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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Surreal "Gekoppelt"
Eingestellt am 27. 05. 2018 17:06


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Reeno RPR
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2018

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Gekoppelt
Dunkel sind die Kinderzimmer der Jugendlichen, nur von den Bildschirmen zucken bunte Lichtblitze und reflektieren sich dumpf an den W√§nden. Stundenlang ballern sie. Seit Blackwarinc den kostenlosen Ego-Shooter, also ein Computerspiel, bei dem man aus Sicht eines Soldaten k√§mpft, kostenlos auf den Markt gebracht hat, spielen alle Gamer nur noch dieses Spiel: War Live Hell Fire, Version WW3. Spielt man in diesem Spiel in der Rolle eines Scharfsch√ľtzen, so kann man, einen guten Treffer vorausgesetzt, zur Belohnung den Schuss noch einmal aus der Perspektive der sich dem Opfer n√§hernden Kugel erleben. Deutlich ist der Einschlag im dunklen K√∂rper, das Zerfetzen der Organe und Knochen dargestellt, als w√§re ein Scheinwerfer auf dem Geschoss. Dumpfes st√∂hnen des Getroffenen begleitet die faszinierende Perversion, die mit erstaunlicher anatomischer Genauigkeit dargestellt wird. Als einfacher Soldat kann man mit dem Flammenwerfer unschuldige Zivilisten grillen und hat auch sonst, im Gegensatz zu allen auf dem Markt befindlichen Spielen, alle Freiheiten die man sich denken kann. Findet der Spieler eine Handgranate und sp√§ter einen Faden, kann er daraus zu eine Sprengfalle basteln, jede T√ľr im Spiel ist eintretbar und selbst die Holzsplitter lassen sich dann als Messererstaz einsetzen. Die ganze Spielumgebung wirkt real, keine Fehler, keine Grenzen, keine Skrupel.
Rashid Miller und Georg M. Setruan haben sehr genau erkannt wieviel Potential in den Gamern weltweit steckt, sie lie√üen dieses Spiel entwickeln mit einer Vielzahl von Vorgaben: Realit√§tsn√§he, Suchtfaktor, f√ľr jedes System spielbar, auch mobil, und die Leistungen der Spieler mussten unbedingt auswertbar sein. Das Beste jedoch war eine Entdeckung, die es m√∂glich machte selbst mit veralteten Rechnern eine super Grafik auf die Schirme zu zaubern, das Geheimnis lag im perfekten Weglassen. Es wurden ganz gezielt Bildinhalte gel√∂scht. Hintergrund f√ľr diese Technik ist die Entdeckung eines Neurologen, das unsere Gehirne Dinge, die unscharf oder gar nicht da vorhanden sind, wo sie eigentlich sein sollten zu einem "richtigen" Bild erg√§nzt. Das haben schon K√ľnstler ausgenutzt, indem sie die Taue alter Segelschiffe nur im Ansatz zeicneten und den Rest der Linien weglie√üen, das menschliche Gehrin des Betrachters "rechnet" zur realen Wahrnehmung das fehlende St√ľck Tau dazu. Durch dieses Verfahren konnten Datenmengen in der grafischen Darstellung gespart weden und selbst schwache Rechner stellen perfekt scheinende Bilder da. Dazu wurde eine Schnitstelle in das Spiel gebaut, die die Szenarien der besten Gamer koppeln konnte. Luke Smith, Akemi Kabajashi, Juri Rumanov, Denis Hermann, Svetlana Korsenko, das waren einige der Namen von Topspielern weltweit, Spieler die selbst von Bots, also von k√ľnstlichen Computersoldaten, mit k√ľnstlicher Intelligenz, nicht besiegt werden konnten. Solche Spielertypen wurden t√§glich mehr und sie waren besser als jede Botarmee. War Live Hell Fire w√ľrde ein Verm√∂gen mit ihnen machen, doch nicht Geld w√ľrde die W√§hrung sein, in der bezahlt wird.
Es hat schon begonnen.
Doch sehen wir einmal selbst einigen jungen Spielern √ľber die Schultern. Almendra aus Chile, 15 Jahre alt, etwas √ľbergewichtig, sitzt seit vier Stunden vor dem Bildschirm, sie ist von Spielbeginn an in Kampfhandlungen in der Syrien-Map eingebunden. F√ľr sie ist es nur ein Spiel, doch sie wurde ohne es zu ahnen gekoppelt. Denise Herrmann, 17 Jahre alt, eigentlich eine Mustersch√ľlerin aus Wuppertal, k√§mpft seit drei√üig Minuten in Syrien, auch sie z√§hlt zu den Topgamern und wird deshalb ebenso unbemerkt gekoppelt. Gekoppelt, was bedeutet das? Jeder Spieler installiert sich unwissentlich mit dem Spiel eine Schnittstelle, mit der er an einen Kriegsroboter, der f√ľr den H√§userkampf in der realen Welt, entwickelt wurde, verbunden werden kann. Die Kombiantion aus jugendlicher Reaktionsschnelligkeit, Phantasie im Kampf und dem Ideenreichtum der jungen Menschen, dazu auf der anderen Seite einer effektiven T√∂tungsmaschine, wird von War Live Hell Fire so furchterregend perfekt eingesetzt. Die Roboterpiloten haben keine Skrupel, f√ľr sie ist alles nur ein Spiel und sie kosten keinen Sold. Dieser Tag in Syrien wird die Welt ver√§ndern, heute werden die perfetken Robosoldaten erstmalig auf einem realen Schlachtfeld eingesetzt und es werden nur die Besten gekoppelt. Das furchtbare Design dieser spinnenartigen Maschinen, es sind kleine Schreitpanzer, wird aus allen Lagen auf Video gebannt. Fachleute aus aller Welt werden sich erst fragen woher diese sich schnell bewegenden Kampfmaschinen ihre Phantasie beziehen, sie werden staunen, wie weit die k√ľnstliche Intelligenz fortgeschritten ist, ohne zu ahnen, dass menschliche Steuerung hinter diesem brutalen Schlachten liegt. Danach werden diese Fachleute ihre Regierungen auf die Gefahr f√ľr das eigene Land hinweisen, die von einer Armee dieser Spinnensoldaten auszugehen droht, sollte man nicht selbst solche Kampfbots haben. Denise`s Robo, ein Scharfsch√ľtze, hat gerade einen realen IS-Terroristen verwundet, der liegt blutend im Staub. Immer wieder versuchen seine Mitterroristen ihm Feuerschutz zu geben, damit andere ihn aus der Gefahrenzone retten k√∂nnen. Vergeblich, umversch√§mt schnell und schlau wechselt Denise ihr Versteck, guckt sich dabei schon nach den n√§chsten Hinterhalten um, gibt ohne die Bewegung zu unterbrechen einen pr√§zisen Schuss ab, verzichtet auf die Wiederholung des Schusses aus Sicht der Kugel und liegt schon im n√§chsten Versteck auf der Lauer. So umkreist sie die Terroristen, die verwundet, kampfunf√§hig und nicht mehr in Lage zu fliehen im Staub liegen. Neun Frags werden ihr daf√ľr auf ihrem Spielerkonto gutgeschrieben, umgerechnet und in Bitcoins √ľberwiesen. Almendra die Chilenin k√§mpft √§u√üerst blutig auf Seiten der Terroristen. Sie ist dar√ľber nicht traurig, das Spiel hat sie zugeteilt, man kann die Armee f√ľr die man k√§mpft nicht w√§hlen, doch das ist ihr egal, denn ihr Spielego ist eine Freiheitsk√§mpferin, so jedenfalls gaukelt die Spielemaske es ihr vor. Mit einer W√§scheleine erw√ľrgt sie eine vermeintlich feindliche Spionin vor den Augen ihrer Kinder, deren Gesichter das Spiel erkennt und sofort mit an Detailgenauigkeit nicht zu √ľberbietender Pr√§zision mit kleinen, fiesen D√§monenmasken √ľberdeckt. Als die junge Chilenin das Haus verl√§√üt liegen die Spionin und drei kleine D√§monen tot im Dreck, skilling.
Die Kameras im realen Geb√§ude, an den realen Drohnen und in den H√§nden realer Kameram√§nner zeigen allerdings die Realit√§t der Kampfst√§tte. Es geht Blackwarinc nicht darum ein verharmlosendes, verlogenes Werbevideo f√ľr Wehrtechnik zu drehen, es geht darum reale Angst zu verbreiten, weit bevor k√ľnstliche Intelligenz in die Waffentechnik einzieht. Ab Null Uhr heute Abend werden weltweit 2940 Spieler gekoppelt...... .
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RPR

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