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Leselupe.de > Science Fiction
Sushi, der Goldfisch
Eingestellt am 05. 09. 2006 20:44


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Bone
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Nov 2001

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Ich bitte darumeine kurze (oder auch lange) Kritik abzugeben, da ich darauf brenne was ihr dazu sagt.



Sushi, der Goldfisch

Niemand wusste wirklich genau woran die Faszination am triangulanischen Hunderennen lag, welches die anfeuernden Massen auf den Rängen gerade beobachteten. Es war eines der Mysterien dieser verrückten Galaxie das die, angeblich intelligenten Rassen der verschiedensten Planeten, hierher kamen um in gesellschaftlicher Atmosphäre ihr Geld zu verlieren. Sicher war es schön anzusehen, die achtbeinigen triangulanischen Hunde über die Rennbahn flitzen zu sehen, und der Nervenkitzel war enorm, jedoch war es vom Resultat her immer dasselbe. Ob Pferderennen, Gleiterwettstreite, Bikerduelle oder andere Wettspiele, das Geld war hinterher weg, und auch wenn man es bei dem berühmten Hunderennen von Triangul verloren hatte, dann war das trotzdem kein Trost für den Verlierer.
Diese und ähnliche weitere Gedanken gingen Largo Crumb in dem Moment durch den Kopf, als er den Sieger über die Ziellinie wetzen sah, während der Hund auf den er gewettet hatte im hinteren Feld gerade um die Kurve gekrochen kam. Largo zerriss wütend seinen Wettschein und freute sich schon mächtig auf die Sprüche, die er sich von seinem Freund und Schiffsmechaniker Zap anhören musste, bezüglich seiner vorherigen Warnungen nicht bei diesem Hunderennen zu wetten. Das durfte er sich sicher die nächsten 10.000 Lichtjahre anhören müssen, denn wenn Zap erstmal was gefunden hatte mit dem er Largo ärgern konnte dann hielt er eine Weile daran fest. Hinzu kam das Largo gerade das Geld für die Schiffswartung verspielt hatte, die sie in Kürze vornehmen wollten und die für Largos Raumschiff, die Starbreaker, auch dringend notwendig war. Zap würde also ziemlich sauer sein, da er das Schiff nun weiter mit Spucke und Klebeband zusammen halten musste, was natürlich nicht gerade die übliche und sichere Vorgehensweise war, wenn man durch das Weltall flog.
Largo ließ sich in der Mitte einer Masse von Gestalten, die wie er selber die Schultern hängen ließen und deprimiert dreinschauten, die Rampe herunterspülen, um an den Kassen zur Auszahlung vorbei, vor denen sich keinerlei Schlangen bildeten, Richtung Ausgang zu bewegen. Ein kleiner Tumult erregte Largos Aufmerksamkeit. Offenbar hatte ein Glücklicher tatsächlich gewonnen, und einige wütende, frustrierte Verlierer machten sich gerade brutal über ihn her. Largo hätte am liebsten auch auf den Kerl eingetreten aber dadurch bekam er das verlorene Geld auch nicht wieder.
Nachdem er die Rennbahn verlassen hatte trottete Largo lustlos die Straße entlang und grübelte darüber nach, wie er jetzt an das Geld für die anstehende Raumschiffwartung kommen sollte. Im wollte nichts einfallen. Er lehnte sich an eine Straßenlaterne und zündete sich eine Zigarette an. Das Nikotin das in seine Lungen strömte beruhigte ihn ein wenig.
Ein großer, schwarzer Gleiter hielt direkt vor Largo am Straßenrand. Die Fenster waren getönt und Largo konnte sein Spiegelbild in dem Fenster der Rückbank sehen. Er sah genauso zerknittert aus wie er sich fühlte. Seine dunklen Haare waren ungekämmt und zerzaust, wie meistens, seine Augen waren von dunklen Schatten umringt, das weiße Hemd war zerknittert und voller Senfflecken, welche von dem auf der Rennbahn verschlungenen Hot Dog stammten, und sein Ledermantel war verschlissen und brauchte genauso dringend eine Generalüberholung wie sein Raumschiff. Das Fenster wurde heruntergefahren und sein Spiegelbild wich dem Gesicht eines älteren, weißhaarigen Mannes. Er starrte Largo direkt an. Toll, sicher ein Gläubiger dachte Largo resigniert. Der Mann glotzte Largo einfach an bis Largo es nicht mehr ertragen konnte.
„Nun sagen sie schon was sie wollen!“ platzte es aus ihm heraus.
Der Mann setzte ein Lächeln auf das seine Gesichtzüge charismatisch und überlegen wirken ließen. „Sie sind Largo Crumb!“ Es klang wie eine Feststellung.
„Nun, da sie wissen wer ich bin...wollen sie sich nicht vorstellen, und mir sagen was sie von mir wollen?“ Largo hatte gerade keine Lust auf Spielchen.
Der Mann nickte lächelnd. „Mein Name ist Rimsa Teodäus und ich habe einen Auftrag für sie!“
Nun kam der Gute aber schnell zur Sache. Largo beschloss seine schlaksige Haltung aufzugeben. Immerhin ging es hier offenbar ums Geschäft und möglicherweise tat sich hier eine Möglichkeit auf Geld zu verdienen, welches er gerade jetzt dringend brauchen konnte.
Er nahm noch einen tiefen Zug von seiner Zigarette und schnippte diese dann auf die Straße.
Dennoch, es war immer ein riskantes Spiel in dieser Galaxie sich auf unbekannte Auftraggeber einzulassen. Largo wollte trotz allem vorsichtig bleiben. „Ich bin ganz Ohr, Mr. Teodäus!“ sagte er zu dem Mann im Gleiter und nickte ihm auffordernd zu Weiterzusprechen.
„Nicht hier Mr. Crumb, so auf offener Straße. Geschäftliches geht doch nicht jedem Passanten was an, oder?“
Largo schaute nach links und rechts. Außer zwei dreibeinige Kromorianer, die sich von ihnen weg bewegten, und einem streunenden Hund, vermutlich ein Rennteilnehmer des triangulanischen Hunderennens, der einmal zu oft verloren hatte, war niemand zu sehen. Largo blickte in das absolut unschuldig dreinblickende Gesicht von Rimsa Teodäus.
„Bitte, Mr. Crumb, steigen sie doch ein. Ich fahre sie wohin sie wollen und wir unterhalten uns unterwegs!“ sagte Teodäus diplomatisch.
Largo fühlte sich relativ sicher, da er seine Laserpistole umgeschnallte hatte. Zu einem Hunderennen immer bewaffnet gehen, das war eines seiner Mottos, man weiß ja nie gegen wen man seinen Gewinn verteidigen muss. Als wäre es jemals dazu gekommen!
Largo stieg in den Gleiter ein. Teodäus war ein wenig verrutscht, um seinem Gast auf der Rückbank Platz zu schaffen, und gab seinem Chauffeur ein Zeichen loszugleiten, kaum das Largo im Gleiter war. Durch die pompöse Innenausstattung wirkte der Gleiter noch teurer und luxuriöser als er schon von außen gewirkt hatte. Largo Nase hatte augenblicklich die Fährte von Geld aufgenommen.
„Es geht um den Transport eines heiklen Gegenstandes der von hier zu seinen Zielort transportiert werden soll“ kam Teodäus gleich zur Sache. „Die Fracht ist sehr wichtig und darf auf keinen Fall unbehüteten, riskanten Unternehmungen ausgesetzt oder gar beschädigt werden. Was die Bezahlung angeht, die wird äußerst großzügig ausfallen, wenn sie den Auftrag zur Zufriedenheit erledigen“.
Largo nickte. „Es ist selbstverständlich, dass die Ware ohne einen Kratzer an seinem Zielort ankommt! Was genau verstehen sie unter großzügig?“
Teodäus nannte eine Zahl. Largo konnte einen Jubelschrei kaum unterdrücken. Sämtliche Vorsicht fiel von ihm ab und Kontrollfragen wie „Wie sind sie auf mich aufmerksam geworden?“ und „Wieso ist der Gegenstand heikel?“ wurden für den Moment völlig aus seinem Gedächtnis gelöscht. „Um welche Fracht geht es?“ fragte er stattdessen startbereit.
Teodäus griff zwischen seine Beine in den Fußraum und förderte einen rundlichen, von einem blauen Tuch abgedeckten Gegenstand zum Vorschein, der ungefähr die Größe eines Fußballs hatte. Vorsichtig, als wäre darunter ein riesiges rohes Ei, entfernte er das Tuch.
Largo blinzelte. „Das ist ein Fisch!“ stellte er wenig begeistert und völlig ungläubig fest während er auf das Goldfischglas starrte indem ein dickbäuchiger, goldgelber Fisch schwamm.
„Psst, nicht so laut!“ zischte Teodäus.
Largo fragte sich wovor Teodäus eigentlich Angst hatte. Bekam der Fisch Ohrenschmerzen wenn man zu laut sprach? Würde das Glas zerspringen? Oder hatte er vielleicht eine Paranoia weil der Fisch sagenhaft wertvoll war??? Largo betrachtete den Fisch gleich mit anderen Augen.
„Sie müssen wissen, dies ist ein äußerst seltener Goldfisch, ein urumgorischer Schleierschwanz mit Schwarzer Seele. Es gibt nur wenige Exemplare in der Galaxie“ klärte Teodäus ihn auf.
„Verstehe!“ Largo verstand gar nichts. Weder sah er nur einen schwarzen Fleck auf dem Goldfisch, noch wusste er etwas von einem Planet namens Urumgor, und er war nun schon wahrlich weit herumgekommen, aber das alles interessierte ihn nur dürftig. „Wo soll ich ihn hinbringen?“
Teodäus griff hinter sich und brachte eine schwarze Tragetasche zum Vorschein die er Largo herüberreichte. „In dieser Tragetasche befindet sich ein Datenpad mit den Koordinaten die anzufliegen sind, sowie das Goldfischfutter und eine übliche Anzahlung. Es gehört im Übrigen zu dem Vertrag, dass sie den Fisch in spätestens 8 Stunden an diesen Koordinaten abgeben, sonst werden sie nicht bezahlt. Der Empfänger muss ihnen ein Passwort nennen bevor sie den Fisch übergeben. Das Passwort befindet sich ebenfalls in einer Datei auf dem Datenpad. Der Empfänger wird ihnen dann auch den Rest der eben genannten Summe auszahlen“.
Largo hatte die Tasche geöffnet und hineingesehen, wobei ihn die Anzahlung besonders interessiert hatte. Wenn Teodäus jedoch zu seinem Wort stand, dann winkte nach der Beendigung des Auftrages noch weit mehr Schotter. Er wusste nun alles was er glaubte wissen zu müssen und wie auf sein unausgesprochenes Kommando bremste der Gleiter ab.
Teodäus hielt Largo seine ausgestreckte Hand hin. Largo schlug ein um das Geschäft zu besiegelt und verließ dann den Gleiter. Es überraschte ihn nur wenig, dass er, obwohl er keinen Zielort für den Gleiterflug angegeben hatte, sich nun vor dem Raumhafen befand in dem die Starbreaker parkte.
„Und reden sie ab und zu mit ihm!“ hörte Largo die Stimme von Teodäus hinter sich und wandte sich noch einmal um. „Bitte was meinen Sie?“ fragte er überrascht.
„Er heißt Sushi, und benötigt besondere Aufmerksamkeit!“ sagte Teodäus mit Nachdruck in seiner Stimme.
Largo fand den Namen „Sushi“ ja passend, aber die Liebelei von Teodäus zu seinem Fisch fand er sonderbar. Sicher, es gab genug intelligente Lebensformen die enge Beziehungen zu ihren Haustieren aufbauten, aber in diesem Fall lagen die Dinge für Largo anders. Die Stimmung und die Haltung des Fischhändlers schienen nicht zu der ganzen Aktion zu passen. Sicher, es gab auch keine Normvorschriften für das Verhalten während der Verabschiedung von einem Fisch, aber solche Dinge wusste man ja schon aus Erfahrung. Immerhin weiß man ja auch ganz genau das, wenn man jemanden zuwinkt, dass der andere auch zurückwinkt. Zugegeben, natürlich muss man erstmal die Erfahrung gemacht haben um zu wissen, dass jemand zurückwinkt, wenn man ihm zuwinkt, aber solche Dinge passieren ja laufend.
Largo hatte noch nie die Erfahrung gemacht, wie sich ein Mann von seinem Fisch verabschiedet. Aber dennoch, etwas erschien ihm sonderbar.
„Ich werde mich rührend um den Kleinen kümmern“ säuselte Largo um seinen Kunden zu beruhigen. „Ich werde ihn mit meinem Leben verteidigen!“ Das meinte Largo natürlich nicht ganz so ernst wie er es sagte. Im Grunde meinte er, dass er den Fisch mit seinem Leben verteidigen würde, sofern die drohende Gefahr, keine Gefahr für ihn selber wäre. Das fand Largo fair.
Largo und Teodäus nickten sich noch einmal zu und gingen ihrer Wege. Zielssicher betrat Largo den Raumhafen und stiefelte mit schnellen Schritten, das Goldfischglas mit beiden Händen und gestreckten Armen vor sich haltend, damit er den goldenen Fisch gut betrachten konnte, zu dem Landedock wo die Starbreaker auf ihn wartete.
Kaum hatte der Raumpilot durch die Rampe den Laderaum betreten, als auch schon Zap in den Laderaum getrampelt kam. Zaps Blick war starr und entschlossen nach vorne gerichtet, und seine Stirn hatte sich in tiefe Falten zusammengezogen. Largo kannte diesen Blick, und wusste dass sein Mechaniker eine Meuterei plante.
„Largo, da sind gerade zwei neue Kondensatoren ausgefallen. Wenn wir den Antrieb der Starbreaker noch mal unproblematisch starten wollen, dann muss diese Generalüberholung her!“ polterte Zap los und bremste seinen massigen, aber etwas zu klein geratenen Körper kurz vor Largo ab, und zwang diesen damit das Goldfischglas zurückzuziehen und es an seinen Körper zu pressen. „Wir sollten sofort starten, solange wir die Kiste noch hochbekommen, und dann Kurs auf die Werft von Andor nehmen!“
Largo nickte Zap zustimmend zu.
„Wirklich?“ fragte Zap misstrauisch.
„Direkt nachdem wir einen kleinen Umweg gemacht haben!“
Zap nahm nun das Goldfischglas erstmals wahr und betrachtete es, während sein Unterkiefer der Gravitation nachgab und sich sank.
„Das ist ein Goldfisch“ erklärte Largo mit einer Stimmlage als würde er mit jemanden reden der sein Gehirn beim aufstehen unter dem Kopfkissen vergessen hatte.
„Das sehe ich auch. Und ich finde es wirklich eine hervorragende Idee!“ erwiderte Zap überschwänglich und beäugte den Goldfisch genauer. „Goldfische bringen Glück, und wir haben es nötig!“
Largo seufzte. Seid Zap einige Bücher von diesem Planeten der Mönche in die Finger gekriegt hatte, war sein Gehirn voller spirituellem Unfug. „Rede keinen Unsinn, Zap. Der ist nicht für uns. Er ist die neue Fracht!“ Largo kramte mit einer Hand in der Tasche, die er von Teodäus bekommen hatte, und zog schließlich das Datenpad hervor um es Zap zu reichen. „Setz Kurs auf die Koordinaten die hier gespeichert sind und mach die Kiste startklar.“
Zap wischte sich seine öligen Hände an seinem blauen Overall ab und nahm das Pad entgegen. „Du hast das Geld verloren und deshalb machen wir diesen Auftrag!“ stellte er in einem Hab-ich-doch-gleich-gesagt-Tonfall fest.
Largo seufzte erneut. „Immerhin habe ich gleich eine Möglichkeit an Land gezogen um uns das Geld wiederzubeschaffen. Soll ich dir mal sagen wie viel wir bezahlt bekommen?“ Largo nannte ihn die entsprechende Zahl.
Zap machte große Augen und blickte den Goldfisch mit ganz anderen Augen an. Dann zuckte er mit den Schultern und verließ den Laderaum Richtung Cockpit.
Largo ging in den Aufenthaltsraum der hinter dem Cockpit lag und schaute sich nach einem geeigneten, sicheren Platz für Sushi und ihr Goldfischglas um. Er fand keinen und so stellte er das Glas einfach auf den Tisch. Er wandte sich ab um Zap in das Cockpit zu folgen.
„Krieg ich keinen Fensterplatz?“
Largo zuckte zusammen und wirbelte herum. Die Stimme war männlich, klang verschwommen und übel gelaunt, doch Largo konnte niemanden sehen. „Ist da wer?“
„Verdammt, ja!“ schnauzte die Stimme.
Hatte Zap etwa noch einen Passagier an Bord geholt und ihm nichts davon gesagt? Er hasste es Passagiere zu befördern. Die machten nur Ärger! „Wo bist du?“
„Mach einen Schritt nach vorne und geh in die Knie“ antwortete die Stimme.
Largo zögerte, tat dann aber was ihn gesagt würde. Er machte einen Schritt nach vorne, ging in die Hocke und sah unter den Tisch.
„Nicht da, du Trottel! Hier oben!“ beschwerte sich die Stimme.
Largo sah auf und blickte in das Goldfischglas. Sushi sah ihn an. „Nein, du bist ein Fisch. Du redest nicht!“
„Warum nicht?“
„Na ja, zum einen würdest du Wasser in dem Mund bekommen, zum anderen, du bist eben ein Fisch!“
„Und du bist ein haarloser Affe und redest trotzdem!“ erwiderte die Stimme wütend.
Largo sah dem Fisch zu wie er Wasser einatmete und Sauerstoffbläschen aus seinen Kiemen zur Wasseroberfläche aufstiegen. Es sah nicht wirklich so aus als würde er sprechen.
„Das ist doch ein Scherz!“ Er stand auf und sah sich um.
„Ich kommuniziere mit Telepathie, falls dein begrenzter Verstand etwas mit dem Begriff anfangen kann!“
Largos Blick fixierte den Fisch. „Schwimm im Kreis!“ befahl er.
„Sehe ich vielleicht aus wie ein Zirkuspferd!“ schnauzte die Stimme empört.
„Du musst mir schon beweisen, dass du es bist der zu mir spricht!“
Die Stimme stöhnte auf und Sushi begann im Kreis zu schwimmen.
Largo war verblüfft. Er hatte ja schon einiges gesehen, aber einen intelligenten Goldfisch, der dazu noch Telepathie beherrschte, das war neu.
Sushi stoppte ab und sah Largo wieder aus großen Augen an. „Ich hab Hunger!“
„Das ist echt der Knaller“ murmelte Largo, wandte sich geistesabwesend um und ging ins Cockpit. Er setzte sich auf den Pilotensessel, Zap saß neben ihn, und startete die Triebwerke des Schiffes. Zap wollte aufstehen aber Largo gab ihm mit einer Geste zu verstehen, dass er sitzen bleiben sollte. Largo manövrierte das Schiff aus dem Landedock und steuerte in den rötlich schimmernden Himmel von Triangul heraus, durchbrach die Stratosphäre und die Starbreaker schoss ins All. Die Koordinaten waren in den Computer eingegeben und so schaltete Largo auf Lichtgeschwindigkeit, und überlies das Schiff der automatischen Steuerung.
Zap sah Largo von der Seite an. Wie aus dem nichts steckte zwischen seinen Zähnen plötzlich eine übel riechende Zigarre. Largo beschloss sich nicht zu beschweren, er hasste es wenn Zap sein Cockpit voll qualmte, da er bei Zap heute sowieso schon einen schlechten Stand hatte.
„Der Fisch kann reden!“ platzte Largo ohne lange Umschweife hervor.
Zaps Augen wurden groß, und größer, und Largo hatte plötzlich Angst, dass sie aus Zaps Schädel hervorspringen würden. Zap sprang auf und verließ fluchtartig das Cockpit.
Largos „Wo willst du hin?“ verpuffte ihm Raum und so beschloss er ihm zu folgen.
Zap durchquerte den Aufenthaltsraum, nicht ohne Sushi einen misstrauischen Blick zuzuwerfen, und ging in den hinteren Teil der Starbreaker wo die Quartiere waren.
Largo folgte Zap, ignorierte gekonnt Sushis Genörgel über den schlechten Service an Bord, welches in seinem Kopf widerhallte, und betrat Zaps Quartier, indem dieser gerade dabei war ein Bücherregal zu durchforsten. Largo war nicht bewusst gewesen das Zap so viele Bücher besaß. Er selber besaß ein Buch mit dem Titel „Sternennavigation für Kreative“, welches ihm immer wieder dabei half einen Kurs nach Hause zu finden, auch wenn er sich im hintersten Winkel der bekannten Galaxie befand, und ein Buch mit dem Titel „Liebe für Ungeduldige“, welches ihm helfen sollte eine Beziehung zu einer Frau, auf dem schnellsten Wege aufzubauen. Da dies aber nicht von Erfolgen gekrönt war, diente dieses zuletzt erwähnte Buch nun als Stütze für eine wackelige Kommode, und wurde höchsten noch in akuten Notfällen hervorgeholt.
Zap winkte zufrieden mit einem Buch, er hatte wohl das Gesuchte gefunden, und begann darin zu blättern. Largo spähte nach dem Titel, der da lautete „Galaxieübergreifende Fischzucht“. Largo war erstaunt, dass sich am Bord seines Schiffes ein solches Buch fand.
Zap las vor: „Der urumgorischer Schleierschwanz mit Schwarzer Seele“ und deutete auf ein Bild eines Goldfisches der Sushi verdächtig ähnlich sah.
Largo nickte. „So nannte ihn unser Kunde auch“.
Zap lies sich auf einen Stuhl plumpsen und das Buch hing locker in seiner Hand. Der Ausdruck in seinem Gesicht war von absolutem Entesetzen gezeichnet.
„Du meine Güte“ stöhnte Largo. „Das ist ein Goldfisch, kein Seeungeheuer!“
Zap lachte und reichte Largo das Buch. Largo überflog den Text.


Der urumgorischer Schleierschwanz mit Schwarzer Seele, ist ein absolut einmaliger Züchterfolg. Dem urumgorischen Schleierschwanz würden, während der Züchtung, eine dosierte Menge an experimenteller Retrostrahlung zugefügt, welche zu einer stetig ansteigenden Hirnaktivität führten. Der Fisch entwickelte dadurch eine alles umfassende Intelligenz, und gleichzeitig einen Charakter, den Fachleute gerne „Schwarze Seele“ nennen. Außerdem ist dem Fisch, aufgrund seiner hohen Hirnaktivität, die Möglichkeit gegeben, sich auf telephatischen Wege mitzuteilen. Diese Art der Züchtung ist nur zu 1 % Erfolg versprechend, da die Fische oftmals die gegebene Intelligenz nicht verkraften und sich dann auf die verschiedensten Weisen selber das Leben nehmen (meistens indem sie das Becken auf unkonventionelle Weise verlassen, oder wenn das nicht möglich ist, einfach aufhören zu atmen). Dies führt dazu, dass es im Augenblick nur 3 bekannte Exemplare dieser Züchtung in der Galaxie gibt. Einige Theorien behaupten, dass die wissenschaftlich anerkannte Tatsache das Goldfische Glück bringen, bei dieser Züchtungsart den gegenteiligen Effekt haben. Auch wenn der Goldfisch einen hohen Wert für seinen Besitzer hat, aufgrund seiner allumfassenden Intelligenz, so ist der Besitzer angeblich von gnadenlosen Pech verfolgt.


„Das gibt es doch nicht!“ sagte Largo fassungslos.
„Schrecklich, nicht wahr“ krächzte Zap, der auf seinem Stuhl zusammengesackt war und nervös auf seiner Zigarre herumkaute.
„Seid wann ist denn wissenschaftlich anerkannt, dass Goldfische Glück bringen?“ fragte Largo immer noch fassungslos über diese Erkenntnis. „So ein Blödsinn!“
„Largooo!“ heulte Zap.
„Ich bitte dich, du glaubst wir sind jetzt vom Pech verfolgt?“
Zap nickte theatralisch.
Largo zuckte mit den Schultern. „Wo ist der Unterschied zu sonst?“
„Schlimmer geht immer!“ behauptete Zap immer noch am Boden zerstört.
Heulend meldeten sich die Alarmsirenen zu Wort. Largo und Zap zuckten erschrocken zusammen.
„Es geht schon los“ wimmerte Zap. „Wir sind verloren!“
Largo pfefferte das Buch wütend in die Ecke, und befahl seinen Maschinisten, in den Maschinenraum zu gehen und seinen Job zu machen.
„Wie du meinst“, sagte Zap leise und ohne Überlebenswillen, während er davon schlenderte, „aber es wird nichts bringen“.
„Ich will was zu Fressen, du Bruchpilot! Ich werde mich bei der allgemeinen Flugaufsicht beschweren, wegen unmenschlichen Verhalten gegenüber Passagieren, dann kannst du deine Fluglizenz vergessen!“ brüllte Sushi den Raumpiloten mental an, als dieser Richtung Cockpit durch den Aufenthaltsraum flitzte.
Largo machte einen Satz in den Pilotensessel und checkte die Systeme. Der Alarm wurde ausgelöst, weil der Antrieb offenbar heiß lief, obwohl sie auf normaler, formgerechter Lichtgeschwindigkeit flogen. „Was ist da eigentlich los?“ brüllte Largo in das interne Sprechgerät.
„Ich hab keine Ahnung, aber der Antrieb geht bald hoch wenn wir nicht abschalten!“ antwortete Zap aus dem Maschinenraum.
Largo spürte wie das Schiff anfing zu zittern. Eine seiner Zigarettenschachteln tanzte über die Armaturen. Largos Hände flogen über die Kontrollen, welche offenbar absolut nutzlos geworden waren. Er konnte nicht langsamer werden.
„Largo?“ ertönte Zaps verzweifelte Stimme.
„Ich kann nicht abbremsen!“ antwortete Largo hektisch. „Mach eine Notabschaltung!“
Kurz darauf ging ein heftiger Ruck durch das Schiff und Largo wurde aus dem Sitz geworfen. Fluchend rappelte er sich wieder hoch. Die Kontrollleuchten blinkten in bedrohlichem Rot. Largo verließ das Cockpit um in den Maschinenraum zu gehen.
„Sanitäter! Sanitäter!“ brüllte Sushi ihm entgegen als er den Aufenthaltsraum betrat. Das Goldfischglas war vom Tisch gefallen und obwohl es sehr stabil, und nicht zerbrochen war, hatte sich das Wasser sowohl Fisch auf dem Teppich wieder gefunden. Sushi schlug mit der Schwanzflosse um sich und versuchte sich vorwärts zu bewegen. „Ich verklage euch! Ihr werdet eures Lebens nicht mehr froh, ihr Sadisten!“
Largo stellte das Glas wieder auf, es war zu einem Viertel noch mit Wasser gefüllt, und nahm seelenruhig den Goldfisch in die Hand. Mit einem leisen Platschen versenkte er den Fisch wieder im Wasser.
„Puh, das wurde auch Zeit!“ meckerte Sushi weiter. „Und jetzt bitte frisches Wasser!“
„Das muss warten!“ murmelte Largo und verlies unter Sushis lautstarken Protest den Raum.
Im Maschinenraum war Zap eifrig bei der Arbeit. Mit verschiedenen Werkzeugen bewaffnet machte er sich über die Maschinen her. Largo forderte einen Bericht über den Zustand des Antriebs.
„Ich sag es ja immer wieder. Die Kiste fliegt nicht mehr lange wenn es so weitergeht. Schon jetzt ist sie nicht mehr auf voller Leistung“ redete Zap auf Largo ein. „Ich vermute, dass irgendetwas in der Antriebsturbine steckt, eine Verstopfung sozusagen. Das hat den Antrieb heißlaufen lassen. Eine Menge Kabel sind mir hier durchgeschmort!“.
„Kriegst du es wieder hin?“ fragte Largo gereizt. „Wir haben ein Zeitlimit um den Fisch abzugeben!“
„Sicher, aber ich würde es nicht empfehlen den Antrieb zu starten wenn die Turbine noch verstopft ist!“
Largo seufzte. „Und wie kriegen wir ihn sauber?“
„Na ja,...“ Zap druckste etwas herum. „...wird wohl jemand aussteigen und nach dem Rechten sehen müssen“.
Largo hob abwehrend die Hände. „Du bist der Mechaniker!“
„Ja, und ich habe hier mehr als genug zu tun!“
Largo seufzte. Er wandte sich ab und verließ den Maschinenraum.
„Wo bleibt mein Wasser? Wieso halten wir? Wir sind sowieso spät dran!“ quengelte Sushi als Largo vorbeiging. Er ging nach rechts, in den Gang, um zur Schleuse zu gelangen.
„Mich erwartet ein Luxusbecken, mit Pflanzen und Korallen, versaut mir das bloß nicht!“ brüllte Sushi Largo hinterher.
Largo hätte nicht übel Lust den Fisch aus der Schleuse zu werfen. Stattdessen zog er einen Raumanzug über und verließ durch die Schleuse das Schiff. Dank der Magnetstiefel konnte Largo über den Rumpf der Starbreaker spazieren, ohne ins All abzutreiben. Er kam gut voran und erreichte schnell die Antriebsturbinen, am hinteren Teil des Schiffes. Er stellte sich oben drauf, ging in die Hocke, und ließ seinen Kopf in die Öffnung herunterbaumeln. Er konnte nichts sehen und so musste er sich in die Turbine herunterhangeln.
Innerhalb der Turbine war es stockdunkel, nicht das es draußen im freien Raum nicht auch stockdunkel gewesen wäre. Largo ließ das Licht der Armleuchte, die am Raumanzug befestigt war, aufleuchten. Der Lichtstrahl viel auf eine schwarze, geleeartige Masse, aus der einige unförmige Tentakel wuchsen.
Ein Morph, ein Wesen das in der lebensfeindlichen Umgebung des Weltalls überleben konnte, dessen Heim diese Umgebung war. Solche Wesen ernährten sich von Wärme, sie speicherten sie, und dies ließ sie in der Kälte des Alls nicht erfrieren. Man sah sie oft in der Nähe von Sonnen, oder aber sie würden von den Antrieben vorbeiziehender Raumschiffe angezogen. Das war recht selten. Wirklich Pech das es die Starbreaker erwischt hatte. Largo verfluchte Sushi, auch wenn er nicht an die Pech-Theorie glaubte.
Aus der Masse des Morphs bewegten sich zwei Augenähnliche Objekte an die Oberfläche und glubschten Largo an. Largo winkte dem Morph zu und deutete dann hinter sich auf die Öffnung der Turbine. Der Morph reagierte nicht.
„Verstehst du nicht? Hau ab!“ rief Largo und fuchtelte wild mit den Armen.
Der Morph schmiegte sich symbolisch an die Innenseite der Turbine. Hier gefiel es ihm wohl.
Largo überlegte einen Moment seine Laserpistole einzusetzen aber der Morph würde die Hitze des Laserstrahls einfach absorbieren.
„Largo? Wir haben hier ein Problem!“ ertönte Zaps Stimme durch das Sprechgerät an seinem Arm. „Schau mal hinter uns!“
Was war denn jetzt schon wieder? Largo schaute aus der Turbinenöffnung und sah zu seiner Überraschung hinter ihnen ein weiteres Schiff. Es war groß, strotzte vor Kanonen und war so dicht aufgefahren das der Pilot Probleme bekommen würde falls die galaktische Verkehrswacht vorbeikommen würde. .
„Wer ist das?“ fragte Largo in das Sprechgerät, obgleich er wusste das die Antwort ihm nicht gefallen würde.
„Ich weiß nicht. Aber sie fordern...den Fisch! Offenbar kennen sie unsere Ladung!“
Largo dachte einen Moment daran den nervigen Fisch auszuliefern. Aber er verwarf den Gedanken schnell. Sie brauchten das Geld und außerdem wäre Teodäus verdammt sauer. Leute die Geld und Macht besaßen sollte man lieber nicht ärgern.
„Sie geben uns ein Ultimatum von 10 Minuten dann wollen sie auf uns feuern und uns entern“ berichtete Zap. „Ich hab es ja gesagt! Was kommt als nächstes?“
Largo verdrehte die Augen, fluchte still in sich hinein und zwang sich dann zur Ruhe. Er hatte zwei Probleme zu lösen. Es gab Tage da waren es weitaus mehr, also kein Grund zu verzweifeln.
Largo betrachtete den Morph. Der Antrieb der Starbreaker dürfte schon weitgehend abgekühlt sein. Der Antrieb des Schiffes von den Fischdieben war sicher noch warm. Aber der Morph sah noch keinen Grund diesen Ort zu verlassen. Largo zog seine Laserpistole aus dem Halfter. Vielleicht könnte man ihm ein wenig auf die Sprünge helfen. Er beugte sich aus der Turbine und feuerte die Laserpistole auf dem Rumpf des feindlichen Schiffes ab. Er wusste, er konnte damit keinen Schaden anrichten, und die Besatzung würde davon nichts merken, aber der Rumpf des Schiffes müsste sich an der Stelle unter dem Dauerbeschuss aufheizen.
Tatsächlich rührte sich der Morph. Er bewegte sich von der hintersten Ecke auf die Öffnung der Turbine zu, wobei er eine schleimige Spur hinterließ, bei der sich Largo entschloss sie später von Zap wegwischen zu lassen, sofern sie nicht von der Antriebshitze verbrannt wurde, was Largo bei der Beschaffenheit des Wesens jedoch kaum glaubte.
Schnell kletterte Largo aus der Turbine. Der Morph verließ die Turbine nach ihm und trieb zu dem anderen Schiff hinüber, um sich direkt an die Stelle zu kleben, die Largo gerade aufgeheizt hatte. Largo machte sich auf den Weg zurück zur Schleuse und betrat einige Minuten später das Schiff.
„Sie wollen mich holen! Sicher Fischfeinschmecker! Wieso stehen wir hier noch rum? Wir müssen weg!“ jammerte Sushi als Largo vorbeilief.
Zap saß auf dem Copilotensitz und sah Largo erwartungsvoll an.
„Was ist mit dem Antrieb?“ fragte Largo.
„Ach, der ist okay, sofern du die Verstopfung bereinigt hast. Ich wollte nur nicht raus!“ antwortete der Schiffsmechaniker und zuckte mit den Schultern.
Largo seufzte und startete die Maschinen. Die Starbreaker setzte sich in Bewegung.
Auf dem Monitor beobachtete er, wie auch der Antrieb des Schiffs der Fischdiebe aufheulte, dann hustete und keuchte und schließlich abstarb. Der Morph hatte sich über den Antrieb hergemacht und somit könnte der Pilot des Schiffes ihn nicht erfolgreich starten.
Largo grinste Zap an. „Na bitte, kein Problem!“
„Wir sind noch lange nicht da!“ meinte Zap kopfschüttelnd und verließ das Cockpit.
Largo musste diesen Fisch loswerden. Schon weil sein Schiffsmechaniker sonst bald durchdrehen würde. Er ging wieder auf Lichtgeschwindigkeit und schaltete auf automatische Steuerung.
Im Aufenthaltsraum füllte er Sushis Glas mit neuem Wasser auf. Der Fisch sah ihn mit einer gewissen dämonischen Aura an, die Zap sicher beeindruckt hätte, aber Largo dachte eher daran, wie Sushi wohl schmeckte wenn man ihn in die Pfanne haute.
„Mörder!“ rief Sushi und schwamm panisch in dem Glas herum.
Largo seufzte. „Hör auf meine Gedanken zu lesen, sonst landest du echt in der Pfanne!“
Er steckte sich eine Zigarette zwischen die Lippen und wollte sie gerade anzünden als Sushi grell aufschrie.
„Willst du mich umbringen? Das rauche ich alles passiv mit!“
Largo sah den Fisch von oben herab an. „Du kleines Monster! Hast du an irgendetwas nichts zu meckern?“
„Ich meckere bestimmt nicht, wenn ich endlich diesen Schrotthaufen von einem Schiff, mit seinen abgerissenen Gestalten, verlassen darf!“
Das war neu. Von einem Fisch war Largo noch nie heruntergeputzt worden.
Er wollte gerade etwas erwidern, da jaulten wieder die Alarmsirenen auf. Largo zuckte erschrocken zusammen und Sushi wäre fast aus dem Glas gesprungen. Largo beschloss, dass es Zeit wurde bei der Wartung das Geheul des Alarms gegen das Geschnurrte von jungen Kätzchen zu ersetzen.
„Wir kommen nie Lebend an!“ hörte man Zap von irgendwo rufen. „Wir sollten den Fisch über Bord werfen und unser Leben retten!“
„Kling nach einer guten Idee“ sagte Largo und blickte Sushi grinsend an, dann wandte er sich ab und ging zum Cockpit.
„Das wagst du nicht! Man würde dich dafür zur Rechenschaft ziehen!“ rief Sushi ihm hinterher.
Largo hatte bestimmt nicht vor Sushi über Bord zu werfen, aber es könnte nicht Schaden wenn er es denkt.
Die Schiffsensoren hatten Hindernisse auf der Flugbahn entdeckt, und so müsste Largo unter Lichtgeschwindigkeit gehen, um nachzusehen was los war. Vor der Starbreaker tauchte ein endlos wirkendes Asteroidenfeld auf, dass laut Largos Sternenkarten überhaupt nicht da sein dürfte. Ein kleines Raumschiff, mit blinkenden Lichtern, welche sie als Behördenschiff kennzeichnete, steuert auf die Starbreaker zu.
„Hier spricht die Verkehrswacht! Dieser Sektor ist zurzeit leider gesperrt, da hier eine neue Schnellverkehrsroute angelegt werden soll. Bitte wenden sie das Schiff und nehmen sie eine andere Strecke!“
Largo starrte das Funkgerät an. Verdammte Bauarbeiter! Vermutlich haben sie einen Mond in die Luft gesprengt, der im Weg war, und müssen jetzt noch die Brocken entfernen. Das dürfte seinem Zeitplan wirklich nicht gut bekommen.
Ein weiteres Signal der Sensoren zog Largo Aufmerksamkeit auf sich. Die Verfolger hatten sich von dem Morph nicht lange aufhalten lassen und näherten sich.
Zap steckte seinen Kopf ins Cockpit. „Da haben wir es. Wir können sie niemals abhängen wenn wir das Feld umfliegen müssen. Geben wir ihnen den Fisch!“
„Sie kriegen mich niemals lebend!“ brüllte Sushi aus dem Aufenthaltsraum zu ihnen hinüber.
„Du hast Recht, Zap. Wenn wir das Feld umfliegen dann entkommen wir ihnen nicht!“ sagte Largo und etwas schwang in seiner Stimme mit was Zap gar nicht gefiel. „Greif dir den Fisch, setzt dich hin und schnall dich an!“
„Du spinnst doch!“ platzte Zap hervor.
„Du kennst mich doch länger, du weißt dass es so ist!“
Zap holte sich, unter ständigem Beten, das Goldfischglas und setzte sich angeschnallt auf den Copilotensitz.
Largo gab Gas und steuerte genau auf das Asteroidenfeld zu. Über Funk versuchte die Verkehrswacht ihn dazu zu bringen abzudrehen, aber Largo ignorierte sie. Die Starbreaker passierte das Asteroidenfeld.
Largo musste das Steuer wild hin und her reißen, um nicht direkt von nähernden Asteroiden getroffen zu werden. Neben ihm jammerten Zap und Sushi abwechselnd vor sich hin.
Die Starbreaker manövrierte kreuz und quer durch das Feld. Immer wieder wurde das Schiff von kleineren Brocken getroffen, aber die Schutzschirme hielten. Largo hatte Mühe den Kurs zu halten, um auf gerade Weg durch das Feld zu steuern. Immer wieder musste er ausweichen und damit immer wieder den Kurs neu bestimmen.
„Wir werden sterben!“ jammerte Zap, und sah plötzlich Sushi wütend an, der nervös in dem Glas hin und her schwamm, welches Zap umklammert hielt. „Das ist alles deine Schuld!“
„Glaub mir, ich wäre auch gerne woanders!“ schnauzte Sushi zurück.
Zap zündete sich nervös eine Zigarre an.
„Willst du mich umbringen?“ fragte Sushi wütend.
„Sterben tun wir sowieso!“ entgegnete Zap und zog genüsslich an seiner, für ihn letzten Zigarre.
Ein großer Asteroid, den Largo etwas zu spät sah, stürzte auf die Starbreaker zu. Im letzten Moment zog Largo hoch. Der Rumpf der Starbreaker zog kreischend über die Oberfläche des Asteroiden. Zap und Sushi kreischten ebenfalls. Dann waren sie vorbei.
„Verdammt, der Lack ist im Arsch!“ fluchte Largo. „Und ihr beiden, kreischt nicht wie Mädchen, das lenkt ab!“
In einem Zick-Zack-Kurs flog Largo weiter durch das Asteroidenfeld, den Qualm vom Zaps Zigarre dabei hinderlich in den Augen. Immer wenn ein Asteroid sie streifte, oder an den Schilden zerbarst, hörte er von Zap ein „Muss das sein!“ oder von Sushi ein „Pass doch auf!“.
Schließlich waren sie durch. Die Schilde waren zusammengebrochen, der Rumpf hatte erhebliche Schäden, aber die Starbreaker flog weiter. Alle drei im Cockpit machten „Puuh!“, wobei es bei Sushi eher ein „Bluub!“ war.
Largo überprüfte ob sie noch verfolgt wurden. „Ha! Die sind wir los!“ verkündete er zufrieden und stolz auf sich. „Und wir liegen wieder im Zeitplan!“
„Was kommt wohl als nächstes?“ fragte Zap, eher zu sich selber.
„Die Kiste fällt bestimmt auseinander“, prophezeite Sushi, „sobald wir auf Lichtgeschwindigkeit gehen!“
„Die Schäden sind minimal“ meinte Largo. „Wir werden es schaffen!“ Mit diesen Worten schaltete er auf Lichtgeschwindigkeit und die Starbreaker startete durch.
Zap und Sushi hielten die Luft an, doch außer das die Starbreaker etwas klapperte passierte nichts.
„In einer Stunde werden wir da sein!“ verkündete Largo.
Zap brachte den Fisch wieder nach hinten und ging in den Maschinenraum. Largo zündete sich eine Zigarette an. Was sollte jetzt schon noch passieren? Er lehnte sich zurück und schloss einen Moment die Augen.
Ein markerschütternder Schrei ließ ihn hochfahren. Fluchend rannte er nach hinten.
Sushi schwamm panisch in seinem Glas hin und her. „Feuer! Alarm! Frauen und Fische zuerst!“
Offenbar waren einige Kabel in einer der Deckenleisten durchgebrannt und hatten sich entzündet. Noch war das Feuer nicht groß aber Largo wusste, dass er es schnell löschen müsste. Jetzt bereute er es schmerzlich, dass er, aufgrund einer Sparaktion, auf Feuerlöscher an Bord verzichtet hatte.
Zap kam mit einem Schraubenschlüssel bewaffnet in den Raum gesprungen. „Was ist los?“
Er sah das Feuer und lies den erhobenen Schraubenschlüssel sinken. „Nimm deinen Mantel zum löschen!“ riet er Largo.
Largo schüttelte entschlossen den Kopf. „Niemals!“
„Füll etwas mit Wasser!“ versuchte Zap weiter.
„Und was, bitte?“
Zwei Augenpaare blieben an den Goldfischglas hängen.
„Denkt nicht mal dran, Leute!“ rief Sushi empört.
Die beiden gingen auf Sushi zu.
„Hört mal, es ist nur ein kleines Feuer. Das geht wieder aus!“ versuchte Sushi die beiden zu überzeugen und machte mit den Flossen beschwichtigende Gesten.
Largo machte einen Satz und griff in das Glas und Sushi zu packen. Sushi wich aus und schwamm schreien im Kreis.
„Jetzt stell dich nicht so an und komm da raus, verdammt!“ fluchte Largo, während er wild in dem Glas nach dem Fisch grabschte. „Halt still oder ich mach...“ Er stockte kurz „...Sushi aus dir!“
Zap lachte.
„Ich sag euch, dass wird den intergalaktischen Tierschutzverein interessieren was auf diesem Flug abgeht!“ brüllte Sushi wütend.
Schließlich packte Largo den Goldfisch an der Schwanzflosse und zog ihn aus dem Wasser. Er warf ihn Zap zu, der verzweifelt versuchte den zappelnden Fisch ruhig zu halten. Largo übergoss derweil mit dem Wasser aus dem Goldfischglas das Feuer und es erlösch unter lautem Zischen.
„Wasser, Wasser! Ich trockne aus! Ich ersticke!“ jammerte Sushi unter viel zu übertriebenen Todesqualen.
Largo fühlte das Glas schnell wieder mit Wasser und Zap warf den Fisch rein.
„Ist ja ein Wunder wenn ich diesen Flug überlebe!“ beschwerte sich Sushi. „Wie konnte Teodäus nur solche Trottel anheuern!“
„Es ist ein Wunder wenn wir alle diesen Flug überleben“ meinte Zap und blickte Largo eindeutig an, bevor er sich abwandte und zurück in dem Maschinenraum ging.
„Das wird noch ein Nachspiel haben!“ blaffte Sushi den Raumpiloten an.
Largo beugte sich zu dem Fisch herunter und sah ihm mit festem Blick in die Glubschaugen. „Jetzt hör mal zu, wir wollen doch beide nicht mehr Zeit miteinander verbringen als nötig. Also rate ich dir, dich vernünftig zu benehmen, wenn wir bei deinem neuen Besitzer ankommen. Sonst will er dich vielleicht nicht, und dann bleibst du bei uns. Und wer weiß was dann aus dir wird!“
Mit blankem Entsetzen in den Fischaugen sah Sushi zurück und schwieg. Largo war sicher, er hatte verstanden.
20 Minuten später, die stark in Mitleidenschaft gezogenen Antriebe der Starbreaker ließen sich wieder nicht abschalten, und so mussten sie wieder durch eine Notabschaltung anhalten, waren sie an dem Treffpunkt angekommen. Eine kleine Fähre dockte an die Starbreaker an und ein Mann im schwarzen Anzug und mit schwarzer Sonnenbrille, der für Largo glatt Teodäus hätte sein können, nur 20 Jahre jünger, betrat das Schiff. Largo forderte von ihm das Passwort.
„Fischgräten!“ antwortete der Mann.
Largo nickte und hielt ihm grinsend das Goldfischglas hin. Der Mann beugte sich zu dem Fisch herunter und betrachtete ihn genauer.
„98453 mal 76324. Was ist das Ergebnis?“ fragte er.
„7514326772!“ antwortete Sushi wie aus der Pistole geschossen und fügte hinzu: „Einen schönen Tag noch!“
Der Mann war zufrieden. Er bezahlte Largo und nahm den Fisch an sich.
Sushi sah zu Largo und Zap, zwinkerte ihnen zu und hob winkend eine Flosse. Largo und Zap winkten zurück. Der Mann ging und die Schleuse schloss sich.
„Viel Spaß damit“ murmelte Zap.
Largo seufzte. „Du glaubst also, Sushi hat uns Pech gebracht, ja?“
Zap sah ihn verwirrt an. „Warst du auf dem Flug dabei?“
Largo hob den Zeigefinger: „Pass mal auf, erinnerst du dich an den Flug nach Gorgul IV?“
„Oh ja, wo wir von den Orion-Piraten gejagt wurden, und uns beinahe ein Sternendrache gefressen hätte“ antwortete Zap und machte einen Ausdruck als schwelge er in Erinnerungen.
„Oder an den Flug zu den Laudrium-Nebeln?“ fragte Largo weiter.
„Ja sicher, da gerieten wir in einen Energiesturm und stürzten auf einem Planeten voller Menschenfresser ab!“
Largo grinste. „Denk mal drüber nach!“

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jon
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Entschuldigung …

… ich habe derzeit wenig Muße, um halbwegs gründlich zu lesen, aber ein Text, der so anfängt, ermuntert mich auch nicht dazu, mir die Zeit zu nehmen


Niemand wusste wirklich genauKomma woran worin die Faszination lag ODER woran es lag, dass es so faszinierend war die Faszination am triangulanischen Hunderennen lag, welches die anfeuernden Massen auf den Rängen gerade beobachteten. Ach! Nur dieses konkrete Rennen war fasznierend? Erstaunlich, dass man "sowas" ansonsten eher Unfaszinierendes offenbar schon ein Weilchen betreibt. Es war eines der Mysterien dieser verrückten Galaxie dasKomma und "dass" die, angeblich intelligentenKomma ODER das Komma vor „angeblich“ weg Rassen der verschiedensten Planeten,kein Komma hierher kamenKomma empfohlen um in gesellschaftlicher Atmosphäre Was meinst du damit? Die "gesellschaftliche Atmosphäre" ist nicht eine Atmosphäre in einem bestimmten Zustand, sondern eine an einem bestimmten "Ort", sie kann gespannt sein – wenn es Spannungen in der Gesellschaft gibt – oder "locker“ – wenn ein lockerer Umgangston herrscht – etc. ihr Geld zu verlieren. Sicher war es schön anzusehen, die achtbeinigen triangulanischen Hunde über die Rennbahn flitzen zu sehenes ist schön anzusehen, wie die Hunde flitzen ODER es war schön, die Hunde flitzen zu sehen, und der Nervenkitzel war enorm, jedoch war es vom Resultat her immer dasselbe. Ob Pferderennen, Gleiterwettstreite, Bikerduelle oder andere Wettspiele, das Geld war hinterher weg, und auch wenn man es bei dem berühmten Hunderennen von Triangul verloren hatte, dann auch wenn man es bei diesem Spiel verloren hatte, hatte man es verloren ODER es bei diesem Spiel verloren zu haben, war kein Trost ODER es war kein Trost, dass man es dabei verloren hatte …war das trotzdem kein Trost für den Verlierer.


Und so geht es weiter (, ich habe also nicht nach dem ersten Absatz abgebrochen, obwohl ich schon wollte. Übrigens: Die Idee ist witzig, gefällt mir. Und auch der "Spannungsbogen" stimmt, auch wenn das Ende dann doch eher platt ist.). Es brächte dem Texte etwas mehr Leser, wenn du ihn nochmal überabeiten würdest.

So viel zu meiner „Leser“meinung.


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PS: Redakteurshinweis: Na klar willst du Reaktionen, das wollen alle hier. Du kannst dir die "Einführung" schenken (siehe auch Hier klicken , zweiter Post)
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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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schwarzerpanther
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Sushi, der Goldfisch

Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen. Der Spannungsbogen stimmt und man liest mehr als man sich am Anfang zugetraut hätte aber leider kommt man auch oft ins stocken.

Die Komma - Fehler wurden ja bereits angesprochen. Aber was mich viel mehr aufgehalten hat, waren die schnell aufeinanderfolgenden fremden Namen. Kaum hatte man den einen gelesen, kam schon wieder der nächste. Vielleicht ist das nur meine eigene Meinung und wahrscheinlich soll man dadurch das Gefühl bekommen, dass man nicht gleich nebenan diese Geschichte erlebt. Aber ich fände es besser, wenn einmal auch nur Hunderennen oder Hund statt immer triangulanisches davorstehen würde. Sicher ist der Text sehr spannend aber leider, hat mich schon dieser beschriebene Umstand vom weiterlesen abghalten

Wie gesagt nur eine kleine Meinung, wie ich es empfunden habe.

Grüße Erika
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Streife ab des Lebens Sorgen

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Bone
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danke erstmal für eure kritik.

ich scheine mich im satzbau ein wenig verloren zu haben. vielleicht hätte ich ihn ein wenig einfacher halten sollen und habe mich da ein wenig überfordert. außerdem habe ich wohl ein echtes problem beim korrekturlesen meine fehler zu sehen.

was die komma-fehler angeht...tja ich weiß auch nicht. da gibts ja heute auch keine genaue regelung mehr für. ich habe versucht die kommata so zu setzen, wie es sich am besten liest. bin ich wohl auch am ziel vorbeigeschossen.

und die fremde namen? naja ist halt ne science fiction geschichte. ich fand eigentlich nicht das ich es damit übertrieben habe.

die geschichte ist stark überarbeitungsbedürftig...ich sehs ein. wenn ich nur nicht so überarbeitungsfaul wäre

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