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Leselupe.de > Ungereimtes
Strohfeuer
Eingestellt am 10. 03. 2008 22:40


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ENachtigall
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???

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Strohfeuer



Da waren die hölzernen Riesen
mit Knospen zum Bersten gr√ľn
die schwankten wie gefangen
im Sog der Flut des Flammenmeeres

Wer - wenn nicht sie - sah den Widersacher
des Märzbauern Strohfeuer stiften
es brannte in den Wiederkäuern die schwarze Angst
aus aufgerissenen Augen

Es brannte ein Ton der Routine
in der Stimme des Sprechers der Tagesthemen
eine Kriechspur von Rauch
auf die Zungen der Menschen

Es schrieen die jungen Pferde die Nacht zu Fall
nach Rache Gott und Gnade
dröhnte die Kirchturmuhr Schlag acht
um ihr Leben liefen kreuz und quer Katz und Maus

Da waren benachbarte Fensterrahmen
voll von Gesichtern
die brannten von Faszination
vor der Furcht

Da war ein armseliger Feigling
mit hölzernem Herzen
das kurz knackte vor Kälte
es brannte nicht mehr




© elkENachtigall

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Joh
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Strohfeuer

Hallo ENachtigall,

die Spannung der Situation, das Grauen und die Sensationslust ist in deinem zu sp√ľren, gefallen haben mir zum Beispiel die Zeilen mit den Wiederk√§uern.

Jedoch die Strophe mit den Nachrichten unterbricht die Spannung. Du rei√üt mich damit aus der Situation heraus, die ja noch im Aufbau ist. Ich w√ľrde die Strophe als Vorletzte nehmen, damit wird dann das Gedicht rund und abgeschlossen. In der letzten Strophe frage ich mich, wie ein h√∂lzernes Herz nicht mehr brennen kann, ich verstehe zwar, da√ü Du damit die abflauenden Gef√ľhle des Brandstifters ausdr√ľcken willst, aber das Bild ist mir ein bi√üchen zu "h√∂lzern". Trotz der kleinen Stolpersteine hat mich Dein Gedicht angesprochen.

ein Gruß an Dich, Johanna

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ENachtigall
Foren-Redakteur
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Strohfeuer

Liebe Johanna,

ein herzliches Willkommen zun√§chst im Forum und ein gro√ües Dankesch√∂n f√ľr Dein Interesse an meinem Gedicht!

Nun zu den von Dir angesprochenen Punkten, auf die ich gerne erklärend eingehe:

quote:
Jedoch die Strophe mit den Nachrichten unterbricht die Spannung. Du rei√üt mich damit aus der Situation heraus, die ja noch im Aufbau ist. Ich w√ľrde die Strophe als Vorletzte nehmen, damit wird dann das Gedicht rund und abgeschlossen. In der letzten Strophe frage ich mich, wie ein h√∂lzernes Herz nicht mehr brennen kann,

Deinen Vorschlag habe ich gedanklich umgesetzt. Dabei ist mir aber schnell klar geworden (und daf√ľr danke ich Dir besonders!), warum das Gedicht so f√ľr mich nicht mehr "funktionieren" w√ľrde.


Ich glaube, es soll eine Szene zeigen, wie von einer Handkamera gedreht; eine Art lyrische Amateurdokumentation.

Eine Fernaufnahme von den schwankenden Bäumen zunächst. Dann die (verbale) Vorwegnahme des Tatverdachts (Brandstiftung), womit ja schon ein Teil der Spannung verwischt wird. Dann ein plötzliches Eintauchen in die vorgestellte (noch stumme) Angstwelt des Viehs, welches ja viel eher wahrnimmt als der abgelenkte Mensch.

Die Situation mit den Nachrichten finde ich dennoch spannend - wenn auch aus einer ganz anderen Perspektive; nämlich weil die tagesthematischen Bedrohungen televisonär aufbereitet hier mit der hautnahen schwer bezwingbaren Gefahr aufeinander prallen und die Menschen, die sich zur Entspannung in die Polster gesetzt haben nach einem anstrengenden Tag, eiskalt erwischen.

Deshalb ist dieses f√ľr mich der richtige Zeitpunkt. Durch das Schreien der Pferde wird die Bedrohung laut und dringt mit unb√§ndiger Gewissheit zu den Betroffenen durch.

Rund wird es (meiner Intention und meinem Empfinden) nach durch das Schlie√üen des Kreises mit dem "h√∂lzern". Im Wortsinn h√∂lzern sind zun√§chst die B√§ume. Ein h√∂lzernes Herz meint eine Unf√§higkeit, sich sozial und emotional einbinden zu k√∂nnen in eine Gemeinschaft. Vielleicht ist es die fehlende mitmenschliche W√§rme, die hier zwanghaft gez√ľndet und von au√üen betrachtet werden muss. "es brennt nicht mehr" meint auch: das gelegte Feuer ist ausgegangen. Sowohl au√üen wie innen ("das kurz knackte vor K√§lte").

√úbrigens tr√§gt der Begriff "Strohfeuer" heute auch schwerer an seiner √ľbertragenen Bedeutung als an seinem Wortsinn. Das werden manche Leser an ihrer Erwartungshaltung erkannt haben k√∂nnen.

Die Gesch√§digten haben √ľbrigens - neben ungez√§hlten anderen - das eklatante Problem, den Verlust des Strohs zu kompensieren.

______________________________________________________________
Persönliche Rechnung:

Dieses Strohfeuer brannte hier in unserer Nachbarschaft. Wir waren drei der Gesichter in Fensterrahmen. Es sind vier Brände in sieben Tagen. Plus eine abgesprengte Hand zu Weihnachten und ein Einbruch zu Sylvester macht sechs Monate bis wir umziehen.

So ausschweifend wollte ich gar nicht werden.

Beste Gr√ľ√üe von Elke

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Inu
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quote:
Strohfeuer

Da waren die hölzernen Riesen
mit Knospen zum Bersten gr√ľn
die schwankten wie gefangen
im Sog der Flut des Flammenmeeres

Wer - wenn nicht sie - sah den Widersacher
des Märzbauern Strohfeuer stiften
es brannte in den Wiederkäuern die schwarze Angst
aus aufgerissenen Augen

Es brannte ein Ton der Routine
in der Stimme des Sprechers der Tagesthemen
eine Kriechspur von Rauch
auf die Zungen der Menschen

Es schrieen die jungen Pferde die Nacht zu Fall
nach Rache Gott und Gnade
dröhnte die Kirchturmuhr Schlag acht
um ihr Leben liefen kreuz und quer Katz und Maus

Da waren benachbarte Fensterrahmen
voll von Gesichtern
die brannten von Faszination
vor der Furcht

Da war ein armseliger Feigling
mit hölzernem Herzen
das kurz knackte vor Kälte
es brannte nicht mehr



Hallo ENachtigall

Als ich das las und die ‚Äögewaltige‚Äė Sprache wahrnahm‚Äö wollte ich gerade anfangen, zu r√§tseln, was f√ľr gro√üe Erkenntnisse Du mir da offenbarst. Da d√§mmerte mir pl√∂tzlich unter all den bem√ľhten Formulierungen die simple Wahrheit:
Also: da z√ľndet ein Mensch vors√§tzlich dem anderen den Hof an. Die Feuersbrunst ger√§t au√üer Kontrolle. B√§ume und Stalltiere sterben in den Flammen. So √§hnlich habe ich es zumindest verstanden. Und vielleicht ist da ja gar nichts zus√§tzlich dunkel Raunendes, sondern es geht einfach nur darum.

Also... das Gedicht scheint mir im Ganzen um ein paar Nuancen zu ( gewollt ) pathetisch. Kommt mir stellenweise sogar so sonderbar vor, als handele es sich um eine √úbersetzung aus einer anderen Sprache ins Deutsche.


die h√∂lzernen Riesen ... f√ľr mich ein komischer Ausdruck f√ľr B√§ume
..... Da waren die hölzernen Riesen - Bäume sind sehr lebendig, sind nie hölzern ... das passt einfach nicht
mit Knospen zum Bersten gr√ľn
die schwankten wie gefangen
im Sog der Flut des Flammenmeeres

im Sog der Flut des Flammenmeeres ....das hört sich ungeschickt an.

Auch nicht sehr poetisch:
Es brannte ein Ton der Routine
in der Stimme des Sprechers der Tagesthemen

Na klarenk mal, wie dieses 'kleine' Ereignis unter den wirklich grässlichen (Massenmord und Attentate), die jeden Tag aus aller Welt eintreffen untergeht und keinen Menschen mehr wirklich interessiert!

Aber das allein ist es nicht, was ich kritisiere. Das Werk wirkt f√ľr mich irgendwie aufgebauscht und √ľbertrieben. Ich finde es- ganz im Gegensatz zu all den Hochbewertern - mit vielen Schw√§chen behaftet.

LG
Inu

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ENachtigall
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???

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Hallo Inu,

danke auch f√ľr Deine ehrliche kritische Meinung!

Eines hast Du missverstanden oder ich habe es missverst√§ndlich r√ľbergebracht: der Brand wurde wahrgenommen w√§hrend man den Tagesthemen lauschte. Es ist nicht so, dass der Sprecher davon berichtet.

Deine Kritikpunkte, was die Art der Darstellung betrifft, haben nat√ľrlich ihre Berechtigung; das ist bewu√üt gewollt dramatisch und mag daher auf manche Leser √ľberzogen wirken.

Die "hölzernen Riesen": da sehe ich allerdings nicht, was daran unlebendig wäre.

Eine Botschaft m√ľssen Gedichte nicht haben. Sie d√ľrfen auch verdichtete Geschichten/Betrachtungen/Visionen oder vieles mehr sein.

Liebe Gr√ľ√üe

Elke

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Inu
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Hallo ENachtigall

Das ist mir jetzt peinlich. Ich wollte da keinen Lacher hineinbringen, dazu gibt es ja keinen Anlass.
Na klarenk mal, wie dieses 'kleine' Ereignis unter den wirklich grässlichen (Massenmord und Attentate), die jeden Tag aus aller Welt eintreffen, untergeht und keinen Menschen mehr wirklich interessiert!

Es sollte nat√ľrlich hei√üen: Na klar: Denk mal ... hab nur den Abstand zwischen : und D vergessen. Was so eine Kleinigkeit
auslösen kann!
Ansonsten versteh ich das Anliegen Deines Gedichtes schon, aber finde das Ganze halt leider um einen Hauch zu gesucht und pathetisch. Geschmackssache eben.

Liebe Gr√ľ√üe
Inu

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