Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92221
Momentan online:
717 Gäste und 18 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Sturm der Gedanken
Eingestellt am 04. 12. 2001 23:14


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Uschi Sieberichs
Hobbydichter
Registriert: Dec 2001

Werke: 7
Kommentare: 95
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Uschi Sieberichs eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Sturm der Gedanken
von Ursula Sieberichs

Es wurde Herbst. Sie merkte es ganz deutlich. Es war kalt und nass, wenn sie morgens zu Ihrem Auto ging. Die N├Ąsse kroch durch jede Faser ihrer Kleidung. Sie hasste dieses Wetter. Es war nun mehr als 3 Jahre her, dass sie ihren Mann im September fr├╝h morgens tot auffand. Seit dieser Zeit k├Ąmpfte sie f├╝r sich und ihre kleine Tochter, um allen Dingen des Lebens gewachsen zu sein, auch solchen, die eigentlich "M├Ąnnersache" waren und um die sie sich fr├╝her nie k├╝mmern musste. Sie merkte, z.B. bei der Gartenarbeit, dass sie immer und immer wieder an ihre nat├╝rlichen Grenzen stie├č. Sie wollte sie aber nicht wahrhaben. Sie wollte es alleine schaffen. Ohne fremde Hilfe. Immer wieder jagten ihr Gedanken aus der Vergangenheit durch den Kopf. Was w├Ąre gewesen, wenn sie damals nicht geschlafen h├Ątte, als alles passierte ... ?
Sie wurde pl├Âtzlich aus ihren Gedanken gerissen, als ihr Kind sie dr├Ąngte "Mama, k├Ânnen wir jetzt endlich zum Kindergarten fahren ... ? Tonlos erwiderte sie: "Ja, nat├╝rlich, bin gleich soweit." Sie verfrachtete die Kleine in den Wagen, schnallte sie an. Alles ganz ordnungsgem├Ą├č. Das Radio spielte die ├╝bliche "Gute-Laune-Musik", die aber an ihr abprallte und keine Wirkung zeigte. Sie brachte ihren Schatz noch in die Gruppe, verabschiedete sich liebevoll, wandte sich zum Gehen. "Ich bringe Dich noch zur T├╝r, rief ihre Tochter ihr noch hinterher und beeilte sich, die Mutter noch einzuholen. Wieder eine herzliche Umarmung und noch ein K├╝sschen. Es tat gut, jemanden zu haben, der einen mal in den Arm nimmt und der einen bedingungslos liebt. Noch. Aber wie schnell w├╝rde ihre Kleine eine Gro├če werden, eigene Freunde und Bekannte haben. Dann w├Ąre sie ganz allein. Der Gedanke schauerte ihr. Sie lief zum Auto, es regnete nun noch st├Ąrker. Aber irgendwie passte das Wetter zu ihrer Stimmung. Sie setzte sich ins Auto, drehte das Radio ganz laut und fuhr zur Arbeit. Viel lieber w├Ąre sie jedoch zu Hause mit ihrer Tochter, doch sie war nun mal Alleinverdiener wider Willen, denn die Witwenrente reichte nun wirklich nicht. Ihr Mann war ja noch so jung gewesen. Ihr ganzes Leben kam ihr sinnlos vor. Alles was sie liebte und ihr wichtig war, hat sie verloren oder musste es aufgeben, so wie das Studium, dass sie schon fast beendet hatte... bis zu jedem Schicksalstag. Alles war nun anders, alles musste nun nach bestimmten Regeln erledigt werden und unterlag einem strikten Zeitplan, ohne den das t├Ągliche Pensum sonst nicht zu schaffen gewesen w├Ąre. Sie hatte sich ihr Leben wirklich anders vorgestellt, sch├Âner, lustiger und unbeschwerter. Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, musste sie sich eingestehen, dass sie nicht ganz unschuldig an ihrer Situation war. Seit mehr als 3 Jahren ging sie nicht mehr aus, denn sie wollte das Kind abends nicht alleine lassen, ihre noch verbleibende Energie steckte sie in die Gartenarbeit, denn sie wollte es "immer sch├Ân haben", sie spielte und bastelte mit ihrer Tochter. Sie versuchte immer alles so perfekt wie m├Âglich zu machen und doch war sie nie mit sich zufrieden. Wann aber tat sie mal was f├╝r sich ? Es blieb zu wenig Zeit daf├╝r. Sie begriff auf einmal, dass die Wende, auf die sie immer so gewartet hatte, niemals kommen w├╝rde, wenn sie sie nicht selbst herbeif├╝hrte. Es w├╝rde nie irgendwen oder irgendwas geben, wer bzw. was ihr Entscheidungen abnehmen k├Ânnte. Sie begriff endlich, dass sie schnellstm├Âglich ihr Leben in neue Bahnen lenken musste um neue Perspektiven f├╝r sich und ihr Kind zu schaffen, um zu vergessen, um wieder zu tr├Ąumen und um endlich aus dem Schatten herauszukommen, der sie nun seit damals begleitete. Ver├Ąnderung, dass wusste sie jetzt, bedeutet auch immer die Chance f├╝r einen neuen Anfang, eine neue Liebe.
__________________
Uschi Sieberichs

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Willi Corsten
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Apr 2001

Werke: 87
Kommentare: 1122
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Willi Corsten eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Liebe Uschi,
herzlichen Gl├╝ckwunsch zu deinem ersten Beitrag in der Leselupe. Der Text ist sehr gut geschrieben und weckt Gef├╝hle, die nicht einfach nur so abperlen. Wenn ich darf, drucke ich mir die Geschichte einmal aus, denn hier finden sich Stilmittel, die mich echt interessieren.
Ich melde mich morgen noch einmal
und verbleibe bis dahin
mit besten Gr├╝├čen
Willi

Bearbeiten/Löschen    


willow
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo,

da sprichst du etwas an, was ich nur in der einen Richtung als typisches Schl├╝sselkind erfahren habe.

Ich kann mich noch erinnern, die morgentlichen Fahrten zur Schule, die einsamen Nachmittage und diese unerf├╝llte Sehnsucht nach einem Picknick.

Mir gef├Ąllt deine Geschichte, sie l├Ąsst mich ein wenig verstehen.

Ganz lieber Gru├č und ein herzliches Willkommen in der Lupe ,

willow

Bearbeiten/Löschen    


Uschi Sieberichs
Hobbydichter
Registriert: Dec 2001

Werke: 7
Kommentare: 95
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Uschi Sieberichs eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lieber Willi,

Du bist ein wirklich treuer Leser, die Wirkung dieser Geschichte, auch bei willow, hat mich doch erstaunt, da ich eigentlich zuerst sehr skeptisch war.
Trotzdem werde ich diesen Beitrag nochmal ├╝berarbeiten.

Liebe Gr├╝├če
Uschi
__________________
Uschi Sieberichs

Bearbeiten/Löschen    


Willi Corsten
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Apr 2001

Werke: 87
Kommentare: 1122
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Willi Corsten eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Liebe Uschi,
auf die ├╝berarbeitete Fassung freue ich mich schon.
Wird bestimmt interessant.
Wann stellst du die Arbeit denn in die LL?
Es gr├╝├čt dich herzlich
Willi

Bearbeiten/Löschen    


animas
Hobbydichter
Registriert: Aug 2001

Werke: 2
Kommentare: 2
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Hallo Uschi,
die Geschichte ist interessant, doch wirkt sie lang.
Vielleicht musst du etwas herausstreichen und den Text anders strukturieren.
Viel Erfolg w├╝nscht animas
(axel)

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!