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Leselupe.de > Horror und Psycho
Strafe
Eingestellt am 10. 03. 2012 07:32


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Paloma
???
Registriert: Aug 2002

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Das Dach der Kapelle schimmerte von Weitem zwischen den B├Ąumen hindurch. Mit ausladenden Schritten lief er die Kastanienallee entlang, deren bl├╝hende Sch├Ânheit ihn heute nicht ber├╝hren konnte. Nur m├╝hsam unterdr├╝ckte er den Wunsch, das letzte St├╝ck des Weges zu rennen. Trotz der brennenden Wunden auf seinen R├╝cken versuchte er aufrecht zu gehen. Der Schmerz gab ihm ein St├╝ck Zufriedenheit. Als er die verwitterte Holzt├╝re der kleinen Kirche erreichte, dr├╝ckte er mit der rechte Hand die rostige Klinke herab, mit der linken schob er die T├╝r einen Spalt auf. Erst als er ├╝berzeugt war, dass sich kein Wanderer zum Gebet verirrt hatte, trat er ein, schloss eilig die T├╝r hinter sich und schob einen der Besucherst├╝hle davor.
Das Kinn auf die Brust gesenkt, die Kapuze tief in das Gesicht gezogen schritt er zum Altar und bekreuzigte sich. ÔÇ×Herr, ich habe ges├╝ndigt. Ich habe schwer ges├╝ndigt! Verzeih, was ich getan habe und vergib mir, was ich tun muss.ÔÇť
Mit dem ├ärmel seiner Kukulle wischte er sich ├╝ber das nasse Gesicht. Schwer atmend begann er: ÔÇ×Vater unser ...ÔÇť Immer wieder musste er das Gebet unterbrechen, weil er den Text verga├č, den er seit Jahrzehnten t├Ąglich sprach. Ein Zittern, als w├╝rde die Erde beben, erfasste seinen K├Ârper. Er schlug die H├Ąnde vor das Gesicht und lie├č sich schluchzend auf eine Betbank fallen. ÔÇ×Ich wollte dir dienen. Mein Leben f├╝r dich ... Ich habe versagt.ÔÇť Er wagte es nicht den Blick zu heben und seinem Heiland am Kreuz, ins Gesicht zu sehen.
In einer der Nischen stand lebensgro├č ein Abbild Marias, aus Marmor gehauen. Ihr Antlitz betrachtete er und folgte dann der Silhouette des Kleides bis zu ihren nackten F├╝├čen. Lange sa├č er dort. Schwankend, als st├╝nde er auf den Planken eines Segelschiffs, erhob er sich. Als er die Kapelle verlie├č, war die Sonne bereits untergegangen. Die feuchte Luft des Fr├╝hlingsabends schlug ihm entgegen. F├╝r einen Moment nahm sie ihm den Atem.

Das Abendessen lie├č er ausfallen und zum Komplet, der letzten Hore des Tages, w├╝rde ihn h├Âchstens Bruder Daniel vermissen. In seinem Zimmer zog er die f├╝nfschw├Ąnzige Gei├čel unter dem Bett hervor, lie├č die Kutte fallen und holte aus. Er schlug zu. Sp├╝rte den Schmerz wie lodernde Zungen. Die Peitsche riss ihm die Haut in Streifen vom R├╝cken. In seinen Ohren k├╝ndigte ein Rauschen die nahende Ohnmacht an. Dennoch wollten die Bilder, die in seiner Erinnerung gemei├čelt waren, nicht verschwinden. Dieses wei├če Fleisch, die festen, fast knabenhaften Br├╝ste und das gelockte, harte Haar hielten seine Lust, unter all den Schmerzen, wie das ewige Licht am Brennen. Er griff zur Kutte und bedeckte seinen K├Ârper. ÔÇ×Herr verzeih mirÔÇť, stie├č er keuchend hervor und seine Hand tastete nach dem Zingulum. Fest legte er den G├╝rtel um seinen Hals, die Enden band er an den T├╝rgriff, dann kniete er mit gebeugtem Kopf nieder und zog, bis er ins Nichts fiel.

Lehmige Erdbrocken zw├Ąngten sich zwischen seine Zehen. Durch die Dunkelheit f├╝hrte der endlose Weg abw├Ąrts. Es roch nach Verwesung und die K├Ąlte legte sich wie eine eisige Hand auf seine Wunden. Wie weit noch bis Canossa?
Die Temperatur stieg. Zuweilen blieb er stehen, wischte sich den Schwei├č von der Stirn, versuchte Sauerstoff in die verkrampften Lungen zu pumpen, und erinnerte sich schemenhaft an braune Augen und ein m├Ądchenhaftes Lachen.
Die Stille wurde zerfetzt von einer Stimme, die keine war. Von ├╝berall her kroch sie wie eine Schlange, ├╝ber die W├Ąnde, auf seine Haut, in sein Hirn, fra├č sich in seine Seele. H├Ąmmerte Worte ins Bewusstsein, die ihn nahezu ohnm├Ąchtig werden lie├čen, verstummte irgendwann. Er fiel auf die Knie, beugt sich vorn├╝ber und presste die Stirn auf den hei├čen Boden. Jammerte Worte der Reue. Ewigkeiten vergingen, bis er in jeder Pore qualvoll das Urteil vernahm. Nur ein einziges Wort: ÔÇ×Warten!ÔÇť

In seinen H├Ąnden, zum Gebet gefaltet, f├╝hlte er die glatten Perlen des Rosenkranzes. Starr lag er auf dem R├╝cken. Die Augen geschlossen, lauschte er hellwach der Stille. Er f├╝hlte, wie seine Haut erste Blasen bildete und seine Organe sich verfl├╝ssigten. Mikroorganismen in seinem K├Ârper erwachten zum Leben.
Die Strangulationswunden an seinem Hals brannten wie gl├╝hende Eisenb├Ąnder.

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Plot - POV - Pointe

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