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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Straßencafé am Bahnhof
Eingestellt am 14. 06. 2002 16:49


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Lonia
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jun 2002

Werke: 4
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TATA: MEIN ERSTER BEITRAG.Über konstruktive Kritik wäre ich euch sehr dankbar.
___________________________________________________________


Straßencafé am Bahnhof

Mit spitzen Fingern schiebt sie die benutzte Tasse beiseite. Sie mag keine Unordnung. Suchend blickt sie nach Personal. Fingerschnippen. Das entspricht nicht meinen Ansprüchen, sagt sie in getragener Stimme der Aushilfskellnerin, die seit vorgestern hier arbeitet. Die Tasse wird abgeräumt. Aschenbecher und Cappuccino werden verlangt und in Windeseile herbeigebracht. Sie zieht. An der Zigarette.
Sie raucht nicht gerne. Sie schämt sich im Geschäft nach einem Feuerzeug zu fragen. Sie fragt nach Streichhölzern. Niemand sagt ihr, sie solle aufhören.
Sie sitzt da. Sie wartet auf niemanden. Sie ist zum ersten Mal in dem Café am Bahnhof mit den moosgrünen Plastikstühlen. Schief stehen die Beine der Stühle auf dem Kopfsteinpflaster. Andere ruckeln mit ihren Stühlen, versuchen sie in bequeme Positionen zu bringen, was leidlich gelingt, rutschen unruhig auf ihren Plätzen hin und her. Sie sitzt ruhig auf ihrem grünen Stuhl. Sie lehnt sich entspannt zurück und zieht an der Zigarette. Lasziv, brummt die schwitzende Toilettenfrau des Bahnhofs. Sie denkt an nichts, glauben die, die scheu zu ihr hinüberspähen. Durch die Sonnenbrille sind ihre Augen verdeckt. Sie hat schöne Augen. Blau-grün. Nicht mehr so sehr wie gestern. Es wird besser. Ein Zug fährt ab.
Die Stadt ist klein. Es gibt nur zwei Gleise. Vorgestern ist sie angekommen.
Sie trägt Trauer, sicher. Die beiden Hausfrauen, die schon erwachsene Kinder haben, sind sich einig. Eifrig nicken sie sich zu. Sogar ihre Arme sind verdeckt, stellt die etwas ältere fest. Sie suchen eine Perle auf ihrer Stirn.
Eine Schülergruppe zu je zwei Mädchen und zwei Jungen der elften Klasse entlarven sie als höher gebildete Frau, sicher mit Doktortitel. Vielleicht Staatsanwältin, meinen die Jungen. Die Mädchen schauen staunend zu ihr hinüber. Sie finden sie selbstbewusst und wie vornehm sie an der Zigarette zieht… Noch vornehmer bläst sie den Dunst zwischen ihren fein geschwungenen Lippen aus, doch die Anmut vermögen die Mädchen noch nicht zu begreifen. Unabhängig voneinander beschließen beide, es ihr heute Abend gleichzutun. Sie wollen so sein wie sie.
Die Frau steht auf und geht. Aufrecht und stolz. Seit vorgestern wohnt sie im Frauenhaus der kleinen Stadt.

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Amanita
???
Registriert: Jun 2002

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TATA, ein schöner Text :-)

Eine sehr schöne Stimmung hast du da aufgebaut, Lonia. Hat mir sehr gut gefallen.

> Sie suchen eine Perle auf ihrer Stirn.

Ein schönes Bild, aber ich weiss nicht genau, wie du das wohl gemeint hast.

> Seit vorgestern wohnt sie im Frauenhaus der kleinen Stadt.

Und ein unerwartetes Ende. Fein :-)

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Lonia
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jun 2002

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Re: TATA, ein schöner Text :-)

Danke Amanita!
Habe -um ehrlich zu sein- schon ganz aufgeregt auf die erste Bewertung gewartet.
Das Bild mit der Perle ist wirklich nicht eindeutig: Es ist Sommer, sie trägt schwarz und dazu noch langärmlig, wie die beiden Frauen tratschen, deswegen müsste sie ja schwitzen, also suchen sie Schweißperlen auf der Stirn.

Liebe Grüße

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Amanita
???
Registriert: Jun 2002

Werke: 11
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ach so .-))

Schweissperlen also. Na da hätte ich auch selber drauf kommen können *schäm*

btw, ich hab mich auch ganz schnell beeilt mit der Bewertung, damit du nicht so lange warten musst.

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Renee Hawk
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 17
Kommentare: 1142
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Gratulation zu diesem einfühlsamen Text.
Was ich besonder gut fand, war der Hintergrund das Elend (seelisches Elend) nicht unbedingt sichtbar für jeden ist.
Gute Formulierungen und ein Fingerspitzengefühl für die Figur. Ich schließe mal so für mich daraus, dass es dir Spaß macht Menschen zu beobachten?
Ich habe es gern gelesen, weil das Ende wirklich sehr gut und total unerwartet auf mich einwirkte.

liebe Grüße
Reneè

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
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hm,

mit dem elend hat renee recht. außerdem finde ich es elend, daß die frau nischt weiter bewegt, als zwei mädchen zum rauchen zu verführen. lg
__________________
Old Icke

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