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Leselupe.de > Kurzprosa
Stephan
Eingestellt am 24. 09. 2009 11:49


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Grand
Hobbydichter
Registriert: Jun 2009

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Mit zittrigen Fingern dr├╝ckt er die d├╝rre Zigarette aus der Schachtel. Der k├╝nstliche Lichtschein d├Ąmmert ├╝ber ihm; der Lagereingang starrt d├╝ster, denn er ist unter einer Br├╝cke ausgeh├Âhlt. Gleichg├╝ltig rasen Autos vorbei, kein Blick wendet sich ihm zu, keiner wei├č von ihm. Es ist kalt hier. So kalt.
Er setzt sich auf einen Karton hin; gr├╝ne Weinflaschen reihen sich auf. Seine weichen Lippen schmauchen wei├čen Rauch aus einem Mundwinkel. Dunkle Bartstoppeln stellen sich bis zu seiner Wange hoch, sie richten sich stramm auf. Empfindsam bebt der Nasenfl├╝gel.
Es stinkt nach Urin.
Seine blauen Augen heben sich ins Dunkel auf, das Motorbrausen schallt nach. An einem Pfeiler bl├Ąttert ein ausgebleichtes Flugblatt, blo├č Scheinwerferlichter hellen es noch auf. Das Datum ist unl├Ąngst vergangen. Vor unserer Zeit, nach unserer Zeit.
Er h├Ąlt sich an der Zigarette fest, ein kalter Windzug zerzaust ihm das Haar; die Spitzen sind blond eingef├Ąrbt, als sei ein Eigelb ├╝ber ihn zerschlagen. Niemand sieht ihn.
Stille ├╝berkommt ihn, er h├Ârt den Vogelsang. Leise, wie eine Erinnerung. Den Himmel vermag er nicht ├╝ber sich entdecken. Das d├Ąmmrige Licht glitzert auf seinem gefrorenen Antlitz. Noch einmal saugt er an der Zigarette, holt den Rauch in sich ein und wirft den verlischenden St├Ąngel von sich; schwach glimmt es auf. Er reibt sich die Arme und geht in den Laden zur├╝ck. Die eiserne Lagert├╝r f├Ąllt hinter ihm zu, der Wind pfeift in den Angeln.

Im Laden starren die Regale zerw├╝hlt; Erbsendosen reihen sich verloren bei der Tiernahrung ein, das K├╝chenpapier liegt umgest├╝rzt. Anklagend schauen Kunden zu ihm hin. Es ist deine Arbeit, bezahlt wirst du hierf├╝r. Er beugt sich herab und hebt die Rollen K├╝chenpapier auf. Es ist seine Arbeit. Das gelbe Licht blendet ihn.
Er schaut niemand an, die Arme r├Ąumen mechanisch Waren ein. ÔÇ×Ich suche Irische ButterÔÇť, fragt man ihn. Bitte sehr, zeigt er, sieh durch mich hindurch.
Er ist so leer, die Bierflaschen stehen ├╝ber ihn; sie f├╝llen ihn auf, Ruhe ├╝berkommt ihn. Zwischen seinen Kollegen, da ist er lebendig. Sie sehen ihn noch.
ÔÇ×Vielen DankÔÇť, hei├čt es da schnippisch, doch h├Ârt er kaum hin. Die Chefin weist schon zum Lager hin, er muss noch Ware nachlegen. Er schleppt die Kartons nach. Sie wiegen schwer auf, sie gleichen Eisenketten. Er marschiert vor, den Kopf geneigt, dass die Kunden ihm nicht die Augen einsehen k├Ânnen. Seine Arbeit muss er tun. Er tut sein Bestes.
Die K├Ąse aus dem Karton ins K├╝hlregal sortieren. Sie ist dreieckig geschnitten. Nebeneinander liegen sie, angeschmiegt, passend. In P├Ąrchen.
Er h├Ąlt inne, f├╝r einen Moment. Atmet ein.
Es ist kalt. Die Menschen gehen an ihm vorbei, die Einkaufswagen rattern. In ihm ist es still, es schmerzt.
Neuerlich neigt er sich nieder, greift nach K├Ąse. Immer weiter, stundenlang. Seine H├Ąnde zittern. Abends blo├č auf das Sofa hinfallen, die Bierflasche flie├čt ├╝ber.
Vielleicht wartet ein Kollege ihm auf. Vielleicht.
Ich brauch dich nicht.
Er braucht eine Zigarette. Die Gedanken raucht er aus, sie steigen zum Himmel auf, den er nicht erkennt.
Sein Licht erlischt.

__________________
Marschiere oder stirb

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Wipfel
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Mister Grand,

hier stimmen oft die Bez├╝ge nicht, da musst du noch mal ran! Zum Beispiel:

quote:
Der k├╝nstliche Lichtschein d├Ąmmert funzelt (denn d├Ąmmern ist ein fortw├Ąhrender Vorgang) ├╝ber ihm; der Lagereingang starrt d├╝ster, denn er (Wer? Der Lagereingang oder der der Prot?)ist unter einer Br├╝cke ausgeh├Âhlt

usw.

Gr├╝├če von wipfel

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