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Leselupe.de > Kurzprosa
Sturm
Eingestellt am 06. 03. 2007 22:48


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Plastikpusteblume
Festzeitungsschreiber
Registriert: Nov 2006

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Er ging auf die Stra├če hinaus, um dem Gewitter n├Ąher zu sein, in ihm zu sein. Der Regen str├Âmte auf seine Haare, seine Schultern. Durchn├Ąsste ihn binnen weniger Sekundenbruchteile.
Es war ihm egal, dieses eine Mal.

Seine Wahrnehmung wurde von den glei├čend blau-violetten Rissen im Himmel, dem Grollen der Luft und des Bodens, dem L├Ąrm ├╝berrannt. Jetzt war zwischen einzelnen Donnern nicht mehr zu unterscheiden; es begann ein bestialisches Crescendo, das seinen K├Ârper vibrieren lie├č.

Gewaltige, tiefschwarze Wolken konnten ihn jeden Augenblick erdr├╝cken. Das Licht der Sonne war schon endlos lange fort. Dem d├Ąmmerschweren Zwielicht, das die kahlen Hausw├Ąnde, die B├Ąume, das Bitumen und die Pflastersteine verschlucken wollte, folgte schnell ein grelles, kaltes elektrisches Licht, gef├Ąrbt wie hei├česte Feuerglut, wie tausend bei├čende Neonr├Âhren in einer viel zu kleinen Lagerhalle. Es umgab ihn, bestrahlte ihn. Seine Sinne gaben auf.

Er war ein Fremdk├Ârper, er passte nicht hinein in diesen Ausschnitt der Zeit und er war in gro├čer Gefahr. Gefangen in diesem Spiel von gebogenem und brechendem Holz, von weggeschwemmter Erde und schrumpfendem Beton. Gefangen als Insel im Meer einer Welt die ihn anspuckte, die ihn zertreten wollte. Gleich hier, zwischen geborstenem Chitin, rostigem Blech und geschmolzenem Polymer.
Doch es war ihm egal, dieses Mal.

Diese Luft, zum atmen so n├Âtig, sie floh pl├Âtzlich immer schneller an einen helleren, besseren Ort und alles, was ihr folgen konnte, folgte ihr. Schilder klapperten zum Abschied, nein, sie schrieen ihn an: ÔÇ×Komm mit, komm mit, so komm doch mit uns!ÔÇť Er konnte nicht.

Je st├Ąrker alles an ihm vor├╝berwehte, je mehr gruben sich seine F├╝├če in den Schotter um ihn. Das Fundament hielt, wurde immer fester und eiserner. Die Grenzen seines K├Ârpers weiteten sich eine Schicht, wurden dicker als die Mauern von Jericho; un├╝berwindbar, egal wie sehr die Trompeten des Himmels und der tonnenschwere Hagel gegen sie anst├╝rmten.

War es vorbei? In seiner Blindheit und Taubheit war er gezwungen, ├╝ber das Bollwerk seiner ger├Âteten, zerfetzten Haut in der Schale hinwegzuahnen, zu riechen und zu schmecken, wie viel alte, vertraute Existenz dort drau├čen noch war. Dort drau├čen, abseits, in der Weite der Welt, die nun pulsierte, bebte, lebte. Ja! Er konnte!
Dieses Mal.

Er f├╝hlte die Bewegung, nahm das neue Instrument im Orchester wahr, filterte es aus dem Hintergrundrauschen des ├äthers heraus. Euphorie nahm sich seiner an, trug ihn weit hinauf in H├Âhen, die er nun zum ersten Male sah. Wirklich sah.
Gl├╝ck.

Eingebettet in Chaos und Zerst├Ârung wurde er pl├Âtzlich unbarmherzig herausgerissen. Er sp├╝rte den Schmerz jetzt. Den Aufprall am Boden. Ein einzelnes Auto fuhr an ihm vorbei. Die Fahrgastzelle war erleuchtet, Scheibenwischer taten ihre Arbeit. Er ging zur├╝ck ins Haus und in die K├╝che, wo er zuerst den Rauch der verbrannten Nahrung sah.
Das war ihm egal.
Dann fiel leise der erste Schnee und w├Ąrmte sein Leben.

- 28.02.07
__________________
Ελευθερία ή θάνατος!

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