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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Süffig: „Wolverine“
Eingestellt am 30. 04. 2009 09:59


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jon
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Süffig: „X-Men Origins: Wolverine“
geschrieben am 30. April 2009

Manche Filme kann man sich schön gucken. „Wolverine“ zum Beispiel. Dass das Prequel zur X-Men-Trilogie meine Erwartungen erfüllt hat, lag wohl eher daran, dass die ohnehin nicht in den höchsten Sphären schwebten. Allerdings stirbt die Hoffnung ja bekanntlich zuletzt …

Der Film erzählt, so fasst es Mitproduzent und Hauptdarsteller Hugh Jackman zusammen, wie aus Jimi Wolverine wurde. Es wird dabei kräftig intrigiert, ausgiebig gekämpft, gestorben, was das Zeug hält, und am Ende geht der Film genauso so aus, wie er es als Prequel muss: traurig.

Was dabei auf der Strecke bleibt, ist die Geschichte. Die Fans der X-Men-Comics mögen verstehen, wie Jimi zum Namen Logan kam (bevor er im Lauf des Films zu Wolverine wurde), was der vorgebliche und der wahre Vater von Jimi für ein Problem miteinander hatten und wieso Charles Xavier am Ende die Mutanten-Kinder zwar rettet, aber seine Fähigkeit der Gedankenübertragung nicht schon vorher eingesetzt hat, um William Stryker (dem Oberbösen des Films) von den perfiden Experimenten abzuhalten.

Abgesehen von solchen Unsauberkeiten war der Plot relativ übersichtlich: Er baute weniger auf Komplexität sondern mehr auf ein paar unerwartete Wendungen im ansonsten recht geradlinigen Erzählfluss, der sich darauf konzentriert, wie der Mutant mit den Krallen zu seinem metallischen Skelett kam und seine Erinnerung verlor. Leider ist die Charakterisierung Wolverines einerseits im Vorspann nur im Schnelldurchgang angedeutet worden – dieser Verlauf hätte einen großartigen Film abgegeben! – und fiel andererseits dem finalen Schnitt zum Opfer. Ersteres zeigt seine Abkehr von der Gewalt, zweiteres – die in den Trailern noch erkennbare Szene, in der er einen abgestürzten Helikopter mit einem seiner darin eingeklemmten Widersacher sprengt – wie sehr sie dennoch Teil seines Ich ist. Bedenkt man, dass Jackman und Co. eigentlich genau das zeigen wollten, nämlich dass die Gewalt im menschlichen Wesen durchaus tief verankert ist, durch Wut hervorbrechen kann aber trotzdem nicht zwangsweise unser Leben bestimmen muss, bleibt unverständlich, warum dieses Szene herausgeschnitten wurde, während z. B. eine andere, hochgradig überflüssige Szene in der Endfassung des Streifens geblieben ist.

Was ebenfalls etwas auf der Strecke bleibt, sind die Charaktere. Der Film präsentiert eine Reihe von Mutanten, die – ganz ähnlich wie bei X-Men 3 – enttäuschend flach bleiben. Nicht, dass es an mangelnder Sorgfalt beim Entwurf der Charakter gemangelt hätte oder an schauspielerischem Talent, im Gegenteil: Jede Figur hat durchaus das in der Comicwelt von Marvel bewiesene Potential für eigene Geschichten, aber in der Eile, die der Film an den Tag legt, bliebt davon kaum etwas im Bewusstsein des Zuschauers hängen. Das Problem sind die groß aufgemachten Action-Szenen, die – beim ersten Sehen empfand ich es so – einfach etwas zu lang geraten sind. Gelegentlich hatte ich das Bedürfnis zu sagen „Wir haben’s ja begriffen!“. Hätte man da in der Summe auf vier oder fünf oder sogar mehr Minuten verzichtet, wären in den für die Charakter-Zeichnung wichtigen Szenen öfter mal die halbe oder ganze Sekunde mehr Hinguckzeit – immer gut, um ein Verhältnis zu der Figur aufzubauen – übrig gewesen. Oder man hätte hier und da Sequenzen besser zur Geltung bringen können. Zum Beispiel die Szene, als der martialisch wirkende Söldnerhaufen dichtgedrängt in einer kleinen, edel-plüschig ausgestatten Lift-Kabine steht und sanfte Fahrstuhlmusik erklingt – das hätte zum Schreien komisch sein können, wenn das Bild nicht sofort „abgehackt“ worden wäre. Oder die Einstellung, als Victor (Wolverines Bruder und Gegenspieler) erfährt, dass er von Stryker betrogen wurde – eine Perle ausdruckstarker Mimik durch Liev Schreiber, aber leider so schnell abgewürgt, dass ich das erste Mal nicht sicher war, es wirklich gesehen zu haben.

In den ersten beiden X-Men-Teilen war dieses Spiel mit dem Bruchteil mehr Seh-Zeit perfekt gelungen – da waren Action und Spezialeffekte noch Teil der Geschichte der Mutanten. Im Teil 3 war die Geschichte der Anlass für die Spezialeffekt und hier, bei „Wolverine“, sind Geschichte und Effekte die Mittel für düstere Action.

Aber nun ja: Manche Filme kann man sich schön gucken. Diesen hier zum Beispiel. Beim zweiten Sehen waren die Actionszenen erstaunlich „unlang“, die Düsternis, die permanent über allem lag, besser durchdringbar und – und das ist eine wirkliche Leistung – der Film hatte nichts an Spannung eingebüßt. Beim dritten Sehen fühlte sich alles sogar ausgesprochen kompakt und stimmig an. Nur die Sache mit den zu kurzen Einstellungen fiel mir noch immer unangenehm auf.

Fragen Sie sich gerade, wieso ich einen Tag nach Kinostart den Film schon dreimal gesehen haben kann? Neben meinen Erwartungen an den Film zu Handlung, Optik und Intensität hatte ich auch welche hinsichtlich des Schauwertes von Hugh Jackman. Hohe Erwartungen, derer Erfüllung ich mir so sicher war, dass ich drei der sechs Vorstellungen, die in meinem Stammkino gestern liefen, angesehen habe. Die Dame, die rechts vor, links hinter und links neben mir saß, weiß, was ich meine …

Filmografisches in der Internet Movie DataBase


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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

Version vom 30. 04. 2009 09:59
Version vom 02. 05. 2009 23:35

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