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Leselupe.de > Kurzprosa
Strafzettel
Eingestellt am 26. 04. 2011 00:06


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Lio
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Ich kenne sie.
Man muss nur aufmerksam sein, beobachten. Dann kennt man sie. Laufen erst ├╝ber die Bahrensberger, die Neubr├╝cker und nehmen dann die ganze Breitestra├če. Jeden Tag von beiden Seiten, in Geschwadern von vier bis sechs Mann. Ich kenne sie und gr├╝├če. Ziehe den Hut, nicke, halte sogar manchmal ein Schw├Ątzchen. Nichts Ernstes nat├╝rlich, ├╝ber das Wetter oder einen spektakul├Ąren Mordfall. Nach ihrer Route frage ich nicht. Das w├Ąre zu auff├Ąllig und au├čerdem fangen sie ja doch immer an zu erz├Ąhlen. Dass sie den Kerl ┬┤mal in die Finger kriegen wollen, dass sie ihn dann ganz sch├Ân zusammenfalten werden. Ahnen nicht, dass ich es bin, sehen in mir ja einen Verb├╝ndeten. Und, dass ich ihnen jeden Tag ├╝ber den Weg laufe, wundert sie nicht, weil sie mich nicht ernst nehmen, weil sie mich f├╝r einen armen Kauz halten, der auf der Stra├če lebt, doppelter Doktor, Oppenheimer, dem das Schicksal ├╝bel mitgespielt hat. Aber f├╝r den Grund interessieren sie sich nicht, wenn wir in der Sonne auf dem B├╝rgersteig stehen. Dann kneifen sie die Augen zusammen und mustern jeden der vorbeikommt, w├Ąhrend ich mit meinem Kleingeld in der Jackentasche klimpere. Und bevor es zu ernst wird, verabschiede ich mich, sch├╝chtern, ziehe wohlerzogen den Hut, der arme Kauz. Wei├č um ihre Route und gehe sie weiter ab, denn 15 Minuten einer Parkuhr kosten mich nicht viel, aber ein Strafzettel, der ist teuer. 45 Euro wiegt er schwer, mal zehn macht 450 Euro, mal 100 macht 4500 Euro. Das reicht, um jemanden in den Ruin zu treiben, um mich in den Ruin zu treiben. Und w├Ąhrend sie noch zusammenstehen, sich dar├╝ber auslassen, dass kein Geld mehr in die Gemeindekasse flie├čt, dass die Tage dieses Kerls gez├Ąht seien, l├Âse ich schon das erste Ticket, klemme es hinter den Scheibenwischer und gehe kurz vor ihrer Ankunft weiter. In die Ulreichstra├če und danach in die Kettlergasse.


Version vom 26. 04. 2011 00:06

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Ofterdingen
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Dieser kleine Text beginnt r├Ątselhaft, spannend, l├Âst die Spannung erst am Ende auf, wie es sich geh├Ârt. Nichts Gro├čes, deine Aufmerksamkeit geh├Ârt dem Alltag, dem t├Ąglichen ├ťberleben - und du bringst dein Thema in eine gelungene Form. Kompliment!
__________________
Man soll keine Dummheit zweimal begehen, die Auswahl ist schlie├člich gro├č genug. J. P. Sartre

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