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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Sternenkilometer
Eingestellt am 10. 10. 2002 22:22


Autor
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tinchen
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2002

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Sternenkilometer


Ein heller Lichtschein durchflutete die Finsternis, als er seine Zigarette an der Flamme der kleinen, fast nicht erkennbaren Kerze entz├╝ndete. Der Lichtschein lie├č f├╝r einen Moment einen Blick auf sein verzerrtes Gesicht zu: Die Augen, trotz der eigentlichen Farbe eines strahlenden Sommerhimmels so schwarz wie Teer, seine vollen Lippen zu einem schmalen, harten Strich erstarrt.
Mehr konnte sie in diesem kurzen Augenblick nicht erkennen. Doch in ihrem Kopf entwickelte sich das ganze Bild von ihm, wie er da sa├č. Da sa├č und nichts sagte. Da sa├č und keine Bewegung, nicht das kleinste Zucken seines K├Ârpers zulie├č.
Erstarrt vor; wovor?
Angst, Verzweiflung oder Erschrecken?
Sie nahm sich selbst eine Zigarette aus der Tasche ihres dicken Pullis, den sie vorsorglich mitgenommen hatte auf die Br├╝cke. Denn obwohl es eigentlich noch Sommer war, man sich am Tage nach jedem Tropfen Wasser sehnte, waren die N├Ąchte schon k├╝hl.
Sie wollte noch einen Blick auf sein Gesicht erhaschen.
Sie schrak zur├╝ck, als nun ihre Zigarette einen Lichtkegel auf sein Gesicht warf: Tr├Ąnen rannen ihm die Wange herunter. Langsam kullerten sie, tropften herunter auf sein neues Sweatshirt. Vor zwei Tagen kam er noch strahlend damit bei ihr an und war fast beleidigt, als ihr nach f├╝nf Minuten immer noch nicht dieses ÔÇ×unglaubliche TeilÔÇť aufgefallen war.
Was f├╝r Nichtigkeiten, Unsinn.
Sie sch├╝ttelte den Kopf, um diesen Gedanken zu verscheuchen, nach einer M├Âglichkeit suchend ihn zu tr├Âsten. Nicht mit der Weisheit, wie ihre Mutter es jetzt versucht h├Ątte, nicht mit irgendeiner klugen Halbwahrheit.
Sie atmete tief aus, ├Âffnete den Mund, um etwas zu sagen, das seinen Schmerz lindern w├╝rde. Sie schloss ihn wieder, zog ihre nur mit einem Sommerrock bekleideten Beine an ihren K├Ârper und schaute in den Himmel: Er war ├╝bers├Ąt von unz├Ąhligen Sternen, einer heller als der andere. Einer sch├Âner als der andere, jeder einzigartig. Alle so weit weg. Weg von ihr, weg von einander.
Sie streckte ihre Hand aus, suchte seine. Ber├╝hrte sein Knie, sah und sp├╝rte seine erste Bewegung an diesem Abend. Sah zum ersten Mal an diesem Abend, in dieser sternenklaren aber auch finsteren, kalten Nacht seine Augen; zog ihre Hand zur├╝ck.
Denn er war weiter weg, weiter entfernt als jeder einzelne Stern ├╝ber ihr.

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Sergey
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2002

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Aus dem Leben gegriffen

Hallo !

Ich habe mir gerade Deine neue Geschichte durchgelesen und war angenehm ├╝berrascht, da sie sich von den anderen Storys (die eher Erz├Ąhlungen entsprechen) unterscheidet. Du verr├Ątst nicht den Hauptgrund f├╝r die betr├╝bte Stimmung, was f├╝r mich einen sehr guten Kunstgriff darstellt. Ich pers├Ânlich vermute, dass das "sie" schwanger ist und beide mit der Situation nicht recht umzugehen wissen, wobei sich der Junge dann von ihr letztenends abwendet - so meine Interpretation. Am Ende arbeitest Du bevorzugt mit Metaphern, was Dich zu einem gelungenen Schluss f├╝hrt.

War mir ein Vergn├╝gen Deine Kurzprosa gelesen zu haben. Weiter so..........

Gru├č

Sergey
__________________
Ab und zu erscheinen uns offensichtliche Dinge so fremd und kompliziert, dass wir ├╝ber das Simple darin hinwegsehen und verkrampft nach einer der h├Âheren Logik gem├Ą├čen L├Âsung suchen

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Meyra
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2002

Werke: 2
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Also mit Schwangerschaft konnte ich da jetzt gar nichts anfangen... *verwirrt sei* aber mir hat sie trotzdem gefallen. Der Grund ist mir eigentlich unklar, aber der ist mir auch gar nicht so wichtig... viel sch├Âner ist es einfach, sie zu lesen, ohne sich immer Gedanken ├╝ber alles und jenes machen zu m├╝ssen...

Ich wei├č nicht, aber mir f├Ąllt auf einmal ein Bezug auf Nicholas Sparks (zur Zeit mein Lieblingsautor) ein. So ├Ąhnlich schreibst du glaub ich (auf jeden Fall in dieser Geschichte) und ich mag sie wirklich sehr...

Auch ist mir aufgefallen, dass der Titel fast gar nichts mit der Geschichte zu tun hat. Man denkt da irgendwie eher an Sci-Fi, als an eine Liebesgeschichte (die sie doch ist, oder?) Nun, auf jeden Fall hat sie mir gut gefallen. Ich freu mich schon auf deine N├Ąchste...

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