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Leselupe.de > Science Fiction
Sturzflug
Eingestellt am 24. 04. 2002 15:37


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nemo
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Registriert: Aug 2001

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Sturzflug

Man sagt, dass einem sein ganzes Leben nochmals vor Augen abl√§uft, wenn der Moment gekommen ist, sich vom Leben zu verabschieden. Ted Silver sah diesen Augenblick, in der Gestalt eines gro√üen, roten, unfreundlichen Planeten, gerade in einem H√∂llentempo auf sich zurasen und er h√§tte einiges daf√ľr gegeben, das Bild dieses Himmelsk√∂rpers gegen die Vision seines ersten Rendezvous mit Mira Lokanti einzutauschen.

Eigentlich geh√∂rte Ted Silver nicht zu der √§ngstlichen Sorte Mensch. Gerade erst, vor einer halben Stunde etwa, hatte er einen Raumkreuzer voller durchgedrehter Androiden, die ihm nach dem Leben trachteten, in die Luft gesprengt. Er hatte es noch gerade so in einen Rettungsgleiter geschafft, bevor der Kreuzer in seine Einzelteile zerrissen wurde. Wie sich allerdings sp√§ter rausstellen sollte, war seine Wahl den Gleiter betreffend, ziemlich ungl√ľcklich. Nicht nur, dass sich das Ding kaum kontrollieren lie√ü, nein, es beleidigte ihn auch noch in allen bekannten 5436 intergalaktischen Sprachen. Wahrscheinlich, so vermutete Ted, hatte sich ein Teil der K.I. die den Amoklauf der Androiden an Bord der Aurora II zu verantworten hatte, in den Speicher des Rettungsschiffs eingenistet. W√§hrend er nun versuchte den Bordcomputer davon zu √ľberzeugen auf manuelle Kontrolle umzuschalten, dr√∂hnte eine giftige Stimme durch die Lautsprecher des Cockpits und gab kehlige Laute von sich, wie das Bellen eines heiseren Hundes. Langsam konnte Ted die unwirtliche Oberfl√§che des Planeten ausmachen, mit der er innerhalb der n√§chsten f√ľnf Minuten n√§here Bekanntschaft schlie√üen w√ľrde, falls er sich nicht etwas einfallen lie√üe. Er war sich ziemlich sicher, dass der Gleiter zumindest den Eintritt in der Atmosph√§re √ľberstehen w√ľrde, es k√∂nnte zwar recht unbequem werden, aber immer noch besser als zu vergl√ľhen. Allerdings, und davon war Ted absolut √ľberzeugt, w√ľrde ihm das Schiff beim Aufprall auf der Oberfl√§che des Planeten, wenig bis gar keinen Schutz bieten k√∂nnen. Er √ľberlegte kurz, ob er das Vergl√ľhen vielleicht nicht doch dem Aufschlag vorzog, kam aber dann zum Schluss, dass beide Alternativen ihn mit Unbehagen erf√ľllten.

Wie ein Irrwisch tippte er Befehle auf das Tastfeld des Computers ein. Einen kleinen Teilerfolg hatte er schon zu verbuchen: Der Bordtaschenrechner stand ihm wieder zur freien Verf√ľgung. Ted Silver war allerdings nicht wirklich ein Computerexperte. Sein Wissen in diesem Bereich stammte noch aus der Zeit als er noch die Akademie besuchte. Da er die f√ľnf Jahre dort aber meist im Rausch oder auf einer Kommilitonin liegend verbracht hatte, schaute er jetzt √§u√üerst verwirrt, um nicht zu sagen d√§mlich, als der Computer ihm mitteilte, dass die √úberbruckungsparallaxe der Datenaustauschperipherie durch eine Interne Streamingwall blockiert wurde. Er verstand nur Raumstation und die Begriffe, die auf dem Bildschirm frech vor sich hin blinkten, waren f√ľr ihn Borealische D√∂rfer.
Es war weitaus einfacher gewesen, die Sprengladung an Bord der Aurora II zu z√ľnden, bei der Ted einfach nur auf einen rot gekennzeichneten Knopf hatte dr√ľcken m√ľssen, um den t√∂dlichen Countdown zu starten.
Unterdessen setzte die K.I. ihre Beleidigungstirade fort, mittlerweile auf Lumpianisch, eine Sprache die Ted einigermaßen verstand. Er wurde gerade mit dem Geschlechtsteil eines Braxors verglichen, ein lumpianisches Herdentier dessen Mangel an Intelligenz im ganzen Universum Legendär war. Als Jolian Joliander, ein Xenobiologe der ersten Kolonisierungswelle Lumpias, das erste Mal einen Braxor beobachten konnte, war dieser gerade mit dem verzweifelten Versuch beschäftigt, sich mit einem Baum zu paaren. Nicht umsonst hieß es, dumm sein wie ein Braxor.

F√ľr Ted Silver wurde die Lage langsam kritisch. Wie erwartet war der Eintritt in der Atmosph√§re eine unangenehme Angelegenheit. W√§hrend die H√ľlle des Gleiters knackte und √§chzte als w√ľrde sie jeden Augenblick auseinander brechen, wurde Ted durchger√ľttelt wie ein St√ľck Eis in einem Cocktailmixer. Inzwischen hatte er seine Taktik ge√§ndert. Mit geballten F√§usten schlug er nun auf das Tastfeld ein. Als ihm klar wurde, dass auch dies nicht half, dachte er sich, er k√∂nnte es mal mit kr√§ftigen Fu√ütritten probieren. Er stand auf, holte aus, verhedderte sich im Gurt des Pilotensitzes, suchte mit rudernden Armen nach Halt, griff ins Leere und fiel mit richtig Schmackes auf die Bedienungskonsole des Gleiters. Es gab einen lauten Knall und kleine bunte Blitze wanderten √ľber die Apparaturen. Ted Silver lag mit ausgebreiteten Armen auf der Konsole und schloss gerade mit seinem Leben ab. Na ja, zumindest w√ľrde er als Held sterben. Er √ľberlegte sich ob er jetzt beten solle, entschied sich aber dann lieber zu wimmern. Es vergingen einige Sekunden bis Ted merkte, dass er zwar sein eigenes Gewimmer h√∂rte, aber die Stimme des K.I. verstummt war. Hoffnung keimte in ihm auf. Leise, als h√§tte er Angst jemand zu wecken, rutschte er von den Bedienelementen runter, in den Pilotensitz hinein. Vorsichtig streckte er die H√§nde aus, in Richtung der Steuereinheit. Er schloss die Augen und sagte ein Gebet auf, das er noch aus Kindertagen kannte; es handelt sich zwar um ein Dankgebet, dass man eigentlich eher im Zusammenhang mit einem leckeren Mahl aufsagte, aber es war das Einzige, das er auswendig kannte. Er legte die H√§nde auf das kalte Synthiplast der Lenkvorrichtung und siehe da, er hatte den Raumgleiter unter Kontrolle.

Die Landung war alles andere als sanft, aber immerhin wisch Ted gekonnt den spitzen Felsen aus, die in den Himmel ragten wie riesige Finger. Der Gleiter h√ľpfte einige Male auf einem See aus Magma und landete letztendlich auf einem kleinen Plateau, wo es dann eingekeilt zwischen zwei Zacken aus Vulkanstein, stecken blieb.
Ted Silver fiel ein ganzer Kontinent vom Herzen. Er hatte es geschafft. Er lebte.
Durch die beschlagenen Scheiben des Cockpits konnte er einen trägen Gesteinsschmelzfluss sehen, der fröhlich im Zeitlupentempo vor sich hin blubberte.
Langsam wurde es auch verdammt heiß.
Ted entledigte sich seiner Kleider, bis er nur noch Shorts trug und machte es sich im Pilotensitz bequem. Er gab einen Notruf ein, wartete und schwitzte.
Kaum vier Stunden nach seiner Landung wurde Ted Silver, ein paar Kilo leichter aber gl√ľcklich, von der Oberfl√§che Vulkanums IV geborgen. Sp√§ter dann, sollte am Ende eines zweiseitigen Artikels in der ‚ÄěTerra Times‚Äú stehen: Ted Silver, ein Mann der wohl in jeder, auch noch so aussichtslosen Situation, einen k√ľhlen Kopf beh√§lt.

__________________
:nemo

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Michael Schmidt
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Ohne Puste

Hallo Nemo,

hier meine Meinung:
Du fängst gut an, die Geschichte beginnt sehr spannend, im Mittelteil (z.B. die Beschreibung des lumpanisch ) wird es etwas zäh und gegen Ende eine zufällige Lösung, nicht gerade der beste Plot.
Wahrscheinlich gehört es zu einer längeren Geschichte, trotzdem bekomme ich den Eindruck, daß je länger die Geschichte geht, desto mehr läßt du nach.

Gruß,
Michael

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jon
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Erst atemlos, dann außer Atem

Ich schlie√üe mich Michael an: Du l√§ufst zu schnell los ‚Ästdie Puste reicht am Schluss nicht. Vor allem der letzte Absatz wirkt wie: Das muss jetzt noch schnell gesagt werden, denn irgendwie muss die Geschichte ja ausgehen.

Wozu muss Ted am Ende eigentlich so schwitzen?(Wobei: Tut er das denn? Du schreibst ‚Ästverglichen mit dem Detailreichtum vorher ‚Äď gar nichts dar√ľber.) Offenbar nur f√ľr die Pointe. Die funktioniert aber auch ohne vulkanische Hitze (nur mal z.B.) "Zwei Tage sp√§ter erschien in der Terra Times ein zweiseitiger Artikel. Er feierte Ted Silver als Retter der Menschheit, bewunderte seinen Instinkt und lobte seine Coolness. Man erging sich in der Diskussion der M√∂glichkeiten die Silver gehabt h√§tte, warum er sich f√ľr die Sprengung entschied und wieso er ausgerechnet Planet X f√ľr die Notlandung ausw√§hlte. Der Artikel schloss mit der Feststellung der √ľberlebenswichtigen Bedeutung eines umfassendes technischen Verst√§ndnisses im Raumfahrtalltag."

Trotz dieser Kritik: Solange du es durchgehalten hast, war der Text erfrischend und farbreich.

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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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