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Leselupe.de > Kurzprosa
Tagebuch
Eingestellt am 09. 04. 2008 20:01


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nofrank
???
Registriert: Oct 2004

Werke: 44
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Sie fĂŒhrt kein Tagebuch.

Seit ihrer PubertĂ€t nicht mehr. In der Schule fing es an, als die Erste ihr Poesiealbum in der Klasse herumreichte, auf dass sich jeder verewige. Nach und nach legte sich jedes der MĂ€dchen ein Album zu und ließ es in der Klasse kreisen. SpĂ€ter in ihrer Schulzeit hat sie dies Album ab und zu durchgeblĂ€ttert, die SprĂŒche ĂŒberflogen und kopfschĂŒttelnd darĂŒber gelacht.

Die Gelegenheiten fĂŒr Poesiealben wurden immer rarer. Dann, sie weiß nicht einmal genau wann, ist das bunte Album unwiederbringlich aus ihrem Leben verschwunden.

Von Poesiealben zu TagebĂŒchern ist es wĂ€hrend der PubertĂ€t nur ein kleiner Schritt. Ihre beste Freundin hat zuerst eins, dann alle. Fleißig wird tagtĂ€glich Allerwichtigstes darin notiert. Beizeiten verliert sich etwas tatsĂ€chlich Wesentliches in die NotizbĂŒcher, ohne dass die Schreiberinnen den Unterschied bemerken. Zusammen Tagebuch zu schreiben ist einfach ein Spiel, ein MĂ€dchensport, genau wie HĂ€keln oder Ponys. Eine andere, romantische Ebene der Kommunikation.

Sie hat etliche TagebĂŒcher mit belanglosem Geschreibsel gefĂŒllt, gerne gefĂŒllt.

Mit der Zeit verliert sich das Gesellige des Spiels. Immer hĂ€ufiger werden die Gelegenheiten, bei denen das Vorlesen des Verbuchten unwohl macht. Aus dem Spiel wird das Protokoll einer Bewusstwerdung, die Dokumentation der Suche nach dem Selbst und dem GegenĂŒber.

Aber dann ist es vorbei, und das Tagebuch ist mit einem Schlag ein Fehler. Sie kann sich genau an den Tag erinnern, als ihr Tagebuch starb und ihre NaivitÀt mit ihm.

EntblĂ¶ĂŸt, verlacht, vernichtet – unerlaubt gelesen.


nofrank
__________________
„Die Preisgabe der Diskretion im öffentlichen Raum ist eine Vorstufe zum faschistischen Ordnungsdenken, sage ich." (Wilhelm Genazio "Die Liebesblödigkeit")



Version vom 09. 04. 2008 20:01

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Hakan Tezkan
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo nofrank,

eine schöne(eher:traurige), kleine Geschichte, die auch auf einer Meta-Ebene zu funktionieren scheint, jedenfalls fĂŒr mich. Denn die durchbrochene PrivatssphĂ€re, die Auflösung von persönlichen Geheimnissen spielt in der heutigen Informationsgesellschaft eine große Rolle. Ob ich da zu viel hinein interpretiere, interessiert mich nur sekundĂ€r, denn mir gefĂ€llt der Gedanke, dass du beide Ebenen kreieren wolltest.
Nun zum Text. Ich mach mal ein paar VorschlÀge:

quote:
Sie fĂŒhrt kein Tagebuch.

Seit ihrer PubertĂ€t nicht mehr. In der Schule hat fing es damals angefangen,. Als die Erste ihr Poesiealbum in der Klasse herumreichte, auf dass sich jeder verewigen möge. Nach und nach legte sich nach und nach jedes der MĂ€dchen ein Album zu und ließ es in der Klasse kreisen. SpĂ€ter in ihrer Schulzeit hat sie dies Album ab und zu durchgeblĂ€ttert, die SprĂŒche ĂŒberflogen und kopfschĂŒttelnd darĂŒber gelacht.

Die Gelegenheiten fĂŒr Poesiealben wurden immer rarer. Irgendwann, sie weiß nicht einmal genau wann,jetzt wirst du ausschweifend, ich mein, das "irgendwann" impliziert ja bereits, dass ein genauer Zeitpunkt nicht angegeben werden kann. ist das bunte Album unwiederbringlich aus ihrem Leben verschwunden.

Von Poesiealben zu TagebĂŒchern ist es wĂ€hrend der PubertĂ€t nur ein kleiner Schritt. Ihre beste Freundin hat zuerst eins, dann alle.Und fFleißig wird tagtĂ€glich Allerwichtigstes darin notiert. Ab und anSchon wieder "ab und an"? DIeses Mal vielleicht umsteigen, eventuell zu: Gelegentlich verliert sich etwas tatsĂ€chlichZwar willst du betonen, dass es wirklich wahr ist, also so wirklich wirklich wahr, aber das ist m.E.n. dann doch unnötig gedoppelt. Wahres, etwas Wesentliches in die NotizbĂŒcher, ohne dass die Schreiberinnen den Unterschied bemerkten. Tagebuchschreiben ist einfach ein Spiel, ein MĂ€dchensport, genau wie HĂ€keln oder Ponys. Etwas Geselliges, was zusammen getan wirdWieder ist das unnötig gedoppelt.. Eine andere, romantische Ebene der Kommunikation.

Sie hat etliche TagebĂŒcher mit belanglosem Geschreibsel gefĂŒllt, gerne gefĂŒllt.

Mit der Zeit verliert sich das Kommunikative des Tagebuchspiels. Immer hĂ€ufiger werden die Gelegenheiten, bei denen das Vorlesen des Verbuchten unwohl macht, weil sich zuviel Wahres hineingeschlichen hatDas versteh ich auch frĂŒh morgens ohne diesen erklĂ€renden Zusatz...: Persönliches, gerade nicht zum Verlesen, sondern als Geheimnis gedacht.

Aus dem Spiel wird das Protokoll einer Bewusstwerdung, die Dokumentation der Suche nach dem Selbst und dem GegenĂŒber. Cut
Aber dann ist es vorbei, und das Tagebuch ist mit einem Schlag ein Fehler. Sie kann sich genau an den Tag erinnern, als ihr Tagebuch starb und ihre NaivitÀt mit ihm.

EntblĂ¶ĂŸt, verlacht, vernichtet – unerlaubt gelesen.


Vielleicht kannst du mit dem ein oder anderen etwas anfangen.
Gerne gelesen...

Liebe GrĂŒĂŸe,
Hakan

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Eve
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2001

Werke: 28
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Hallo nofrank,

ja das Tagebuch aus "Kindertagen" - ich glaube, MĂ€dchen sind dafĂŒr weitaus anfĂ€lliger als Jungs, wenn es ĂŒberhaupt Jungs gibt, die mal ein Tagebuch gefĂŒhrt haben?

Diese Stelle ist fĂŒr mich der Kern, den du gut getroffen hast:

quote:
Aus dem Spiel wird das Protokoll einer Bewusstwerdung, die Dokumentation der Suche nach dem Selbst und dem GegenĂŒber.
Deine Protagonistin hört auf, Tagebuch zu schreiben, weil sie den Vertrauensbruch nicht verwinden kann ... fĂŒr viele ist aber das Tagebuch-Schreiben auch eine Art Kommunikation, die gerade in den Jahren des Er-Wachsen-Werdens nicht unbedingt mit anderen Menschen (Eltern) möglich gewesen ist. Vielleicht in Teilen mit der besten Freundin - aber richtige Ehrlichkeit war vielleicht doch nur im Tagebuch möglich ... mit der Sicherheit (wenn sie denn nicht trĂŒgerisch ist), dass das hier Geschriebene geheim bleiben wĂŒrde.

Irgendwann entwĂ€chst das MĂ€dchen dem Halt eines Tagebuchs ... und versteht, dass die WĂŒnsche und Hoffnungen nach außen getragen werden mĂŒssen, um Gehör zu finden ;-)

Der Vertrauensbruch, den du hier ansprichst, ist natĂŒrlich einschneidend (und gut dargestellt, kurz aber weitreichend), denn er nimmt "ihr" die PrivatsphĂ€re - so sehr, dass sie direkt aufhört, ihr Tagebuch zu nutzen, dessen Schutz und "Hilfe" schlagartig zunichte gemacht wurde.

GefÀllt mir gut ...

Viele GrĂŒĂŸe,
Eve

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