Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92241
Momentan online:
100 Gäste und 0 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Humor und Satire
Tage wie dieser.......
Eingestellt am 17. 05. 2002 11:10


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
WuZhao
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Apr 2002

Werke: 15
Kommentare: 40
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um WuZhao eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Fuck! Was ist das!
Grelles Pfeifen, Jaulen, Mark- und Bein zerfressendes,
mich zu Gewalttaten anstiftendes Ger├Ąusch.
Meine Hand bewegt sich kriechend Richtung Ger├Ąusch,
packt zu und schleudert es in blindw├╝tig zerst├Ârerischem Ha├č gegen die Wand.

Mit 2 Sekunden Zeitverz├Âgerung sitze ich pl├Âtzlich senkrecht
einen Meter ├╝ber dem Bett, als statt einem dumpfen Aufprall glasklares Klirren ert├Ânt. (zehn mal lauter als der Wecker wohlgemerkt) Der Spiegel, oder was einst Spiegel gewesen, zerstreut sich, in tausend Partikel geborsten, mindestens siebenj├Ąhrig pechbringend ├╝ber den Fu├čboden.

"Guten Morgen Du Ekel von einem neuen Tag... und vielen Dank auch f├╝r die nette Begr├╝├čung" denke ich, w├Ąhrend meine linke Hand aus dem Bett krabbelt, nach jedwedem Schuhwerk hangelnd, und statt Scherbenschutz f├╝r die F├╝├če auf ein weitverflogenes Spiegelatom trifft.

Schon ein bi├čchen wacher, versuche ich zu verhindern, da├č sich der gesamte Inhalt meiner Blutgef├Ą├če ├╝ber das Laken ergie├čt, indem ich den Finger in den Mund und nun die rechte Hand unter der Decke heraus in die Klamottenm├╝llgruft unter dem Bett stecke.

Da, endlich ein Schuh - und kein zweiter. Aber immerhin besser einer als keiner, h├╝pfe ich nun auf einem beschuhten Bein gen Badezimmer und grabsche mit der freien (rechten) Hand nach dem Wasserhahn. W├Ąhrend ich nun schraube und schraube und schraube, hat mein Hirn ein Deja-vu.

Ganz deutlich kann ich sie erkennen, die Umrisse des Zettels, die Buchstaben darauf, die Botschaft h├Ąngend im Hausflur:

"Wegen Reparaturarbeiten an den Leitungsrohren wird morgen, 8.00 Uhr das Wasser abgestellt – Vielen Dank f├╝r Ihr Verst├Ąndnis"

es ist 8.02 Uhr und ICH HABE KEIN VERSTÄNDNIS!!!!

Ich hopse weiter in die K├╝che und habe ein echtes Erfolgserlebnis. Dort steht sie, eine ganze Flasche Mineralwasser! Welch ein Gl├╝ck ich doch habe, mich nicht in ein Schicksal f├╝gen zu m├╝ssen, in dem ich mir wahlweise mit Coca Cola oder Multivitaminsaft die Z├Ąhne putze.

Noch frohlockend suche ich nach einem Pflaster. Das einzige was ich finde ist der Topf mit der restlichen Pasta von gestern Abend; und zwar mit dem Ellenbogen. Die linke Hand noch immer im Mund, bin ich nicht im Stande des Topfes Sp├╝lsteinsturz zu bremsen und er f├Ąllt – direkt auf meinen gro├čen Zeh (selbstverst├Ąndlich auf den ohne Schuh, klar)

Irgendwo hab ich mal geh├Ârt oder gelesen, da├č Atmen gegen Schmerzen hilft. Es ist gar nicht so einfach, gleichm├Ą├čig zu atmen, mit einem mindestens gebrochenen Zeh und einem Finger im Mund. Das ist die Stelle, an der die bekannte Stimmes aus dem Chaos zu mir spricht: "L├Ąchle, und sei froh.... es k├Ânnte auch schlimmer kommen...."

Kaum eine Stunde sp├Ąter "Herrgott im Himmel – eine Stunde!!!" "Sag, das da├č nicht wahr ist" ist der Finger verpflastert, der Zeh in Mullbinden betoniert und die Pasta in der Biotonne – kurz hab ich zwar noch ├╝berlegt, was ich so zum Fr├╝hst├╝ck im Haus h├Ątte – aber so tief will ich dann doch nicht sinken.

So. Gedanken sammeln, Unterlagen sammeln, einen Schuh finden, in den auch ein Mullbindenzeh pa├čt, Nerven in Kaffee ertr├Ąnken – Kaffee ist aus!

Ich renne aus der Wohnung, die Treppe runter, aus der T├╝r und versuche krampfhaft, mich zu erinnern, wo ich gestern abend mein Auto hingestellt habe. Stattdessen f├Ąllt mir ein, wo mein Schl├╝ssel ist. Der steckt, von innen an der Wohnungst├╝r.

Jetzt ist schon alles egal. Ich pfeif auf mein Auto und mir ein Taxi. Heute mu├č mein Gl├╝ckstag sein, schon das vierzehnte h├Ąlt um mich mitzunehmen. Schlie├člich hab ich's wirklich eilig. Zur├╝cklehnen. Jetzt habe ich auch endlich Zeit, dar├╝ber nachzudenken, wie ich dem Taxifahrer erkl├Ąre, da├č ich Ihn nicht bezahlen kann, denn in meiner Tasche findet sich zwischen Gedanken, Unterlagen und Nerven auch bei ganz genauem Hinsehen kein Geld. Immerhin ist der Taxifahrer ein wirklich netter Mensch. Er l├Ą├čt sich unter Angabe meiner Adresse darauf ein, sich meine Familienerbst├╝cksarmbanduhr als Pfand zu behalten – das schlechteste Gesch├Ąft seines Lebens sicher.

Aussteigen. Orientieren. Ja, hier bin ich richtig. Na ja, fast. Ich stehe vor dem Hauptbahnhofs-Haupteingang mit direkter Sicht auf die Gleise 1 – 10. Der Zug, den ich erreichen soll, f├Ąhrt in ca. 2 Minuten auf Gleis 45 ab. Was soll's, die schlappen 2000 Meter Menschenget├╝mmel zwischen mir und dem Restaurantabteil – endlich Kaffee – schaffe ich doch mit links. Das mu├č ich auch, denn mit rechts kann ich ja nicht auftreten.

Ich spurte los, streife ein Kleinkind, trete auf einen Hund, hechle "Entschuldigung", noch bevor Gro├čm├╝tterchen Schmid zu meiner Rechten in die Knie geht.
"Unversch├Ąmtheit" vernehme ich im Fallen eine qu├Ąkende Stimme, w├Ąhrend mich die Handtasche am Hinterkopf trifft, mein Absatz abbricht und sich meine hoffnungsvolle Karriere in Form des Inhaltes meiner Aktentasche hinter dem entschwindenden Zug auf Gleis 45 verteilt.

V├Âllig fertig greife ich nun nur noch in die Manteltasche nach meinem klingelnden Telefon; und wieder h├Âre ich eine vertraute Stimme aus dem Chaos:

"Guten Morgen Schatz! – und? Kommst du gut klar ohne mich?"




__________________
Gelobt sei der Zweifel! Ich rate euch, begr├╝├čt mir heiter und mit Achtung den, der euer Wort wie einen schlechten Pfennig pr├╝ft! (Brecht)

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Sansibar
Guest
Registriert: Not Yet

Chaostag

Hallo WuZaho,
ich kenne fast einen ├Ąhnlichen Tag, da ging es so dramatisch mit allem daneben Da kann man nur gelassen bleiben. hast du aber sch├Ân lakonisch erz├Ąhlt
Gru├č Sansibar

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Humor und Satire Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!