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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Supermercato
Eingestellt am 03. 09. 2004 20:35


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masterplan
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: May 2001

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Salat, Eier, Flaschenbier, K├Ąse, Tiefk├╝hlpizza, Zeitschriften und Schokoriegel. Zahnpaste, Rasierwasser, Kartoffelchips, Toilettenpapier und Eis am Stil. Irgendwie wusste ich heute nicht, ob ich das ganze Zeug ├╝berhaupt brauche. Mache ich mir vor, dass ich Blattsalat f├╝r meine Fitness oder ein Magazin f├╝r meinen Informationsstandart brauche? Irgendwie finde ich heute keine Waren in meinem Einkaufswagen. Nichts von alledem, was ich mir angesehen habe, liegt drinnen. Jetzt stehe ich vor der Kasse und bin auf seltsame Weise stolz darauf, dass mein Wagen noch leer ist. Ich brauche den ganzen M├╝ll nicht, den die Kapitalismusindustrie produziert und die Konsumgesellschaft t├Ąglich verbraucht - obwohl sie ihn gar nicht braucht. Jetzt f├╝hle ich mich wieder wie ein chronischer Schlechtredner. Salat f├╝r Fitness ist ne tolle Sache, Rasierwasser fast lebensnotwendig. Dennoch ist das ganze Zeug Bullshit. Sieben verschiedene Marken Taschent├╝cher. Davon zwei heruntergesetzt und trotzdem noch teurer als die Billig- Noname- Familien- Packung. Dann frage ich mich immer, wer eigentlich die Edelmarke kauft. ÔÇ×RotziÔÇť jetzt noch geiler f├╝r Ihren nasalen Orgasmus; mit vergoldetem R├╝schenmuster auf der Schnodderseite. Schei├č drauf! Ist mir egal, wer sich f├╝r so etwas hergibt. Doch irgendwie auch wieder nicht. Sonst w├╝rde ich nicht dar├╝ber schreiben.
Okay, aber bevor das ganze noch zu einem kommunistischen Essay verkommt, erh├Ąlt die Story jetzt eine Geschichte:
Da sind diese beiden Typen, als ich den Supermarkt mit meinem leeren Wagen verlasse. Letztlich habe ich mich dazu entschlossen, eine Packung Kaugummis zu kaufen, um mir nicht vollkommen idiotisch vorzukommen. Als ich also meinen leeren Einkaufswagen wieder zur├╝ckstelle und mir den Euro Pfand zur├╝ckhole, fallen mir diese beiden M├Ąnner auf, die heftig miteinander argumentieren. Es geht um deren Autos. Offenbar haben sie sich auf dem Parkplatz des Supermarktes gegenseitig gerammt. Der blaue und der wei├če Wagen stehen Front an Front und haben sich dort seitlich wohl jeweils eine Schramme geholt. Vorkostenanschlag: Etwa achthundert Euro pro Fahrzeug. Minuten um Minuten diskutieren sie, wer denn nun Schuld an dem Unfall tr├Ągt. Ich frage eine Frau, die sich das Spektakel schon ansieht, bevor ich mit meinem Einkaufswagen aus dem Laden gekommen bin. Sie sagt, dass das wei├če Auto aus seiner Parkl├╝cke scheren wollte, w├Ąhrend der blaue Wagen eine L├╝cke zum einparken gesucht hatte. Die hatte er dann scheinbar auch gefunden - neben dem wei├čen Gef├Ąhrt. Der eine f├Ąhrt r├╝ckw├Ąrts und der andere genau so blind vorw├Ąrts. Schon war es passiert. Blau f├Ąhrt Wei├č an die seitliche Front. Danach ein Haufen Geschrei und Gezeter ├╝ber Sinn und Unsinn eines F├╝hrerscheins und die Logik des Einparkens. Nachgeben will keiner von beiden. Dann kommt ein Polizeiwagen vorgefahren. Offenbar hat den jemand angefordert. Das ging deshalb relativ schnell, weil die Polizeiwache nur ein paar Stra├čen weiter sitzt. Zwei m├Ąnnliche Cops in typischem Gr├╝n steigen aus und wirken mit ihren Polizeih├╝ten und den umgeschnallten Schusswaffen wie uncoole Cowboys, die ihren Stil vom Anfang der achtziger Jahre geklaut haben.
Relativ schnell entwickelt sich schlie├člich aus einer Aussagenaufnahme der Polizisten eine immer heftigere Diskussion, wer denn nun den gr├Â├čeren Anteil an dem Unfall tr├Ągt, worin auch die beiden Gr├╝nm├Ąnner miteinbezogen werden. Irgendwie passiert es dann auch, dass jeder der beiden Cops einen eigenen Sympatietr├Ąger unter den Unfallbezogenen hat und nun gegeneinander argumentieren. Als h├Ątte ich es gewu├čt, wird letztlich gesto├čen, gerempelt und dann auch gepr├╝gelt. Es entwickelt sich zu einer richtig saftigen Pr├╝gelei, worin sich die vier M├Ąnner vollkommen gleich sind. Polizist gegen Proll. B├╝rokaufmann gegen Polizist. Proll gegen B├╝roheini. Cop gegen Cop. Irgendwie habe ich mir so eine Situation gew├╝nscht. Nicht weil ich geil darauf bin eine ├╝berraschende Situation zu erleben, wie alle anderen die jetzt aus dem Supermarkt kommen und verbl├╝fft, sowie vergn├╝gt zuschauen. Eigentlich finde ich diesen Moment ein wundersch├Ânes Beispiel daf├╝r, dass wir wohl alle gleich sind - und irgendwie auch nur Bullshit im Kopf haben. Darum schiebe ich mir jetzt einen Streifen Kaugummi in den Mund und lasse die gaffende Menge hinter mir, steige in mein Auto und entferne mich von diesem Ort.
Mit diesem Tage habe ich entschlossen, mir nur noch das N├Âtigste zu kaufen und mein Auto zu verh├Âkern.
__________________
Sch├Ân, dass wir einmal dar├╝ber sprechen konnten...

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