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Leselupe.de > Feste Formen
Strittig - Villanelle
Eingestellt am 06. 07. 2011 20:45


Autor
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HerbertH
???
Registriert: May 2007

Werke: 860
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Strittig?

Die Frist zu gehen ist schon ├╝berschritten,
Was h├Ąlt uns noch in diesen ├ťbeltagen?
Man meint zu recht, dass wir genug gelitten,

Geweint, geklagt, und uns verlegt aufs Bitten
Und Betteln haben. Tod, Dir bleibt zu sagen:
Die Frist zu gehen ist schon ├╝berschritten.

Nun komm auf deinem Klepper angeritten
Und bring Erl├Âsung von den letzten Plagen!
Man meint zu recht, dass wir genug gelitten,

F├╝rs ├ťberleben taugen nur die Fitten,
Nicht Welke, die am Hungertuche nagen:
Die Frist zu gehen ist schon ├╝berschritten.

Verschwinden wir zum Pol in unsern Schlitten,
Bevor sie uns das letzte Brot abjagen.
Man meint zu recht, dass wir genug gelitten,

Jedoch, und das bleibt ewig unbestritten,
Ressourcen fra├čen wir, die heute klagen:
Die Frist zu gehen ist schon ├╝berschritten,
Meint Ihr zu recht, dass wir genug gelitten?





__________________
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Version vom 06. 07. 2011 20:45

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presque_rien
???
Registriert: Feb 2003

Werke: 200
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Lieber Herbert,

Ich verg├Âttere Villanellen! Ich erinnere mich noch an "Hoffnung und Angst eines Liebestollen", m.E. eine der besten Villanellen, die ich je gelesen habe!

Bei dieser hier bin ich aber nicht sooooo ├╝berzeugt.

Ich finde einige Formulierungen etwas umst├Ąndlich, und eine Villanelle muss nunmal flie├čen.

Leider finde ich gerade einen deiner Hauptverse schwierig:

quote:
Die Frist zu gehen ist schon ├╝berschritten
Ich habe mehrmals lesen m├╝ssen, bis ich verstand, wie du es meinst (ich dachte zuerst, "die Frist" sei ein Akkusativobjekt ) - ich wei├č nicht, woran es liegt, aber irgendwie h├Ârt sich "die Frist zu gehen" f├╝r mich seltsam an.. kann nat├╝rlich auch daran liegen, dass ich in diesen Tagen nicht viel Deutsch zu sehen/h├Âren bekomme .

Au├čerdem finde ich diesen Vers etwas holprig. W├Ąre vielleicht
quote:
Schon/L├Ąngst ist die Frist zu gehen ├╝berschritten
besser? Hmm..

Auch diese Verse
quote:
Man meint zu recht, dass wir genug gelitten,
Geweint, geklagt, und uns verlegt aufs Bitten
Und Betteln haben.
sind ziemlich umst├Ąndlich. Der Punkt in der Versmitte warf mich aus dem Rhytmus.

ich mag es, wie du das Thema Nahrung/Hunger ├╝ber mehrere Strophen hinweg entwickelst, aber
quote:
Verschwinden wir zum Pol in unsern Schlitten,
h├Ârt sich f├╝r mich eher nach einer Verzweiflungsl├Âsung an .

Bei der letzten Strophe muss ich zugeben, dass ich sie nicht richtig verstanden habe.
quote:
Ressourcen fra├čen wir, die heute klagen
Wie k├Ânnen Ressourcen klagen, die bereits konsumiert sind? Wie k├Ânnen Ressourcen ├╝berhaupt klagen? Wenn das "die" auf das "wir" bezogen sein soll, dann wird das vom Satzbau und vom Rhytmus nicht nahe gelegt.

Ich mag es auch nicht sehr, wenn am Ende der Villanelle pl├Âtzlich ein ver├Ąnderter Vers auftaucht. Ich wei├č, da kann man unterschiedlicher Meinungen dr├╝ber sein, aber meiner pers├Ânlichen Ansicht nach sollte eine Villanelle es nicht zum Ziel haben, Pointen zu setzen. Sie sollte in einer Abrundung enden, nicht einer Aneckung.

Tut mir leid, wenn ich Haare spalte.. hab lange keine Gedichte mehr kritisiert, wahrscheinlich hab ich's vermisst .

Die Stimmung deiner Villanelle gef├Ąllt mir ├╝brigens sehr gut!

LG,
presque

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HerbertH
???
Registriert: May 2007

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quote:
Strittig?

Die Frist zu gehen ist schon ├╝berschritten,
Was h├Ąlt uns noch in diesen ├ťbeltagen?
Man meint zu recht, dass wir genug gelitten.

Wer weint, wer klagt, wer sich verlegt aufs Bitten
Und wer noch lebt, dem bleibt Dir, Tod, zu sagen:
Die Frist zu gehen ist schon ├╝berschritten.

Nun komm auf deinem Klepper angeritten
Und bring Erl├Âsung von den letzten Plagen!
Man meint zu recht, dass wir genug gelitten,

F├╝rs ├ťberleben taugen nur die Fitten,
Nicht Welke, die am Hungertuche nagen:
Die Frist zu gehen ist schon ├╝berschritten.

Gehetzt verschwinden wir in unsern Schlitten,
Bevor sie uns das letzte Brot abjagen.
Man meint zu recht, dass wir genug gelitten,

Jedoch, und das bleibt ewig unbestritten,
Ressourcen fra├čen wir, die heute klagen:
Die Frist zu gehen ist schon ├╝berschritten,
Man meint zu recht, dass wir genug gelitten.





Liebe Presque,

abgesehen von den Einw├Ąnden gegen

Die Frist zu gehen ist schon ├╝berschritten.

und

Ressourcen fra├čen wir, die heute klagen:

die nach meinem Sprachgef├╝hl stimmig sind , habe ich mich von Deinen Anmerkungen zu einer Alternativversion anregen lassen.

Ob sie wirklich besser ist, weiss ich nicht so recht. Vielleicht magst du oder jemand anders sich dazu ├Ąu├čern.

Liebe Gr├╝├če

Herbert



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HerbertH
???
Registriert: May 2007

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PS

Bei

quote:
Schon/L├Ąngst ist die Frist zu gehen ├╝berschritten

gef├Ąllt mir nicht, dass das erste Wort jeweils einen langen Vokal enth├Ąlt, der zudem durch das "n" noch gedehnt wird, gefolgt vom kurzen "ist", was dem Jambus am Versanfang betont zuwiderl├Ąuft. Bei meiner Version f├Ąllt das ├Ąhnliche Problem bei "ist schon ├ťberschritten" nicht so auf, weil es mitten im Vers steht und man - ich zumindest - auf das noch l├Ąngere "├╝" zuliest, weshalb das "o" inn "schon" k├╝rzer wirkt.

Der Bezug "Ressourcen, die heute klagen" will sich bei mir ├╝berhaupt nicht einstellen. Vom Zusammenhang her ist "wir, die heute klagen" f├╝r mich zwingend.

Vielleicht f├Ąrbt das Englische S-P-O ja ins Sprachgef├╝hl ab, wenn man es nur lange genug h├Ârt, spricht und - tr├Ąumt (so ging es mir jedenfalls )

Liebe Gr├╝├če

Herbert
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