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Leselupe.de > Ungereimtes
Szenario Tag frei
Eingestellt am 31. 05. 2011 13:17


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GerhardBakenfalter
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Aug 2007

Werke: 29
Kommentare: 387
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Morgen für Morgen trabt die Masse uniform
im Alltagstrott dem großen Ziel entgegen
(zwanghaften Gewohnheiten folgend);
zentralisiert sich monopol
für Stunden, Tage, Monate, Jahre,
Tod.
Nachfolgende Füße stapfen in den Spuren der Vorgänger
auf dass er niemals versiege, der Strom aus
emsigen Ehrgeizkragen, verdrießlichen Gesichtern,
Macht- und Geltungssüchtigen, ausgebrannten Seelen,
Kämpfern und Verlierern
im Überdruss durch Muss.

Abgestumpftes spitzt sich zu:

Denn dieser Tag heißt Frei und nimmt sich das auch.
Heute hat der Moneymagnet Nullbock –
er zieht nicht mehr,
sondern stößt sie ab, die Massen.
Die Rolltreppe macht einen Purzelbaum rückwärts
und endlich kommt Bewegung in die erstarrte Mimik.
Der klaffende Schlund der U-Bahn verschluckt sich,
hustet und spuckt Orientierungslose auf das Trottoir.
Gleichzeitig schalten Lippenstifte um auf grün.
Das Styling verrutscht.
Laufmaschen fallen, Highheels brechen sich einen ab.
Feuchtfröhlich gestalten Sprinkleranlagen neue Frisuren und Make-downs.
Gestandene Manager verlieren zuerst ihr Konzept, danach die Contenance.
Heute klimpert in der Börse nur Kleingeld,
denn der Dax bleibt in seinem Bau
und bringt beim Billard Dow Jones auf Zack.
Die Termine in den PDAs reisen nach Jerusalem,
so dass Bürohengste nervös mit den Hufen scharren,
derweil auf Adams Äpfeln Krawattenknoten hopsen.
Flugzeuge turteln kichernd im Hangar.
Die Camelkarawane zieht bedächtig weiter –
eine Fata Morgana im blauen Dunst
MP3-Player lassen die Kopfkorken knallen
und wir Alltagstrottel lachen herzlich.

Befreit hüpfe ich nach Hause
und knuddele den Hund
der mich nach draußen wedelt.
Wir laufen fröhlich über Mut
und lassen unsere Ohren fliegen.


__________________
Auch Motten schmettern links.

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Fettauge
Guest
Registriert: Not Yet

Szenario Tag frei

Hallo Gerhard Bakenfalter,

hier spricht einer, der Abstand hat. Der sich lustig macht oder weint über die dämliche Masse, die jeden Tag malochen geht. Aber dann ein freier Tag, und nun wissen dieselben Leute nichts so recht mit sich anzufangen. Das ist alles ganz bunt, aus einer gewissen erhabenen Position heraus geschrieben, mir fast ein bisschen zu bunt, es bleibt irgendwie nichts hängen, ich hätte mir doch etwas Auswahl gewünscht, sodass man die Richtung erkennt. Denn eigentlich wetterst du gegen alles und jedes, was lächerlich ist oder zum Himmel schreit. Wie schon bei deinem vorigen Gedicht fehlt mir ein wenig die formale Strenge des Gedichts, die gerade nötig ist, wenn man freien Vers schreibt, vor allem die Konzentration auf das Wesentliche.

Ein Nachtrag: Ich kenne eine Menge Leute, die ganz froh wären, wenn sie zur dämlichen malochenden Masse gehören würden, denn dann müssten sie nicht mehr zum Jobcenter und wären unter Umständen die drängendste Existenzangst los. Und wenn ich das so lese, kommt mir der Text in unserer Zeit doch ein wenig wie ein Luxusthema vor.

lg Fettauge

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AchterZwerg
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Baki,
ich lese von einem LyrI, dass - ebenso wie die meisten anderen - an eine Erwerbstätigkeit gekettet ist, die kluge Männer einst "entfremdet" nannten. Und dies ist ganz unabhängig davon zu sehen, ob sich Arbeitssuchende nach einer angemessen bezahlten Tätigkeit sehnen, damit sie ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familie bestreiten können.

Aus Ersterem ergibt sich die kindliche Freude, einmal einen Tag ohne jene Belastung verbringen zu können, einen außerplanmäßigen Feier-Tag. (Sich darüber zu empören steht in meinen Augen weder Hausfrauen noch Rentnern zu ...).
Für mich ist deine lyrische Prosa ein echtes Leckerli, mit dem du einmal mehr deine Professionalität unter Beweis stellst. Wortverspielt und amüsant.
Herzliche Grüße
Der8.

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