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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Stillstand
Eingestellt am 22. 07. 2002 10:49


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Nuwanda
Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2002

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Stillstand

Ein wirrer Traum riss Luke aus seinem sonst so tiefem Schlaf. Fragmentartige Bilder von seltsamen Kreaturen und bekannten wie verhassten Gesichtern liefen wie ein Film vor seinem geistigen Auge ab. Zitternd und schwei├čgebadet sa├č er in seinem Bett und versuchte das Puzzle so zusammenzusetzen, dass es einen Sinn ergab, doch es ging nicht.
Genau in diesem Moment erhellte ein gewaltiger Blitz sein Schlafzimmer, gefolgt von einem Krachen das sein Trommelfell schmerzen liess. Er zuckte zusammen und verkroch sich unter die Bettdecke. Doch seine panische Angst vor absoluter Dunkelheit zwang ihn dazu aufzustehen und das Licht anzuknipsen. Das warÔÇÖs dann wohl mit dem Schlaf.
Ein Blick auf den Wecker sagte ihm dass jetzt die beste Zeit w├Ąre um an seinem Roman weiter zu arbeiten. 2:00 Uhr. Er wusste nicht warum, aber die besten Ideen hatte er fr├╝h morgens. Und wenn es noch dazu eine solch regnerische Nacht wie heute war, schrieben sich seine Geschichten wie von selbst.
Der Wind lie├č ihn glauben, dass der sonst tropfenf├Ârmige Regen heute in Form von winzigen Nadeln herabprasselte, als Luke kurz die Wohnung verliess um sich mit lebensnotwendigen Drogen aus dem Zigarettenautomat um die Ecke einzudecken.
Zur├╝ck im Trockenen setzte er sich an seine Schreibmaschine und fing an zu schreiben:

-357-
3. Eiserne Zeit
Ich war mir bewusst, dass ich nicht mehr viel Zeit hatte. Sie lief mir davon, manchmal kam es mir sogar vor als liefe sie jeden Tag schneller als am Tag zuvor. 7 Monate blieben mir noch. Und ich wusste nicht was ich damit anstellen sollte. Eigentlich wusste ich es sehr genau, doch es waren einfach noch so viele Dinge zu erledigen, so viele Gedanken zu denken, so viele Tr├Ąume und W├╝nsche zu realisieren, dass ich nicht wusste, womit ich anfangen sollte.
Und dann, wie als h├Ątte ich es mir gew├╝nscht, h├Ârte das Ticken auf. Der eiserne Uhrzeiger des Lebens blieb stehen. Nein, ich war noch nicht tot. Nur die Zeit schien tot zu sein.
Der Tag begann mit einem gewaltigen Blitz, der mich aus dem Schlaf riss und mein Schlafzimmer sekundenlang hell erleuchten lie├č. Ich wei├č nicht mehr, ob ich den Wecker, der genau um diese Uhrzeit klingeln sollte, des ├╝berm├Ą├čig lauten Donners wegen einfach nicht h├Ârte oder ob er ├╝berhaupt nicht klingelte. W├Ąhrend ich der Kaffeemaschine meine morgendliche Dosis Coffein in Auftrag gab, duschte ich wie jeden Morgen eiskalt um wach zu werden.
Nach einer halben Stunde -wie ich glaubte- ging ich aus dem Haus und machte mich auf den Weg ins B├╝ro, das nur 10 Minuten zu Fuss von meiner Wohnung entfernt war. Ich wunderte mich schon ein wenig dar├╝ber, dass ich keinen einzigen Menschen auf der Strasse traf, aber es war ja noch relativ fr├╝h, dachte ich, und die Menschen werden sowieso immer fauler....
-
Luke schrieb Seite um Seite, konnte gar nicht mehr aufh├Âren. Bald musste er jedoch eine kurze Pause machen. Seine Zigaretten waren ihm schon wieder ausgegangen. Er brauchte Nachschub um weiterschreiben zu k├Ânnen. (Luke war 29 und seit einer kleinen Ewigkeit riet ihm sein Arzt mit dem Rauchen aufzuh├Âren wenn er ├Ąlter als 40 werden wollte. ÔÇ×Ist mir egal, ich lebe hier und jetzt!ÔÇť war sein einziger Kommentar.)
Es regnete immernoch in Str├Âmen, genau wie das letzte Mal als er aus dem Haus ging.
Er z├╝ndete sich eine Zigarette an und schrieb weiter. Mittlerweile war er auf Seite 419 angelangt. Ein kurzer Blick nach draussen machte ihn skeptisch. Wow, das geht ja ziemlich schnell heut mit dem Schreiben, dachte er, eigentlich m├╝sste es doch langsam hell werden. Als sein Roman um weitere 20 Seiten reicher war, wagte er endlich einen Blick auf seinen Wecker. 2:00 Uhr. Nachdenklich kratzte sich der Autor am Kopf. Mu├č wohl stehen geblieben sein. Jetzt wollte er es aber genauer wissen und ging in die K├╝che. Ebenfalls 2:00 Uhr. Genau wie die Uhr an seinem Videorekorder. Er schaltete den Fernseher an. Kein Bild. Kein Ton. Nichts.
Panisch lief Luke die Treppe hinunter, nach draussen. Der gleiche nadelf├Ârmige Regen wie zuvor. Er rannte richtung Innenstadt. Kein Verkehr, kein Mensch auf der Strasse, nichtmal am Bahnhof. Auch hier ist die Uhr stehen geblieben.
Ich muss verr├╝ckt sein! Oder tr├Ąumen. Die wildesten Gedanken schossen Luke in den Kopf.
Die Zeit kann doch nicht einfach so stehen bleiben, das geht nicht! Das hier ist das wahre Leben! Das geht nur in Geschichten. In meiner Geschichte! Tr├Ąnen stiegen ihm in die Augen, vermischten sich mit dem Regen und liefen sein Gesicht herunter.
Verzweifelt irrte er die Strassen entlang, in der Hoffnung irgend jemanden zu treffen. Er klingelte an Haust├╝ren, h├Ąmmerte mit seinen F├Ąusten dagegen ohne eine Antwort zu bekommen. Die Stadt schien wie ausgestorben.
Zur├╝ck in seiner Wohnung versuchte er zu schlafen. Vielleicht ist alles wie vorher, wenn ich wieder aufwache. Vielleicht ist das alles nur ein b├Âser Traum, hoffte er. Doch Schlafen konnte er nicht.
5 Zigaretten sp├Ąter (das war nun die einzige Art f├╝r Luke, die ÔÇ×ZeitÔÇť irgendwie berechnen zu k├Ânnen) entschloss er sich weiterzuschreiben. Schliesslich hatte er nicht wirklich was anderes zu tun. Nun wusste er genau wie sich seine Protagonistin f├╝hlen m├╝sste und schrieb so realistisch wie nie zuvor. Obwohl es doch eigentlich keine realistische Geschichte werden sollte. Er schrieb und schrieb. 2 ┬Ż Schachteln Zigaretten sp├Ąter:

-549-
4. Die Erl├Âsung

Ich hatte die Hoffnung fast aufgegeben. 261 Tassen Kaffee und 87 mal schlafen sp├Ąter schaute ich auf meine Uhr, als es pl├Âtzlich eine Minute nach 5 war. Ich dachte ich h├Ątte Halluzinationen, doch auf den zweiten Blick sah ich, dass sich auch der Sekundenzeiger bewegte. Mein Herz h├╝pfte vor Aufregung und Freude. Das war das Ende. Mein Leben konnte wieder beginnen.
Ich war mir bewusst, dass ich nur noch 7 Monate zu leben hatte, doch ich wusste auch dass ich es sehr geniessen w├╝rde. Ich hatte schlie├člich genug ÔÇ×ZeitÔÇť um dar├╝ber nachzudenken, was ich damit anstellen w├╝rde.......
-
Nachdem er diesen Satz geschrieben hatte, wagte auch Luke einen Blick auf seine Uhr und sah, dass genau in diesem Augenblick der Sekundenzeiger anfing, sich zu bewegen, womit auch seine eiserne Zeit vorbei war. Er genoss das ihm sonst so verhasste Ger├Ąusch des tickenden Uhrzeigers und wartete sehns├╝chtig auf die ersten Sonnenstrahlen.
Am n├Ąchsten Tag h├Ârte er mit dem Rauchen auf. Es erschien ihm pl├Âtzlich sinnlos, denn nun hatte er wieder Uhren, mit denen er die Zeit messen konnte.
Sein Roman ÔÇ×StillstandÔÇť wurde ein voller Erfolg. Von einem gro├čen Teil des Geldes, das er damit verdiente, kaufte er Uhren, sehr viele, in der Hoffnung das Ticken w├╝rde die Zeit davon abhalten die Geschichte seines Lebens noch einmal still stehen zu lassen.

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Nuwanda
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Hallo ihr,
wenn ihr meinen Text bewertet, dann w├╝rd ich mich freuen, wenn ihr auch ne Kritik dazu schreibt. Was denkt ihr ├╝ber meine Geschichte, was k├Ânnte man besser machen etc.???
Vielen Dank,
liebe Gr├╝├če
Nuwanda
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