Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂĽssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5530
Themen:   94491
Momentan online:
301 Gäste und 17 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Tagebuch-Notiz 26. Oktober 2017 - Russki
Eingestellt am 25. 10. 2017 19:46


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Alfred Bruckner
Möchtegern-Schreiber
Registriert: May 2017

Werke: 20
Kommentare: 22
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Alfred Bruckner eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Tagebuch Notiz ..... 26. Oktober 2017

Altenfelden / Oberösterreich

Heute ist "Nationalfeiertag" in Österreich: vor 52 Jahren hatte der letzte Soldat der Besatzungs-Truppen ab 1945 das Land verlassen. Und wäre mein Vater nicht schon früher aus meinem Heimatort Altenfelden abkommandiert worden, hätte auch er in die Sowjet-Union zurück kehren müssen.

Mehr dazu:


Alfred Nigel Bruckner ..... " R u s s k i "

"Anders als die Anderen"


Nun, ich habe am “Siebenschläfertag” des Jahres 1946, also am 27. Juni, um Viertel-vor-Mitternacht meinen ersten “Plärrer” als Österreicher gemacht, als ich endlich “draussen” war – in Altenfelden, einem nicht sehr goßen Ort im Oberen Mühlviertel von Oberösterreich ... mit an die siebzig Häuser und einigen Dörfern ringsum – überwiegend landwirtschaftlich geprägt.

Aufgewachsen bin ich bei meiner Oma in einem Haus etwa in der Ortsmitte, und deren Liebling ich war. Na ja, es war keiner da ausser mir. Und ich hatte meine Omi natürlich auch sehr geliebt, weil sie mich doch ganz schön verwöhnt hat und sie mir weitgehend “Freiheiten” ließ, soweit es eben möglich war.

Also, ich habe dies und folgendes teils erst später recherchiert, denn mein eigenes Erinnerungsvermögen fängt erst so im Alter von etwa drei Jahren an und manche Zusammenhänge haben sich mir erst eröffnet, als ich Fragen zu stellen begann und nach Antworten suchte. Nicht immer “erfolgreich”, aber meistens!

Gewundert habe ich mich, dass mir andere Kinder im Ort oft “Russki” nachriefen und spöttelten. War mir egal, denn mir war das zu blöd, darauf einzugehen.

Nun, ich war “a ledig's Kind”, was in so einem derart stockkonservativen Ort und zu dieser Zeit nach dem Krieg – gelinde gesagt – ein “Makel” war, um's charmant auszudücken, was als “Schande” angesehen worden ist.

1952 bin ich eingeschult worden. Einen Kindergarten gab es zur damaligen Zeit auf dem Land nicht. Meine Klassenlehrerin hatte ihren Berufseinstieg bei uns an der Schule und kam gleich in die erste Klasse. An der Schule gab es nur fünf Klassen, und in manchen Klassen wurden verschiedene Jahrgänge zusammen gelegt.

Also, ich war in meine Lehrerin sofort verliebt und ich war sehr dankbar, dass sie mich auch mochte. Das beflĂĽgelte enorm und ich bekam immer gute Noten, worĂĽber meine Mama sich sehr freute.

Doch den “Russki” wurde ich nicht los ... und so begann ich meine Mama zu “nerven”, was es denn damit auf sich habe. Sie tat sich – verständlich – anfangs nicht leicht, darüber zu reden. Doch so nach und nach erfuhr ich den Hintergrund:

Es war nach Ende des Zweiten Weltkriegs und bei uns im Mühlviertel – nördlich der Donau bis zum Böhmerwald – waren die Sowjets als Besatzungsarmee, im übrigen Oberösterreich die Amis. An der Donaubrücke in Linz war der Checkpoint und man musste aus der Tram aussteigen und seine “ID”-Karte vorzeigen. Natürlich nur die Erwachsenen und ich war nur ab und zu mal dabei.

Im Haus meiner Oma war ein sowetischer Offizier einquartiert, der deutsch sprach und der, wie ich später erfuhr und es mir der Pfarrer auch vorwarf, öfters mit ihm in Streit geriet wegen einer Kalkgrube vor dem Pfarrhof und neben dem Haus.

Nun gut, irgendwann muss es dann – gegen Ende September 1945 – wohl “passiert” sein, denn nach neun Monaten war ich da!

Also, ich bin der Sohn des Vasily Andreyvich Makarow aus Samara an der Wolga in Südrussland. Nun war's "draussen" ... und ich war sogar gewissermassen “stolz” darauf, denn ich war damit

"Anders als die Anderen”

Und ich hatte immer ein Bild meines Vaters bei mir, das mir Mama gab, nachdem sie mir die Geschichte erzählt hatte. Und ich sah ihm sehr ähnlich!

Wahrscheinlich wuĂźte mein Vater gar nichts von mir, denn die Truppen wurden sehr oft und kurzfristig in andere Standorte verlegt.

Damit war diese wichtige Frage beantwortet.

Doch da war noch mein Familienname “Nigel”, den ich nach dem Mädchennamen meiner - damals - ledigen Mutter logischerweise erhalten hatte und eben nicht wie meine Mama und - später - auch meine beiden Brüder Franz und Christian Bruckner geheissen habe.

Das änderte sich, als mein Stiefvater Anton Bruckner mir 1954 seinen Namen gegeben hatte und somit in der Famile alle gleich hießen.
__________________
Alfred Nigel Bruckner

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


ZurĂĽck zu:  Tagebuch - Diary Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.



Werbung