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Leselupe.de > Kurzprosa
Summer of 69
Eingestellt am 01. 02. 2008 20:38


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sirprise
Festzeitungsschreiber
Registriert: Nov 2004

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Juli 69


Nur einen Moment noch!
Die Kurbel zum Entriegeln hatte Neil bereits bis zum Anschlag auf „Öffnen“ gedreht. Eine grĂŒne Kontrollleuchte signalisierte ein vorschriftsgemĂ€ĂŸes ZurĂŒckziehen der Sperrbolzen. Das Außenluk konnte also nun geöffnet werden.
Langsam zog Neil Armstrong das kleine Metallschott nach innen und gab so einen weiten, großzĂŒgigen Blick nach außen frei. Nach dem Halbdunkel der engen Kabine, in dem er und Edwin so lange ausgehalten hatten, blickte er nun in strahlendes Licht.
Eindrucksvoll..., dachte Neil.
Sein Astronautenkollege und Freund Edwin Aldrin half ihm dabei, sich umzudrehen, ohne dass sich der schwere und klobige Raumanzug an diversen Hebeln verfing.
Ein letztes Mal versuchten die beiden sich in die Augen oder wenigstens nur ins Gesicht zu schauen, blickten aber jeweils nur in die goldbeschichteten Visiere ihrer RaumanzĂŒge.
„Du musst jetzt aussteigen, Neil.“, kam es aus dem kleinen Lautsprecher in Armstrongs Helm. Neil hörte das angestrengte Schnaufen Edwins, oder war es doch das eigene, was er da vernahm? Ein bestĂ€tigendes Nicken, das von Aldrin – Buzz wie er liebevoll genannt wurde - natĂŒrlich nicht gesehen wurde. Der Helm verbarg es.
„Ja. Ich bin dann bereit, ...“, eine kurze BestĂ€tigung fĂŒr ein weiteres Kapitel, in dem grĂ¶ĂŸten Abenteuer der Menscheit, das nun vor ihm lag. “Ich beginne mit dem Ausstieg!“, fĂŒgte er noch an die mithörende Bodenstation hinzu, die nun so weit entfernt war.
„Houston! Wir sind dann soweit.“, eine knappe BestĂ€tigung fĂŒr die Kontrollzentrale, die alles, was an Bord des EAGLES geschah, live mitverfolgte.
„Roger, EAGLE. Machen sie mit PUNKT FÜNF STRICH ZWO dieser Prozedur weiter!“, kam nahezu sofort die Antwort .
Voll auf die vor ihm liegende Aufgabe konzentriert, ging Neil Armstrong auf die Knie, um durch die kleine Öffnung der Luke zu passen. Die FĂŒĂŸe voraus, krabbelte er vorsichtig rĂŒckwĂ€rts hinaus.
Ein kleines Podest, das außen unmittelbar hinter der Luke angebracht war, erlaubte es ihm dann in einer wĂŒrdigeren Haltung, aufrecht die MondlandefĂ€hre zu verlassen.
Mit vorsichtigen Bewegungen suchte und fand Neil die oberen Sprossen der am Landebein angebrachten Leiter.
Einen Fuß auf die Sprosse setzen, den anderen nachfĂŒhren, sagte sich Neil immer wieder. Und alles schön langsam, so wie wir es gelernt haben, damals. Beinahe musste er grinsen, konzentrierte sich aber wieder verbissen auf das Benutzen der Leiter. Angestrengtes Keuchen entrann seiner Kehle.

Dann war das Ende der kurzen Leiter erreicht.
Er musste innehalten. Neil Armstrong suchte nach Worten, die nachhaltig die Welt verĂ€ndernd, Geschichte schreiben wĂŒrden. Schweiß perlte ihm von der Stirn, rann vorwitzig am rechten Auge vorbei in den Kragen seines Flightsuits.
Ein kleiner Hopser noch, und Armstrong stand mit beiden FĂŒĂŸen auf dem Landeteller der EAGLE, der MondfĂ€hre.
Jetzt ist es soweit, dachte er.
Er hob den rechten Fuß und setzte ihn vorsichtig in den Staub.
„Dies ist ein kleiner Schritt fĂŒr mich, aber ein großer Schritt fĂŒr die Menschheit.“, sagte er bewegt.
Nun setzte er auch den anderen Fuß auf die staubige und mit kleineren Steinchen ĂŒbersĂ€te FlĂ€che. „Im Auftrag der Menschheit kommen wir in Frieden!“. Diesen Satz hat er sich schon lange zurechtgelegt. Immer wieder daran herumgefeilt, ihn sogar mit seiner Frau geprobt.
Die Leiter loslassend, machte er einen weiteren Schritt und schaute ins gleißende Licht. „Houston, der EAGLE ist gelandet, Tranquility Basis hier!“, funkte Armstrong zur Kontrollstation.
„Roger, Tranquility Basis.“, kam es blechern aus dem Helmlautsprecher zurĂŒck.

Schlagartig verloschen die Lichter.
Das eigene Schnaufen im Helm inmitten der undurchdringlichen SchwĂ€rze war bedrĂŒckend fĂŒr Neil Armstrong. Das Herz pochte ihm bis zum Hals und er musste, wie immer an dieser Stelle, aufgeregt schlucken.
Dann wurde die gedÀmpfte, normale Studiobeleuchtung eingeschaltet.
Armstrong wartete in seinem schweren Raumanzug darauf, dass ihm jemand den Helm abnahm.
Applaus brandete auf. Selbst Stan, Stanley Kubrick, der ein scharfer Hund war in solchen Sachen, stand von seinem Regiesessel auf und klatschte, breit grinsend, Beifall.
„Das haben wir im Kasten, Neil!“ Es klang wie ein Seufzer des Aufatmens.
„Morgen machen wir weiter und drehen den Teil mit Buzz Aldrin. – Gut gemacht fĂŒr heute, marsch ins Bett mit euch.“
Dass sogar die NASA schon wĂ€hrend des Drehs ihn wegen der brillianten Bilder, die er lieferte, mit GlĂŒckwĂŒnschen ĂŒberhĂ€ufte, war fĂŒr ihn neu.
Nun ja, öfter mal was Neues, dachte er so bei sich. Die werden noch Spaß haben, das Ganze zu veröffentlichen. Ein weiteres breites Grinsen huschte ihm ĂŒbers Gesicht.

Mal schauen, was wir als NĂ€chstes drehen werden.

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Ralf Langer
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2009

Werke: 304
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Hallo ,
schön umgesetzt hast du diesen Teil der Geschichte
ĂŒber die Mondlandung.

Habe neulich erst wieder einmal die "Dokumentation"
zur Mondlandung, zur WatergateaffÀre und last but not least
zum Vietnamkrieg
im Fernsehen gesehen.
Ganz großes Kino!!!

Du hast diesen Ausschnitt davon schön erzÀhlt.


lg Ralf

( Am besten in der doku gefiel mir das Interview mit
Donald Rumsfeld, Henry Kissinger und dem ehemaligen Cia Chef)

__________________
RL

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