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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Sternennacht
Eingestellt am 24. 08. 2003 20:56


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Sanne Bachmann
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Feb 2003

Werke: 3
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Sternennacht

Wenn ich damals gewusst h├Ątte, dass es das letzte Mal sein sollte, dass wir uns so nahe waren...Nein, ich h├Ątte nichts anders gemacht. Machen k├Ânnen. Wie auch?
Denke ich heute an dich werden meine Augen dunkel und mir das Herz ein bisschen schwerer. Denke ich an dich fallen mir sofort die Sternschnuppen ein. Dann der Steinbruch, der wie hingeworfen sich mitten in der Landschaft fand, hinter dem kleinen Wald, umgeben von Feldern. Der Tag war so hei├č gewesen, dass man sich nicht traute das Haus zu verlassen und ausharrte bis hin zu den kaum merklich k├╝hleren Abendstunden. Nur ein zartes L├╝ftchen wehte, eine sanfte Brise.
Ich war noch niemals zuvor an diesem Ort gewesen.

Wir hatten uns erst sp├Ąt entschlossen, diesen Abend gemeinsam drau├čen zu verbringen und so begann es schon zu d├Ąmmern als wir uns aufmachten. Der Weg war weit, und als wir die Stadt hinter uns gelassen hatten und nur noch durch entlegene kleine D├Ârfer fuhren, die manchmal nicht einmal eine Kirche aufwiesen, bedauerten wir es keine Kerzen mitgenommen zu haben. Obwohl es erst August war, wurde es rasch immer finsterer und mir bange.
Drau├čen flogen die Felder nur so vorbei. Schon abgeerntet muteten sie recht herbstlich an. Durch die Fenster str├Âmten tausend Ger├╝che herein, wie nach Erde, Blumen, W├Ąldern, Ernte.
Die Apfelb├Ąume an den Stra├čenr├Ąndern trugen schon goldene Fr├╝chte und auch die Pflaumen prangten bl├Ąulich in den ├ästen.

Jetzt, da ich hier bin, in der Stadt, erdr├╝ckt mich der L├Ąrm und die Enge. Erstickt vom Dunst der Zivilisation, schleicht sich die Sehnsucht heran und ich muss mich sehr anstrengen, sie nicht von mir Besitz ergreifen zu lassen. Dann w├╝rde ich mich in einen der n├Ąchsten Z├╝ge setzen und gen Heimat fahren. Dorthin, wo auch du bist.
War unsere Begegnung zuf├Ąllig gewesen?

Unsere Angst vor der Finsternis hatte sich als ├╝berfl├╝ssig erwiesen. Denn der Mond schien voll. Und mit ihm Tausende von Sternen. ├ťberw├Ąltigt hatten wir uns einfach ins Gras nahe des Ufers gelegt und der Stille gelauscht. Das Wasser des Sees schimmerte golden. Hinter uns die Weite des Feldes. Die Stille sollte im Verlaufe dieser Nacht fast unertr├Ąglich werden.
Was dachtest du? Ich hatte dich gefragt und du gabst zu Antwort, dich zu freuen den Augenblick wieder genie├čen zu k├Ânnen. Was in mir vorging wolltest du nicht wissen.
Dann schwirrten die ersten Sternschnuppen ├╝ber das Himmelszelt. Wie kleine Raketen. Es gab langsame, dann wieder schnellere. Die langsamen gefielen mir besser; sie schienen keine Eile zu haben und waren meist heller, sichtbarer.
Es waren derer so viele, dass wir bald lachend feststellten, keine W├╝nsche mehr zu haben. Was hast du dir gew├╝nscht? Das darf man nicht verraten, meintest du abergl├Ąubisch, sonst geht der Wunsch nicht in Erf├╝llung!
Meine Sehnsucht trage ich noch immer in mir.

W├╝rdest du dein Leben anders leben, wenn du noch einmal von vorn anfangen k├Ânntest? Fragtest du mich pl├Âtzlich, vollkommen unvermittelt. Noch bevor ich ein Wort erwidern konnte, begannst du zu erz├Ąhlen. Dass du zwar nicht alles richtig gemacht h├Ąttest, aber Erfahrungen, auch schlechte, zum Leben geh├Ârten. Und dass du aus allem einen Nutzen f├╝r dich ziehen k├Ânntest, f├╝r irgend etwas w├╝rde es schon gut gewesen sein. Ob ich an Schicksal glaubte?
Doch, antwortete ich endlich, ich w├╝rde einiges anders leben. Und ich berichte dir, wie verzweifelt ich gewesen bin. Fr├╝her. Zerfressen vom Selbstzweifel, mich im Selbstmitleid badend. Mir hatte der Mut gefehlt zu leben. Ich war sehr ungl├╝cklich damals, wei├čt du. So m├Âchte ich nie wieder sein. Und diese Zeit bereue ich. Um meiner selbst willen.
Der Sternenhimmel wurde immer voller und voller und hinter uns im Osten war der Mars zu sehen. Viel gr├Â├čer und purer als die anderen Sterne prangte er am Himmel, beinahe r├Âtlich schimmernd. Was war zuerst da, der Mythos oder die Bezeichnung dieses Planeten? Oder ist der Himmelsk├Ârper der Mythos?
Man kann Dinge bereuen die man getan hat, aber auch Sachen die man nicht getan hat, hobst du ebenso pl├Âtzlich an wie kurze Zeit zuvor. Und dabei beliest du es. Deine Aussage stand im Raum. Was sollte ich damit anfangen? Auf mich beziehen, doch ich wollte nicht! Besonders der letztere Teil wog schwer; wie oft hatte ich schon verpassten Gelegenheiten hinterher getrauert, mich schwarz ge├Ąrgert wegen meiner eigenen Unzul├Ąnglichkeit aus Ermangelung des Mutes! Ich wand meinen Blick ab von dir, ich wollte niemandem in die Augen sehen m├╝ssen. Deine Stimme streichelte mich wie zur Beruhigung, als du mir sachte erkl├Ąrtest dieses Gef├╝hl zu kennen und ihm genau so ausgeliefert zu sein wie ich. Manchmal sind wir nun einmal schwach, sagtest du, ich konnte dein Gesicht nicht erkennen, ernst oder mit dem Anflug eines L├Ąchelns? Zu dunkel war nun die Nacht, der Mond ging langsam unter, die Sonne jedoch noch lange nicht auf.
Aber es ist sch├Ân in einer Illusion zu leben. Ich will an das Schicksal glauben. Doch das verbietet mir die Vernunft.

Die Zahl der Sterne hatte sich kaum merklich verringert.
Ich hing schwer meinen Gedanken nach, schloss die Augen, lauschte der Stille. W├╝nschte, diese Nacht mit dir, hier an dieser wunderbaren Stelle der Erde w├╝rde ewig w├Ąhren. Bef├╝rchtete, du w├╝rdest bald aufbrechen wollen. Wenn ich die Augen schlie├če sp├╝re ich noch immer, wie die laue Nachtluft mich umf├Ąngt.
Was hatte ich mit diesem Treffen beabsichtigt? Ich konnte keine klare Antwort darauf geben. Einerseits hatte ich mich nach den Wochen der Gro├čstadt auf das Land gefreut und wollte so gerne an einen Ort wie diesen. Doch warum mit dir?
Jahre hatten wir uns nicht gesehen. Und dann dieses Zusammentreffen in dem Lokal. Zuf├Ąllig. Unser vertrautes Gespr├Ąch weit ├╝ber Mitternacht hinaus, als die Bekannten schon l├Ąngst zu Hause in den Betten tr├Ąumten.
Und jetzt lagen wir hier.
Ich habe nicht von dir getr├Ąumt.
Ich hatte mich kaum von dir trennen k├Ânnen. Die Sehnsucht, die sich dann einstellte, war k├Ârperlich.
ÔÇ×Die Sehnsucht, o die Sehnsucht! Warum haben wir die eigentlich? Wer hat uns die heimlich in die Westentasche gesteckt? Vielleicht ein Engel oder sonst eine tr├╝be Null.ÔÇť Gr├╝belte schon Walser. Ja, schmerzlich sei sie zu Zeiten, ├╝berlegtest du laut, doch hat sie auch einen gewissen Fortschritt inne. Fortschritt? Was f├╝r ein technisches Wort f├╝r ein Gef├╝hl der Erstarrung, der Zuversicht, der Trauer, der Versenkung.
Ich will noch einmal durch die Felder fahren, mit dir. Im Grase liegen, dich neben mir sp├╝ren. Mit dir erz├Ąhlen, staunen, die Nacht tr├Ąumen.
Der Mond h├Ąngt schwer ├╝ber der Stadt. Ich habe dich immer noch nicht angerufen.
__________________
Sanne Bachmann

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