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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Superdichter- das Allerletzte. Vorsicht: Satire!
Eingestellt am 08. 10. 2003 13:41


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urte
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Superdichter - das Allerletzte. Vorsicht: Satire!


Deutschland suchte den „Superdichter 2003“, und das im traditionsreichen Weimar.
Das konnte doch ganz nett werden, ein Spiel! Ein Freund wird tatsächlich eingeladen – also hin.
Sehr kalter Abend, draußen vor einem hübschen Schlösschen, zufällig kein Regen, wer Sitzgelegenheiten wünscht, suche sich was. Keine Nachfrage, wer von den ausgewählten Teilnehmern da ist, pauschale Begrüßung auf Verdacht. Man habe sich viel Arbeit mit Tausenden von Einsendungen gemacht, da müssen wir ja richtig dankbar sein.
Weiter keine Vorrede, keine Information über die Art der Abstimmung. Von den ersten fünf Gedichten versteht man nur Bruchstücke: schlechte Betonung durch die vorgeblichen Schauspieler, Doppelhall aus den Lautsprechern. Trotzdem aufkommenden Beifall bremst der Moderator (zu deutsch: Mäßiger!) energisch ab: Autor abgebügelt. Dann wird festgestellt, welches Gedicht den meisten Beifall bekommen hat, das kommt in die Endausscheidung. Nanu? Und was ist mit dem ausgebremsten Autor? Nix, fertig.
Deutschland - wer ist das eigentlich? - sucht den Superdichter. Die Beteiligten sind erst mal fassungslos. Ich verstehe es noch immer nicht: Warum haben wir bloß nicht sofort und unüberhörbar protestiert?
Die Lautsprecherübertragung wird verbessert, weiter weiter. Beifall mehr oder weniger lahm. Bei Nummer sieben oder acht das Stichwort fürs Ende der Mäßigung: Ihr könnt aber auch richtig kreischen oder johlen. Dachte ich jemals, eine bestimmte Moderation wo immer sei nicht die gelungenste gewesen? Hier auf dem Podium: das Meistervorbild. Es wurde nicht besser, und wir haben uns das unerklärlicherweise bieten lassen.
Ein Spiel? Aber verdammt noch mal, das wissen wir seit Kindertagen: Spiele haben Regeln zu haben, die müssen für alle gleich sein, die kann man nicht mittendrin ändern. Also doch kein Spiel – was dann? Wie hieß es in der Ausschreibung? „Änderungen im Ablauf sowie aller weiteren Umstände sind in jeder Hinsicht vorbehalten.“ Aha. Für Teilnehmer gilt: „Etwaige Verfehlungen oder unrechtmäßige Beeinflussungsversuche zögen Preisentzug und öffentliche Brandmarkung nach sich.“ Einige sind eben gleicher.
Der „Moderator“ und eine „Moderatorin“ produzieren sich – ihre Namen verraten sie ganz am Schluss doch noch, habe ich aber vergessen – führen ab und zu neue Bedingungen ein, feuern matten Beifall an oder auch nicht. Die Frau wiederholt bei ihren deutlich erkennbaren Favoriten „saftige“ Stellen. Deren Autoren erhalten die besten Werte auf dem „Applausmesser“, der immer noch mal durch neu angeforderten Beifall aktiviert wird, wenn sie finden, dass er akut „zu wenig“ anzeigt – ein sehr zuverlässiges Instrument, da kommt objektiv raus, wie laut man reinbrüllt, auch wenn Buuh.
Was kam nun aus wieviel Tausenden von Einsendungen bis zum Ende durch? Welche Inhalte? Die viele Arbeit, das Lesen, Abwägen, Vergleichen, Abstimmen, was hat es erbracht? Vieles, das den Juroren und Moderatoren besonders gut gefiel, hat mich total genervt, schade. Komisch, dass gerade eins der 25 „besten“ (!) Gedichte den ausrichtenden Verein bejubelte. Das kann doch nicht sein, dass der nur gern was für seine Freunde tun wollte? Sie kannten ja den Verfasser, bei Bewerbungen hatte keiner an Codenamen gedacht, man soll eben zu seinen Werken stehen, das hat doch was.
Das Gedicht der späteren Gewinnerin wird vom besten Sprecher vorgelesen – sicher auch ein bloßer Zufall? Wenn der Moderator aber am Ende fröhlich eine „Bekannte“ von sich als Gewinnerin auf die Bühne rufen kann, die eben genau das eine Gedicht verfertigt hat, das von den „fünf besten“ der fünf Fünfergruppen übriggeblieben ist, jenes eine einzige, welches „das beste Gedicht“ geworden ist – also neenee, er muss es wirklich gut mit ihr gemeint haben, sonst hätte er sich das nicht geleistet, da muss er schon zu seinem Werke stehen. Die „Klapprechner“-Übergabe erfolgte in großer Eile – vielleicht haben die auch so gefroren? Die Protagonisten konnte ich danach nicht mehr auffinden. Wer entschädigt jetzt die Düpierten? Dichter übrigens, Dichter würden keinen Superdichter wählen.
Ja, und die Qualität des Siegergedichts suche ich noch immer, sie versteckt sich aber auch immer mehr.

vgl. auch: Hier klicken (20.9.2003)



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(C)Urte Skaliks-Wagner

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Parsifal
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Liebe Urte,

wir leben in einer Zeit, in der die beste Satire diejenige ist, welche die Vorfälle für sich spechen läßt. Es ist traurig, aber mir scheint, als hätte sie nur noch Alibifunktion.

"Das Volk muß untergehn, früh oder spät,
wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet."

Traurig

Parsifal

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urte
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Traurig

Lieber Parsifal,
Danke für Deine Antwort. Leider werden wir wohl kaum etwas ändern, wenn wir die Dinge kenntlich machen, aber wir sollten auch nicht schweigen. Bei mir war es hier - Trauer auch, aber noch eher Zorn. Aber in der Tat, "das Volk" kann trotzdem ganz gut ohne unsere Einmischung leben.
Beste GrĂĽĂźe, Urte
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(C)Urte Skaliks-Wagner

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LuMen
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alles schon gesagt

Nochmals hallo Urte,

meine Meinung habe ich Dir ja bereits ĂĽbermittelt. Da ich gerade aus dem Urlaub zurĂĽckgekommen bin, hatte ich die Einstellung Deiner Satire an dieser Stelle noch nicht bemerkt!

Herzlich
LuMen

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urte
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Superdichter

Hallo, LuMen,
danke fĂĽr Dein nochmaliges Signal! Nachdem ich zwei Jahre lang fast nie mehr bei der Lupe war, bin ich (wohl heute?) zu einem "manchmal gelesenen Autor" avanciert, das ist doch was. Ăśber einige freundliche Bewertungen freue ich mich natĂĽrlich.
Herzlich, Urte
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