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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Strandgut
Eingestellt am 08. 05. 2016 11:09


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aligaga
One-Hit-Wonder-Autor
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Einst strandete ein Wesen an einer KĂĽste, an der es sandig und seicht war.

Als man es fand, lebte es noch, das erkannte man an den Atemzügen, die es alle halbe Stunden tat. Außerdem kamen leise Geräusche aus seinem Innern. Nicht solche, wie man sie gewohnt war aus den Fernsehsendungen oder den Dokumentarfilmen, diese hallenden Sirenenklänge, sondern ein monotones Wispern.

Es versammelten sich sehr bald Passanten und redeten über es. Die einen sagten, man müsse versuchen, es zurückzubringen ins tiefere Wasser. Andere meinten, man müsse es feucht halten und warten, bis die Flut wieder käme, dann könne es von alleine zurück, wenn es denn überhaupt wolle. Wieder andere sagten, man solle es töten, um es von seinen Leiden zu erlösen. Man könnte ja, vielleicht, sein Fett und sein Fleisch noch irgendwie nutzen, bevor es in der Sonne ganz verdürbe.

Aber dann kam ein Geländewagen angefahren, und es stieg einer aus, der hatte eine Jacke an mit Streifen am Ärmel, und sein Hut trug eine Kokarde. Er tat sehr wichtig, trieb die Menschen zurück und begann, eine Absperrung um das Wesen herum zu errichten.

Auf Fragen der Passanten wies er sich als Wächter aus. Er zitierte eine Verordnung, die niemand der Gaffer kannte, und behauptete, das Betrachten gestrandeter Organismen sei Regeln unterworfen, von denen – bei Vermeidung einer Buße – zu keiner Zeit abgewichen werden dürfe. Wenn, wie hier offensichtlich, ein Wesen zwar die Form eines Wales aufweise, stimmlich aber wohl einer ganz anderen Art zuzuordnen sei, gelte diese Erscheinung so lange als „gefährlich“, bis sie insgesamt – nota bene von einem amtlichen Sachverständigen – in die anerkannte Nomenklatur eingereiht worden sei. Was für gefährlich gelte, dürfe nicht betrachtet werden. Der Platz sei zu räumen.

Die meisten Passanten leisteten der barschen Aufforderung Folge. Nur ein junges Mädchen und ein alter Mann blieben stehen. Das Mädchen sagte: „Das ist das Dümmste, was ich jemals gehört habe!“, und der alte Mann sagte: „Sind wir schon wieder so weit?“ Aber sie gingen dann auch fort.

Gegen Mitternacht verstummte das Wesen.

Am nächsten Morgen waren die Absperrungen beseitigt und die Spaziergänger durften vor ihm stehen bleiben. Das Mädchen war auch wieder darunter. Es hieß Ulrike und war die einzige, die traurig war.


Epilog

Der Wächter kam bald darauf um, als er mit seinem Fahrzeug hinter einem unkorrekt gekleideten Liebespaar herjagte und auf eine Landmine fuhr. Von ihm fand sich nichts mehr.

Ulrike geriet auf die schiefe Bahn.

Von dem Wesen blieben die Knochen am Strand, ein bleiches GerĂĽst, wie von einem abgedeckten, geborstenen Dachstuhl.


Version vom 08. 05. 2016 11:09

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Isegrims
Wird mal Schriftsteller
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Hallo @aligaga

aha: da schreibt einer über einen gestrandeten Wal und macht ne Parabel draus, die womöglich etwas mit Polizeistaat, vielleicht mit Menschen zu tun hat, die in irgendeiner Form Widerstand leisten. Könnte ein interessanter Text sein oder werden... wird dann aber zur reinen Parabel... Leser: such dir die Bedeutung, Leser, überleg mal...
Was mir fehlt ist die Erzählstimme, nichts wird lebendig, alles bleibt im Ungefähren, keine Dialoge, keine "Wesen", die leben... der Text müsste länger oder klarer sein, um ergreifen zu können... Schade drum, hätte man was draus machen können, wenn du näher dran gingst... Was das mit der Ulrike soll: keine Ahnung und mir auch egal, weil es für mich zuvor nicht funktioniert...

Beste GrĂĽĂźe
Isegrims
__________________
amor vincit omnia

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aligaga
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Hm - ein Wal?

Wenn man genau liest, stellt man fest, das "es" vielleicht so aussieht, aber eine andere Sprache spricht. Vielleicht ist "es" ja gar kein Tier, sondern nur etwas "Verbotenes", von dem man sich - bei Vermeidung einer BuĂźe - fernzuhalten habe? Eine Schrift? Ideologien? Eine Lehre? Der Leviathan?

Wer weiß. Der Beamte kann ein Polizist, aber auch ein Tugendwächter sein. Es ist nicht beschrieben, wo die "Küste" liegt. Überall und nirgends. Vielleicht gar am Roten Meer oder am Persischen Golf? Allerdings - "Ulrike" klingt eher nicht nach Nahem Osten ...

Dass "es" bei dir nicht funktioniert, macht nichts. Es muss ja nicht jeder mit jedem Strandfahrzeug unterwegs sein können - Radfahren und Schwimmen werden nicht angeboren. Man muss es erst lernen.

Heiter

aligaga

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Wipfel
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Ein Wal? Hat man denn die Wahl? Irgendetwas. Es ist nicht wichtig.

Sprachlich kein Höhepunkt von @ali, aber schon Goethe sagte sinngemäß: kein Meister liefert täglich meisterhaftes...

quote:
Nicht solche, wie man sie gewöhnt war aus den Fernsehsendungen oder den Dokumentarfilmen, diese hallenden Sirenenklänge, sondern ein monotones Wispern.
Ich bin gewöhnt. Ich war gewohnt. Fast alle Dokus sind Fernsehsendungen. Eine, möglicherweise zwei pro Jahr kann man in ausgewählten Programmkinos sehen... Doch ist das nicht die angesprochene Masse.

Den Rest findest du selbst, da bin ich sicher.

GrĂĽĂźe von wipfel

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aligaga
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Das mit dem "gewohnt" stimmt, @Wipfelchen. Da hat @ali ein wenig geschlampt. Danke fĂĽr den Hinweis!

Dass "Dokus" grundsätzlich im Fernsehen liefen, ist ein Irrtum. Es gibt Millionen von Dokumentarfilmen, die nur bei Symposien, Kongressen, Ausbildungen oder etwa Beweissicherungsverfahren gezeigt werden, die im Rahmen von Forschungsaufträgen oder wissenschaftlichen Arbeiten entstehen oder auch "nur so" gemacht werden. Heutzutage werden sie oft auch als "Clips" bei allen möglichen Präsentationen verlinkt. Allein über die todlangweiligen Walgesänge dürfte es einige hunderttausend Tonfilmstunden geben, die nie im TV erschienen oder erscheinen werden. Such mal bei You Tube nach "singing whales" - da würdest du geholfen.

Die meisten kommerziellen Dokus laufen heute weder im TV noch im Kino, sondern in Stadt- oder Gemeindehallen, wenn die Abenteurer von ihren Reisen zurück sind und Geld für das nächste Unternehmen brauchen. Das hat schon Hans Hass selig so gemacht.

Heiter immer weiter

aligaga

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