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Eingestellt am 25. 11. 2011 15:30


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jon
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Tiefgründige Literatur erwartet wohl niemand, der ein Buch mit dem Titel „Ich hartz dann mal ab“ zur Hand nimmt. Und recht hat er. Oder auch nicht. Klar: Das Thema Hartz IV kann man nur weinerlich („Die armen Armen!“), polemisch („Die bösen Faulen!“) oder satirisch („Die armen Faulen“ oder „Die bösen Armen“) angehen. Robert Nauman greift zu letzterem und ist dabei näher an der Realität als er bei jeder anderen Variante sein könnte. Denn so kann er den „Arbeitsverweigerer“ gleichzeitig auch als „Behördenopfer“ und „Notleidenden“ darstellen.

Ob der Autor tatsächlich – etwas überzogen – aus seinem Leben schreibt, weiß ich nicht. Das Buch will es glauben machen; was absurd daherkommt sei/ist eben einfach Überzeichnung. Zum Beispiel der Futter-Klau im Zoo, um der hungrigen Familie – es ist Monatsende – etwas zu essen bieten zu können. Das mag übertrieben sein, aber Buch-Roberts Überlegungen, ob Seekühe in natura auch Auberginen futtern oder, dass der Futter-Brokkoli deutlich grüner aussieht als der im Supermarkt erhältliche, kann man nicht von der Hand weisen. Im Gegenteil, das bleibt recht hartnäckig hängen und verdirbt einem glatt das Lachen.

Solche Szenen gibt es aber nicht oft. Vor allem im ersten Teil, der bei der Einführung von Harzt IV anfängt und mit Rückblenden gespickt ist, geht es eher um seltsame Job-Erfahrungen (wobei sich das „seltsam“ in wechselndem Maß sowohl auf den Job an sich als auch den Ich-Erzähler bezieht) und Alltagserfahrungen, die mehr oder weniger mit dem Thema Langzeitarbeitslosigkeit zu tun haben. Als sympathisch, wie im Klappentext behauptet, habe ich die dargestellte Figur nicht wirklich empfunden, dazu lässt Naumann zu sehr den Faulpelz und Schmarotzer raushängen. Aber immerhin sind Buch-Roberts Gedanken und Entscheidungen nachvollziehbar.

Leider flacht das Buch ab der Hälfte deutlich ab. Nicht stilistisch, es bleibt locker-flockig, aber inhaltlich wirken die Einzeltexte – sowohl die Geschichten-Kapitel als auch die Passagen aus dem Job-Center – immer mehr wie reines Füllmaterial aus Nonsens, Themenfremdem und krampfhaft mit dem Thema in Verbindung Gebrachtem. Ohne das hätte man wohl die 150-Seite-Marke nicht erreicht. 224 Seiten sind es dann geworden, inklusive „Glossar“ und ein paar Illustrationen. Auf jene Karikaturen hätte ich gern verzichtet, die Gestalten aus der Feder von Piero Masztalerz sind einfach nur eklig. Immerhin sind die dargestellten Witze erträglich.

Alles in allem ist „Ich hartz dann mal ab“ kurzweiliger Schmökerstoff mit allerlei auf den Punkt gebrachten „Missständen“. Gelegentlich kann man zustimmend nicken (am Ende kommt sogar eine politisch nicht uninteressante Passage) und man kann hier und da schmunzeln. In der zweiten Hälfte nimmt das Buch zwar Kurs aufs Langweiligwerden, hört aber knapp vor Einsetzen des Gähn-Effektes auf. Gut, sonst würde ich es nämlich als leichte Lektüre für Mitdenker empfehlen. Was ich jedoch hiermit tue. Aber nur, wenn man die 9,99 Euro gerade übrig hat …



Bibliografische Daten:
Robert Naumann: „Ich hartz dann mal ab“
Rowohlt Taschenbuchverlag, 2011
ISBN 978 3 499 62791 0
224 Seiten; 9,99 Euro (D)


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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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