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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Sue
Eingestellt am 23. 08. 2001 22:17


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catsoul
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Registriert: Aug 2001

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Sue steht am Fenster und schaut auf das Meer. 'Wieder habe ich alles verdorben!' denkt sie. Die Wellen schlagen gegen die Felsen und der Wind streicht leicht durch ihr Haar. Sie geht einen Schritt auf das Fenster zu und erkennt, das es nur wieder ein Trugbild war, was sie gerade sah.
'Warum? Warum nur passieren mir immer wieder die gleichen Fehler?'
Hinter ihr wird es laut, die Kinder st├╝rmen ins Haus und fordern ihr Recht. Keine Zeit zum nachdenken.
Vielleicht ist das auch gut so. Sie m├╝sste sich eingestehen, da├č sie ungl├╝cklich ist. Mit der Situation in der sie sich befindet und mit allem was in den letzten Monaten passiert ist. Sie m├╝sste sich eingestehen, das sie immer nur an ihn denkt. Alles andere ist unwichtig geworden.
Sie geht in die K├╝che und macht das Abendbrot f├╝r die Familie. Ihr Mann wird gleich nach Hause kommen und sie werden die einzige Mahlzeit des Tages, die sie zusammen verbringen, essen.
Ihre Gedanken aber lassen sich nicht anhalten oder gar verbieten. Und so denkt sie an die letzte Nacht.
Sie war zusammen mit einer Freundin unterwegs. Ihr Mann war zu Hause bei den Kids. Die Freundin war ein Alibi, damit sie sich mit IHM treffen konnte. Er war ein ganz liebevoller Mann von 35 Jahren. Pechschwarzes Haar und gr├╝ne Augen. Der einzige Nachteil war, er war liiert. Zwar nicht verheiratet wie sie, aber doch fest verbunden. Auch er hatte Kinder. Zwei. Eins weniger als sie. Sie hatten sich bei einer Freundin kennen gelernt. Die ersten Male, als sie sich trafen, redeten sie kaum mehr als zwei Worte zusammen. Aber einmal, als die Freundin unvermittelt aufbrechen musste, entstand ein Gespr├Ąch, ein sehr langes. Sie verga├čen die Zeit. Und seit dem wurden die Gespr├Ąche intensiver. Es war so, das sie bald nicht mehr ohne ihn sein konnte. Wenn sie sich mal einen Tag nicht sahen, war sie krank. Sie konnte nix essen und es ging ihr schlecht. Er nahm einen festen Platz in ihrem Leben ein. Und nicht nur in ihren Leben. Der Platz, den er in ihren Gedanken und in ihrem Herzen einnahm war weitaus gr├Â├čer, als sie es sich und ihm jemals eingestehen w├╝rde.
Sie tr├Ąumte davon ihn zu ber├╝hren. Ihn zu verw├Âhnen und ihm nah zu sein. So nah, wie nur eine Frau einem Mann sein kann, die ihn unendlich liebt.
Alles war gut. Das diese N├Ąhe noch nicht vollzogen wurde, st├Ârte sie wenig. Sie konnte warten. Und dann kam gestern abend. Sie trafen sich in einer Bar. Er war sehr traurig und irgendwie ver├Ąndert. Sie war mit ihrer Freundin unterwegs. Alle drei redeten eine Weile miteinander, wobei es beiden Freundinnen auffiel, wie schlecht es ihm zu gehen schien. Pl├Âtzlich stand er auf und ging. Er sagte er m├╝sse mal kurz weg, k├Ąme aber gleich wieder. Wenige Augenblicke sp├Ąter sahen sie wie er die Bar verlies. Sie machten sich beide gro├če Sorgen um ihn und irgendwann hielt Sue es nicht mehr aus und rief bei ihm an. Sie hatte ihm gesagt, sie w├╝rde das nie tun. Aber die Angst l├Ąhmte sie und nur noch der Gedanke daran, es k├Ânne ihm schlecht gehen beherrschte ihr handeln. Ihre Freundin best├Ąrkte sie in dem Gedanken zu telefonieren und so w├Ąhlte sie schlie├člich seine Nummer.
Als der Anrufbeantwortet ansprang, war sie verwirrt und sagte nur: 'Hi, ich binÔÇÖs, ich mach mir Sorgen um Dich, bitte komm zur├╝ck!' und legte auf. Bange Minuten vergingen, in denen sie nicht wusste, ob es richtig war was sie getan hatte.
Ihre Freundin sprach ihr Mut zu und versucht sie so gut es ging zu beruhigen. Als die T├╝r aufging, und er wieder vor ihnen stand war alles gut. Ihre ├ängste waren verflogen und sie wollte ihn nur noch sp├╝ren. Sie umarmte ihn und fl├╝stere ihm ins Ohr: 'Danke, das Du wieder gekommen bist, so hat mein Anruf also doch geholfen!' Als er das h├Ârte, stie├č er sie weg von sich und schaute sie b├Âse an. 'Was hast Du getan? Du hast doch nicht etwa... Du sagtest, Du w├╝rdest es nie tun!'
'Ich weiss, was ich sagte, aber... Du sagtest, ich d├╝rfte.. im Notfall... es war ein Notfall... f├╝r mich!' stotterte sie als Antwort. Sie schaute ihn mit tr├Ąnenerf├╝llten Augen an.
Er drehte sich um und ging.
Sie wollte ihm nach eilen, aber eine magische Kraft lie├č sie nicht von der Stelle. Erst als er weg war, konnte sie sich wieder bewegen.
Und nun, nachdem sie mehr schlecht als recht geschlafen hatte, waren alle Gedanken wieder da. Den ganzen Tag gr├╝belte sie schon. Sie fragte sich immer wieder: 'Warum?'
'Hab ich kein Recht auf Liebe und Zuneigung?' ' Reicht es nicht schon, das mein Mann mich nicht liebt.. unsere Ehe eine Farce ist?'
Immer wieder die gleichen Fragen. Immer wieder keine Antwort. Sie dreht sich im Kreis, wie schon seit Monaten.
Als sie sich letzte Woche ihre Liebe zu ihm endliche eingestand, war sie gl├╝cklich. Nie h├Ątte sie geglaubt, das das Gl├╝ck so kurz sein k├Ânnte. Sie hatte mal wieder alles zerst├Ârt.
Durch ihre furchtbaren ├ängste, die sie schon seit ├╝ber 30 Jahren kannte und nicht beherrschen konnte. Damals, als sie 4 oder 5 war, verlie├čen sie zwei ihrer Geschwister. Sie kamen in ein Heim und kurze Zeit sp├Ąter ging auch noch der letzte Bruder dort hin. So wurde aus dem viel beh├╝teten 4. Kind ein Einzelkind. Die Ehe ihrer Eltern wurde geschieden und sie traf ihren Vater nur noch ein einziges mal. Heute hatte sie kam noch Erinnerungen an diese Zeit. Eigentlich hatte sie die nie gehabt. Einiges wei├č sie durch Erz├Ąhlungen, aber das war auch nicht viel. Sie hat ihre Geschwister sp├Ąter wieder gefunden.
Mit dem ├Ąltesten Bruder konnte sie nix anfangen. 9 Jahre Altersunterschied und ├╝ber 10 Jahre Trennung hatten Spuren hinterlassen. Ihrer Schwester vertraute sie da eher. Sie war 6 Jahre ├Ąlter, war verheiratet und hatte, als sie sich wieder trafen, zwei M├Ądchen. Sie hatten eine lose Freundschaft, wie man sie selten unter Schwestern findet. Sie sahen sich nicht oft, aber wenn, dann war die Zeit immer sch├Ân und die Stunden vergingen wie in Flug. Bis zu jenen Tagen im August vor 6 Jahren. Sie war mal wieder an der Wohnung ihrer Schwester vorbei gefahren, hatte einen Zettel in den Briefkasten geworfen mit der Aufschrift: 'Hi, ich war hier. Vermisse Dich! Wo steckst Du? Bitte meld Dich doch wieder mal. Deine Sue'
Doch es kam keine Reaktion.
Nach einer Woche fuhr sie wieder hin und schrieb wieder einen Zettel. Dieses mal schon dringender: 'Bitte Melde Dich bei mir!! Ist alles ok? Sue'
Wieder nix. Die Ungewissheit zerschnitt ihr das Herz.
In der Woche darauf, als sie abermals zu Wohnung ihrer Schwester fuhr, und endlich eine Nachbarin traf und diese fragte, ob sie was von ihr geh├Ârt h├Ątte, antwortete die: 'Die Wohnung ist zwangsger├Ąumt worden. Wo die Mieter hin sind, wei├č niemand!'
Sie verlor fast den Boden unter den F├╝├čen.
Nur mit M├╝he gelang sie zum Auto zur├╝ck. Dort sa├č sie stundenlang und weinte.
Es war wieder passiert.
Sie war wieder allein.
Zur├╝ckgelassen.
Ihre Schwester hatte es wieder getan. Sie hatte sie wieder allein gelassen und Sue hatte nix tun k├Ânnen um es zu verhindern. Seit dem hat sie nie wieder was geh├Ârt von ihr.
Der einzige der noch da war, war ihr kleiner Bruder, der war 4 Jahre ├Ąlter und sie sahen sich oft, seit er geschieden war und einer seiner S├Âhne bei ihm lebte noch ├Âfter.
Aber jedes Mal, wenn sie auch nur den Hauch einer Ahnung hatte, es k├Ânnte jemandem ihrer Freunde schlecht gehen, versetzte sie das so in Panik, das sie nix anderes tun konnte als dort anzurufen oder vorbeizufahren.
Das hatte ihr Freund letzte Nacht zu sp├╝ren bekommen.
Und es war eingetreten, was sie schon vorher geahnt hatte.
Jetzt hatte sie nur noch Angst, aus diesem dummen Fehler w├╝rden Konsequenzen auftreten, die sie nicht beherrschen konnte.
Im Moment wollte sie nur noch weg.
Doch wohin? Am liebsten schlafen und nicht mehr aufwachen!
Endlich sa├č sie da und gestand sich ein, das Angst ihr Leben beherrscht. Auch wenn das sonst niemand merkt.
Wenn jemand in ihrem Kollegenkreis nach ihr gefragt w├╝rde, er w├╝rde mit einem Brustton an ├ťberzeugung sagen: 'Sue ist eine sehr gl├╝ckliche Frau. StehtÔÇÖs freundlich und fr├Âhlich.'
Das dumme ist nur, wenn sie ihre Maske ablegte, war nix mehr von der Fr├Âhlichkeit vorhanden. Ihre Angst kam zum Vorschein und wer liebt schon einen Menschen, der beherrscht wird von Angst?
Der sich nicht mal selbst lieben kann?
Alles Gr├╝beln hilft nix!
Irgendwas muss sie tun, sie wei├č nur noch nicht was...

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