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Leselupe.de > Gereimtes
Strangers in the Night
Eingestellt am 14. 12. 2001 17:29


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guardian.angel
Hobbydichter
Registriert: Dec 2001

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Er sa├č da und schaute sich die Leute, die ihm gegen├╝bersa├čen, an. Sie a├čen, manche sprachen miteinander und ├╝bereinander, lachten ├╝ber das Gesagte. Er fand es war ein kaltes Lachen, ein gezwungenes Lachen, er hasste es, er hasste diese ausdruckslosen Menschen, die miteinander redeten und doch nicht verstanden, was sie sagten.
Er hasste diese Art von Parties, die seine Eltern gaben, bei denen Gesch├Ąftsfreunde und alle m├Âglichen anderen Menschen auf der Matte standen und sich die B├Ąuche voll schlugen.
Er machte sich gar nicht erst die M├╝he mit jemandem zu sprechen, demjenigen etwas vorzuheucheln, wie sehr er sich doch freue diese Person zu sehen, ihr Komplimente zu machen.
Er sa├č da um zu zeigen, dass sein Vater eine perfekte Familie hat, dass sein Vater bei den Leuten die zu Gast waren, Eindruck schinden konnte, um somit auch "Seht her, das ist meine (perfekte) Familie! (Alle anderen leben ja getrennt!)" zu sagen.
Er hasste es, wenn sein Vater damit angab, wie sch├Ân das Haus w├Ąre und wie perfekt alles sei.
Er hatte keinen Hunger, er lie├č den Blick von einem zum anderen schweifen und dachte bei jedem etwas anderes.
Er wollte nicht mehr, er hatte es satt, diese aschfahlen Marionetten zu betrachten. Er trank sein Glas Wasser aus, stand auf. Er blickte zu seiner Mutter, die jedoch gerade mit der Frau des Chefs seines Vaters sprach, sie bekam nicht mit, dass er den Raum verlassen wollte, es war auch besser so, sie h├Ątte ihm sonst wieder einen ihrer t├Âdlichen Blicke zugeworfen.
Er ging die Treppe hinauf und l├Âste unterwegs seine Krawatte, kn├Âpfte das Hemd auf, das mit den Manschetten (sein bestes).
Auch hier auf der Treppe konnte er die Diskussionen von drinnen noch h├Âren, doch sie wurden mit jeder Stufe leiser.
Als er vor seinem Zimmer im Dachgeschoss stand, h├Ârte er keine Menschen mehr sprechen, er h├Ârte Musik aus seinem Zimmer. Langsam ├Âffnete er die T├╝r und ging hinein, das Licht war an, doch er konnte sich noch genau daran erinnern, wie er es vor einer Stunde ausgeschalten hatte. Er schaute sich um, es war keiner da, die Badt├╝r stand offen, drin war es dunkel, der Plattenspieler lief, es war irgend etwas klassisches, sein Bett war, wie immer, nicht gemacht, der Wecker tickte vor sich hin und der Fl├╝gel war offen, hatte er ihn nicht geschlossen?
Die Balkont├╝r war offen, drau├čen ging ein leichter Wind, er ging hin und wollte sie schlie├čen, doch als er noch einmal nach drau├čen auf den Balkon sah, erblickte er sie.
Sie stand da, in einem Abendkleid, lang, dunkelroter Samt, und ihre braunen Haare bedeckten ihre Schultern. Sie fror, doch sie blieb in der K├Ąlte der Nacht stehen und blickte in den Himmel, dort wo die Sterne und die Sichel des Mondes hell erstrahlten.
Ohne etwas zu sagen, zog er sein Jackett aus und ging zu ihr hinaus und legte es um ihre Schultern. Sie erschrak und sah ihn mit ihren blau leuchtenden Augen an, sagte aber nichts.
Nach einem Moment des Schweigens entschuldigte sie sich bei ihm und begr├╝ndete ihr Dasein damit, dass es unten so langweilig gewesen sei und dass sie einfach nur etwas Ruhe haben wollte.
"Ich wei├č," sagte seine weiche Stimme, "mir geht es doch genau so, ich hasse diese Parties." Und er l├Ąchelte sie an.
"Ich werde dann mal gehen, meine Mutter wird mich schon vermissen und ich will sie auch nicht weiter st├Âren." sagte sie, mit dem Wunsch zu bleiben in ihrer Stimme.
Er forderte sie auf, nicht zu gehen und erfasste ihre Hand, sie war kalt und zitterte ein wenig. Er ging, mit ihr an der Hand in sein Zimmer und schloss die T├╝r hinter sich. Er machte die Musik etwas leiser und bat sie sich hinzusetzen.
Er zog sich die Krawatte vom Hals und ging zu seinem Schrank, naja, es war mehr ein Zimmer f├╝r seine Klamotten, er ├Âffnete die T├╝r und ging hinein, dort h├Ąngte er die Krawatte zu den anderen und zog sich das Hemd aus. Sie konnte ihn sehen und an ihrem Blick konnte man bemerken, dass sie gern hinsah, er hatte ja schlie├člich auch den K├Ârper zum hinsehen und bestaunen.
Und w├Ąhrend er die Lackschuhe auszog, holte er sich ein T-Shirt aus dem Fach und zog es sich ├╝ber. Er l├Âschte das Licht und kam aus seinem Ankleidezimmer, barfu├č auf dem weichen Teppich, auf sie zu. "Willst du was trinken?" Sie nickte. Also ging er, quer durchs Zimmer, zum Schrank und ├Âffnete die Hausbar. Er holte zwei Gl├Ąser und eine Flasche Martini hervor. W├Ąhrend dessen legte sie das Jackett auf die Lehne der Couch und zog sich ebenfalls die Schuhe aus, ihr taten in diesen Schuhen die F├╝├če weh, sie stellte sie neben die Couch und stand auf, es tat gut auf diesem weichen Boden zu gehen, und ging zur Wand, an der das Bett stand und an der ein paar Bilder hingen. Sie betrachtete sie und musste bei einem Bild lachen.
Er kam zu ihr her├╝ber und dr├╝ckte ihr das Glas in die Hand. "Warum lachst du?" Sie zeigte auf ein Bild und fragte: "Bist du das?" Er nickte und musste auch ein wenig lachen.
Es war ein Bild von ihm, als er noch ziemlich jung war, neun oder zehn Jahre, also vor fast f├╝nfzehn Jahren, er war alles andere als gro├č, schlank und athletisch, ein kleiner, dicker Junge mit Hamsterbacken in einem Baseballtrikot.
Sie nippte an ihrem Glas, ging zu seiner Plattensammlung und st├Âberte darin, sie zog eine Platte aus ihrer H├╝lle und w├Ąhrend sie diese auflegte, fragte sie ihn ob er tanzen k├Ânne. Er stellte sein Glas auf den Nachttisch und dimmte das Licht etwas.
Die Musik war langsam und ein Saxophon spielte. Sie kamen aufeinander zu. "Darf ich bitten?"
Sie tanzten beide mit nackten F├╝├čen auf dem weichen Teppich. Sie schlossen die Augen und verga├čen alles um sich herum, die Party, ihre Eltern, die sinnlosen Diskussionen, die unten den Raum f├╝llten, die K├Ąlte die vor der Balkont├╝r herrschte, das Foto von dem dicken, kleinen Jungen, die Sterne am Himmel der Nacht.
Die Zeit verging, die Platte war zu Ende. Beide schraken auf, aufgewacht von einem viel zu sch├Ânem Traum. Sie standen sich gegen├╝ber, er hielt sie fest, sie sahen sich an und wie automatisch k├╝sste er sie, er musste das einfach tun, er hatte keine andere Wahl. Und sie schlossen wieder die Augen und es war als schwebten sie, die Erde war f├╝r sie nicht mehr da, sie waren jetzt irgendwo in der N├Ąhe der Sterne; ihre Herzen bebten.
Ein Klopfen an der T├╝r holte die beiden auf den Boden der Tatsachen zur├╝ck. "Jonathan, bist du hier?" fragte seine Mutter. "Ja, Moment, ich zieh' mich gerade um." Bekam sie zur Antwort. Er nahm sie und versteckte sie in seinem Ankleideraum und gab ihr noch einen Schmatz auf die Stirn und sagte: "Heute nacht lass' ich dich nicht gehen!" Sie l├Ąchelte und er schloss die T├╝r.
Mit einem st├Âhnendem und genervtem "Was ist denn?" ├ľffnete er die Zimmert├╝r. "Ich wollte nur wissen, ob du vielleicht die Tochter von Morrisson gesehen hast, aber du siehst nicht aus, als h├Ąttest du heute Abend ├╝berhaupt irgendein M├Ądchen gesehen. Naja, sie ist sicher schon gegangen. Na dann schlaf gut." - "Ja, gute Nacht."
Er lie├č die T├╝r ins Schloss fallen und drehte den Schl├╝ssel herum.
Er ging zur Schrankt├╝r, ├Âffnete sie und fragte: "Hast du die Tochter von Morrisson gesehen?" Sie sch├╝ttelte mit dem Kopf und beide mussten lachen. Im selben Moment lagen sich beide wieder in den Armen und machten da weiter wo sie vor f├╝nf Minuten aufgeh├Ârt hatten.
Und er lie├č sie, nicht nur diese erste Nacht, nicht gehen ....


__________________
J.B.8

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