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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Sweet nothing
Eingestellt am 31. 01. 2016 15:19


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Rhondaly DaCosta
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Registriert: Dec 2012

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Das Meer sieht ja echt schön aus. Er hat sich immer noch nicht an dem Anblick sattgesehen. Die ersten drei Tage hatte er sich in Laihana einquartiert. Das war paradiesisch, wie man so sagt. Aber hier, in Waikiki, ist einfach mehr los. Mehr Leute, nette Restaurants, gleich zwei große Shopping Center und die endlos lange, befestigte Promenade am Meer entlang. Siebzig Dollar pro Tag sind zwar nicht gerade billig, aber in Deutschland zahlst du auch so viel für einen Übernachtung. What shall`s, wie man so sagt.

Die Sache mit dem Downloaden ist ein Segen. Früher musste er die Schwarten von D aus im Koffer mitschleppen. Heute geht er ins Internet, sucht sich ein Buch aus, bezahlt über das Amazon Konto, und – schwupp – liegt die digitale Lektüre vor ihm.
Tim liest gern, schon von Kindesbeinen an. Er erinnert sich oft daran, wie froh er war, als er selbst lesen konnte. Vorher musste seine Oma ihm immer vorlesen. Und wenn sie keine Lust oder keine Zeit hatte, dann musste der kleine Tim warten.
Jetzt lebt er seine Lesefreude voll aus. Es geht um Informationen und um das Universum. Informationen sind demnach ein Grundelement des Lebens, so wie Energie und Materie. Das ist Spiritualität. Oder ist das Esoterik?
Tim kennt sich auf diesem Gebiet nicht sosehr aus. Aber er ist jetzt Ü50 geworden. Irgendwo hat er aufgeschnappt, dass ein Mann ab fünfzig sich um spirituelle Themen bemühen soll. Das sei ganz natürlich, so hat er den Text in Erinnerung. Und er will jetzt auch natürlich leben. Natürlich und im Paradies. Deshalb sitzt er ja auch auf Hawaii.
Tim merkt, dass er abschweift. Das tut er seit einiger Zeit immer öfter. Genau gesagt, seitdem er seinen Betrieb verkauft hat. Das Immobilienbüro in Wiesbaden hat ihn fünfundzwanzig Jahre lang sehr gut ernährt. Das Angebot von der überregionalen Konkurrenz war einfach in Ordnung. Jetzt hat er eine gute Mio auf der hohen Kante, nach Abzug der Steuern. Ein Drittel von dem Geld hat er gleich auf eine Bank in den USA überwiesen. Risikostreuung. In D geht etwas um, das ihn unruhig macht. Er hat sich nie sonderlich um Politik gekümmert, aber was da teilweise los ist, das macht in besorgt.

Hier in den USA ist ja auch nicht alles rosig. Schließlich kommen die meisten Gangsterfilme aus Amerika. Aber auf Hawaii, jedenfalls in dem Hoteldistrikt, ist es ruhig und sicher. Heißt das jetzt safe oder security? Egal, jedenfalls geht er hier gern und mit gutem Gefühl spazieren.
Er kommt wieder auf sein Thema zurück. Verdammte Tat mit diesem Abschweifen. Also, Information und das Universum haben etwas mit Spiritualität zu tun. Körper, Geist und Seele sind mit dem Ursprung verbunden.
Wie soll man sich das vorstellen, fragt er sich. Jeder hat ein Weltbild, so heißt es weiter, also eine Vorstellung von der Welt. Welche Vorstellung hat er eigentlich von der Welt?
Tim klappt den Deckel vom Laptop zu und überlegt. Dazu legt er sich genüsslich auf seine Liege zurück. Er streckt sich und gibt einen grunzenden Urlaut von sich. Ah, ist das gemütlich hier. Er setzt seine Sonnenbrille auf und blinzelt in den Himmel. Drei weiße Schäferwolken ruhen behaglich in der Mitte des wunderschönen Bildes. Blau ist der Himmel, so blau wie in einem deutschen Schlager. Wer hat das Lied noch einmal gesungen: Blau, blau so blau. Er kann sich nicht erinnern Er könnte danach googeln, aber es drängt ihn nicht.
Schön blau. Und der Wind? Tim horcht auf Windgeräusche. Aber da sind nur Wellengeräusche. Schwapp, schwapp. Auch die Wellen haben einen gemächlichen Tag. Tim und die Wellen sind eins. So wie der Herr Palomar von ...? Der Herr Palomar von … Italo Calvino.
Tim musste nachgoogeln. Er muss schon verdammt oft nachgoogeln. Verdammt.
Soll er sich dieses Buch auch herunterladen? Besser nicht. Erst einmal dieses Informationsspiritualitäts Buch durchlesen. Bloß keine digitalen Stapel anhäufen. Keep it simpel. Man ist hier auf Hawaii. Hier geht alles gemächlich voran.
Wie war das mit dem Universum und der verbindenden Information? Tim schließt die Augen. Erst einmal ein Nickerchen machen.

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Rhondaly DaCosta
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