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Leselupe.de > Ungereimtes
Straßen oder sonstwie Rand
Eingestellt am 14. 08. 2003 19:36


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lapismont
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Straßen oder sonstwie Rand

Kannst du
die Toten begraben,
die herrlichen Hummeln?

Das verlassene Seil
der Fahnenstange
klimpert ein Lied mit dem Wind.

Das ist egal,
nur ein Auto,
das nicht bremst.

Lass dich fallen,
ungeliebter Rand
vom großen Kuchen.

Sieh zu,
bei dir im Graben,
wie die Maden bummeln.

Quäl die Finger Deiner Hand
nicht so lange
bis sie durchgebissen sind.

Welch edles Mahl!
Du weist nicht wieso
Du in der Patsche klemmst.

In schweren Ballen
deckt das Stroh das Land
und niemand hört das Fluchen.
__________________
Kunst passiert.

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ziner
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Hi Lap,

... du weißt nicht...
Und: In einer "Patsche" steckt man...

Ansonsten: schon mal Gernhardt gelesen? In der Kürze liegt die Kunst und - eben - auch die Würze...

Gruß z
__________________
in a world of mediocrity genius is dangerous

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lapismont
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Hallo ziner,

meintest Du Robert Gernhardt?
Den hab ich gerade gelesen, nach Deiner Frage.Der Gernhardt liest sich ausnehmend gut.
Grüble aber doch um des Vergleiches - falls Du diesen meinst.

Das "klemmst" ist tatsächlich nicht das direkt zu erwartende Wort, bot sich um des Reimes willen irgendwie an.

cu
lap
__________________
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Jongleur
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Am Rande ....

Hi Lap,
Du findest mich ... hilflos. Den Worten ausgeliefert. Nicht durchgängig, aber großenteils. Auch fehlt mir ein Einblick in einen kontinuierlichen Ablauf, Zusammenhang, Sinn ...
steh ich auf der Leitung?

Beginnt mit der Titelzeile. An zwei verschiedenen Tagen mindestens achtmal gelesen - und nix kapiert. Straßen. Okay. Rand? Rand halten = Schnauze. ? Nach dem neunten Lesen von Titel und Text kam die Erleuchtung: Straßen->Rand. Ah. Durch den fehlenden Bindestrich (Straßen-) und die beiden Worte dazwischen hab ich die Verbindung nicht eher hergestellt. Mmpf. Liegt das am Alter? (an wessen?)

Okay, das Gedicht will also etwas erzählen über Straßenränder und sonstige Ränder.

Kannnst du
die Toten begraben,
die herrlichen Hummeln?


Wirklich die Toten mit versal T?? Also Tote Menschen, schließe ich hieraus, sind herrliche Hummeln?
Tipfehler?
Also wird die Frage gestellt, ob man die toten und herrlichen Hummeln eingraben will.
Hab ich mich noch nie gefragt, aber schöne Tierchen sind's. Wenn es so viele werden wie in den heißen Tagen die Fliegen auf dem Küchenboden, dann möchte man sie vielleicht entsorgen. Begraben?

Das verlassene Band
der Fahnenstange
klimpert ein Lied mit dem Wind.


Das ist klar, überträgt auch eine Atmosphäre auf den Leser. Verlassen, dennoch fröhlich im Wind klimpern. ich verstehe.
- Kein Fahnentechniker, aber ist es ein Band? Stahlseil?

Das ist egal,
nur ein Auto,
das nicht bremst.


Und schon wird mein Verständnis ausgebremst. WAS ist egal? Die Fahnenstange? - Ein Auto, das nicht bremst ... könnte zu schnell sein oder sogar einen Unfall verursachen. Mit Toten. - Mit Toten? Hatten wir doch weiter oben.
In mir keimt der Verdacht, ob denn die Strophen als Vertauschrätsel gesetzt sind? Zumal die entsprechenden Reimstrophen weit voneinander entfrnt liegen. (oder ist das eine definierte Gedichtform?)

Versuch:

Kannnst du
die Toten begraben,
die herrlichen Hummeln?

Sieh zu,
bei dir im Graben,
wie die Maden bummeln.


.... mh. Könnte passen ...

Aber dann? Käme die Fahnenstangenstrophe (könnte zuvor auf Halbmast geweht haben oder demnächst, wegen der Toten ...) zusammen mit den abgekauten Fingern/Nägeln ...

Zurück zum Auto. Es bremst nicht. Der im Gedicht mit DU angesprochene möge sich fallen lassen. Er wird gleichgesetzt mit dem festen, trockenen Rand des Kuchens, unbeliebt bei den Essern. Einer soll sich fallen lassen, der selbst eine Art "Fallengelassener" ist?

Weiter geht die Folge in den Graben. Straße, Rand, Graben.
Lässt sich das DU vor dem Auto in den Graben fallen? Liegt bei den Maden. (igitt). Wobei die Maden durch das seltsamverknüpfte "bummeln" aufgeheitert scheinen.

Jetzt die nervös oder voller Angst angebissenen Finger. Aufforderung, das rechtzeitig zu unterlassen.
Dann ein seltsamer Anschluss, wenn er sich auf das Nägelkauen bezieht:

Welch edles Mahl!
Du weißt nicht wieso
Du in der Patsche klemmst.


Dazu eine Formulierung wie "edles Mahl"? Stößt mich sogar als ironisch gemeinter Ausruf ab.
Ein Hinweis nun, dass das angesprochene DU, womit offensichtlich ein Lyrisches Ich gemeit ist, schuldlos oder ahnungslos in diese (welche? im-Graben-Lieben?) Situation geraten ist.

In schweren Ballen
deckt das Stroh das Land
und niemand hört das Fluchen.


Das raff ich ja schon gar nicht. Was haben die Strohballen (Ballen + decken?? das wäre doch eher beim noch zerstreut ausliegendem Stroh das passende Verb.) für eine schallschluckende Wirkung?
Weiteres Bild, das mir kam: Autorennen, Nürburg, Hockenheim ... früher gab es Strohballen an der Strecke zum Fahrer- und Zuschauerschutz. ?
Weder die Verbindung bekomme ich klar, auch nicht das "Fluchen". Da war doch eben noch ein ängstlicher, Nägel kauender Mensch benannt. Das bringe ich mit Fluchen nicht zusammen.

Mmh. Sehr verschlossen. Dennoch ist etwas dran am Text, was einen bei der Stange hält, man will das Rätsel lösen, verstehen. Trotz der Ungereimtheiten, der Mischung von Ernst und Komik (Maden, die bummeln).

Vielleicht gibt's eine Ergänzung für Leser "auf dem Schlauch"??

Grüße vom Jongleur

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lapismont
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Hallo Jongleur,

danke für Deinen Kommentar!

Einen Bindestrich im Titel fand und finde ich nicht gut.
Da wo ich wohne, am Stadtrand, sind viele Straßen selbst die Ränder.
Der Rand ist gewissermaßen das Thema. Randexistenz, Beobachter am Rand, Kuchenrand...

Hattest Du nicht vor kurzen dieses Gedicht über den toten Igel?
So in etwa ging es mir mit den toten Hummeln am Strassenrand.
So friedliche, recht grosse und schöne Tiere tot - und niemand der sie betrauert und begräbt. Der Strassenrand als Grab.

Das Seil werde ich übernehmen - hast recht.

Am Rand des Bewusstseins ein Geräusch, nur ein Auto, das vorbei fährt und nicht hält.
Und ein Auto das nicht bremst, kann einem schon egal sein, genauso wie man dem Auto egal ist.

Bummelnde Maden sind doch schon am Rand des Ernstzunehmenden?

Kurz nach der Maht bedecken Strohballen die abgeweideten Felder, manchmal rollen die grossen Würste in den Graben und verdecken die Ränder und alles was in ihnen ist.
Das lädt zum Fluchen ein, Stroh im Kragenrand - fürchterlich!

Das Reimschema ist nicht wirklich wichtig oder bedeutungsvoll, eher nur der Rand des Textes.

cu
lap
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Jongleur
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Am Rande aufdröseln

Also hab ichs teilweise *aufgedröselt* gekriegt?
Oder grinst Du Dir noch eins? Wehe!
Aber dennoch: mir fehlt einfach was. Vielleicht .... irgend eine Aussage, die klar macht, dass das Ich (das Du) sich am Rande, im Graben sich befindet?? Oder ist das nun falsch gedeutet. Also sowas wie z. B. im Titel (tschuldige, der klingt jetzt schon irgendwie umgangssprachlichgrauslich)
Am Straßen und sonstwie Rand
wahlweise noch umgangssprachlichgeschriebener:
Am Straßen(und sonstwie)Rand

Und die Hummeln, ja, sollten die da tot herumliegen, verscharren vielleicht, wenn das Ich sich so traurig angesprochen fühlt. Aber mir wäre "klein-'t'", also adjektivisch lieber. Also die toten und herrlichen Hummeln. DIE TOTEN - möchte ich den Menschen vorbehalten.
Kannst du
die toten begraben,
die herrlichen Hummeln?


Kurz nach der Maht bedecken Strohballen die abgeweideten Felder, manchmal rollen die grossen Würste in den Graben und verdecken die Ränder und alles was in ihnen ist.
Das lädt zum Fluchen ein, Stroh im Kragenrand - fürchterlich!

Oha, wäre das Ich im Gedicht beinahe erschlagen worden?? Dann hätten wir es aber wie die hübschen Hummeln begraben.

Tschuldige, nicht bös sein, aber insgesamt ist es mir aber immer noch ... sehr schwierig. Und im Einzelfall diskutierwürdig. Wie die Strohballen zum Beispiel. Das ist im Rheinland (wird doch bei Euch nicht anders sein?) ein komprimiertes, walzenartiges, schweres Dingens, so ein Ballen. Aber nichts, das "deckt". Etwas, das "deckt", deckt doch zu, *über*deckt eine Fläche .... Oder?
Und *neugierignachfrag*: Ist mit dem "lass dich fallen ..." tatsächlich das Lyrische Ich gemeint? Freiwillig in den Graben?

Mit der Hitze kann ich mich heute nicht mehr rausreden. Brett vorm Kopf? Oder will ich es hier zu einfach haben?
Und sollte mich mit den Gedichtfiguren und meinem Dasein "am Rande" begnügen?
Würde mich ja nun mal ein anderer Leser dazu interessieren ...

Und lass Dich's nicht verdrießen, lap!
Grüße, blauweißer Himmel, leichter Luftzug,
Jongleur

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lapismont
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Hallo Jongleur,

ich danke Dir erneut erfreut.

Der Beobachter, das unerwähnte Ich, ist nicht das Du.
Den Text auf eine Aussage herunterdividierend, liegt die Randexistenz im Graben und wird vom Ich abseits beobachtet.

Vielleicht ist die Distanz zwischen den beiden Rändern gar nicht so gross. Wie schwer ist es, dem Abstieg zu entgehen?

Wie nah am Ende ist dieses Land?
Sind die sterbenden Hummeln ein Zeichen, der leere Fahnenmast nicht der Bote des Untergangs?
Braucht irgendwer das aussterbende, sich selbst verleugnende deutsche Volk?

cu
lap
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