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Leselupe.de > Humor und Satire
Sylvesterschock
Eingestellt am 01. 01. 2006 19:02


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bondit
Festzeitungsschreiber
Registriert: Dec 2005

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Sylvesterschock

Bonifacius Bondit
StĂŒrkampsweg 10
01234 Zahllstadt

An das Finanzamt
z.Hd. des F.A.Leiters,
des ehrenwerten und unfehlbaren
Herrn Oberfinanzoberrat Pressowski.
StĂŒrkampsweg 31-41
01234 Zahlstadt

Betr.: Steuer-Nr. DINRWII 812411 30100BB151 429
Bezug: Ihr Schreiben v.22.12.29991ESTR.-Vorauszahlung fĂŒr Anno 3000
31.12.2999 23.30 Uhr

Euer MerkwĂŒrden!

Eben habe ich Ihr o.g. Schreiben erhalten, mit dem Sie die beantragte Herabsetzung meiner Einnkommenssteuervorauszahlung fĂŒr das Jahr 3000 ablehnen. Wie ich Ihnen bereits in meiner ErklĂ€rung zum Formular >Einkommenssteuer-Vorauszahlung 3000 KA 1, Anlage 5, Punkt 7a< darlegte, habe ich bis zu meinem 140.Lebensjahr gearbeitet, da die ab dem 91.Lebensjahr gezahlte Rente nach Abzug aller Steuern und Abgaben fĂŒr Sozialversicherungsleistungen nur die Mietkosten meiner Wohnung abdeckte. Seit Ende meines 139. Lebensjahres bin ich nun 110% schwerbehindert und darf entsprechend dem Gesetz zum Schutz der Gesundheit schwerbehinderter MitbĂŒrger, 1. Änderung, 2 Nachtrag Absatz 16 A bb nur noch 3 Stunden tĂ€glich arbeiten, wodurch sich mein voraussichtliches Einkommen im Jahre 3000 auf ca. 1/3 vermindern wird. Da Sie jedoch trotz dieser Situation eine Verminderung der Einkommenssteuer-vorauszahlungen fĂŒr das kommende Jahrtausend nicht nur abgelehnt, sondern die Vorauszahlungen erhöht haben, sehe ich mich zu meinem Bedauern gezwungen, Einspruch einzu-legen gegen ihren Bescheid gem.§ 7a, 3. Satz.

Um Ihnen Arbeit zu sparen, habe ich Ihre möglichen Antworten bereits vorbereitet. Sie brauchen nur die zutreffende Antwort anzukreuzen und mir wieder zuzusenden:

a) Als Steuerzahler sollten Sie wissen, daß wir ohnehin schon ĂŒberlastet sind und uns nicht mit unsinnigen EinsprĂŒchen ĂŒber MinimalbetrĂ€ge befassen können. Hier haben Sie Ihr nicht nur blödes, sondern auch freches Schreiben zurĂŒck. Werfen Sie es schleunigst in den Papierkorb und belĂ€stigen Sie uns nicht mehr. Unser Bescheid bleibt unverĂ€ndert.

b) Sie wollen uns doch nicht weis machen, daß Sie wirklich nur das bißchen Einkommen haben werden, das nach Ihrer Berechnung nach Abzug aller Schuldzinsen ĂŒbrig bleiben dĂŒrfte. Versuchen Sie nicht, uns fĂŒr blöd zu verkaufen, sonst kriegen Sie eine SteuerprĂŒfung auf den Hals geschickt, die sich gewaschen hat. Ihnen dĂŒrfte bekannt sein, daß wir diese zurĂŒck bis anno 18-hundert Krug zurĂŒck durchfĂŒhren können, wenn wir wollen. Und wir werden wollen, wenn Sie uns nochmal unnötige Arbeit machen. Unser Bescheid bleibt bestehen.

c) Wir können ja verstehen, daß Ihnen die Muffe saust angesichts der um 184 % erhöhten Vorauszahlungsforderungen fĂŒr das kommende Jahr. Aber bedenken Sie, daß Sie doch gerade eben eine RĂŒckzahlung fĂŒr das Jahr 2996 in Höhe von 2.75 € zugesprochen bekommen haben, die wir mit den nunmehr erhöhten Vorauszahlungen verrechnen werden. Somit wird Ihnen doch wenigstens erst einmal die nĂ€chste Vorauszahlung erheblich erleichtert. Kommt Zeit, wird auch Rat kommen. Unser Bescheid bleibt bestehen.

d) Sie haben zwar in der Sache recht, wenn Sie darauf aufmerksam machen, daß die von uns angesetzten Vorauszahlungen etwas hoch erscheinen. Wir sind jedoch sicher, daß Sie als treuer BundesbĂŒrger alle Anstrengungen unternehmen werden, unsere Auflagen zu erfĂŒllen. Es ist doch besser, rechtzeitig zuviel Steuern zu zahlen und sich spĂ€ter an einer RĂŒckzahlung erfreuen zu können, als zuwenig zu zahlen und dann mit einer saftigen Nachzahlung konfrontiert zu werden. Nur Mut, Sie werden es schon schaffen! Unser Bescheid bleibt bestehen.

e) Wir könnten zwar Ihren Einspruch abschmettern, wenn wir wollten, oder unsere Antwort so verzögern, daß Sie inzwischen schon lĂ€ngst gezahlt haben mĂŒssen. Da Sie sich aber geziemend höflich ausgedrĂŒckt haben und uns mit der erforderlichen und erwartbaren Ehrerbietung Ihr Anliegen vorgetragen haben, wollen wir quasi Gnade vor Recht ergehen lassen und vorerst die Vorauszahlungen nur um
126 % erhöhen. Damit ist es aber genug! Reizen Sie uns nicht.

f) lhre Argumente haben uns - zumindest teilweise - ĂŒberzeugt.Wir hatten jedoch bei unserer Forderung gedacht: >man kann es ja mal versuchen<. Schließlich braucht der Staat immer mehr Geld, wenn auch der öffentliche Sparhaushalt nur unerheblich höher liegt als im vorigen Jahr. So wird die Neuverschuldung des Staates im kommenden Jahr nur um 7,99% steigen. Und irgendwoher muß das Geld schließlich kommen. Das werden Sie sicher einsehen. Wir werden es also bei den bisherigen Vorauszahlungen lassen.

g) Sie haben recht. Es war nicht fair, Ihnen Arger, Kosten und MĂŒhe verursacht zu haben. Ihrem Antrag wird trotzdem nicht statt gegeben.

a-g) Gnade Ihnen Gott, Sie gehen in das Widerspruchsverfahren. Das ist kostenpflichtig! Sie können sicher sein, wir werden den Streitwert so hoch ansetzen, daß Ihnen die Augen trĂ€nen werden und Sie schon vor der ersten Anhörung finanziell am Boden liegen werden.

(P.S. wir sind bereit anlĂ€ĂŸlich einer Einladung Ihrerseits zu einem Neujahrsessen ĂŒber die Streichung des 2. „nicht" unter Punkt g) mit Ihnen zu sprechen)

(C) Alle Rechte vorbehalten by B.Bondit

__________________
bonni bondit

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Marius Speermann
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2005

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Ist mir persönlich zu zynisch und sarkastisch. Da fĂ€llt mir das "Sich-mit-dem-Protagonisten-identifizieren" schwer, vor allem auch, weil die FinanzĂ€mter solche Briefe wirklich kriegen (natĂŒrlich sieht sich jeder immer als vom Finanzamt verfolgt).

Ebenso ist die Gratwanderung zwischen "humoristisch" und "nicht mehr humoristisch" bei zynisch/sarkastischen Texten sehr schwer, und in diesem Fall finde ich den Text nicht mehr humoristisch.

Das auch deshalb, weil man mit einer Satire eher dann was erreicht, wenn man nicht verletzend und beleidigend darin ist (eben weil man MißstĂ€nde damit ironischer anklagt, als mit beleidigenden Mitteln).

Weiters sind solch Mittel gegen ein Amt (auch wenn es gegen einen Herrn Oberfinanzoberrat gerichtet ist) eher unwirksam, weil ein Amt immer sehr trocken und unpersönlich reagiert.

Die Geschichte hĂ€tte was fĂŒr sich und kĂ€me ĂŒberraschend, wenn der Ton genau umgekehrt wĂ€re. Sprich der Protagonist sich bedankt und vollstes EinverstĂ€ndnis mit den Vorschreibungen des Finanzamt bekundet, und dabei aber geschickt die UnverschĂ€mtheit des Finanzamts, das "Über-das-Ziel-schiessen" aufzeigt. Das fiele dann unter die Kategorien "Witz" und "trockener Humor".

So wie der Text jetzt ist, finde ich ihn zu alltÀglich und wenig lustig.

Marius

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Minotaurus
Guest
Registriert: Not Yet

Wie Kollege Marius bereits angemerkt hat, ist der Text ziemlich vollgestopft mit Sarkasmus und Zynismus.
Es handelt sich also zwar um eine Satire der derberen Gangart, aber immerhin um eine Satire.

Es gibt die feinsinnige Art der Satire, die z.B. MißstĂ€nde nur kurz anreißt und oftmals erst eine gewisse Gedenkminute und/oder gute Kenntnisse der beschriebenen Situation erfordert, um ĂŒberhaupt verstanden zu werden.
Dabei werden sowohl die Fragen, als auch die Antworten, SchlĂŒsse und Erkenntnisse nur angedeutet oder etwa in HalbsĂ€tzen ausgesprochen.
Oft werden die angesprochenen Kritikpunkte dabei genau ins Gegenteil verkehrt, die kritisierten ZustÀnde oder die angegriffenen Personen gelobt.
Der Leser sollte sich die Antwort selbst fertig formulieren.
Es gibt aber auch die boshafte, grobe und derbe Art, die vor HĂ€me, Hohn und Spott nur so trieft, sofort „in die Vollen" geht und die oft auch die dazugehörige Antwort gleich selbst gibt.

Ich persönlich halte beide Arten fĂŒr legitim, aber natĂŒrlich auch alles, was dazwischen liegt.
Eine krĂ€ftige Portion Zynismus ist jedoch fĂŒr jede Art von Satire unabdingbar und diese findet man hier zur GenĂŒge.
Die Satire muß ĂŒbertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie blĂ€st die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird.
Kritik, Polemik, Didakt und Ironie sind die wichtigsten Stilmittel einer Satire, nicht alle aber mĂŒssen gleichzeitig vorhanden sein.
Dabei arbeitet die Satire mit Verfremdung. Sie gibt die Objekte ihrer Kritik durch Verzerrung und Übertreibung mit beißender Ironie oder Spott der LĂ€cherlichkeit preis.
Zum Kern der Satire gehört der Angriff.
Ursache sind die - nach Meinung des jeweiligen Autors - anklagenswerten MißstĂ€nde dieser Welt.
Mittels Satire können Personen oder ZustĂ€nde angeprangert, kann an ihnen Kritik geĂŒbt werden.
Dieser RealitĂ€tsbezug ist fĂŒr eine Satire charakteristisch.

Genau diesen RealitÀtsbezug vermisse ich aber hier.

Fazit: Trotz bissigem Zynismus kommt die eigentliche Botschaft der Geschichte nur sehr schwer rĂŒber.
Schade eigentlich...
GrĂŒĂŸe vom Minotaurus.

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bondit
Festzeitungsschreiber
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Werke: 3
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Sylvesterschock/Kritik


Verehrte Kritiker, wie ich sehe, ist den meisten (sofern Ihr die Meisten verkörpert) die Satire zu grob, zu verunglimpfend geraten und, wenn ich das recht versthe, hÀttet Ihr lieber eine feingeistige, ironische Darstellung des unglaublichen Anstiegs der Steuerlast und des Umgangs des Finanzamtes mit dem Steuerzahler.

Ich hab zu dieser Zeit zwar noch nicht selbst gelebt, aber vor ca. 100 Jahren gab man dem on dit nach dem Kaiser, was des Kaisers war, und das war ein zehntel des Einkommens.

Heute, nur etwa ein Jahrhundert spÀter sind es mit allen indirekten Steuern ca. 50 % des Einkommens. Nun extrapoliert das mal auf das Jahr 2999.
Hups? Welche Anstiegskurve man auch immer nimmt, so kommt man doch in jedem Falle auf einen Betrag zwischen 50 und 110 %.

Ihr meint 110 % geht nicht? Oh doch, indem man den Steuerzahlern nicht nur ihr Einkommen versteuert, sondern ihnen durch Inflation, Abgaben- und GebĂŒhrenerhöhung und Gesetze (Vermögens- und Erbschaftssteuer etc.// Es lassen sich noch viele Folterwerkzeuge denken) das Vermögen mindert oder am besten gleich ganz nimmt)

Und das schönste ist doch, dass "der Staat" von einem Jahr zum anderen einen strafferen Sparhaushalt verabschiedet, der jedoch von Jahr zu Jahr höher wird, wobei die Abgaben und die Steuerlast des BĂŒrger ununterrochen steigt.

Gerade erhielt ich die Information, dass die Winter- StrassengebĂŒhr um 45 % und die Grundsteuer um 6 % erhöht wird. Die Renten sind nicht mehr zu 23-27 % sondern zu 50 % zu versteuern und die Inflationsrate liegt mit (statistischen) 2% höher als in den letzten 5 Jahren.

Ach, es gibt so vieles, was sich zugunsten des steuerehrlichen BĂŒrgers sich noch "verbessern" lĂ€sst.

Nun extrapoliert mal schön bis zum Jahr 2999, dann wird Euch mein Zynismus wie eine Kindergeschichte vorkommen.

Gruss

Bonni Bondit

P.S: NatĂŒrlich habt Ihr im Grunde recht.Eine Geschichte mit "Florettsarkasmus" ist besser zu lesen als eine in Keilschrift geschriebene.








__________________
bonni bondit

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Minotaurus
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Bondit,
zwei Kritiker alleine verkörpern ganz sicher nicht die Masse der Leser.
Wie schon gesagt, halte ich ja beide Arten, an eine Satire heranzugehen, völlig legitim.
Sowohl die Florett- als auch die Keilschrift- Methode, um bei Deinen Worten zu bleiben.
Ich hatte auch nicht vor, Deine Geschichte als solche zu kritisieren, denn die angefĂŒhrten Argumente mögen ja durchaus richtig sein.
Dein Ärger darĂŒber ist deshalb durchaus nachvollziehbar.
Es ist nur so, daß die Geschichte als Satire darunter leidet.

Das sollte nicht mehr, aber auch nicht weniger als meine bescheidene Meinung dazu sein.
Andere Leser mögen das vielleicht anders sehen?
GrĂŒĂŸe vom Minotaurus.

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bonanza
Guest
Registriert: Not Yet

ich finde die satire köstlich.
nur von realsatirischen briefen des finanzamts zu ĂŒbertreffen.

bon.

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Harders
Festzeitungsschreiber
Registriert: Feb 2006

Werke: 5
Kommentare: 7
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...schließe mich an und sage: Durchaus gelungen!!!
Vielleicht eher Tatsachenbericht als Satire ;-)

Harders

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