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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Surreal Der Maler
Eingestellt am 22. 04. 2018 17:03


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Reeno RPR
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2018

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Der Maler

Die helle Dachgeschosswohnung bestand nur aus einem hohen, gro├čen Raum. Es roch nach ├ľlfarben. Durch die gro├čen Scheiben fiel das tr├╝be Licht eines kalten, regnerischen M├Ąrztages. Dieses trostlose Licht reichte dem alten Maler nicht, heute wollte er sein aktuelles Werk fertigstellen. Letzte feine Pinselstriche erforderten genaue Arbeit, dazu hatte er zwei gro├če Scheinwerfer und mehrere kleine Deckenlampen eingeschaltet, nun hatte er die helle, warme Beleuchtung auf seiner Leinwand und dem von hunderten Gem├Ąlden bunt gesprenkelten Holzfu├čboden, die er brauchte. Der Alte arbeitete schon vom dunklen, ruhigen Morgen an. Der brennende Wunsch endlich die letzten Ideen f├╝r sein Bild, die ihm in der Nacht kamen, auf die Leinwand zu bringen, hatten ihn schon sehr fr├╝h, als die Stadt noch schlief, aus dem Bett getrieben. Ungewaschen und nicht rasiert hatte er sich an die Arbeit gemacht. F├╝r ein Fr├╝hst├╝ck hatte er keine Mu├če. Jedes Gef├╝hl f├╝r Zeit und sogar f├╝r seinen K├Ârper war ihm im Laufe seines Schaffens vollkommen abhandengekommen. Ja, es kam sogar h├Ąufig vor, dass er drei├čig Stunden ununterbrochen arbeitet und dabei selbstvergessen sogar menschliche Bed├╝rfnisse unterdr├╝ckte. Heute jedoch kam er mit der Arbeit so gut voran, dass er am Mittag fertig wurde. Kritisch legte er wieder die Pinsel zur Seite und trat einige Schritte zur├╝ck von der Leinwand. Kritisch betrachtete er das erschaffene Gem├Ąlde, ob er eine Minute oder eine Stunde so dastand h├Ątte er nicht zu sagen vermocht. Er wunderte sich dar├╝ber, dass dieses, sein ├ľlbild ihn so wie es war, zufrieden stellte. Alles war perfekt in ├ľl auf Leinwand.
Die vom Regen dunkel gl├Ąnzende Stra├če aus vielen Graut├Ânen, das undefinierbare B├╝ndel Kleidung, das er in dunklen Blaut├Ânen mit grauen Flecken gemalt hatte, k├Ânnte einen Menschen zeigen, der auf der nassen Stra├če liegt. Daneben zwei kleine kr├Ąftige Punkte Farbe, die er in grellem Orange neben dem B├╝ndel platziert hatte, perfekt. Der Himmel, den er gemalt hatte, der einen tr├╝ben Tag darstellte, auf dem in gelb-wei├č m├Ąchtig gl├Ąnzend Sonnenstrahlen die bedrohlich wirkenden Wolkent├╝rme durchbrachen, perfekt, perfekt in Form und Farbe.
Er schaltete nachdenklich die hei├čen Lampen aus, ging ins Badezimmer, wusch und rasierte sich besonders gr├╝ndlich, dabei beschlich ihn ein ungutes Gef├╝hl: War das Kunstwerk tats├Ąchlich so gelungen? Der Maler eilte ins Atelier zur├╝ck und betrachtete erneut sein Erschaffenes. Nun, ohne das k├╝nstliche Licht, erschien es ihm sogar noch eindrucksvoller. Zufrieden putzte er sich die Z├Ąhne, zog saubere W├Ąsche an, streifte sich die neue graue Cordhose ├╝ber die mageren Beine und versp├╝rte seit langem wieder Hunger. Da sein K├╝hlschrank nichts mehr hergab, nahm er sein Geld, warf sich die dunkelblaue Jacke ├╝ber, nahm den grauen Rucksack von der Garderobe und ging Lebensmittel einkaufen. Auf dem Weg zum Supermarkt wurden seine Beine schwer, er hatte seinen K├Ârper wochenlang vernachl├Ąssigt, das wollte er nun wieder gut machen. So schleppte er sich in die gro├če Lebensmittelabteilung und erwarb gute, gesunde Waren. Der K├╝nstler verstaute alles in seinem Rucksack, legte oben noch vorsichtig zwei Orangen drauf und verlie├č den Supermarkt. Schneeregen hatte eingesetzt. Der betagte Mann zog den Kopf zwischen die Schultern gegen den kalten Wind, als er auf nasser Stra├če, mit schwerem Schritt nach Hause ging. Er konnte nicht sehen, dass sich ├╝ber ihm am Himmel bedrohliche Wolkent├╝rme aufbauten. Der Maler sah nur die kalten Flocken, die der Wind gegen seine Beine trieb und die Hose in verschiedenen Graut├Ânen durchn├Ąsste, er sah seine Schuhe und den ausgebesserten Asphalt. Pl├Âtzlich, als Sonnenstrahlen durch die Wolken brachen, hatte er das Gef├╝hl, als w├╝rde sein schwerer Gang leichter. Erst war es nur ein schwaches Empfinden, doch dann wurde er Schritt f├╝r Schritt leichter. Gerade wollte er sich dar├╝ber freuen, als er ohne stehen bleiben zu k├Ânnen erschrak, denn der Weg unter ihm war weiter weg als seine Beine lang waren, als ginge er aufw├Ąrts durch die Luft oder ├╝ber eine unsichtbare Treppe. So war es denn auch. H├Âher und h├Âher zog es ihn hinauf, er sah seine Umgebung von oben, wie von einem sehr hohen Turm, drehte sich um und entdeckte unten zwischen den fallenden Flocken ein blau-graues B├╝ndel Kleidung, dass die Umrisse eines K├Ârpers abzeichnete, daneben zwei grell-orangefarbene Punkte, er erkannte die zwei Orangen, die er in seinen Rucksack gelegt hatte, auf die Leinwand gemalt hatte. Der Maler entdeckte seinen abgelegten K├Ârper dort unten in den Blaut├Ânen mit den grauen, dunkel gl├Ąnzenden Asphaltflecken. Das Bild wurde immer undeutlicher, je weiter er auf dem gelb-wei├čen Sonnenstrahl hinauf zu den Wolkent├╝rmen ging. Ihm wurde warm, es war hell ohne zu blenden, gutes Licht zum Malen.
Sein letztes Gem├Ąlde h├Ąngt heute in dem gro├čen, ├Âffentlichen Museum unserer Stadt neben anderen Werken ber├╝hmter Kunstschaffender. Es ist eines der wenigen Bilder des Malers, das so harmonisch gelungen ist. Besonders beeindruckt sind viele Betrachter von den zart-wei├čen Fu├čabdr├╝cken, die fast transparent von dem grau blauen B├╝ndel in den Himmel f├╝hren. Das diese Fu├čspuren nicht von dem lebenden Maler in das Bild gebracht wurden, wei├č bis heute niemand. In vielen Jahren, wenn man das Bild chemisch untersuchen wird, um N├Ąheres ├╝ber seine Maltechnik und die Zusammensetzung der verwendeten Farben zu erfahren, wird man auf diese wei├če Farbe sto├čen, f├╝r die es nichts Vergleichbares gibt.

__________________
RPR

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Marker
???
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hallo reeno,

schon das thema spricht mich an und ebenso, wie du es umgesetzt hast, wie du gegen ende das surreale in den text hast sickern lassen. mein geistiges auge hat wie in einer galerie bilder geschaut.
aber die folgende Textstelle liest sich ein bisschen merkwuerdig, finde ich:

(...) als er ohne stehen bleiben zu koennen erschrak (...)

Klingt irgendwie nicht so elegant.

ansonsten hab ich nichts zu motzen.

lg, marker
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Die Federspitze auf dem Papier, wie sie die Worte balanciert, auf der messerscharfen Schneide zwischen Wahn und Wirklichkeit.

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Reeno RPR
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Surreal Der Maler

Hallo Marker,

danke f├╝r Deinen Kommentar und f├╝r die kritische Anmerkung. Hast Du einen Vorschlag zu der von Dir angesprochenen Textstelle (als er ohne stehen bleiben zu koennen erschrak), ich m├Âchte ausdr├╝cken, dass er, der ja nun k├Ârperlos ist und gerade im Begriff dieses zu realisieren, nicht mehr geht, also nicht mehr von seinen Beinen getragen wird und keinen Einfluss auf die Fortbewegung hat. Gleichzeitig bemerkt er ├╝berrascht, dass er tot ist?

Dank f├╝r Deine M├╝he
Freundliche Gr├╝├če Reeno

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