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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Süchtig
Eingestellt am 21. 09. 2013 11:09


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DocSchneider
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Registriert: Jan 2011

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Heute war es günstig: Ihr Mann würde erst abends von einer Besprechung nach Hause kommen, die Kinder waren stundenlang entweder beim Sport oder beim Musikunterricht. Kostbare freie Stunden lagen vor ihr und die wollten gut genutzt sein. Das letzte Mal lag fast einen Monat zurück, es galt also, keine Zeit zu verlieren.

Sie ging ins Schlafzimmer, öffnete den Schrank und kramte aus der hintersten Ecke eine zusammengeknüllte Tüte hervor. Vorsichtig zog sie eine etwas zerdrückte schwarze Perücke heraus und glättete sie mit den Fingern. Anschließend zog sie ihre Jeans und das T-Shirt aus, die Socken und sogar die Unterwäsche. Wenn sie sich verwandeln wollte, dann total.

Die neue schwarze Wäsche lag noch verpackt in der Kommode. Nach dem Entfernen der Preisschilder zog sie sie an... wow! Das sah verdammt gut aus. Schade eigentlich, dass sie so niemand zu Gesicht bekommen würde. Die blickdichte Strumpfhose modellierte perfekt ihre Beine, die der enge Minirock freigab und das Oberteil schmeichelte ihrer Figur, die sie sonst nur all zu gern versteckte.

Im Bad lackierte sie sich die Fingernägel sorgfältig scharlachrot und schminkte sich anschließend üppiger als sonst. Nun noch die Perücke über ihre rötlichen kurzen Haare gestülpt und sorgfältig alle Strähnen versteckt...perfekt!

Sie betrachtete ihr Spiegelbild und war selbst verblüfft über ihren Anblick. Sie sah vollkommen verändert aus. Der dunkle Pagenkopf ließ ihr Gesicht noch schmaler erscheinen.

Niemand würde sie erkennen.

In der Küche durchforstete sie ihre Handtasche nach allen wichtigen Utensilien. Ihr Herz begann zu klopfen und sie fühlte, wie ihr der Schweiß ausbrach. Hatte sie auch alles? Geld, Papiere, Lippenstift, Taschentücher, Handy? Die Vorstellung, ihrem Traum bald nahe sein zu können, machte sie schwindelig.
Dann verließ sie endlich das Haus und ging zum Auto. Gott sei Dank war niemand von den Nachbarn zu sehen.
Sie zwang sich, vernünftig zu fahren und auf den Verkehr zu achten. Es fehlte noch, dass sie in diesem Aufzug einen Unfall baute.

Schließlich erreichte sie den Parkplatz und ging auf das Ziel ihrer Träume zu. Ihrer Albträume, aber das war ihr jetzt egal. Sie stieß die gläserne Tür auf und tauchte ein in die Welt der Automaten, der Rouletttische und Zocker. Jetzt bewegte sie sich wie in Trance und war nicht mehr sie selbst. Nachdem sie das erste Geld umgetauscht hatte, war sie nicht mehr zu halten und begann zu spielen.

Die zwei Aufsichtspersonen stießen sich gegenseitig an. "Schau mal", sagte die eine, " sie ist wieder da. War ja mal fällig... fast hätte ich sie nicht erkannt..."

"Stimmt", entgegnete die andere, "aber sie hat auch ganze Arbeit geleistet. Sieht richtig scharf aus! Viel besser als beim letzten Mal als ältere Dame...."
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Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals ermüdendem Lesen. (Virgina Woolf)

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