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Leselupe.de > Gereimtes
Tagebuch einer N8katze
Eingestellt am 06. 01. 2002 13:14


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Ameisenkriegerin
Hobbydichter
Registriert: Jan 2002

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Februar 1999
Einsam und verlassen sa√ü das Miezek√§tzchen vor dem Zauberkasten. Sollte es wirklich mit Hilfe dieses Wunderdings vergessen und abschalten k√∂nnen? Das Fell von vielen Auseinandersetzungen zerzaust, die ungl√ľcklich schauenden Augen zu schmalen Schlitzen geschlossen, erhoffte sich die N8katze Ablenkung vom finsteren Katzenalltag. War es denn m√∂glich, das ein einziges Katzenherz so bluten konnte? Wie sollte es nur weitergehen? Nicht denken, sagte sich die Katze und verwandelte sich am Zauberkasten in eine m√§nnermordende Bestie. Ja sie w√ľrde es den Anderen schon zeigen. Das warme, rote Blut tropfte noch immer aus den nie heilenden Wunden der Streites mit ihrem Gef√§hrten. Am liebsten w√ľrde sie sich ihre kleinen K√§tzchen schnappen und aus dem heimatlichem K√∂rbchen weglaufen...

März 1999
Durch den Zauberkasten lernte die N8katze viele andere Tiere kennen. Dumme Schafe ebenso, wie schlaue F√ľchse und widerlichen Insekten. Die dummen Schafe lie√ü sie ungeschoren weiterziehen, warum sollte sie denn ihre kostbare Zeit mit ihnen verplempern, denn sie bl√∂kten doch nur kl√§glich um sich herum. Die schlauen F√ľchse durchschaute sie bald und so lie√ü sie ihren Frust an den widerlichen Insekten aus. F√ľhlte sich gro√ü und stark. Doch die N8katze fand im Net auch ein sehr liebenswertes Tier, einen Kater. Schnell freundeten sich die beiden Katzen an und verspotteten gemeinsam die widerlichen Insekten. Und mit jedem Mond, der gro√ü und rund √ľber die durchwachten N√§chte schien, wurden die beiden immer unzertrennlich.


April 1999

Immer st√§rker wurde der Wunsch, den sprechenden Zauberknochen in die Hand zu nehmen, um des N8katers Mauzen zu h√∂ren. Des Nachts lag sie einsam und allein in ihrem K√∂rbchen und malte sich in Gedanken s√ľ√üe Katzentr√§ume aus.
Aber es waren doch nur Tr√§ume, die die N8katze f√ľr wenige Stunden aus ihrem grauen Alltag rissen und sie ihren Kummer vergessen lie√üen. Bis eines Tages der N8kater von ihr als seiner Traumkatze schrieb...doch die N8katze hatte sich in den letzten Monaten ihr zartes Herz verbrannt und war sehr mi√ütrauisch geworden.


Mai 1999

An einem sonnigen Tag trafen N8katze und N8kater das erste Mal zusammen. Nach vielen Stunden in dem fahrbaren metallenen H√§uschen kam der ersch√∂pfte und ewig hungrige Kater in der fremden Stadt an. Gemeinsam suchten sie sich eine Futterstelle. Doch der Kater hatte aufgeh√∂rt zu mauzen und die einsame Katze f√ľhlte die schleichende Schlange der Entt√§uschung an sich hochwinden.
Mit einem inneren, traurigen Blick geleitete die N8katze den N8kater, der ihr plötzlich so fremd erschien, zu dem angemieteten Katerkörbchen. Ja, der Zauberkasten war wohl doch kein Zauberkasten, denn es schien, als sei der mit bangendem Herzen erwartete Kater doch nur eins der vielen Tiere, die durch die Welt des Nichtrealen reisten.
M√ľde und entt√§uscht bettete die Katze ihren leeren Kopf auf des Katers Scho√ü und erinnerte sich an die vielen Z√§rtlichkeiten, die sie per Tastatur und Zauberknochen ausgetauscht hatten. War alles wieder nur ein Traum? Ein Traum, ja aber, wovon denn???
Als des Katers sanfte Pfoten brennende Spuren auf ihrer Haut hinterlie√üen, wandte sich ihr erstaunter weiter Blick in N8katers Augen. Wie konnte es sein, da√ü nur ein zartes Ber√ľhren seiner Pfoten so viel Gef√ľhl in ihr hervorrief? Was war es, das von ihr Besitz ergriff und sich mit Windeseile durch die geschundene Katzenseele ausbreitete. Und die N8katze lie√ü sich in die wogenden weichen Wellen fallen und f√ľhlte sich eins mit dem ihr fremden und doch so vertrautem Kater.
Unendliche Angst √ľberfiel die Katze, denn sie hatte ihr sch√ľtzendes Fell abgestreift und breitete dem Kater ihre verwundbarsten Stelle auf, die niemand je zuvor gesehen hatte, ja, die sie selbst erst wenige Minuten vorher mit Katers Hilfe erkannte.
Nein, die N8katze war nicht die wilde Bestie, die ihr Unwesen mit Hilfe des Zauberkastens trieb, die provozierend die Tiere der Nacht anmautze. Sie war eine unendlich zarte, schutzbed√ľrftige Miezekatze, die wohlig schnurrend mit √ľberquellendem Herzen ihren sehnsuchtsvollen Blick in die tiefen Augen des Katers senkte und in seinen Gef√ľhlen schier zu ertrinken schien.
Doch die Wirklichkeit holte die N8katze ein. Warteten nicht im heimatlichen K√∂rbchen ihre Katzenkinder? Und mu√üte sie nicht ihren Gef√§hrten bel√ľgen, um sich mit dem Kater treffen zu k√∂nnen...
Unbarmherzig rissen die langen Zeiger des Zeitmessers mit gierigen Fingern St√ľck f√ľr St√ľck aus der Gegenwart an sich. Kl√§glich mauzend, l√∂ste sich die N8katze aus Katers Pfoten und konnte doch ihren Blick nicht von ihm wenden.
Was w√ľrde am n√§chsten Tag geschehn, an dem das qualmende H√§uschen ihr den Kater wieder nahm und ihn zur√ľck in seinen finsteren lichtlosen K√§fig schleppte. Wie konnte sie vergessen, was mit ihr geschehen war. Panik machte sich breit und die Angst vor der Zukunft schn√ľrte ihr den Atem zu. Als die N8katze wenige Stunden sp√§ter wieder im eigenen K√∂rbchen lag, reisten ihre Gedanken noch lange durch die dunkle Nacht und erinnerten sie an die z√§rtlichen Stunden zu zweit, die ihr nun wie wenige, unendlich kostbare Sekunden vorkamen. Schlaflos w√§lzte sie sich hin und her, auf die ersten Sonnenstrahlen wartend, die ihr weitere gl√ľckliche Augenblicke mit ihrem Kater verhie√üen.
Kurz nachdem sich der Gef√§hrte zur morgendlichen M√§usejagd aufgemacht hatte, rannte die Katze mit eiligen Spr√ľngen durch die Kilometer der schlafenden Stadt zu ihrem N8kater zur√ľck, der wonnig schlummernd im K√∂rbchen lag. Flugs streifte sie Ihr Fell herrunter und und rollte sich, an den vom Schlaf noch warmen Katerk√∂rper an. Fest aneinander gekuschelt, brannten, die vom Schlaf gezeichneten Augen des Katers, mit lodernde Flammen, hei√üe Spuren in N8k√§tzchens Seele.
W√§hrend sich die Sonne ihren Weg durch die dunkle Nacht bahnte und hoch und h√∂her stieg, verga√üen die beiden schnurrenden K√§tzchen alles um sich herum, bis sie schmerzhaft daran erinnert wurden, da√ü die Gegenwart den Kater fest in ihrer Gewalt hatte, und das metallene H√§uschen ihn unbarmherzig aus K√§tzchens Armen rei√üen w√ľrde.
Nie mehr loslassen wollte die Katze ihren Kater, die kostbaren Sekunden der s√ľ√üen Ohnmacht festhalten, denn was seit wenigen Stunden mit ihr geschah war das Sch√∂nste, das sie je erlebt hatte. Die N8katze wu√üte, da√ü der entf√ľhrte Kater recht bald durch seinen kleinen sprechenden Zauberknochen zu ihr s√ľ√üe Worte mauzen w√ľrde und das machte sie froh und gl√ľcklich, als sie nach einem langen Abschied zu ihren Katzenkindern fuhr.
Die verrinnenden Stunden erf√ľllten das auf des Katers Stimme wartende K√§tzchen mit gro√üer Angst. Sie f√ľhlte, da√ü etwas Schlimmer geschehn war, denn der gro√üe Kasten, aus dem sonst liebevolle Katerworte klangen, blieb stumm. Erinnerungen an zugef√ľgtem Schmerz der Vergangenheit holten sie ein, und das K√§tzchen vergrub ihren nassgeweinten Kopf tief in das weiche Kissen ihres K√∂rbchens.
Entt√§uschung breitete sich in ihrem Innern aus. War alles nur eine Katerl√ľge? So mu√üte es wohl sein, denn die N8katze fand keine andere Erkl√§rung f√ľr des Katers Schweigen. Sollten diese z√§rtlich blickenden Augen wirklich voller L√ľge und Hinterlist sein? Mit schmerzhaftem Bangen versuchte sie Kontakt durch den leblosen Zauberkasten zu ihrem Kater zu bekommen und kratzte, mit zitternden Pf√∂tchen, kl√§glich zusammengekauert, wehm√ľtige Vorw√ľrfe auf die Tastatur des Todes, um den Schmerz in Katers Ohren zu schreien.
Die Angst und Verzweiflung hinterließ blutendend brennende Spuren in ihrer bloßgelegten Seele.
Doch dann durchfuhr die N8katze ein freudiger Schreck, als sie ein "Hi" des Katers am Bildschirm erreichte. Ihr Pf√∂tchen schleppten sich √ľber die Tastatur, um dem Kater mitzuteilen, da√ü sein Katzerbriefkasten gef√ľllt war. Schluchzend trennte sie die Verbindung und warf sich bebend in das K√∂rbchen, ihren Kuschelb√§ren fest an sich gepre√üt. Weinkr√§mpfe brachten den Katzenk√∂rper zum Beben, nahmen ihr die Luft des Lebens. Sie erinnerte sich mit Qual an ihr ungl√ľcklichen Katzenlebens, dem sie versucht hatte, gl√ľckliche Momente zu stehlen. Ja, sie hatte es nicht anders verdient und die Pein nahm von ihr Besitz.
Wenige Augenblicke sp√§ter ri√ü sie die Stimme des N8katers aus der Tiefe der Leere an die Oberfl√§che des Lichtes, denn er mautzte mit bebender Stimme ihr liebende Worte der Erkl√§rung ins Ohr. Ein gl√ľckliches L√§cheln breitete sich √ľber ihr verquollenes Katzengesicht aus und sie f√ľhlte eine nicht definierbare W√§rme in sich aufsteigen.
Endlich Ruhe, dachte sich die N8katze, als die Schwester sie zu ihrem Krankenk√∂rbchen f√ľhrte. Das Zimmer war hell und freundlich und die Katze freute sich auf die Tage des Alleinseins, denn sie wollte endlich Ruhe in ihr Leben einziehen lassen, Abstand von ihrem Gef√§hrten finden und √ľber ihre N8katergef√ľhle nachdenken.
Angst vor dem scharfen Messer hatte sie nicht, denn sie wu√üte, da√ü es ihrer Seele gut tun w√ľrde und sie sich danach als Katze wieder liebenswerter finden w√ľrde. Rasch packte sie ihr mitgebrachtes K√∂fferchen aus und verstaute die mitgebrachten Sachen in den Schr√§nken. Mit einem erleichterten >yappp< machte es sich die N8katze in dem fremden, nach Frische riechendem K√∂rbchen bequem.
Ja, so gef√§llt es mir, sagte sich die N8Katze und dr√ľckte auf den kleinen silbernen Knopf, um sich die Katzenmusik anzuh√∂ren und wieder einmal von Liebe und Sehnsucht zu tr√§umen. Der erste Tag in der ungewohnten Umgebung verging wie im Flug und die V√∂gel drau√üen auf den B√§umen im Krankentierheim sangen die N8katze in Schlaf.
Am nächsten Morgen wurde sie freundlich von den Menschen in den weißen Kitteln geweckt, erhielt ihre Spritze und wurde in den nackten unpersönlichen Raum zu den scharfen Messern geschoben. Aufgekratzt versuchte die N8katze noch einen Witz zu erzählen, doch die Pointe gingin der schnelleinsetzenden Narkose unter. Und so schlief sie ihren Schönheitsschlaf.
Aus der Narkose erwachend, befand sie sich wieder in ihrem Körbchen und durch das offenen Fenster streichelte sie der Wind.
Als sie dann noch die Stimme ihres Katers durch den Zauberknochen auf ihrem Nachttisch h√∂rte, war sie eine der gl√ľcklichsten Katzen unter der Sonne.
Oh ja, der Zauberknochen sprach jeden Tag mehrere Stunden zu ihr, machte sie ruhig und zufrieden und fra√ü die kleinen b√∂sen Zweifelungeheuer auf, die versucht hatten, sich in ihrem Herzen breit zu machen. Ob sie sich auf dem Balkon in der Sonne r√§kelte, in ihrem K√∂rbchen eingekuschelt lag oder vor ihrem reichgef√ľllten Fre√ün√§pfchen sa√ü, stets h√∂rte die das liebevolle Mauzen des N8katers durch den sprechenden Zauberknochen. Gab es je irgendwann einmal eine Katze, die in einem Tierkrankenheim so viel telefonierte?
Und mit jedem Mond der auf und unterging, war sich die N8katze in ihren Gef√ľhlen zu ihrem N8kater sicherer, bis sie eines Tages erstaunt feststellte, da√ü sie diesen Kater wirklich und wahrhaftig innig liebte. Diese Gef√ľhl war neu f√ľr sie, war anders, als alles was sie bisher erlebte. Auch wenn sie manchmal sich im K√∂rbchen vor Schmerzen kr√ľmmte, versuchte sie, dem N8kater die schweren Schmerzen zu verheimlichen, denn sie wollte nicht, da√ü er mit ihr litt
Sehnsucht krampfte so manches mal ihr Katzenherz zusammen, doch tapfer hielt sie durch, nur noch wenige Sonnen und sie w√ľrde allein mit ihrem N8kater vier wundersch√∂ne Tage am gro√üen Wasser verbringen. Allein der Gedanke an diese Tage halfen ihr schnell wieder h√ľpfen und zu springen zu lernen. F√ľr die N8katze und den N8kater schien die Sonne in ihre Herzen und brachte es mit seinen hei√üen Strahlen zum Rasen. Sie mauzten jeden Tag miteinander, schreiben sich mit verliebten Pf√∂tchen ihre Sehnsucht aus dem Herzen und konnten die Zeit des Wiedersehens kaum erwarten.
Die Tage am gro√üen Wasser wurden f√ľr sie zu den sch√∂nsten Tagen ihres Katzenlebens. Gemeinsam streunten sie durch die Gegend, fuhren auf einem gro√üen Eisenkasten √ľber das Wasser und kuschelten sich jeden Abend eng in ihrem K√∂rbchen aneinander, bevor sie, einander z√§rtlich zumauzend, der Schlaf sie in himmlische Tr√§ume entf√ľhrte.
Hoffnung auf ein gemeinsames Katzenleben hatten die beiden liebenden Katzen. Die dunklen Wolken der Vergangenheit schienen ihnen nicht mehr ihr Katzenleben zu verdunkeln, denn die Liebe leuchtete ihnen so hell und warm, da√ü sie viel Kraft f√ľr den Katzenalltag sammeln konnten.
Während der N8kater seit einigen Tagen aus dem engen Katerkäfig ausgebrochen und bei seiner alten Katermutter Schutz und Zuflucht gezogen hatte, nutze die N8katze jede freie Minute, um die vielen unerledigten Dinge zu tun, die sie auf ihrem gewählten Katzenweg weiterbringen sollten.

Juni 1999

Wieder einmal saß die N8katze schlaflos an ihrem Schreibtisch und schrieb mit zittrigen Pfoten ihr Leid ins Katzentagebuch. Sie wußte nicht wohin mit den Worten des Kummers, denn niemand verstand sie.
Seit vielen Jahren sp√ľrte sie, da√ü sie nichts mehr mit ihrem Gef√§hrten verband. Aber wie sollte sie sich l√∂sen, wie sollte sie das ihren Katzenkindern erkl√§ren? Sich die tiefe Wunde leckend, fragte sich die N8katze, wieviel Elend ein Katzenherz verkraften kann, bevor es in tausende St√ľcke zerspringt.
Und w√ľrden sich nicht die spitzen Scherben in die Samtpf√∂tchen ihrer Katzenjungen bohren und sie in fernen Zeiten am Spingen und Toben hindern? Hatte sie das Recht dazu und durfte sie es denn verantworten, sich von ihrem Gef√§hrten zu trennen und ihren Jungen den Vater zu nehmen?
Nächtelang weinte sie Tränen des Schmerzes und der Verzweiflung, denn sie sah keinen Weg, bewegte sich mit unsicheren Schritten auf dem Grat der Entscheidung.
Als sie am n√§chsten Tag m√§usefangend durch die Stadt lief, erreichte sie die Stimme ihres Gef√§hrten durch den kleinen Zauberknochen. Bittere, kr√§nkende Worte des Vorwurfs mu√üte sie sich anh√∂ren, denn ihr Gef√§hrte hatte entdeckt, da√ü sie heimlich gefangene M√§use als Vorrat hortete um hungrigen Zeiten vorzubeugen. Panik machte sich breit, denn sie wu√üte was im heimatlichen K√∂rbchen auf sie zukommen w√ľrde.
Wieder einmal w√ľrde es verletzende Worte geben, w√ľrde ihr Gef√§hrte sie mit Anschuldigungen qu√§len, sein Leben weggeworfen zu haben. Warum sah er nicht, da√ü sie Welten trennten, da√ü es keine Gemeinsamkeiten mehr gab und da√ü die vielen B√ľchsen gegorener Milch ihn und das Leben der Katze und der Katzenkinder ver√§ndert hatten.
Hoffnungsvoll schlo√ü sie die T√ľr auf, denn sie wollte Worte der Erkl√§rung f√ľr ihr Handeln geben, denn das war sie ihm schuldig. Doch sie traf nur die schneidende Peitsche seiner Worte. Der Schmerz kr√ľmmte ihren Gang, als sie sich resignierend mit einem Buch in den Pfoten an den gro√üen schwarzen Tisch im Katzenarbeitszimmer setzte. Nein, sie wollte nichts h√∂ren, sie wollte nichts f√ľhlen und das Buch sollte sie in entfernte Welten von Liebe und Harmonie entf√ľhren, die sie schon lange nicht mehr kannte.
Einsam und ungl√ľcklich die Pfoten um ein nasses Taschentuch geklammert, verschwammen ihr die Worte vor den Augen. Wie sollte sie je dem Strudel des langsamen Todes entgehen, denn sie wu√üte doch aus Erfahrung, da√ü sich ihr Gef√§hrte irgendwann beruhigen w√ľrde und alles wieder von vorne begann. Ja, er hatte Recht mit seinen Vorw√ľrfen, aber warum fragte er nicht nach dem Grund des Handelns, verurteilte sie und lie√ü keine erkl√§renden Worte zu?
Ihre Augen f√ľllten sich mit Tr√§nen. Aussichtslos erschein ihr die Situation, denn sie meinte, da√ü der Gef√§hrte sich Leid antun w√ľrde, wie damals in der Weihnachtsnacht, als er von ihren Trennungsabsichten erfuhr und den mit gegorener Milch gef√ľllten K√∂rper aus dem Fenster st√ľrzen wollte.
Hatte die N8katze nicht auch Verantwortung f√ľr das Leben ihres Gef√§hrten, denn es sie verbanden sie Jahre des gemeinsamen K√∂rbchens und drei Katzenjunge forderten ihr Recht ein.
Doch wie sollte sie weiterleben, mit welch dunklen Fl√ľgeln w√ľrde die Nacht der Verzweiflung sie immer und immer wieder einholen. Wo waren ihre Tr√§ume von einem sonnigen Katzenleben geblieben? Was ihr blieb, war bitterer Alltag. War das denn alles, was ihr vom Leben bleiben sollte? Das durfte sie nicht zulassen.
Während im Innern der N8katze ein Kampf der Giganten gekämpft wurde, forderte der Gefährte sie mit barscher, leicht lallender Stimme zu einem weiteren Gespräch auf.
Plötzlich bäumte sich die N8katze auf, ihre Augen funkelten wild und entschlossen und ihre Nerven wurden zu starken Seilen, die ihr Halt gaben.
Ja, es mu√üte sein, ja sie w√ľrde zu Ende bringen, was sie mehrmals begann und doch nie zum wirklichen Ende f√ľhrte. Sie wollte diesen Gef√§hrten nicht mehr. Nein, sie wollte ihn nicht. Nein, nein und nochmals nein.
Angst vor den n√§chsten Stunden und doch fest entschlossen, nie nie wieder sich von ihrem Zukunftsweg abbringen zu lassen, folgte sie dem Gef√§hrten ins andere Zimmer. Kein Betteln und Flehen, keine b√∂sen, verletzenden Worte brachten sie mehr von ihrem Ziel ab und sie informierte, mit ruhiger und entschlossener Stimme, sich zu keinen Gef√ľhlen zwingend, ihren Gef√§hrten von ihrem Weg , der nach langen Monaten der Unentschiedenheit, zu einer endg√ľltigen Entscheidung geworden war.
Juli 1999
Die N8katze nahm ihren Kuschelb√§ren und baute sich ein neues Schlafk√∂rbchen in einem anderen Zimmer. Hier lag sie nun und dachte mit wehem Herzen an des N8katers Mauzen. Mit allen Vieren stand die N8katze fest verwurzelt auf der Erde und gleichzeitig schwebte sie auf watteweiche Wolken, wenn sie an ihren N8kater dachte. Trotz allem waren sie da, die kleinen Zweifelungeheuer, die auf leisen Sohlen sich in die Gedanken der N8katze schlichen und sie nicht an Liebe und Gl√ľck hoffen lie√üen.
Auch der Gef√§hrte der Katze hatte sich in der Zwischenzeit wieder beruhigt, denn er wu√üte nun - und begriff es, da√ü die N8katze ihre Zukunft nicht mehr mit ihm verbringen w√ľrde. Gemeinsam setzten sie sich an einen Tisch und beratschlagten, wie sie sich in Freundschaft trennen k√∂nnten. Ab und zu wandte sich der Gef√§hrte sich in seinem Schmerz von der Katze ab und griff wieder zu den B√ľchsen gegorener Milch, denn er hatte Angst vor dem Leben allein. Die N8katze half dem Gef√§hrten √ľber diese traurigen Momente hinweg und versicherte ihm, da√ü sie auch weiterhin freundschaftlich miteinander umgehen w√ľrden.
Auch die Katzenjungen atmeten innerlich auf, in ihrem K√∂rbchen wurde es ruhiger und es fielen nicht mehr so b√∂se Worte zwischen dem Gef√§hrten und ihrer Katzenmutter. Doch die N8katze hatte ein schlechtes Gewissen ihren Mietzek√§tzchen gegen√ľber.
Sie hatte mit dem N8kater und ihren Jungen einen gemeinsamen Urlaub im Land des K√§se geplant und die Kleinen wu√üten nicht, da√ü sie zu f√ľnft fahren w√ľrden. Immer und immer wieder schob sie die kl√§renden Worte auf, wartete auf den richtigen Moment und wu√üte doch, da√ü sie es nicht hinaufschieben durfte, denn die Zeit eilte mit langen Schritten durch die Sommertage.
√úber den sprechenden Zauberknochen und dem Zauberkasten war sie in den Tagen der Trennung mit ihrem N8kater eng verbunden. Die N8katze teilte ihrem Schatz all ihre Gedanken und √Ąngste mit und der Kater versuchte ihr Mut und Kraft zu geben, bis sie die befreienden Worte zu ihren Jungen mauzen konnte.
Letztendlich hatte sie es gepackt und sie holte gemeinsam mit ihren Katzenjungen den N8kater von dem Haus des eisernen Ungeheuers auf Schienen ab, um alle zusammen, ein Sonnenwochenende im gr√ľnen Garten der Heide zu verbringen.
Jedesmal, wenn sich die N8katze an diese gemeinsamen Tage erinnerte, erleuchtete ein Lächeln ihr Katzenanlitz und ihr Herz puckerte wie wild.
August 1999
Als der N8kater am Tag nach dem K√§seurlaub ihr Lebwohl durch den Zauberkasten sagte, denn die Macht des Zauberknochens h√§tte seine Entscheidung beeinflu√üt, brach f√ľr die Katze eine Welt zusammen. Sie konnte die Entscheidung des Katers nicht verstehen, in seinem K√§fig weiter gefangen zu bleiben, denn sie wu√üte um die Macht der Sehnsucht und Liebe in des Katers Herzen.
In wenigen Tagen wurden die vorher strahlenden sch√∂nen Katzenaugen leer und starr, ihr Gang kraftlos und m√ľde. Sie fra√ü nichts mehr und das ehemals gl√§nzende Fell, verwandelte sich in eine stumpfe, h√§√üliche H√ľlle, die um ihren abgemagerten Katzenk√∂rper schlotterte.
W√§hrend ihre Katzenjungen w√ľtend auf die Feigheit des N8katers waren und ihn am liebsten in der Luft zerrissen und mit Behagen gefressen h√§tten, versuchte die Katze mit leblosen Worten ihren K√§tzchen Verst√§ndnis f√ľr die Handlungen des geliebten Katers r√ľberzubringen, die sie selbst ja nicht einmal hatte.
Die liebende Katze hatte ihr weites, offenes Herz in die Pf√∂tchen des N8katers gelegt gehabt und ihm Einblick in alle Gedanken und Tr√§ume ihres bisherigen Katzenlebens gegeben. Sie f√ľhlte sich nackt und blo√ü und vertraute dem Kater unendlich, da√ü er sie nie w√ľrde verletzen. Sie dachte an die damals zusammen getr√§umten Zukunftspl√§ne, an die geplante Reise auf die Sonneninsel und an all die Dinge, die den N8kater aus seinem finsteren K√§fig befreien sollten. Ja, der N8kater hatte sich sogar in der Stadt der N8katze einen neuen M√§usefangplatz gesucht.
So manches mal f√ľhlte sie, wenn es dem N8kater schlecht ging und sie machte sich unendlich gro√üe Sorgen. Auch dem N8kater ging es so.
Doch dann bekam der Kater unendlich große Angst.
Angst vor sich selbst und Angst vor der tiefen Liebe der N8katze zu ihm. Bis zum heutigen Tag konnte und kann sich die N8katze nicht erklären, warum sie der Liebe des N8katers so sicher ist, obwohl ihr viel Leid angetan wurde.
September 1999

Viele mal ging die Sonne auf und wieder unter. Viele schlaflos durchgeweinten N√§chte vergingen, ehe das √§lteste Katzenkind den Schmerz ihrer Mamakatze nicht mehr mit ansehen konnte, einen Brief √ľber den Zauberkasten schrieb und nach einem weiteren Tag, den sprechenden Zauberknochen nahm und mit energischer Stimme den K√§figw√§rter aufforderte, den N8kater an den Knochen zu holen. Mit allen dem jungen K√§tzchen zur Verf√ľgung stehenden Mitteln k√§mpfte es, f√ľr das Gl√ľck ihrer Mamakatze. Und N8kater und N8katze fanden wieder zusammen.
Die Sehnsucht hatte √ľber die N8katze und den N8kater gesiegt und sie wollten nun aus den gemachten Fehlern der Eile lernen. Sie sprachen mit Hilfe des Zauberknochens zueinander und versicherten sich gegenseitig ihrer Liebe. Diese Liebe sprengten die Ketten, die das Herz der N8katze zusammengeschn√ľrt hatten und sie glaubte wieder an die gemeinsame Zukunft, an der sie im Innern nie gezweifelt hatte.
Doch der N8kater war freiwillig wieder in seinen K√§fig zur√ľckgekehrt. Zwar hatte er sich einen Nachschl√ľssel besorgt, um sich ungehindert mit der N8katze zu treffen, doch er beeilte sich jedesmal wieder in seinen K√§fig zu kommen, bevor der K√§figbesitzer nach Hause kehrte.
Oktober/November 1999
Die N8katze wollte es ihrem N8kater leicht machen und fuhr alle 14 Tage mit dem eisernen Unget√ľm in die fremde Stadt mit dem gro√üen gl√§sernen Elefanten.
Jedesmal mietete sie sich das gleiche K√∂rbchen und wartete sehnsuchtsvoll auf das Erscheinen ihres N8katers. Die gemeinsamen Stunden gaben der verzweifelten Katze nur f√ľr wenige Tage Halt, dann griffen die riesigen Fangarme der Sehnsucht wieder nach ihr und machten ihr das Herz schwer und ihre Augen m√ľde.
Jeden Tag k√§mpfte sie gegen sich selber, wollte dem entfernten und geliebten Kater nicht die Luft zum Atmen nehmen. Doch die Liebe, die sie versp√ľrte und vor allem auch die Gewi√üheit seiner Liebe zu ihr, lie√üen sie so manches mal nicht mehr klar denken.
Als sie schmerzhaft erkannte, da√ü sich der N8kater bedr√§ngt f√ľhlte - obwohl sie dieses im Innern ihres Katzendaseins nicht glauben wollte - nahm sie sich zur√ľck. Damit begann ein weiterer Leidensweg, von dem sie damals nicht einmal etwas ahnte.
Doch der N8kater versicherte ihr jeden Tag seine gro√üe und innige Liebe, sie vertraute ihm wieder vollkommen und wartete sehns√ľchtig auf den Augenblick, an dem er die rostigen Eisenst√§be seines K√§fig aufbrechen w√ľrde und mit gezielten Schritten f√ľr immer zu ihr eilen w√ľrde.
Sie wußte alles von ihm, wie der tägliche Stand im fernen Käfig war, was sein Käfigbesitzer machte und tat, wie weit der Stand der Käfigverkaufes war und welchen neuen Käfige sich der Kerkermeister anschaute. Und immer noch glaubte sie fest an die Kraft der Liebe ihres N8katers. Nein sie glaubte nicht, sie wußte darum.


Dezember 1999

Wenige Tage sollten sie von ihrem Gl√ľck trennen, da wurde ihr ein spitzer Dolch in das ge√∂ffnete Katzenherz gesto√üen. Die N8katze konnte nicht glauben, was mit ihr geschah, sie sah das Blut und f√ľhlte den Schmerz, der sie schier umzubringen schien. Alles in ihr b√§umte sich auf, unbarmherzige Weinkr√§mpfe ergriffen von ihr Besitz und lie√üen sie nicht mehr los. Mit jeder Sekunde ihres Katzedaseins flo√ü ein weiterer Lebenstropfen aus ihr heraus und machte sie zu einer Geisterkatze. Ihr sonst l√§chendes Anlitz verwandelte sich in eine vor Schmerz verzerrten Grimasse. Sie fand keine Kraft, sich aus dem Sumpf der Verzweiflung herauszuziehen, der sie tief und tiefer unter die Oberfl√§che des Lebens zog.
Egal, was sie auch versuchte, sie schaffte es nicht, sich gegen den Sumpf zu wehren und verfiel jeden Tag mehr. Mit letzter Kraftanstrengung erinnerte sie sich an den Zauberkasten und da√ü es eine M√∂glichkeit gab, ihren Schmerz in die Welt herauszuschreien. Und vielleicht h√∂rte ihr Kater eines Tages diesen Schrei und wurde so aus seiner Ohnmacht geweckt. Die N8katze wollte verstehen, was da mit ihr geschah, denn sie wu√üte, da√ü wenn sie es verstehen w√ľrde, dieses auch vielleicht verarbeiten und irgendwann einmal vergessen zu k√∂nnen.
Tage- und N√§chtelang sa√ü sie vor dem Zauberkasten, schlaue B√ľcher vor sich, und versuchte mit ihren zarten geschundenen Pf√∂tchen und tr√§nennassen Augen ihrem Schmerz in Worte zu fassen. Versetzte sich in die Lage des K√§figw√§rters und auch in die des N8katers und schrieb sich ihre ohnm√§chtige Lage mit blutenden Pf√∂tchen aus ihrer gefolterten Katzenseele, erstellte eine Homepage der geschundenen Liebe.
Nach einem Jahrtausend der Ewigkeit, der doch nur wenige Tage dauerte, schickte sie ihren Schrei um die Welt, denn sie hatte niemand mehr, der sie trösten konnte und an den sie sich im Schmerz anlehnen konnte.
Ihre Katzenjungen sahen jeden Tag das Elend ihrer Mutterkatze und konnten ihr doch nicht helfen.


Januar 2000

Und der Schrei wurde gehört. Aus allen Teilen des Landes erreichte sie tröstende Worte von gleichem Leid Geplagter. Sollte die Welt des Zauberkastens nur noch aus Lug und Trug bestehen? War der Zauberkasten vielleicht ein Wunderding des Teufels, um hoffende Seelen in seine Gewalt zu bekommen?
Um ihren Schmerz und ihr Leid zu verdr√§ngen, machte sie den fremden Gesch√∂pfen Mut und stand ihnen mit Rat und Tat jederzeit zur Seite. Nach au√üen hin wurde die N8katze immer ruhiger, doch der Schmerz griff des Nachts mit unbarmherziger Gewalt zu und stie√ü sie in die Abgr√ľnde von grauenhaften Albtr√§umen, so da√ü sie den Schlaf vermied, so immer sie es konnte.
Unendlich war ihre Sehnsucht nach Z√§rtlichkeit. Unendlich der Wunsch, sich anzulehnen und auszuruhn. Sie versuchte krampfhaft in einem anderen Wesen den N8kater wiederzufinden, zu gro√ü waren die Gemeinsamkeiten und die √Ąhnlichkeiten. Doch sie betrog sich selbst und f√ľgte sich selbst noch mehr Leid zu, ehe sie aufschreiend vor Schmerz aus ihrer Scheinwelt erwachte. Nein sie konnte und sie wollte niemanden au√üer ihren Kater. Er war ein Teil von ihr, er war ihr Salz, ihr Blut, Teil ihres Leben.
Ihre Gedanken weilten stets und st√§ndig bei ihrem geliebten Kater, sie f√ľhlte, da√ü er ungl√ľcklich mit seiner Entscheidung war, und die Zeit des K√§figs sein Denken vernebelt hatte.
Februar/März 2000
Sie mußte tatenlos zusehen, wie die Sonne ihre winterlichen Bahnen zog, ohne daß sie je des Katers Mauzen hören konnte.
Stumm liefen ihr jeden Tag die Tränen aus den vor Leid geschlossenen Augen und mit jeder Faser ihres zarten Katzenkörpers kämpfte sie lautlos den ungleichen Kampf der Liebe, bis sie schließlich kraftlos und erschöpft zum Zauberknochen griff.
Die N8katze machte sich mehr Sorgen um das Wohlbefinden ihres Katers, als um sich. Gl√ľcklich sollte ihr Kater sein, auch wenn sie der Gram und das Leid tief und tiefer rissen.

April 2000
Und sie fanden beide wieder einmal zusammen, den die Homepage r√ľttelte den Kater aus seinem Verdr√§ngnisschlaf. Er erkannte die Liebe in seinem Herzen. Doch die N8katze konnte und durfte ihm dabei nicht helfen, denn wenn er es nicht von alleine schaffte, w√ľrde es nie gemeinsame Tr√§ume geben.
Des N8katers liebevolle Mauzen, seine Worte der Liebe, die er so sp√§t erkannte und vor allem, da√ü von ihm nur f√ľr seine N8katze geschriebene Lied der Liebe, heilten das kranke Katzenherz und machte die N8katze von Tag zu Tag st√§rker.
Still f√ľr sich dachte die N8katze an die schweren Zeiten, die vor dem N8kater lagen. Sie allein wu√üte, wie schwer und doch wie einfach es war, die Fesseln der Gefangenheit f√ľr immer abzulegen.
Fest glaubte sie wieder an die Kraft der Liebe und erstickte Gedanken des Scheiterns in ihrem Keim, denn sie wu√üte genau, da√ü sie einen weiteren Schmerz nicht √ľberleben w√ľrde. Und ebenso fest vertraute sie den zuk√ľnftigen Taten des Katers, denn er war endlich aus dem Schlaf der Verdr√§ngung erwacht.


Mai 2000

Einen Tag vor des N8katers Geburtstag stand er vor dem neuen Katzenk√∂rbchen in Berlin mit all seinen Sachen. Er hatte den M√§usefangplatz in der Stadt des gl√§sernen Elefanten gek√ľndigt, seine Gitterst√§be hinter sich gelassen.
Ein strahlendes gl√ľckliches L√§cheln breitete sich √ľber das Katzenantlitz aus. Sie war die gl√ľcklichste Katze auf dieser Erde. Sie zeigte ihrem geliebten Kater alles und bat ihn, sich h√§uslich einzurichten.
Den N8katergeburtstag feierten sie an des Katers schönstem Platz, auf dem Wasser, auf einem schwimmendem Eisenkasten.
Einen Tag nach dem Katergeburtstag war alles vorbei.
Als die N8katze vom Tierarzt kam, war ihr Kater und alle seine Sachen verschwunden. Starr vor Schock las die N8katze den ihr hinterlassenen Brief, der nur wenige Zeilen enthielt. Nicht eine einzige Katzentr√§ne rann √ľber das Gesicht, zu gro√ü war der Schock, zu tief die Entt√§uschung, zu schmerzvoll das hintergangene Vertrauen.


Juni 2000
Es gab nur Momente, da holte der Schmerz sie ein, obwohl sich die N8katze fest vorgenommen hatte, nie wieder so zu leiden, wie im Dezember 1999, als der Kater vor seiner eigenen Courage kniff.
Die N8katze verdrängte ihren Schmerz mit Macht und Gewalt und baute um ihre Seele eine hohe undurchdringliche Mauer. Der Verstand sagte ihr, den N8kater zu vergessen, doch das geschundene Katzenherz konnte im Innern der Katze nicht loslassen.
So verging die Zeit und in die Katzenseele zog Ruhe ein, eine tr√ľgerische Ruhe, aber dennoch eine Ruhe.
Bis sie eines Tages von einem baggernden Fremden, den sie sehr unsanft in seine Schranken verwiesen hatte, eine Mail bekam. Es sei ein Freund eines gemeinsamen Bekannten und diesem Bekannten ginge es sehr schlecht. Der Freund hieß N8kater.
Eine an die Katze nicht abgeschickte Mail aus des N8katers Zauberkasten, die der Fremde auf das Verlangen der N8katze an sie abschickte, brachte die geschundene Katzenseele in Aufruhr.
Sie erfuhr aus der "Tagebuch"Mail, wie es dem Kater nach seiner Flucht ging und es zerriss ihr das Herz vor Schmerz, denn sie liebte ihren N8kater und dachte, da√ü er, mit seiner Entscheidung in den K√§fig zur√ľckzugehen, gl√ľcklich sei.


Juli 2000

W√§hrend eines gemeinsamen Urlaubs mit ihren beiden j√ľngsten Katzenkindern, unter der hei√üen Sonne im fernen Land des Ostens, fand die N8katze endlich die Ruhe und Kraft, √ľber ihr weiteres Katzenleben nachzudenken. Und die Gedanken um den N8kater geh√∂rten dazu. Sie erfuhr √ľber sich selbst, da√ü sie bisher in ihrem Katzenleben immer die starke Kampfkatze war und ihre Gef√§hrten schw√§cher als sie waren. Sie beschlo√ü, da√ü dieser rote Faden, der sich durch ihr Leben zog, mit dem Urlaubsende abrei√üen mu√üte. Die N8katze wollte ein offenes, kl√§rendes Gespr√§ch mit dem N8kater, denn seine Flucht war f√ľr sie kein Abschlu√ü, das erkannte sie mit tr√§nenden Augen.
Als sie sich in der Stadt des gl√§sernen Elefanten gegen√ľberstanden, siegte die Liebe √ľber Beide. Und doch zwang sich die N8katze, ihrem Kater mitzuteilen, da√ü sie keinen schwachen Kater wolle, sondern nur einen Kampfkater, der wei√ü, was er will und der die Kraft hat, seinen Weg zu Ende zu gehen.
Ein eigenes Katerk√∂rbchen sollte es sein, denn den K√§fig seines Gef√§hrten wollte er verlassen. Ein K√∂rbchen in der Stadt des gl√§sernen Elefanten, denn dort sollte auch die 104 Monde dauernde neue Ausbildung f√ľr einen neuen M√§usefangplatz sein. Und in dieser Zeit w√ľrde sich herausstellen, ob der N8kater ein Kampfkater war und der N8katzenliebe wert w√§r.
Bis zum klirrenden Winter wollte der N8kater sein eigenes Körbchen bezogen haben und den Einzug dann gemeinsam mit seiner N8katze feiern.
Doch die N8katze war keine dumme Katze mehr. Sie glaubet fest an die Liebe ihre N8katers, wu√üte aber gleichzeitig, da√ü sie nicht warten darf und ihre Gedanken nur um den Kater kreisen d√ľrfen, sondern, da√ü sie ihr Katzenleben LEBEN mu√ü...


September/Oktober 2000

Viele Stunden mauzten sich die Katzen, bei einem erneuten Treffen, ihre Gedanken und Bef√ľrchtungen zu, w√§hrend ihre verschlungenen Pfoten sich gegenseitig z√§rtlich streichelten. Tausende aufrichtige und wichtige Worte der Erkenntnis wurden getauscht und der Weg zum gemeinsamen Ziel geebnet.
Erst jetzt erkannte die N8katze, daß sie nicht nur die Liebe und ein gemeinsames Ziel verbanden, sondern, daß jede Katze ihren eigenen Weg wählen und gehen mußte, um sich selbst treu zu bleiben.
Ab und zu zogen dunkle Erinnerungen an Schmerz und Pein und die daraus resultierenden Erwartungsängste die N8katze in die Tiefe. Doch sie kämpfe mit aller Macht und Gewalt dagegen an, zumal Ihr liebster Kater alles in seiner Macht stehende tat, um ihr die Sicherheit und das Vertrauen an ihn wiederzugeben.

Oktober 2000
Stille, leise Tr√§nen liefen √ľber das Katzengesicht, als die N8katze den H√∂rer des Zauberknochens wieder auflegte. Ihr N8kater unterbrach die Verbindung als sein Gef√§ngnisw√§rter kam. Viele Monde waren vergangen, als der N8kater √ľber seinen Weg zu seiner N8katze sprach. Doch all die aufgez√§hlten Zwischenstationen...wo waren sie? Leer f√ľhlte sich die Katze, leer und ausgebrandt. Obwohl sie der Liebe ihres Katers wu√üte, war sie nicht mehr in der Lage, zus√§tzliche Schmerzen zu ertragen, denn sie f√ľhlte sich sehr gedem√ľtigt. Sie verstand ob der Angst ihres Katers, bestimmte Worte zu seinem Gef√§ngnisw√§rter zu sprechen, sie konnte seine Angst davor sogar sp√ľren. Und doch war es an der Zeit - fast 15 Monde nach ihrem erneuten Zusammentreffen - da√ü der Kater aufr√§umte. Da√ü der Kater sich seine, ihm zustehende Freiheit von seinem Gef√§ngnisw√§rtner nahm, denn dieser wu√üte seit langem von der Katze. Immer und immer wieder hatte die N8katze in den zur√ľckliegenden Wochen Verst√§ndnis f√ľr den N8kater gezeigt, hatte ihm ihr vollstes Vertrauen geschenkt. Eine Gabe, die es kostbarer nicht geben k√∂nnte. Da√ü es einige Monde bedarf, ehe der N8kater ein eigenes K√∂rbchen hatte, das war der Katze durchaus bewu√üt. Aber sie hatte kein Verst√§ndnis mehr daf√ľr, da√ü der N8kater sich weiter fesseln und knebeln lie√ü. Die N8katze wollte klare Fronten, denn der Worte waren genug gewechselt. Und so sa√ü sie dann vor dem Zauberkasten und tippte alles entscheidenden Fragen an ihren geliebten Kater:
- Warum die Katze diese zus√§tzlichen Dem√ľtigungen ertragen mu√üte,
- Warum der N8kater es zulie√ü, da√ü Fremde √ľber seinen Willen entschieden,
- Warum der Kater nicht in der Lage war, seine ureigenste Angst zu √ľberwinden,
- Warum er, wissend um das Innere seiner Katze, es hinnahm, daß diese Pein erlitt,
- Welchen Stellenwert die N8katze √ľberhaupt in N8katers Leben hat, denn den Handlungen des Katers zufolge, war sie nicht mehr als eine M√§tr√§ssenkatze.
Diese Worte zu schreiben, fiel der N8katze unheimlich schwer, doch sie konnte und durfte sich nicht aufgeben. Die N8katze hatte der Probleme in ihrem Leben bereits genug, denn Ihre kleinen Miezekatzen zu Hause machten ihr so manches Mal das Leben schwer.
Sie wollte einfach nur Ruhe in ihr Leben einziehen lassen k√∂nnen, sie wollte mit ihrem starken Kater eine neue gl√ľckliche Katzenfamlie gr√ľnden. Da√ü der Kater dieses auch wollte, ja das wu√üte die N8katze. Aber sie war sich immer unschl√ľssiger, ob ihr geliebter N8kater die Kraft f√ľr den letzten - endg√ľltigen - Schritt aufbringen konnte. Mit Schrecken dachte die N8katze an das Weihnachtsfest. Den Worten ihres Katers zu Folge, wollte dieser die Zeit mit ihr und ihren Miezek√§tzchen verbringen, doch der Katze fiel das Glauben daran unsagbar schwer, denn bisher handelte der Kater nicht.
Die N8katze hatte Angst, unsagbar große schmerzende, sie zerfleischende Angst. Angst vor sich selbst und Angst vor der Zukunft. Immer und immer wieder tönte aus den kleinen Kisten auf dem Zauberkasten das Katzenlied. Es sollte sie aufbauen, es sollte ihr Vertrauen und Kraft schenken, doch die Tränen flossen immer schneller.
Die N8katze wu√üte, da√ü sie √ľber ihre √Ąngste mit dem N8kater nicht mehr sprechen durfte, eine zus√§tzliche Belastung, die ihr schier das Herz zerri√ü, denn sie wollte nicht, da√ü sich ihr geliebter Kater gedr√ľckt f√ľhlt, lieber litt sie still vor sich hin und zwang sich bei jedem Mauzen zu Fr√∂hlichkeit.
Die N8katze hatte niemanden, au√üer ihrem Tierarzt, mit dem sie √ľber ihre √Ąngste reden konnte, denn das Unverst√§ndnis f√ľr das Katerhandeln war in der ganzen Tierwelt. Sie wu√üte, da√ü der Tierarzt ihr die Schmerzen nehmen konnte und hatte gleichzeitig Angst, was der Tierarzt aus ihrer geschundene Katzenseele ausbuddeln w√ľrde. Sie k√§mpfte mit sich und um ihre Liebe, immer in der Hoffnung, irgendwann einmal eine gl√ľckliche Katze zu sein d√ľrfen.

November 2000
Eines Tages rief der Gef√§ngnisw√§rter die N8katze √ľber den Zauberknochen an und versuchte, sie √ľber den N8kater auszufragen Die N8katze wollte und konnte nicht l√ľgen und mautzte die Wahrheit in das Ohr des Gef√§ngnisw√§rter. Sie wollte ihm nicht weh tun und √ľberlegte sich jedes einzelne mauzen. Ihr N8kater schalt sie dar√ľber, denn er fauchte, da√ü es seine Aufgabe w√§r, und er von beiden Seiten an seinen Pf√∂tchen gezogen wird, ohne da√ü man nach seinem Befinden fragte. Dies tat der N8katze mehr weh, so glaubte sie anfangs, als die schneidenden Worte des gemeinsam geteilten K√∂rbchens zwischen dem Gef√§ngnisw√§rter und dem N8kater. Sie redete sich ein, da√ü sie ja nicht danach gefragt hatte und vor Monaten dem Kater bereits zugemauzt hatte, da√ü sie das k√∂rperliche Verlangen verstehen w√ľrde. Doch die N8katze hatte sich tief in ihrem Innern get√§uscht. Es tat ihr weh. Es tat ihr sehr, sehr weh. Anfangs versp√ľrte sie eine tiefe innere Ruhe, da sie wu√üte, da√ü der N8kater offene, alles kl√§rende Worte zu seinem Gef√§ngnisw√§rter sprach, doch diese Ruhe wurde von dem Schmerz der Erkenntnis verdr√§ngt, da√ü der geliebte N8kater den Gef√§ngnisw√§rtner z√§rtlich mit seinen Pf√∂tchen gestreichelt h√§tte und sie √ľbereinander lagen. Die N8katze f√ľhlte den beissenden Schmerz in sich aufsteigen, wollte sich mit allen Pf√∂tchen dagegen wehren...und trotzdem...diese Vorstellungen kamen immer und immer wieder. Viele stille, salzige Tr√§nen liefen √ľber das Katzenantlitz und verschleierten ihr die Sicht. Sie wollte schlafen und vergessen, doch die Gedanken daran lie√üen sie sich nur in ihre tr√§nennassen Kissen w√§lzen.
Hatte die N8katze noch vor wenigen Stunden eine wohltuende Ruhe versp√ľrt, so rasten b√∂se, faulende Gedanken jetzt durch ihren Katzenkopf. Kleine Dinge, die die N8katze dachte, selbst aufgebauscht zu haben, fanden eine neue Bedeutung, ja die Katze stellte sogar die Liebe ihres N8katers in Frage. Mit bangem Herzeklopfen sah sie dem n√§chsten Zauberknochenmauzen entgegen.
Aber die N8katze begann auch ganz, ganz langsam sich wieder selbst zu erforschen und zu entdecken.
Und was das Wichtigste war, aus der immer schnurrenden Mieze, wurde eine Katze, die ihren Widerwillen zu bestimmten Katerhandlungen herausfauchen konnte und in der Lage war, Forderungen zu stellen. Forderungen die der N8kater bedingungslos zu erf√ľllen versprach.
Aber auch der N8kater wurde in seinem Inneren ruhiger. Er war nicht mehr der rapplige Kater, der vor dem Gefängniswärter kuschte, er bog mit aller Kraft die ihn einzwängenden Gitterstäbe seines Käfigs auseinander und nahm sich, was ihm zustand.
Und wieder zog eine tiefe innere Ruhe in die N8katze ein und glättete ihre sensibilisierten Nervenstränge.


Dezember 2000

Die ersten Dezembertage gingen ins Land und die innere Ruhe hielt immer noch an. Inzwischen wu√üte sie, da√ü ihr geliebter Kater das Weihnachtsfest und auch den Jahreswechsel mit ihr und ihren kleinen Miezekatzen verleben wollte. Sogar der Tag stand fest. Auch wenn die N8katze vor behagen schnurrte, wenn sie an die letzten Wochen im Jahr dachte, so blieb sie etwas skeptisch. Lieber nahm sie das Schlimmste an, als sich unangenehm √ľberraschen zu lassen. Doch ihr N8kater mauzte ihr t√§glich liebende Worte durch den Zauberknochen zu und nahm ihr jeden Tag ein wenig mehr von ihrer Skepsis.
Aber eines Nachts war alles anders. Die N8katze lag wie jede Nacht in ihrem K√∂rbchen, fest ihren Schmusekater an sich gepre√üt. Doch der Schlaf wollte und wollte nicht kommen. Erst w√§lzte sie sich in ihrem K√∂rbchen rum, dann las sie ein Buch. Urpl√∂tzlich liefen leise, stille Tr√§nen aus ihren √Ąuglein. Warum nur? Hatte die Miezekatze nicht allen Grund sich zu freuen? Nur noch wenige Tage und ihr N8kater w√ľrde f√ľr viele N√§chte ihr K√∂rbchen teilen und mit ihr und ihren Katzenjungen um den gr√ľnen Baum im Zimmer tanzen. Was machte sie so traurig? Wenn sie ihren Kopf nach rechts wendete, sah sie liebevoll l√§chelnd auf ein Bild ihres N8katers und wenn sie nach links schaute, las sie die sch√∂nste elektronische Karte die sie jemals bekommen hatte, eine wundervolle Liebeserkl√§rung ihres Katers. Und doch f√ľhlte die N8katze eine schleichende Angst in sich hochsteigen. Vor genau 12 langen Monaten war sie auch eine gl√ľckliche Katze, bis sie wenige Tage vor dem Weihnachtsfest in einen tiefen tiefen Abgrund st√ľrzte. Die N8katze hatte Angst. Hatte Angst vor Wiederholung.
Und diese Angst holte sie ein, als sie Mitte des Monats bei Freunden auf halben Weg zum gl√§sernen Elefanten weilte. Ihr Kater wollte am Sonntag zu ihr eilen, aber war es nicht besser, sie fuhr weiter und bleib ein paar Tage dort, um bei ihm zu sein, wenn er die letzten notwendigen Wege ging? So br√§uchten sie nicht nochmals diesen Weg zu fahren. Doch des Nachts ereilte sie √ľber den kleinen Zauberknochen eine Nachricht. Sie solle, wenn sie der Beziehung eine Chance geben wollte, nicht dorthin fahren. Es war die Nacht der Tr√§nen. Doch am n√§chsten Tag versicherte der N8kater dem K√§tzchen wieder und wieder seine Liebe. Er wollte sie mit bereits gegangenen Wegen √ľberraschen. Und die N8katze fa√üte wieder Vertrauen in das Mauzen des Katers. Doch auch der n√§chste Mond st√ľrzte sie wieder in ihr finsteres Loch, denn als sie zum Zauberknochen griff, um des Katers Mauzen zu h√∂ren, nahm der Gef√§ngnisw√§rter den Knochen auf. Er war nicht arbeiten, wie gesagt worden war. War alles wieder eine L√ľge, griff die Panik mit harten Krallen wieder nach dem N8kater?
Der eiserne Reifen um des N8k√§tzchens Kopf zog sich enger und enger, der bei√üende Schmerz trieb ihr die salzigen Tr√§nen in die Augen. In wenigen Tagen wurde das Fest des gr√ľnen Baumes gefeiert und die N8katze hatte eine furchtbare Angst, denn dieser Tag w√ľrde eine Entscheidung in ihr Katzenleben bringen.
Doch es war nicht der Weihnachtstag, es war der Tag vorher. Und es kam, wie die N8katze bef√ľrchtet hatte. Ihr Kater blieb in seinem Gef√§ngnis. Diesmal weinte die Katze. Sie weinte nicht um den Kater, sie weinte nicht um sich. Sie weinte um der Liebe willen. Ihr N8kater hatte sich als zu schwach erwiesen, er hatte sich an die lange Gef√§ngniszeit gew√∂hnt und meinte seinen Gef√§ngnisw√§rter zu lieben. Die N8katze nahm Abschied in Form eine Mail, denn sie wu√üte, da√ü sie nicht sprechen konnte. Als sie ein letztesmal die Stimme ihres N8katers, der nicht mehr der ihrige war, vernahm, war sie ganz ruhig und gefa√üt. Und sie dr√ľckte ihm die Daumen f√ľr seinen eigenen Weg.
Nein, sie verbrannte nicht die Katerfotos und sie nahm auch nicht alle Erinnerungen aus ihrem K√∂rbchen, sie wollte immer daran erinnert werden: an das tiefe Gef√ľhl der Liebe. Unser N8k√§tzchen mu√üte aus ihren N8katzentr√§umen aufwachen und sich der Welt stellen.
Und irgendwo, weitentfernt in der Stadt des gläsernen Elefanten, war ein Kater, der immer noch geliebt wurde. Von der N8katze und ihren jungen Kätzchen.


Januar 2001
Vier Monde gingen ins Land und f√ľr die N8katze schien die Sonne wieder.
Klar und wegweisend. Aus der Dunkelheit erwacht, strahlte sie f√ľr sich und ihr Miezek√§tzchen eine himmliche Ruhe aus. Insbesonders f√ľr sich selbst.
Die Miezekatze, die Zeit ihres Lebens zwar im Innern sp√ľrte, da√ü irgendwas Unbestimmtes ihr fehlte, versp√ľrte eine Ruhe und Zufriedenheit, wie nie zu vor in . Nein, nicht diese vor√ľbergehende, zeitweise Ruhe, sondern eine wohltuende Zufriedenheit mit sich und der ganzen Welt. Diese Zufriedenheit, √∂ffneten ihr die Katzenaugen f√ľr die vielen, vielen Kleinigkeiten des Lebens, die das Leben erst lebenswert machten.
Klar und deutlich lag ihr weiteres Leben vor ihr: sie wu√üte endlich, was sie F√úR SICH wollte. Und fernen Katzentr√§ume nahmen mehr und mehr Gestalt an. Nicht die Tr√§ume f√ľr Andere oder mit Anderen, nein, es waren ihre ureigensten Tr√§ume f√ľr IHR Katzendasein.
Aus dem noch so fernen Ziel w√ľrden im Laufe der n√§chsten Vollmonde, viele, viele kleine und doch bedeutsame Schritte auf dem Weg in die Zukunft werden.
Jeder Schritt ein Meilenstein, um aus der Katze der Nacht, eine w√ľrdige, stolze, das Tageslicht beherrschende Katze zu machen.
Weil sie es sich wert war. Weil sie, SIE war! Nicht nur irgendeine Katze, sondern DIE Katze, die Katze namens Judith.
Und in dem Moment, in dem sie die Erkenntnis der Wahrheit einholte, in dem wichtigsten Moment, der ihr gesamtes weiteres Leben bahnbrechend beeinflussen sollte, wurde ihr bewu√üt, da√ü alle, aber auch alle salzigen Tr√§nen der vergangenen Monate nicht umsonst geweint waren, da√ü jede einzelne Tr√§ne, jeder doch so √ľberaus traurige Moment in ihrem bisherigen N8katzenleben, wichtig war.
Wichtig, um zu sich selbst zu finden.
Die N8katze hatte gelernt.
Gelernt aus dem Leid der Erfahrung. In ihrem Zauberkasten hatte die N8katze, einen Tag nach des N8katers feigem Dezembermauzen, eine Lichtung entdeckt, auf der sich viele, viele Tiere tummelten.
Und sie schrieb mit zitternden Pfötchen und weinenden Augen wahre Katzenworte und stellte ein Abbild auf diese Lichtung.
Obwohl sie sich immer und immer wieder fragte, warum sie es tat, fand sie keinerlei Antwort.
Irgendwann gab die die geschundene Katzenseele auf. Sie versteckte sich hinter dem schlauen Katzenk√∂pfchen und lie√ü sich f√ľhren.
Und dieses machte die N8katze von Tag zu Tag größer und stärker, zeigte der versteckten Seele, wie wunderbar die Welt der Tiere sein konnte.
Die N8katze konnte nicht verstehen, daß es so viele Tiere gab, die ihre Gegenwart und ihr Mauzen suchten und ihre großen erstaunt schauende Augen wurden immer weniger von salzig brennenden Wassern getränkt.
Doch mehr als einen Napf Milch schlappern und mehr als wenige Stunden zusammen mauzen, nein mehr wollte die Katzenseele nicht zulassen.
Keiner der Tiere ber√ľhrte ihr Katzenherz oder lie√ü klitzekleine Schmetterlinge in ihrem Bauch tanzen.
Nicht, da√ü die N8katze auf der Suche nach einem anderen Kater war, aber die sch√ľtzende Mauer um ihr geschundenes Herz wurde von Milchnapf zu Milchnapf immer kleiner und kleiner.
Die Katzenkinder bemerkten die Ver√§nderung ihrer Mutterkatze mit leuchtenden Augen, denn sie sahen, wie ihre Katzenmama immer weiter aufbl√ľhte.
Und so zog auch im heimatlichen Katzenkörbchen wieder Ruhe ein.
Nach jedem Milchschlappern fragten die jungen Kätzchen "UND?", doch die N8katze hatte nichts Lohnenswertes zu berichten.
Die N8katze leckte die Wunden ihrer Kleinen mit ihrer zärtlichen Zunge und versicherte ihren jungen Miezekätzchen, daß es ihr gut ging.
Aus den gierigen Fingern des Zeitfressers tropfte mehr und mehr Lebenselexier und ließ die blutenden Wunden langsam vernarben.
Mit den Sonnen und Monden fing das Fell der Katze wieder an zu glänzen, freuten sich die Katzenaugen wieder an den Wundern der Welt. Eines Tages kam es, wie es kommen mußte.
Ihre Katzenseele hatte etwas entdeckt...
Entdeckt, wie schön das Katzenseelenleben sein kann, wenn man eine gleichgesinnte, geschundene Seele trifft.
Aber nicht nur die Katzenseele freute sich, denn sie verf√ľhrte die N8katze zu verr√ľckten Dinge, die tief in ihr schlummerten.
Und so fanden sich zwei Seelen, die vieles miteinander verband.
Mit der Zeit verwandelte sich die N8katze in eine schnurrende Wohlf√ľhlkatze, und ihre Lebensgeister wurden gro√ü und kr√§ftig.
Verwundert sich mit ihren Pfötchen die Augen reibend, fragte sich die Katze, wie es denn möglich war, daß ihr eine andere Seele so viel geben konnte. Viel, viel mehr, als sie je in ihrem Katzenleben erhalten hatte.
Febr. 2001
Und doch bliesen die finsteren Winde der Erinnerung ihr so manche Sturmbö ins Gesicht und eine schleichende Zukunftsangst verdunkelten ihr immer öfter das Antlitz.
Was w√ľrde sein, wenn das Katzenherz anfangen w√ľrde zu schlagen, zu schlagen f√ľr eine fremde Seele? Und wenn diese Seele ihr Schmerz und Pein bereiten k√∂nnte?
Nein, daran wollte die Katze nicht denken, denn sie war ja schlie√ülich eine Wohlf√ľhlkatze, die das Jetzt und Hier mit leuchtenden Augen in sich aufsog.
Jede Nacht räkelte sie sich viele Stunden voller Wohlbehagen in ihrem Körbchen und lauschte dem Zauberknochen. Tauschten zwei Seelen Worte der Gemeinsamkeit aus, trockneten sich gegenseitig Tränen der Erinnerung, machten sich Mut und lernten aus den Erfahrungen des Anderen.
Die Katze lernte, da√ü die Weiten des Landes √ľberwindbar waren, lernte eine Welt des Schnurrens kennen, die sie seit so langem vermi√üt hatte.
Immer öfter tauschten sich die Seelen aus, sprachen zueinander in wunderbarer Vertrautheit mit offenen, ehrlichen Worten...
Und doch weilte in beiden Seelen die Angst der Vergangenheit, holte sie mit klebrigen Fingern immer dann ein, wenn wenn sie sich am wohlsten f√ľhlten.
Mit jeder aufgehenden Sonne verband die Seelen Unerkl√§rliches, tankten sie Mut und Kraft und fl√ľsterten sie sich liebevolle Worte zu.
Bis die Katze eines Tages die Kraft fand, sich das Abbild des N8katers von ihrem Katzenhals zu reißen um es mit nassen roten Augen des erinnerten Schmerzes, aus dem Fenster eines gemietetem Körbchen in der Stadt des Alaaf, mit Entschlossenheit zu werfen.
Frei sei wollte die Katzenseele, frei von blutend beißenden Gedanken der erlittenen Pein, denn sie empfand die Tränen der Erinnerung als schneidendes Messer in ihrem Herzen.
Als die Wohlf√ľhlkatze sich der z√§rtlichen anderen Seele wieder zuwandte, erhellte ein L√§cheln in Gesicht und lie√ü sie tief in ihren Bauch das Gas der Hoffnung einatmen.
Doch auch die andere Seele lernte, sich vom quälenden Strom der falschen Hoffnung freizumachen und das Jetzt und Hier noch mehr zu genießen.
Doch die Ruhe der Katze war tr√ľgerisch, denn des N8katers Mauzen holte sie ein und w√ľhlte ihre zarte Katzenseele wieder auf.
Nein, nicht so tief und schmerzhaft wie vor vielen, vielen Monden...und doch nahm es ihr von der so dringend benötigten Kraft.
Sollte der N8kater in den Monaten ihres Schmerzes zu einem Kampfkater geworden sein?
Aber selbst wenn es so wäre, könnte sie je vergessen, was sein Handeln ihr antat?
Herz und Verstand kämpfen wiedereinnmal einen Kampf der Giganten. Und doch war es diesmal ein anderer Kampf.
Unsere Wohlf√ľhlkatze wu√üte inzwischen, wer sie war und was sie wollte...
UND...
sie hatte eine starke Seele an ihrer Seite, die ihr so viel Gutes brachte.
Nein, das Herz im gro√üen Katzenbauch w√ľrde sich nicht beugen lassen, w√ľrde sich nicht vom hellen Verstand des Lichtes unterkriegen lassen!
Und so schrieben ihre Pf√∂tchen Worte des Abschiedes von einem irrenden N8kater, brachten mit aller Kraft die Gewi√üheit in die Stadt des gl√§sernen Elefanten, da√ü die Katze zwar keinen Fu√ütritt verhindern k√∂nnte, sich jedoch nie wieder in ihrem Katzenleben freiwillig b√ľcken w√ľrde, um evtl. weitere schmerzende Momente zu erhalten.
Oh ja, die Katze w√ľnschte sich mehr als alles auf der Welt, da√ü die qu√§lende Schlacht ihres Bauches und Kopfes aufh√∂ren m√∂ge.
Da√ü die vor ihr liegenden Tautropfen, die bl√ľhenden Blumen auf der sonnigen Waldwiese, die rotgold raschelnd fallenden Bl√§tter und der neue, frische, wei√üe, gefrorene Sternenregen sie mit Wohlf√ľhlzukunft √ľbersch√ľtten w√ľrden.
Ihre tr√§nennassen Pf√∂tchen lie√üen den Schl√ľssel zu ihrem Bauch, sich grausam quietschend im Schlo√ü umdrehen und verschlossen die Katzenaugen vor weiteren N8katerworten im Zauberkasten.
Weder die Wohlf√ľhlkatze noch die andere Seele wu√üten, was die neuen Monde bringen w√ľrden.
Aber sie wußten eins:
Nach jede Nacht folgt ein wunderschöner Sonnenaufgang.
Man muß nur bereit sein, die Augen zu öffnen...


März 2001

Langsam, ja fast unmerklich hielt die Fr√ľhlingssonne Einzug. Auf den Feldern und Wiesen streckten, vorsichtig aus dem eisigen Boden blickend, die ersten Krokusse ihre bunten K√∂pfchen ans Tageslicht.
Mit jedem Sonnenstrahl wurden die zarten Pflanzen kr√§ftiger, mit jedem aufgehenden Mond freuten sie sich auf das n√§chste Morgengrauen, das neue W√§rme, neues Licht versprach. Wispernd hielten sie ihre Bl√ľtenk√∂pfchen zusammen, ihre Wurzeln f√ľhlten noch immer den Frost des eisigen Winters.
Und auch, die N8katze f√ľhlte sich in dieser Zeit, wie eine zarte, erwachende Pflanze, sehnte sich nach w√§rmenden Sonnenstrahlen, nach nahrhaftem Regen, brauchte Ruhe und Zeit zum Gedeihen...
Mit jedem morgendlichen Sonnenstrahl, der das Katzennäschen kitzelte, bekam die Katze mehr und mehr von dem, was sie so dringend benötigte.
Am Anfang unmerklich, vorbeihuschend wie ein Gedankenblitz, dann, sich irgendwann aufb√§umend, staunend den erwachenden Fr√ľhling betrachtend, f√ľhlte sie die vorsichtige W√§rme, die Einzug hielt. Eine grenzenlose Wohlf√ľhlw√§rme, die sie immer st√§rker durchstr√∂mte und ihr mehr und mehr Elexier gab.
Unmerklich schlossen sich langsam die tiefen Wunden der N8katze, streichelten sanfter Atem und vorsichtig gehauchte Worte das geschundene Katzenbäuchlein.
Wohlig schnurrend r√§kelte sich die Wohlf√ľhlkatze, umarmten ihre Pf√∂tchen die Sonnenstrahlen, schlapperte ihre Katzenzunge Tautropfen des Fr√ľhlings, schn√ľffelte ihr N√§schen das sanfte Gr√ľn der Hoffnung, w√§hrend sich der rostige Schl√ľssel quietschend weiter im Schlo√ü drehte.
Mit erschrecktem Erstaunen stellte die N8katze fest, da√ü sie sich in Gegenwart der anderen Seele immer besser und wohler f√ľhlte.
Immer wenn sich bei√üende salzige Tr√§nen aus ihren √Ąuglein stahlen und versuchten, das harte feste Schlo√ü aufzuweichen, malten die Katzenm√ľhlen in ihrem K√∂pfchen auf Hochtouren, lie√üen den Kampf der Giganten nicht zu, pa√üten auf, da√ü die N8katze sich nicht all zu sehr gr√§mte und von ihrem gew√§hlten Weg abkam.

April 2001
Die Reise auf den silbernen Fl√ľgeln, in die gro√üe Stadt im Land der Stiere, schwei√üte die beiden verwandten Seelen noch fester zusammen. F√ľnf lange Mondstrahlen, die doch so kurz erschienen, schenkten der N8katze immer mehr Vertrauen und Geborgenheit in den sanften Atem der anderen Seele.
Es gab immer mehr Momente, da fragte sich die Miezekatze, warum sie so reagierte, wie sie reagierte. War es denn möglich, daß eine liebende Katzenseele - auch, wenn sie arg geschunden war - sich einer anderen Seele zuwenden konnte?
Sie erinnerte sich an die vielen, vielen, ihr immer noch unerklärlichen Vorahnungen, die den N8kater betrafen und die sich IMMER im Nachhinein als gerechtfertigt herausstellten.
Was war es aber, das sie in ihrem Bauch, fest hinter dem eisernen Schloß, mit dem N8kater verband? Bohrende Gedanken machten sich breit und stellten unbequeme und quälende Fragen, auf die die N8katze keine Antwort sondern nur Vermutungen fand.
Sollte alles nur Trug gewesen sein? Das Katzenbäuchlein bäumte sich auf und schrie verzweifelt um Hilfe. Schreie, die die festen Mauern durchbrachen, das Schloß erzittern ließen und Risse in den frisch verheilenden Narben hinterließen.
Ja, sie hatte auf ihr Bitten hin, einen M√§usefangplatz in der Stadt des gl√§sernen Elefanten angeboten bekommen. Und sie hatte auch vor wenigen Stunden zum Zauberknochen gegriffen und diesen neuen Fangplatz, der sie in unmittelbare N√§he zum N8kater gef√ľhrt h√§tte, wieder abgesagt.
Die N8katze hatte begriffen, daß sie sich selbst belogen hatte, als sie meinte, nur aus dem Moloch des Abgases in den ruhigen Schatten des Elefanten zu wollen, eben weil sie die Elefantenwelt so wunderbar erholsam meinte. Nein, sie wollte nicht nur den stinkenden Abgasen entfliehen, sondern sie suchte damals die Nähe des Katers.
Doch was war jetzt? Was war mit ihr passiert? Wäre es nicht so, daß die Nähe des Elefanten und des Katers ihr wieder Pein bereiten könnten? War sie sich ihres Katzenbauches nicht mehr sicher oder hatte auch eine andere Seele in ihr Katzenbäuchlein Einzug gehalten?
Ihre √Ąuglein brannten und w√§hrend sie sich in ihr Katzenk√∂rbchen kuschelte, malten gro√üe M√ľhlen des Denkens in ihrem K√∂pfchen.
Vieles war neu f√ľr sie. War anders als sonst. Zweifel hatten sich still und heimlich eingeschlichen. Zum ersten Mal zweifelte die N8katze an der Liebe zum N8kater. Zum ersten Mal zweifelte sie ihren Katzenbauch, ja selbst die Mauern ihrer Vorahnungen an.
Und die N8katze st√ľrzte in einen tiefen Strudel und begann sich mit aller Kraft durchzustrampeln.
Was w√ľrde sie an der Wasseroberfl√§che erwarten???


Mai 2001

Innerlich aufgew√ľhlt, wie der Meeresboden nach einem starken Orkan, und trotzdem gefa√üt, versuchte die N8katze, ihr verworrenes und verfilztes Gedankenkn√§uel zu ordnen. Nichts ging mehr. Ihre Gedanken rasten immer und immer wieder im Kreis herum. Sehnsuchtsvoll suchend rasten des N8katzes Augen mit, versuchtesie eine T√ľr zu finden, um aus der endlosen, kraftzehrenden Karusellfahrt auszubrechen. Schwindlig von den unz√§hligen Drehungen, sich an die schmerzhaften Prellungen der vergebenen Ausbruchversuche erinnernd, hielt die N8katze inne. Ersch√∂pft sank sie zu Boden und bettete den gemarteterten Katzenk√∂rper auf ihre Pf√∂tchen. W√§hrend ihre Augen angst- und doch hoffnungsvoll ins Leere blickten, fielen ihr die Augen zu und sie tr√§umte einen Traum:

Hungrig und seit Tagen ziellos durch die weiten Felder und W√§der irrend , traute die N8katze ihren Augen nicht, als sie pl√∂tzlich vor sich ein riesiges, in warmes Licht getauchte, gro√ües, kreisrundes Etwas sah. Sie wischte mit ihren Pf√∂tchen √ľber ihre, von dem Licht geblendeten Augen und kniff sich schmerzhaft in das zerzauste Fell.
War das eine fliegende Untertasse? Staunend stand sie vor dem silbergl√§nzenden Metallding, als sich ohne erkennbaren Grund ein Segment verdunkelte und eine T√ľr√∂ffnung sichtbar wurde. Angstvoll um sich blickend, ihre Nerven wie Seile gespannt, starrte sie diese √Ėffnung an, unf√§hig sich auch nur einen Millimeter vom Fleck zu r√ľhren. Tief in ihrem Innern wuchs die Neugierde und dr√§ngte alles andere beiseite. All ihren Mut zusammennehmend, schlich sie geduckt, die Ohren gespitzt und jederzeit zum Weglaufen bereit, auf die dunkle, √Ėffnung zu. Stundenlang starrte sie das geheimnisvolle Etwas an, lauerte, da√ü sich irgend etwas bewegte..
Als der Mond unterging und und die ihr bereits so vertraute Umgebung in einen gespenstigen fahlen Schimmer tauchte, seufzste sie tief auf und kroch, alle Muskeln zum Zerreißen gespannt und jederzeit zur Flucht bereit, in das Innere der Kugel.
Als sich jedoch die √Ėffnung hinter ihr lautlos wieder schlo√ü, erstarrte sie vor Schreck und eine nie dagewesene Panik ergriff die N8katze. Doch so schnell, wie diese Panik kam, so schnell verschwand sie wieder, denn wohlige W√§rme durchflutete den Katzenk√∂rper und nahm ihr jegliche Angst.
Als sich ihre Augen an die Dunkelheit gew√∂hnt hatten, sah sie genau vor ihren F√ľ√üen kleine Vertiefungen. Gr√ľbelnd, die Nase kraus zusammengezogen, versuchte sie den Sinn dieser Vertiefungen zu erkennen. Ob ihre Pf√∂tchen dort hineinpa√üten? Unheimlich neugierig stellte sich die Katze auf die Hinterpfoten genau in die kleinen Vertiefungen. Sie wu√üte selbst nicht einmal, woher sie so pl√∂tzlich ihren Mut nahm. Kaum ber√ľhrte ihr zweites Pf√∂tchen behutsam den Grund der Vertiefung, da erstrahlte das Innere der Kugel pl√∂tzlich in hellem Licht.
Staunend blickte sich die N8katze um. Es war ein Ufo!
Sie war in einem Ufo!
In Windeseile zogen unz√§hlige Beschreibungen von gesichteten Ufos an ihrem geistigen Auge vorbei, erinnerte sie sich an unglaubliche Flugbewegungen, an eine nicht vorstellbare Geschwindigkeit, an ein lautloses Auftauchen und an all die Wunderdinge, die √ľber diese Ufos hinter vorgehaltenen H√§nden berichtet wurden.
Oh ja, die N8katze wollte solch ein Ufo fliegen lernen.
Niemand war zu sehen, die N8katze f√ľhlte sich nicht nur wohl, sondern auch so sicher in diesem Ufo, da√ü sie es sich auf dem Boden bequem machte und anfing zu denken.. wie k√∂nnen die Konstrukteure dieses Ufos aussehen: hatten sie Arme oder Beine zum Bedienen der Kn√∂pfe? Und wenn ja, wo w√ľrden sie welche Kn√∂pfe platziert haben? Rote Kn√∂pfe, als Achtung und gef√§hrlich, m√ľ√üten nicht dieselbe Bedeutung haben, wie f√ľr N8katzen. Also gab die N8katze weniger acht auf die Farbe und Form der Kn√∂pfe. Sie versuchte sich vorzustellen, welche wichtigen Funktionen in unmittelbarer N√§he sein m√ľ√üten, um einfacher und unkomplizierter in dieser oder jener Situation bedient zu werden. Und sie schaute sich aufmerksam um, ob eine Sitzgelegenheit vorhanden war, denn ein Ufo zu steuern, w√ľrde mehr als einige Minuten, Tage oder Wochen dauern. Ein unbekanntes Flugobjekt zu steuern, w√ľrde die N8katze sicherlich schneller erm√ľden und mehr Kraft kosten, als die der Konstrukteur.
Wie sieht diese Art der "Erholung" aus und wäre die N8katze in der Lage, diese auch zu nutzen?
Und wie es in einem Traum so ist, plötzlich hatte die N8katze eine kleinen Zauberkasten und viele Sternenkarten.
Flink huschten die Pf√∂tchen der N8katze √ľber die Tastatur des kleinen Zauberkasten , um festzuhalten was ihr wichtig erschien. Ich mu√ü mich mit den Meteroiten, mit den schwarzen L√∂chern vertraut machen, mu√ü herausfinden, welcher Stern ein mir lohnenswertes Ziel ist, dachte die N8katze, w√§hrend sie mit wachen Augen die Sternenkarte studierte.
Ja, sie wollte sich mit all den Gefahren des Weltraumfluges intensiv besch√§ftigen, denn nicht nur von der Sicherheit des Ufos w√ľrde eine Menge abh√§ngen. Was w√§re, wenn ihr ein Geisterufo entgegenk√§me und sie blitzschnell reagieren m√ľ√üte? Wie w√ľrde sie regieren, wenn vom Linksausweichen ihr Leben und vom Rechtsausweichen, das ihres Passagieres abhing? Kaum fand die N8katze eine Antwort auf eine Frage, so stellte sich bereits hunderte neue Fragen Und das Katzenk√∂pfchen qualmte vom Denken!
Die N8katze stellte sich vor, wie es w√§re, wenn die Startbahn ihres Ufos drei Wege h√§tte: links, den f√ľr volles Risiko im Vertrauen auf die Technik, ihren gesammelten Erfahrungen und die Hilfe eines Passagiers, geradeaus in die ungewisse Dunkelheit und rechts viel Wald und Gestr√ľpp, das erst gerodet werden m√ľ√üte...
Und die N8katze fand ihre Startbahn, und sie hatte sich auch intensiv mit der Technik des unbekannten Flugobjektes vertraut gemacht, sie kannte ihre Fähigkeiten, und wußte der technischen Möglichkeiten.
Sie entfernte unn√∂tigen Ballast aus dem Ufo, denn was w√ľrde ihr ein Fallschirm im Weltraum n√ľtzen?
Viele viele kleine Mosaiksteinchen, fr√ľh gesp√ľrt, doch nicht erkannt, in ihrem Traum-Ufo mit unbekannten und doch vertrauten Werkzeugen zusammengef√ľgt, ergaben f√ľr die N8katze eine logische Sternenkarte und ein Ticket f√ľr einen Passagier. Und irgendwann wu√üte die N8katze in ihrem Traum, da√ü sie dieses, inzwischen nicht mehr unbekannte Flugobjekt - erkundet durch das Zusammensetzen vieler kleiner Mosaiksteinchen mit unbekannten und doch vertrauten Werkzeugen zusammengesetzt - auch allein steuern konnte, da√ü sie bekannten Gefahren ausweichen konnte und, da√ü sie durchaus in der Lage war, das einzige Ticket f√ľr einen Passagier aufzubewahren und mit Verstand zu verschenken. Denn sie wu√üte ganz genau, wie wertvoll ein solches Ticket ist. Sie wu√üte nicht, wie lange solch ein Sternenflug dauern w√ľrde, aber sie wu√üte mit Bestimmtheit, da√ü es etwas Einmaliges, etwas nie Dagewesenes, und etwas nie wieder Missende sein w√ľrde.
Als Die N8katze verwundert aus ihrem Traum erwachte, wu√üte sie, da√ü das Traumufo aus W√§rme und Geborgenheit besteht, das es gebaut ist, auf Verst√§ndnis und Einf√ľhlverm√∂gen, das es Sicherheit und ungeahnte Kr√§fte gibt und da√ü es die seltenes Gabe des sich √ľber alles Unterhaltende, niemals Verletzend besitzt.
Und der N8katze wurde bewußt, wie dieses Ufo hieß......es hieß LIEBE!
Friedvoll lag sie, zusammengerollt und kuschlig warm, w√§hrend ihre blinzelnden Katzen√§uglein ihre Umgebung wachsam beobachteten. Durch den Zauberkasten wu√üte sie, da√ü der N8kater ihr Passagier sein wollte. Obwohl sie gl√ľcklich dar√ľber war,holten sie doch ab und zu die St√ľrme der Vergangenheit ein und wirbelten ihren Katzenk√∂rper durch. Tief bohrten sich die nachdenklichen Falten in die zusammengezogene Stirn, denn alles war ihr nicht neu. Wenn die N8katze Kontakt √ľber den Zauberkasten zu dem N8kater hatte, las sie jedesmal die Zeilen der Liebe. Und doch war irgend etwas anders als sonst. Die N8katze hatte es geschafft loszulassen, sie wu√üte, da√ü sie dem Kater nicht entgegen gehen w√ľrde, sondern, das Geschehen beobachtend, ihr Katzenleben leben w√ľrde. Ja, die N8katze hatte ihr eigenes Leben wieder.
Einen wichtigen Anteil an diesem Leben hatte die andere Seele, mit der sie eine tiefe, innere Freundschaft verband. Die N8katze wu√üte, da√ü sie ohne diese andere Seele nicht die N8katze w√§re, die sie heute war. Egal, ob es ihr gut oder schlecht ging, diese Seele war immer f√ľr sie da. Und die N8katze sp√ľrte, wie gut ihr dieser Seelenkontakt tat.


Juni/Juli 2001
Die gierigen Zeitfinger fra√üen Monde und Sonnen auf. In des N8katers K√∂rbchen tat sich immer noch nichts. Die Falten um des N8kates √Ąuglein wurden tiefer und skeptisch r√ľmpfte sie ihr N√§schen. Aber es war auch der Monat der Gedichte, denn ihre Pf√∂tchen schrieben Seelenworte des Denkens in den Zauberkasten.
Schatten der Finsternis umh√ľllten das N8katzenk√∂pfchen und tauchten ihren Bauch in ein Meer aus Dunkelheit und Leere. Der Tag der Entscheidung r√ľckte immer n√§her und mit jeder verrinnenden Stunde krallte sich die Angst immer tiefer.
Immer abends, wenn die N8katze zur Ruhe kam, fuhren ihre Gedanken Karussell, drohte sie in Abgr√ľnde zu versinken und das Verlangen nach Ruhe in ihrer Seele wurde so gro√ü und stark, da√ü sie dar√ľber immer √∂fter salzige Tr√§nen vergo√ü.
Worte des Verstandes wuchsen zu m√§chtigen Bergen und f√ľllten allm√§hlich des N8katzes Bauch.
Doch mit jeder F√ľllung wuchs auch wieder der Schmerz.
Er wurde so groß und mächtig, daß er alles zu beherrschten schien.
Wenn die Katze sich in ihr leeres Körbchen kuschelte und sehnsuchtsvoll auf den befreienden Schlaf wartete, war es besonders schlimm. Und je schlimmer es wurde, desto weniger konnte sie in himmlische Träume versinken.
Das Karussell drehte sich schnell und schneller und wirbelte die Katze mit sich. Unertr√§glich schien ihr jeder Mond und die Gedanken der Erinnerung √ľberkamen sie.
Wo waren die schönen Katermomente, wo war die Liebe, von der er seit vielen, vielen Vollmonden mauzte?
Worte der Liebe, die √ľberzeugend klangen, doch leere Worte waren, denn es fehlte des Katers Handlung.


August 2001

Wie gel√§hmt da√ü die N8katze auf ihrem K√∂rbchenrand. In wenigen Stunden sollte sie ihrem N8kater wieder gegen√ľber stehen. Neun lange Monate waren vergangen, da√ü sie sich das letztemal sahen. Was w√ľrde sein? So oft sich auch die N8katze versuchte vorzustellen, wie der erste Moment des Zusammentreffens war...ihre Gedanken liefen ins Leere.
Sie ahnte, da√ü sie leiden w√ľrde, doch sie konnte nicht bennen warum...
Als sie in ihrem rollenden K√∂rbchen sa√ü, das sich immer weiter auf die Stadt des gl√§sernen Elefanten bewegte, freute sie sich √ľber jede Blechkarawane, die ihr den Weg versperrte. Hinausz√∂gern wollte sie den Moment der Begegnung, vor der sie so viel Angst hatte, denn eine Nacht davor mauzte ihr der N8kater durch den sprechende Zauberknochen zu, da√ü er nicht die Kraft eines eigenen K√∂rbchen f√ľhlte.
Doch die N8katze konnte sich nicht auf einen f√ľnften Sturz in die Finsternis einlassen, noch zu gro√ü und m√§chtig waren die Erinnerungen der erlittenen Pein. Die Katzenpf√∂tchen hingen kraftlos herab..
In ihren Tagtr√§umen sah die N8katze noch einen liebevoll mauzenden Kater vor sich, der mit einem energischen Fauchen das Tor der Liebe weit √∂ffnete. Aber die N8katze sp√ľrte auch, da√ü irgend etwas in ihr zerbrochen war und hoffte auf die m√§chtigen Katerpfoten der Handlung. Doch hoffte sie wirklich oder waren es nur W√ľnsche der Erinnerung?
In schwarzes Plastik geh√ľllt, schauten des N8katzes Augen beim ersten Zusammentreffen traurig ins Leere. Wie ein Fremder sa√ü der N8kater neben ihr im Blechkasten, schlaff und emotionslos erschien ihr die Begr√ľ√üung.
Und wieder kullerten die Tr√§nen √ľber das seidige Fell der Katze. Die N8katze war nicht in der Lage zu mauzen und so schaltete sie die klingenden Worte an, die sie die vielen Monate begleiteten. Lieder der Hoffnung, der Verzweiflung und Skepsis f√ľllten des N8katers Ohren.
Warum hatte die geschundene Katzenseele nur das Gef√ľhl des Nichtverstehens?
Die klingenden Worte, mit viel Gef√ľhl und Leid zusammengetragen, sollten doch des N8katzes fehlende Mauzen ersetzen. Sprachen beide Katzen verschiedene Sprachen?
Doch es war nicht nur die Verschiedenartigkeit der Sprache, es war die Angst vor der Widerholung bereits gemachter Erfahrungen.
Je mehr Stunden der gl√§serne Elefant fra√ü, desto schlechter f√ľhlte sich die N8katze, bis sie, mit √§ngstlich angelegten Ohren das und schreiendem B√§uchleinignorierend, in ihr heimatliches K√∂rbchen zur√ľck fl√ľchtete.
Nur die Sterne am Firnament, die allabendlich mit ihren Strahlen die N8katze zur Ruhe betten, wissen, ob eines Tages die Liebe siegen wird oder ob ein Ameisenkriegerpfeil ins Leere schoß...


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B.Wahr
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Hallo Ameisenkriegerin, Dein modernes Un-M√§rchen find ich sehr sch√∂n geschrieben: Blumig aber nicht kitschig, detailreich aber nicht erschlagend - spannend aber ganz und gar unkriegerisch. Oder hab¬ī ich da vielleicht was √ľbersehen? Ich werd¬īs auf jeden Fall nochmals lesen und weitereiten. Liebe Gr√ľ√üe
B.Wahr

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