, als sie es derzeit ist. Und zu guter letzt ist die Figur, die sp├Ąter in einem Mercedes verschwindet, sehr stereotypisch.

Nun zum Text an sich:

Die Einleitung ist deutlich zu lang ausgefallen. Ich meine erkannt zu haben, dass es dir vor allem um die phil. Gedanken geht, da st├Ârt solch eine nichtssagende Einleitung nur. Wen interessiert es, ob der Mond scheint, wo der Ich-Erz├Ąhler steht(lass doch auch den Ort beliebig werden), und was "Unwichtiges" passiert. Wenn es doch unwichtig ist, warum erw├Ąhnst du es dann? Willst du damit zeigen, dass alles ohne Belang ist? Das ist ein weiteres Themengebiet, das f├╝r diesen Fall auch viel zu oberfl├Ąchlich behandelt wird.
M.E.n. k├Ânntest du fast die ganzen ersten beiden Abschnitte streichen und nur kurz erw├Ąhnen, dass dein Ich-Erz├Ąhler an einer Stra├če steht.

Dann sind mir noch viele sprachliche M├Ąngel aufgefallen, die ich, insofern du dies m├Âchtest, gerne auch noch anspreche.

Ich hoffe, ich erschlage dich nicht mit diesem Kommentar.
Bedenke, dass ich mich kaum derart intensiv mit deinem Text besch├Ąftigt h├Ątte, wenn ich nicht Potential entdeckt h├Ątte.
Ich finde, du verf├Ąllst zu sehr in Plauderei und in krampfhaften Versuchen sprachlich sch├Ân etwas zu gestalten und vergisst dabei deine eigene St├Ąrke: den Gedanken hinter den Worten.

Vielleicht konnte ich dir ja ein paar Anregungen liefern und bei Bedarf geh ich auch noch mal das Sprachliche durch...

Liebe Gr├╝├če,
Hakan



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solastyear
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Mar 2008

Werke: 5
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Vielen Dank f├╝r deine Kritik, werde mal schauen, was ich damit noch anfangen kann und eine verbesserte Version online stellen.

Gerne nehme ich auch Kritik zu der sprachlichen Seite des Textes an, sollte ja schlie├člich alles korrekt sein!

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