Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92207
Momentan online:
334 Gäste und 16 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Suedland
Eingestellt am 20. 08. 2005 08:59


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Kalle
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2002

Werke: 19
Kommentare: 20
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Es war ein warmer Samstag Nachmittag und Horst schĂ€lte sich widerwillig aus dem Bett. Es war eigentlich nichts los am Abend zuvor, aber es kam, wie es so oft kam. Ein Becks folgte dem Anderen und so kam einiges zusammen. Horst hatte noch in der Nacht ordentlich BĂ€uerchen gemacht, so daß es ihm jetzt ganz gut ging.
Die Sonne schien, und Horst war der Meinung, es sei an der Zeit, mal wieder sein Moped zu putzen. Ja, das tat er ganz gerne. Er ließ das MĂ€del im Bett MĂ€del sein, obwohl er schon interessiert war, ein einer guten Morgen Nummer mit diesem mehr als gigantischen Mund, wow, aber dann fiele das Moped putzen wieder flach.

Er springt in seine Hose, seine Schuhe, sein Hemd, gelb mit Blumenmuster und in seine Jeansjacke. Nimmt seinen Helm in schwarz matt und seine Handschuhe , schwarz mit gelben Aramid-Einlegen, geht, nachdem er dieses wunderbare Etwas mit einem komischen GefĂŒhl der Trennung gekĂŒsst hat, zur TĂŒr und verschwindet Richtung Garage.

Da steht er nun, sein Hirsch, groß, stark, schwarz. Moped fĂŒr echte Kerle. Genau. Ok, es ist kein Fell auf der Sitzbank und keine Hörner sind auf dem Scheinwerfer zu finden. DafĂŒr 240 Kg High Tech, mit allem was geht, zur Zeit, Ihr wisst: Horst ist Ingenieur.
Horst startet die Turbine und fÀhrt zur Tanke, tankt voll, doch waschen ist heut nicht.
Er fĂ€hrt nach SĂŒden, mit ordentlich Gas. Zisch sieben geht nicht (der Zisch sieben Sprit von Krydox 27 ist alle), aber mindesten Zisch 0,25, das ist auch schon ganz gut. Am Abend ist er in den Bergen und entschließt sich, zu bleiben.
„Kerle,haben die Zenzis hier Holz vor der HĂŒtt’n.“ denkt sich Horst, bevor er neben seinem Moped und die paar geleerten Dosen in seinen Schlafsack (mit Captain BlaubĂ€r AufnĂ€hern) klettert.
Am nĂ€chsten Morgen, den Horst in einer idyllischen Alm erlebt, mit Edelweiss und einer gar herrlichen BĂ€uerin im Arm, ĂŒberlegt sich Horst noch ein paar Meter zu fahren.

Ja, so geht es weiter Tag fĂŒr Tag, Woche fĂŒr Woche. Horst fĂ€hrt mit 8000 U/min. unermĂŒdlich Richtung SĂŒden. Die Suche nach dem Nirvana hat ihn gepackt. Er scheißt auf Konventionen, beglĂŒckt die Damen aller Herren LĂ€nder und hĂ€lt sein Gesicht in den Wind, den Helm mit getöntem Visier immer auf dem Kopf. Immer weiter Richtung SĂŒden. Er fĂŒhlt sich wie Gunther Sachs auf Sylt, Reinhold Messner beim Yety, Sachsen Paule wo sonst wo und wie Udo, der mit „Desperado“ seiner Geschichte vorgegriffen hat.

So kommt er eines Tages nach Argentinien oder in ein Land daß so aussieht oder wie Horst denkt, daß es so aussehen könnte. Die Nahrungsaufnahme gestaltet sich hier schwierig. Horst mußte sich eine Methode zur Nahrungsmittelversorgung ĂŒberlegen, das war leicht. Immer wenn der Hunger kommt, nĂ€hert sich Horst einer Herde BĂŒffel mit seinem mattschwarzen Moped, das nach 100000 km kernig dastand. Das gefĂ€llt Horst ganz gut, nun passt sie endlich zum Helm.
Die BĂŒffel hier sehen komisch aus. Die haben alle drei Hörner, gelbes Fell mit rotem Irokesenschnitt und gigantische SchwĂ€nze zwischen den Beinen. Hinten sind ĂŒbrigens keine dran. Horst nĂ€hert sich mit etwa 270 km/h, die BĂŒffel sind schnell, verdammt schnell, doch Horst hĂ€lt mit. Er fĂ€hrt neben sie, springt wĂ€hrend der Fahrt auf den BĂŒffel, hĂ€lt sich an den drei Hörnern fest und reist ihn zu Boden. Dies tut bei dieser Geschwindigkeit einen ziemlichen Schlag und verursacht total viel Staub. Das ist gut so, das verwirrt den BĂŒffel. Kaum hat Horst den BĂŒffel unter Kontrolle, bricht er ihn mit einem krĂ€ftigen Torsionsruck das Genick. Ende GelĂ€nde, Mahlzeit angesagt. Die anderen BĂŒffel sind wie immer beeindruckt und fliehen vom Kampffeld.
Horst macht lecker Trockenfleisch, aus dem BĂŒffel, und schneidet sich die Muckis raus. Den Schwanz ĂŒberlĂ€sst er der Damenwelt, die stopfen ihn ĂŒblicherweise aus und hĂ€ngen ihn ĂŒber die HaustĂŒren. Zur VerĂ€rgerung ihrer EhemĂ€nner. Andere LĂ€nder, andere Sitten. Im zivilisierten Mitteleuropa, hĂ€ngen kleinhirnige MĂ€nner Köpfe jeder Tierart in Wohnzimmer, da sind Horst die MĂ€dels hier schon lieber.
Da Horst dieses Ritual öfter durchfĂŒhrte, war er der Held der Damenschaft, die Damen der globalisierten Welt sind sich in ihrer Interessenslage einig .

Vor allen Dingen Poppeya, sie verwöhnte Ihn, wann immer sie konnte und sie konnte immer. Nach heftiger, Sexualarbeit (sie gibt nicht auf, bevor sie sie ihr Recht hat, daß hat sie sich verdient) reibt sie Horst mit einem angenehm sanft nach Rosen duftenden Oil ein, das selbst Horst etwas entspannt, obwohl er eigenlich nie Entspannung braucht.
Als die einheimische Damenwelt es ĂŒbertreibt, ihn zum dreimal am Tag poppen anheizt, entschließt er sich, seinen schwarzen Hirsch zu satteln und Richtung Heimat aufzubrechen.
Er reitet durch Nacht und Wind, durch Sturm und Schnee, durch Hitze und Staub mit Drehzahlen oberhalb der Leistungsgrenze Richtung Norden. Ja, nach Norden. Was Du haben willst, das kriegst Du nicht und was Du haben kannst das gefÀllt Dir nicht.
Horst hĂ€lt sich nirgens lange auf, denkt an Werner, seinen Kumpel mit dem er seit drei Tagen nicht telefoniert hat, an das MĂ€del, daß er vor sechs Monaten im Bett gelassen hat (ob sie wohl noch da ist) und an die Schwachmaten zu Hause, die er alle noch besiegen muß.

Das gibt es nicht: Sie ist noch da. Horst schließt die Wohnung auf und es riecht nach Essen, nein nicht nach BĂŒffelfleisch, nach Tortellinni aus der Dose.
„Horst, Du hast bestimmt Hunger“,
„Ja, klar“ , „sie hat sich inzwischen umgezogen“, denkt Horst
„Setz Dich, ruh Dich aus und entspann Dich“, sie lĂ€chelte verschmitzt
„Es war ein langer Ritt“, Horst zieht stĂŒlpt seine Handschuhe ab
„Ich weiß“
„Lang und hart“
„Klar, machst Du mich glĂŒcklich?“
„Nach dem Essen“
Das MÀdel mit dem uns unbekannten Namen kriegt von Horst alles, was sie in den letzten 6 Monaten ertrÀumt hat.
Ende

__________________
Kalle, der, den sie "die Flamme" nennen

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


ZurĂŒck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!