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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Szenen ...
Eingestellt am 20. 02. 2011 11:17


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Haremsdame
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„Das hast du doch nur getan, damit du es leichter hast!“
WĂŒtend warf Sepp die TĂŒr hinter sich zu. Maria standen die TrĂ€nen in den Augen. Das passierte ihr hĂ€ufig, wenn sie sich ungerecht behandelt fĂŒhlte. Wo sollte sie nun die in ihr aufsteigende Wut loswerden? Ihre kranke Schwiegermutter konnte ja nichts dafĂŒr.
Losgegangen war alles mit dem Tod ihres Schwiegervaters. Seitdem hatte Sepp die Stellung des Despoten ĂŒbernommen. Statt sich an der Mehrarbeit zu Hause zu beteiligen, versteckte er sich hinter der Mehrarbeit im BĂŒro.
„Mami“, klang es aus dem Kinderzimmer. Ihr JĂŒngster war von dem LĂ€rm aufgewacht.
„Ja, Benjamin, ich komme.“ Mit gespielter Fröhlichkeit begab sie sich ins Kinderzimmer. Der VierjĂ€hrige streckte schon die Ärmchen aus. Seine WĂ€rme schob ihren Kummer beiseite. Sie genoss dieses tiefe GlĂŒcksgefĂŒhl, das sie seit Beginn der Schwangerschaft kannte. Damals waren sie noch eine intakte Familie gewesen. Damals war sie noch mit ihren Schwiegereltern in die Operette gegangen und das Ungeborene hatte zur Musik in ihrem Bauch getanzt. Nun tanzte sie kurz mit dem Knirps auf dem Arm durchs Zimmer, wĂ€hrend er ihr ein feuchtes KĂŒsschen auf die Wange drĂŒckte.
„Warum weinst du?“ Fragend sah der kleine Mann auf seine Mutter.
„Das sind FreudentrĂ€nen, weil ich dich so lieb habe.“
„Ich habe dich auch lieb, Mami.“
Dass das keine leeren Worte waren, wusste sie. Obwohl er noch so klein war, hatte er im Kindergarten ein Bild gemalt, das ihr die Luft genommen hatte. Da stand ein großes StrichmĂ€nnchen mit ausgestreckten Armen im Mittelpunkt. Und darunter versammelten sich drei kleine und ein große Person.
„Das sind Sie“, hatte ihr die KindergĂ€rtnerin erklĂ€rt. Neben den drei Kindern stand sogar ihr Mann unter ihrem Schutz.
Dabei fĂŒhlte sie sich oft so klein und unnĂŒtz. Seit ihre Schwiegermutter mit im Haus lebte, konnte sie nichts mehr recht machen, so sehr sie sich auch bemĂŒhte.
„Komm, jetzt gehen wir erst mal zum Waschen und ZĂ€hne putzen und dann zum FrĂŒhstĂŒcken.“
„Will aber gleich essen. Felix hat Hunger.“
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Haremsdame
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Anna stand im Bad und ließ Wasser ins Waschbecken laufen. „Was mach ich nur?“, ĂŒberlegte die vor der TĂŒr lauschende Maria. Sie hatte ihrer Schwiegermutter doch deutlich gesagt, dass sie heute mal baden solle. Doch was machte die?
Durchs SchlĂŒsselloch sah Maria, wie sie ihre Ellbogen badete. So konnte es nicht mehr weitergehen! Sie roch schon unangenehm. Aber hineingehen wollte Maria auch nicht. Es widerstrebte ihr, sich in fremdes Intimleben einzumischen. Stattdessen beobachtete sie, wie Anna ĂŒber das Mieder, das sie noch auf der Haut trug, das frisch zurechtgelegte anzog. „Kein Wunder, dass sie nach Urin stinkt“, dachte Maria.
„Oma, es wĂ€re besser, du wĂŒrdest kĂŒnftig auf deine Mieder verzichten“, bemerkte Maria, als Anna aus dem Bad kam. „Ich wĂŒrde die HĂ€kchen auch nicht auf bekommen, wenn ich es eilig hĂ€tte.“
„Ich trage so lange ich denken kann Mieder und das lasse ich mir von dir nicht verbieten!“
„Aber du kommst damit doch nicht mehr damit zurecht.“
Statt die Antwort abzuwarten, stĂŒrmte Maria in den Garten und versuchte beim Unkraut jĂ€ten wieder ruhig zu werden. Plötzlich stand Anna vor ihr und beschimpfte sie: „Immer willst du alles besser wissen. Das lasse ich mir nicht gefallen. Ich lasse mir von dir nichts verbieten.“
Abends stand Anna vor dem Haus und erwartete die Heimkehr ihres Sohnes. Nachdem sie dem den Ärger ĂŒber die Schwiegertochter mitgeteilt hatte, nahm er sie in den Arm. „Ich werde mit Maria reden. Ich weiß doch auch nicht, warum sie sich so verĂ€ndert hat.“
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Haremsdame
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„Heute wird im Seniorenclub Karten gespielt, soll ich dich hinbringen?“, fragte Maria.
„Da sind doch nur alte Leute“, wehrte Anna ab.
„Vielleicht kannst du es wenigstens probieren, damit du mal was anderes siehst“, versuchte Maria sie zu motivieren. Sie hoffte auf vorĂŒbergehende Abwesenheit der Frau, die ihr seit dem Tod des Schwiegervaters wie ein kleines Kind am Rockzipfel hing.
FrĂŒher war das Kartenspiel im Haus der Schwiegereltern regelmĂ€ĂŸig gepflegt worden. Da wurden nebenbei GĂ€ste bewirtet und viel gelacht. Seit Opas Tod waren Besuche rar geworden.
Vielleicht wĂŒrde das Zusammensein mit anderen Anna etwas von ihrer Trauer ablenken. Es kostete Maria viel Kraft, jeden Tag neu zu gestalten. Ihre Gedanken drehten sich fast ausschließlich um das neue Familienmitglied, das sie vor wenigen Wochen geerbt hatte. Einerseits hatte sie Mitleid, auf der anderen Seite hoffte sie auf baldige Besserung der Symptome, die sie an den Rand der Überforderung katapultierten.
Statt sich auf eine Diskussion einzulassen, lud sie die Schwiegermutter ins Auto und fuhr sie zur SeniorenbegegnungsstÀtte.
„Das ist ja die Anna!“, freute sich einer der Kartenspieler. Sofort hatte er gemeinsame Erinnerungen parat und bat die alte Dame an den Tisch. „Seit Viktor nicht mehr kommt, konnten wir nur noch Skat spielen. Mit dir können wir endlich wieder einen Schafkopf wagen!“
Zufrieden rĂ€umte Maria das Feld. Zu Hause ĂŒberwachte sie Viktorias Hausaufgaben, als es an der TĂŒr lĂ€utete. Draußen stand Anna, sichtlich erbost:
„Da gehe ich nie wieder hin!“
„Was ist den passiert?“
„Die haben behauptet, ich wĂŒrde falsch spielen!“

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Haremsdame
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An Annas Kleiderschrank hing viele Monate das Brokatkleid, das sie zur Goldenen Hochzeit tragen wollte. Wie hatte sie sich auf diesen Festtag gefreut. Doch alles entwickelte sich gegen sie. Der Geburtstag ihres jĂŒngsten Enkels hĂ€tte das Fest nicht in Frage gestellt, aber dann war die Kommunion ihres Ă€ltesten Enkels ausgerechnet auf diesen 6. Mai gelegt worden.
„Dann feiern wir halt spĂ€ter“, tröstete Hans. Wenige Tage danach wurde er mit Wasser in der Lunge ins Krankenhaus eingewiesen.
„Es sieht schlecht aus“, meinte der Arzt, „aber wir tun, was wir können.“
Hans verließ die Klinik noch einmal.
„Nachts im Traum bin ich immer so fleißig“, erzĂ€hlte er des öfteren, „aber wenn ich morgens aufstehen soll, dann komme ich nicht aus dem Bett.“
Manchmal arbeitete er noch in seiner Schneiderei. Dann nĂ€hte er SkianzĂŒge fĂŒr seine Enkel oder half seiner Schwiegertochter beim Herstellen von Kinderkleidung. Er freute sich ĂŒber ihr Interesse. Weniger freute er sich ĂŒber das VerhĂ€ltnis zu seiner Frau.
„Die zĂŒndet uns nochmal das Dach ĂŒber dem Kopf an“, schimpfte er, oder: „Wenn ich mir was zum Mittagessen wĂŒnsche, dann kocht sie bestimmt was anderes.“
Wenn solche Worte fielen, zog sich Anna beleidigt ins ehemalige Zimmer ihres Sohnes zurĂŒck. Oder sie setzte sich ins Auto und fuhr irgendwohin.
Danach waren die Ärgernissen zwischen den Eheleuten vergessen. Abends saßen sie dann wieder friedlich im ĂŒberheizten Wohnzimmer vorm Fernseher, wo Hans schon sehr bald einschlief.
Manchmal kamen die Enkelkinder zu den Großeltern ĂŒber den Hof gelaufen. Anna verwöhnte die drei mit Schokolade, was Maria zwar nicht gerne sah, aber schweigend duldete. Schließlich war es durchaus vorteilhaft, dass die Großeltern ihre Kinder liebten. So konnten Sepp und sie auch mal was ohne die Kinder unternehmen.
Als sie im August zum Kegelausflug fuhren, blieb Viktoria bei Oma und Opa und die Buben besuchten Marias Eltern. Zum Abschied bat Hans um die Telefonnummer des Hotels. Das hatte er noch nie getan. Am Abend schlief er nicht bei Frau und Enkelin, sondern blieb im Wohnzimmer. Morgens wachte er nicht mehr auf...
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„Wenn keiner zu meiner Beerdigung kommt, hat sich mein Leben nicht gelohnt“, hatte Hans oft gesagt. Auch wenn sein grĂ¶ĂŸter Wunsch, das Jahr 2000 noch zu erleben, nicht in ErfĂŒllung ging, konnte er doch zufrieden sein. Es kamen mindestens 200 TrauergĂ€ste auf den Friedhof und gaben ihm die letzte Ehre.
Sicherlich hatte Anna einen großen Anteil an seiner Beliebtheit. Sie war immer die lebenslustige Frau gewesen, der es nicht schwer fiel, Kontakte zu knĂŒpfen. Sie war freundlich, achtete auf ihr Äußeres und hieß jeden Besucher willkommen.
WĂ€hrend der Beerdigung ihres Mann hatte es den Anschein, als wĂŒrde sie nicht begreifen, was hier vor sich ging. FĂŒnfzig Jahre war sie mit Hans durch dick und dĂŒnn gegangen und nun schĂ€kerte sie am Grab mit den Verwandten und Freunden.
Maria konnte nicht begreifen, dass sie keine einzige TrĂ€ne verdrĂŒckte. Ihr kam es so vor, als wĂŒrde Anna im schwarzen Kleid die GlĂŒckwĂŒnsche zur Goldenen Hochzeit entgegennehmen.
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Das letzte große Fest, zu dem Anna geladen hatte, war ihr 70. Geburtstag. Den wollte sie im Garten feiern. SiebenschlĂ€fer wartete in diesem Jahr mit herrlichem Wetter auf, so dass dem Ansinnen nichts im Wege stand. Das Angebot von Maria, beim Herrichten der Feier zu helfen, schlug Anna aus: „Du hast doch erst vor wenigen Wochen Benjamin bekommen, da solltest du dich noch schonen.“ Welche junge Mutter hört so etwas nicht gern?
Sepp kam an diesem 27. Juni schon mittags aus der Arbeit nach Hause. Es war klar, dass zumindest zum Tische aufstellen seine Hilfe gebraucht wurde. NatĂŒrlich erklĂ€rte sich auch Maria bereit, beim Eindecken zu helfen.
Erst da entdeckten die beiden, dass Anna in diesem Jahr - entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit - keine Kuchen bestellt hatte. Zum GlĂŒck waren in der TiefkĂŒhltruhe noch eingefrorene Torten und der BĂ€cker hatte natĂŒrlich auch ohne Vorbestellung noch Köstlichkeiten in seiner Verkaufstheke. In Windeseile wurde eingekauft, aufgetaut, eingedeckt und Kaffee gekocht.
Als die GĂ€ste kamen, war Anna – wieder entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit - noch nicht umgezogen. Doch das ging im Trubel des Tages unter. Die teilweise noch eisigen TortenstĂŒcke trafen dank der sommerlichen Temperaturen auf großen Zuspruch bei Verwandten und Freunden.
„Wo sind denn Eure anderen Kinder?“, wollten die Großonkel und -tanten wissen, nachdem sie den kleinen Benjamin ausgiebig bewundert hatten. Stefan kam aus seinem Kinderzimmer, doch Viktoria blieb unauffindbar. Bis jemand auf dem Boden einzelne Zehnerl, Fuchzgerl und MarkstĂŒcke entdeckte. Maria verfolgte die Spur, die zum Nachbarn fĂŒhrte. Dort spielte Viktoria selbstvergessen mit den Freundinnen.
Oma hatte ihren Kleingeldvorrat mit den Worten an die DreijĂ€hrige weitergegeben: „Kauf dir was Schönes.“ Die hatte nichts besseres zu tun, als das Klimpern beim Fallenlassen der MĂŒnzen zu genießen. Vielleicht hatte sie auch an das MĂ€rchen von HĂ€nsel und Gretel gedacht und ihren RĂŒckweg markiert? Auf jeden Fall hat sie dazu beigetragen, diesen besonderen Tag im GedĂ€chtnis zu verankern.

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