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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Tagebuch eines Rauchers
Eingestellt am 15. 10. 2004 11:10


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Michael Schmidt
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Tagebuch eines Rauchers
Michael Schmidt

Vorbemerkung: Die einzelnen Tage entstanden spontan und unabhĂ€ngig voneinander. Es stellt sich die Frage, ob sie in ihrer Gesamtheit passen. Ansonsten viel Spaß beim Lesen.

1.Tag : Sie fließt nicht mehr

Sie fließt nicht mehr. Nein, eher stockt sie. Aber auch das nicht. Sie schreitet.
WĂŒrdevoll.
MajestÀtisch.
Wenn ich es positiv sehen möchte. Mache ich aber nicht.
Dehnbarkeit ist der Begriff, der mir zu schaffen macht. Eigentlich ein viel zu harmloser Ausdruck. Ja, wenn ich es mir recht ĂŒberlege, viel zu harmlos. Man stellt sich einen Kaugummi oder eine Stretchjeans vor.
Oder man verwendet den Begriff fĂŒr eine Einteilung. Was ist gerade noch gut?
Sehr dehnbar.
Was ist ertragbar? Da passt vielleicht eher das Wort strapazierbar. Worin unterscheidet sich dehnbar und strapazierbar?
FĂŒr mich ist das im Moment die bekannte Medallie mit den zwei Seiten und mir ist es ehrlich gesagt Schnuppe, welche Seite oben liegt, es bleibt die gleiche Medallie.
Oder sehen sie das anders?
Was ist eigentlich wichtiger : Der Zustand oder der Grund?
Ist es wichtiger, dass ich arm bin oder warum ich arm bin?
Ist es wichtiger, dass ich weiß bin oder warum ich weiß bin?
Ist es ĂŒberhaupt richtig, immer zu fragen? Oder sollte manchmal die Frage unterbleiben? Das Anerkennen einer Tatsache.
Wen interessiert die Entstehung der Welt? Gibt es nichts Wichtigeres?
Ich schweife ab, immer wieder, und kehre zum zentralen Punkt zurĂŒck. Konzentriere mich. Meine Gedanken gehen auf Wanderschaft.
Streifen dies, streifen das. Schlagen einen Bogen und kehren zu ihrem Ausgangspunkt zurĂŒck.
Tick! Tick! Tick!
Sie fließt immer noch.
ZĂ€h!
Dehnbar!
Kontinuierlich!
Eigentlich ist sie ein Kunstwerk.
Klar!
Logisch!
Voraussehbar!
Man kann ja vieles durch den Willen beeinflussen. Oder durch Aktion. Ganze Völker kamen und gingen, doch sie bleibt immer. Eine Konstante. Auf ewig?
So konstant und klar ist sie eigentlich nicht. Ich erlebe es gerade, wie sie sich streckt, wie sie sich in die LĂ€nge zieht. Sich windet wie eine Schlange oder ein Fluß in der Landschaft.
Aber immerhin. Sie schenkt sich mir. Ich bekomme jetzt reichlich von ihr.
Ist reichlich das richtige Wort?
Nein. Im falschen Moment sogar im Überfluß und jetzt ist der falsche Moment. Ich muß lernen, mit diesem Überfluß umzugehen.
Ihn nutzen, bevor er sinnlos verinnt.
Versickert.
Versiegt.
Ich bin es mir schuldig, schließlich soll meine MĂŒhe doch belohnt werden.
Wird sie?
So kontinuierlich ihr Fortschreiten ist, so geheimnisvoll ist ihr Weg. Ein Blick zurĂŒck wird es zeigen. Ihr hört von mir.
SpÀter!

2. Tag : Du spĂŒrst es in jeder Faser

Du spĂŒrst es in jeder Faser. Ganz tief drin. Es schwillt auf und ab, wie eine Sinuskurve, doch die DĂ€mpfung ist gering. Kaum meßbar, nicht fĂŒhlbar.
Wie ein Feuer. Ein inneres Feuer, das deinen Willen ansengt. Wer wird gewinnen?

Ego! Der Mittelpunkt des Seins. Doch heute bist du selbst nicht der Mittelpunkt, nicht der Fixstern, nicht die Sonne. Eher die eisenhaltige SpĂ€ne. Die Anziehungskraft ist animalisch, die Verlockung groß. Es ist einfacher zu töten als Leben zu schenken. Eine bittere Erkenntnis, wenn auch nicht neu.
Der Wunsch nach dem Fallenlassen ist groß, ein Moment der Unaufmerksamkeit, dem Nachgeben des Lockrufes. Warum den inneren Schweinehund bekĂ€mpfen? Warum?

Es ist wie das ewige Kreisen. Noch eine Runde. Und noch eine Runde. Ähnlich der Schwerkraft, die fĂŒr eine stabile Bahn sorgt. Unbestechlich und nicht nachlassend. Okay, es bleibt die Hoffnung. Es muß nachlassen. Und es lĂ€ĂŸt nach. Das weiß die Erfahrung, nicht nur die eigene. Nur spĂŒrst du es nicht.
So blendet einen die Fata Morgana.
Diese Leichtigkeit. Ist es nicht schön, böse zu sein? Ein lieblicher Reiz voller Macht und IntensitÀt.

Die Kehle trocknet aus, keine FlĂŒssigkeit kann diesen speziellen Durst löschen. Ein ewiger Durst. Ein nie versiegender Durst. Wie sollte so etwas GrundsĂ€tzliches versiegen. Wie?
Ein generelles Umdenken ist nötig, da hilft alles nichts.
Die Ursache muß
bekÀmpft,
oder abgeschwÀcht ,
oder was auch immer werden.
Die reine Wirkung ist nicht das Entscheidende. Nur vordergrĂŒndig das Entscheidende. Oder tĂ€usche ich mich da?

Doch wo bleibt der Spaß? Die Befriedigung? Ist sie schaler geworden? Oder Ă€ndert sich der Geschmack noch? Wird die Schalheit zum Genuß?

Es ist ein Schmerz, der von Innen kommt. Von ganz tief. Man gewöhnt sich dran. Glaube es oder lasse es sein. Er beginnt mich zu erfreuen. Eine innere Kraft entsteht. Langsam, aber stetig.

3. Tag : Welcher Tag ist heute?

Welcher Tag ist heute?
Mittwoch?
Oder Donnerstag?
Oder Dienstag?
Oder doch Donnerstag?
Donnerstag.
Ja, das klingt richtig.

Dieses merkwĂŒrdige GefĂŒhl der Unwirklichkeit. Kennst du das? Den Druck auf den Ohren, der dir einen Eindruck von Taubheit vermittelt. Die KĂ€lte, die Finger taub werden lĂ€ĂŸt? Du kennst es nicht? Ziehe einfach die Brille von der Nase, dann verstehst du...

Es ist wie ein stĂ€ndiges Hintergrundrauschen. Und ich frage mich, wie entstöre ich mein Bewusstsein? Gibt es einen Geistgleichrichter, der dieses stĂ€ndige Abwandern von Gedanken in den Griff bekommt? Ist das ĂŒberhaupt erstrebenswert? Oder benötigt man diese Verzweigungen und Abwege? Genau wie die AbgrĂŒnde der Seele.

Es ist wie ein Bild, mal scharf mal unscharf, ein stĂ€ndiger Wechsel. Andererseits ein stetiger Fluß, ohne Auf und Ab. Der Mangel an Höhepunkten ist ein großes Problem, Dauerhaftigkeit ist angesagt.

Es sind kleine Trippelschritte. Kaum merkbar, kaum erahnbar, nur langsam schreitet es voran. Die Gefahr des RĂŒckschlages ist groß. Soviele kleine, mĂŒhsame Schritte. Sekunden, die sich zu Minuten dehnen, Minuten, die sich zu Stunden dehnen, Stunden...
Und dann...ein Fehler und alles ist vorbei. Der Scherbenhaufen vollendet.

Ein Jubelschrei!
Das erste Erfolgserlebnis ist da. Es rĂŒckt aus dem Mittepunkt des Seins. Nur kurz, aber der Fingerzeig macht Hoffnung. Es gibt noch andere Themen. Andere Wichtigkeiten.
Die Sonne. Ich geniesse sie. Dieses letzte strahlende AufbÀumen vor dem Winter. Es gibt einem Stille. Ja Stille liegt in der Luft.
In den Wellen. In den Fasern.
Oder sollte man es Ruhe nennen? Ausgeglichenheit? Nein, besser Nachdenklichkeit, das GefĂŒhl, die ultimative Erkenntnis in den HĂ€nden zu halten, doch bevor man sie packt...
Zerinnt sie wie Sand zwischen den Fingern. Korn fĂŒr Korn schaut man ihr nach, der sichtbare Beweis fĂŒr das Fließen der Zeit. Ihr Vergehen. Die Schwerkraft ist die Zukunft.
Du hebst sie auf. Kennst du das GefĂŒhl? Das GefĂŒhl des Stillstandes?
Als wĂŒrde die Zeit in einem Meer waten.
Langsamer werden.
Feststecken.
Diese innere Kraft, die unter der OberflÀche brodelt und auf ihre Eruption wartet. Dann tickt es wieder, der Druck ist weg. Auf seltsamen, nicht nachvollziehbaren KanÀlen, die Kraft sinnlos verpufft.

Und wieder frage ich mich, welcher Tag ist heute?
Mittwoch?
Oder Donnerstag?
Oder Dienstag?
Oder doch Donnerstag?
Donnerstag.
Ja, das klingt richtig.

4. Tag : Kalte RealitÀt

Grau. Hellgrau. Dunkelgrau. Grau schattiert. Doch ein blasses Licht ist am Ende des Tunnels. Wie die ersten sanften Strahlen im FrĂŒhling. Die Hoffnung erwacht. Ein zartes PflĂ€nzchen.

Heiß. Intensiv. Grell. Scharf. Feurig.
All dies trifft nicht zu.
Blass. Bleich. Dumpf. Zart. Ruhig.
Trifft es viel besser.

Ich glaube, das richtige Wort ist ErnĂŒchterung. Wir befinden uns im Wandel. Der Herbst war schon immer ein besonderer Monat fĂŒr mich. Trocken und windig. Die beginnende KĂŒhle. Die braune Vielfalt der Natur. Eine Kerze der Besinnlichkeit. Jedes Jahr. Immer das gleiche Prozedere. Ist die Zukunft doch vorhersehbar?

Ich bin in der Mitte. In mir drin. Der erste Tag an dem Ruhe von mir Besitz ergriffen hat. Klar, diese Ruhe wird immer wieder erschĂŒttert, doch im Moment bin ich mit mir im Reinen. Genieße den Moment, ohne an die nĂ€chsten Tage, nicht mal an die nĂ€chsten Minuten zu denken. Ich lebe jetzt. Ich genieße die Gegenwart. Das ist das Einzige, das zĂ€hlt. Die Liebe zur Gegenwart ist das höchste Gut, ein Umstand, den man gerne verdrĂ€ngt, gar vergisst.

Die Attacken kommen immer wieder. Immer und immer wieder.
Aus dem Hinterhalt,
ohne Vorwarnung,
von Jetzt auf Gleich.
Es ist so einfach. Einfach fallen lassen. Loslassen. Ein kleiner Schritt, der Erlösung verspricht.
Warum quÀlen?
Warum?
Der Sinn des Ganzen verflĂŒchtigt sich wie ein Regenbogen in der Sonne. Welchen Weg soll ich gehen?
Ich verstehe Eva. Die Verlockung ist einfach groß. Wusste sie, was nach dem Paradies kam? War es ĂŒberhaupt schlechter als vorher? Ist es ĂŒberhaupt das Böse?
Nein, aber ich bleibe trotzdem standhaft. Die ganze MĂŒhe, all die eingesetzte Kraft. Soll ich mich umsonst gemĂŒht haben? Die ganze Qual fĂŒr Nichts und wieder Nichts?
Ich bin sauer und zeige der Verlockung die kalte Schulter. Nein, den Mittelfinger. Das ist zwar nicht die feine Art, aber wir befinden uns im Krieg.
Quasi!
Es werden keine Verwundeten gemacht. Wenn ich SchwÀche zeige, hat der Feind gesiegt. Mich absorbiert. Bin ich dann ebenfalls das Böse? Oder Àndert sich die Definition des Guten?
Wie auch immer. Ich bleibe standhaft.

Mein Sein wird erschĂŒttert.
Einmal.
Zweimal.
Dreimal.
ErwĂ€hnte ich meine Sturheit? Sie regt sich, kommt aus meiner Tiefe und steigt mit Brachialgewalt nach oben. ErfĂŒllt mich mit jeder Faser , durchdringt mein Sein.
MIT MIR NICHT!
Aus gut wird böse. Ich fĂŒhle mich mĂ€chtig. Die Sturheit kommt wie ein Orkan ĂŒber mich, schĂŒtzt mich, macht mich hart. Ich lache der Versuchung ins Gesicht.
Ja, ich bin stÀrker. Der vierte Tag. Ich halte durch.
Aber eins könnt ihr mir glauben, Einfach fÀllt es mir nicht.

7. Tag : Vermisse ich diese Geborgenheit?

Vermisse ich diese Geborgenheit? Diese Gewohnheit? Dieses Teilsein eine Ganzen? Die Vertrautheit von Jahren? Dieses harmonisch zusammengesetzte Puzzle der SehnsĂŒchte und Hoffnungen?
Die niemals erfĂŒllt wurden. Niemals erfĂŒllt werden. Die Flucht ist vorbei.

Ich kratze mit meinem Fingernagel im Nacken. Ich spĂŒre dies. Ein ehrliches, ein reales GefĂŒhl, ungefiltert, echt, direkt.
Ich nage an meinem Daumen, dasselbe.

Dieser Moment absoluter Ruhe. Diese Gelassenheit, dieser fehlende Druck. Kein auf die Uhr sehen, kein Sehen nach dem kommenden Moment, kein Erwarten.
Erinnert an Windstille.
Du sitzt da und genießt. Die Farben kommen zur Geltung, keine Bewegung lenkt ab und stört. Stört den Zauber des Moments. Du schenkst all deine Aufmerksamkeit deinen Augen, nirgendwo tickt die Uhr, nirgendwo sitzt das schale Verlangen im Nacken und quĂ€lt dich mit unerfĂŒllter Sehnsucht.
Gelassen ruhst du in dir. Lachst ĂŒber die verkrampften Versuche, sich gegenseitig zu ĂŒberbieten, an LautstĂ€rke, an Aufmerksamkeitsgebaren.
Du lehnst dich zurĂŒck, genießt einfach die vielfĂ€ltigen EindrĂŒcke um dich herum. Ach, komme ich heute nicht, dann komme ich morgen. Wen interessiert es?

Ich kenne meine Fehler.
Akzeptiere sie. Lebe mit ihnen, ohne mich ihnen hinzugeben.
VerÀnderung ist wichtig. In Frage stellen noch mehr.
Wer sind wir, zu glauben, alles zu wissen? Wer sind wir, zu glauben, alles zu sein?

Freiheit! Ja, Freiheit!
Welch ein Gewinn, ein ganz persönlicher.
Niemand hat mich mehr in seinen Krallen. In diesem temporÀren Rhythmus, den zu durchbrechen ich geschafft habe.
Freiheit ist immer eine relative Sache, doch habe ich sie ein StĂŒck weit weiter erobert. Ein Sieg ĂŒber mich selbst und meine SchwĂ€che. Erhalten habe ich ein weiteres StĂŒck Freiheit.
Vor mir selbst. Vor anderen.
FĂŒr mich!
Wie viele AbhĂ€ngigkeiten stehen noch vor mir? Welche sollte ich lösen? Und welche sind wichtig fĂŒr mein GlĂŒcklichsein?
Freiheit!
Ich verdrÀnge die Fragen. Ich lebe hier. Ich lebe jetzt. Was interessiert mich das Werden?
Ich bin jetzt. Ich bin die Gegenwart.
Das ist das wahre Leben!

10. Tag : Dazwischen

Dazwischen
Kennen Sie dazwischen?
Kein Fisch, kein Fleisch, aus welchem Reich?

Mann ist vierzehn, das Bewusstsein fĂŒr SexualitĂ€t ist voll erwacht, aber wohin mit der angestauten Energie? Die MĂ€dchen in dem Alter wollen nicht oder interessieren sich fĂŒr Ältere. Die Ă€lteren Frauen nehmen einen nicht wahr und das Geld fĂŒr den Puff ist nicht vorhanden.

Frisch promoviert verlÀsst er die UniversitÀt, den Kopf voller Ideen, guten Mutes, randvoll mit Enthusiasmus.
Der erste Geldgeber winkt ab ob der unrealistischen Vorstellungen. Einen schönen Garn wĂŒrde er sich zusammenspinnen, solle er doch sich die Hörner abstoßen und wiederkommen. Wenn der Blick fĂŒr die RealitĂ€t ungetrĂŒbt ist, die Erfahrung der Begeisterung ebenbĂŒrtig.

Mit 33 Jahren ist man weder jung noch alt. In Innern streiten sich die Geister. Vernunft und Unvernunft, wer wird siegen? Kann ĂŒberhaupt jemand siegen? Wie soll man das trennen? Was ist schwarz ohne weiß?
Aber immer die Mitte ist weniger als Nichts. Das Mittelmaß die Essenz der Dekadenz.

Haben Sie den Weg der No Angels verfolgt. FĂŒnf junge Damen, deren TrĂ€ume eines Tages RealitĂ€t wurden. Ein öffentlichkeitswĂŒrdiges Casting, vor lauter GlĂŒck weinend, da sie es geschafft haben. Die passenden Lieder, die passende Promotion, die passende Trennung?
Oder das lang ersehnte GlĂŒck schon nach kurzer Zeit mit FĂŒĂŸen getreten?

Kennen Sie das? Das erste Training? Diese Qual, diese SchwĂ€che in den Gliedern? So geht es weiter, auch beim zweiten, beim dritten Training. Irgendwann – es dauert gar nicht so lang – ist die Kondition ein StĂŒck weit da, meistens merkt man das nur im Vergleich, ein Neuer muss her, einem die Augen öffnen.

Was ist eigentlich kĂŒnstliche Intelligenz? Ist ein Roboter, der scheinbar selbststĂ€ndig reagiert, ein quasi intelligentes Wesen. Ist der Computer, der mit einem denkbar unendlich umfangreichen Programm ausgestattet ist, zwischen Menschsein und Maschine? Wohin tendiert er? Haben Kupferionen eine Seele?

Wo fÀngt Intelligenz an? Ist es einfach die FÀhigkeit, logische Schlussfolgerungen nach einem festgelegtem Schema zu ziehen? Oder gehört dazu noch mehr?
Schreiben ist ein Handwerk, erzÀhlen auch? Kann ein guter ErzÀhler erschaffen werden wie die neueste Version eines Computerprogramms?
Ist Musik wirklich eine Kombination von Tönen, die automatisch bestimmte Prozesse im Gehirn wachruft?

Tja, wo sind den die ganzen kĂŒnstlichen Helden? Selbst in der Musikindustrie scheint die Planung zu misslingen. Anstatt sich ĂŒber fehlende KĂ€ufer zu beschweren, sollten sie sich wohl eher ĂŒber fehlendes Verkaufsmaterial beschweren.
Die Kinoindustrie sprach auch regelmĂ€ĂŸig ĂŒber Piraterie, dann kamen HP und HDR, die Industrie sonnte sich im Erfolg, zog die Preise an...und jammert jetzt wieder. Es wird halt Zeit, wieder fĂŒr vernĂŒnftige Filme zu sorgen.
HP ist ein gutes Beispiel. Die Jugend hĂ€ngt ja nur noch vor dem Fernseher, der Play Station, dem PC. Heutzutage liest kein Kind mehr. Hieß es. Was hat das jetzt mit Harry Potter zu tun?

Die Wahrheit liegt wohl immer dazwischen. Ich bin im Moment kein Raucher, aber auch noch kein Nichtraucher. Der zehnte Tag ist wie eingangs erwÀhnt, weder Fisch noch Fleisch.
Aber jammern hilft nicht. Packen wir es an!
Letzteres ist ein Plagiat. Sie mögen es mir verzeihen.

4. Monate : Zwischendrin

Kennen Sie den schalen Geschmack der verblassenden Erinnerung? Das sĂŒĂŸe GefĂŒhl, wenn der Schmerz nachlĂ€sst. Wenn die IntensitĂ€t des Leidens in unwirkliche Ferne rĂŒckt.

Einst war mein Empfinden stark, wankelmĂŒtig focht ich den Kampf im Innern. Der Faktor Zeit dehnte sich ins UnerlĂ€ssliche, einem Gummi gleich, die Spannkraft enorm genug, die Erinnerung zurĂŒckzubringen.

Der Zweifel war stark, die Versuchung fast grĂ¶ĂŸer. Doch erinnerte ich mich an alte Tugenden. Die Zeit heilt alle Wunden, so lautete einer der unzĂ€hligen Weisheiten, denen ich frĂŒher weniger Bedeutung beimaß.

Doch treffen diese „plumpen“ Weisheiten zu. Mit jedem verstrichenen Tag wurde die IntensitĂ€t geringer, die Sehnsucht ein laues LĂŒftchen.

Trotzdem!
Periodisch schwoll die Lust an, immerzu, meist, wenn man nicht damit rechnete, sich sorglos in Sicherheit wog. Letzteres wird die grĂ¶ĂŸte Gefahr sein. Und das auf lange Zeit.

Die ersten zehn Tage konnten Sie – geneigter Leser – miterleben. Die Wochen danach litt ich alleine, stumm. Aber fĂŒhlte auch dieses wahnsinnig gute GefĂŒhl der Befreiung.

Kein morgendliches Abhusten. Keine stinkenden gelben Finger. Die Auffrischung der Geschmackssinne. Eine viel bewusstere WahrnehmungsfÀhigkeit. Die Wohltat, sich selbst etwas Gutes zu tun.

NatĂŒrlich vermisse ich auch gewisse Momente. Ein GefĂŒhl der Rebellion, die vielversprechende Macht der Unvernunft. Das pulsierende Leben des blauen Dunst.

Ich verurteile das Rauchen nicht. Wozu auch?
DafĂŒr habe ich es viel zu gerne gemacht. Mich stört es auch gar nicht, wenn andere genussvoll an ihrem GlimmstĂ€ngel ziehen. Doch ich beneide sie auch nicht. Ich bin befreit von dieser Sucht die allgegenwĂ€rtig mein ganzes Sein beherrschte. Und das insgesamt fĂŒr Neunzehn Jahre meines Lebens.

Jetzt bin ich frei. Auf den heutigen Tag genau vier Monate. DrĂŒcken Sie mir die Daumen. Oder nehmen sich ein Beispiel an mir. Ganz wie Sie es wĂŒnschen!

Ein Jahr oder spÀter : Alles relativ

Was vor einem Jahr noch so wichtig war, was vor einem Jahr im Zentrum des Denken stand, es verblasste immer mehr, ist jetzt nur noch eine schale Erinnerung.
Soweit weg. So fern. So unwirklich.
Die Entsklavung ist geschafft.
Keine eisigen HĂ€nde, die eine Kippe halten. Kein morgendliches Abhusten, welches die Nachbarn aus dem Schlaf reißt. Kein Zwang, nach anderthalbstĂŒndiger Fahrt in grĂ¶ĂŸter Not den Nikotinspiegel aufzufĂŒllen. Kein hektisches Auf-die-Uhr-Schauen wĂ€hrend eines lĂ€nger dauernden Meetings.
Die GelĂŒste sind selten, bleiben zuletzt gar ganz aus.
Der Blickwinkel Àndert sich. Ein rauchender Mensch wirkt komisch, so komisch wie vorher ein Nichtrauchender.
Doch der Blick zurĂŒck ins Raucherleben geschieht nicht im Zorn. Warum?
Mich stört der Geruch nicht. Ich leide auch nicht, habe daher keinen Frust, den viele ehemaligen Raucher befÀllt.
Ich erkenne, wie schon immer gewusst, Rauchen hat Pro und Kontra. Ich habe mich fĂŒr das Kontra entschieden. Ich weiß, eine einzige Zigarette ist die RĂŒckkehr zum Pro.
Doch es zÀhlt nur der Augenblick. Ich bin jetzt.
Endlich Nichtraucher!

__________________
Der ErnstFall Michael Schmidt

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Kasoma
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Hallo Michael,

Wem sagst Du das?
Mit 33 Jahren ist man weder jung noch alt. In Innern streiten sich die Geister. Vernunft und Unvernunft, wer wird siegen? Kann ĂŒberhaupt jemand siegen? Wie soll man das trennen? Was ist schwarz ohne weiß?
Diese Zeilen sind mir aus dem Herzen gesprochen. Ich kenne diese GefĂŒhle nur zu gut und ich weiß auch, wie es sich anfĂŒhlt, einen Tag, eine Woche, einen Monat, ein halbes Jahr nicht zu rauchen...aber leider weiß ich nicht, wie es ist, wenn man ein ganzes Jahr nicht raucht! Ich kĂ€mpfe noch mit mir...

Dieser Eintrag hat mir gefallen, war unterhaltsam zu lesen und hat die Thematik gut verarbeitet, Kompliment und lieber Gruß von Kasoma

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Michael Schmidt
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Hallo Kasoma,

danke fĂŒr die aufmunternden Worte.
Ja, es ist irre schwer, mit dem Rauchen aufzuhören. Aber leider ist es auch irre einfach, wieder damit anzufangen. Daher kann man sich fragen, ob im Resultat das Durchhalten nicht schwieriger ist, obwohl das subjektive Empfinden die Gewichtung anders legt.

Bis bald,
Michael

P.S. : DrĂŒcke dir die Daumen, dass du beim nĂ€chsten Versuch einen nachhaltigeren Erfolg hast! Und bis dahin : Genieße den Qualm. Und das meine ich ganz ehrlich.
__________________
Der ErnstFall Michael Schmidt

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AndreasGaertner
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Hallo Michael

Ich habe auch vor kurzem, aufgrund eines Satzes von Spinoza versucht, das Rauchen zu stecken ... Die Zeit fließt von Zigarette zu Zigarette, ohne Zigaretten scheint sie dann gar nicht mehr zu fließen ...

Ich dachte, lieber Raucher, als Stillverharrender und fing wieder an.

Ein Freund, der das Rauchen erfolgreich gesteckt hatte, empfahl mir, den Wunsch nach einer Zigarette einfach, wie ein Fluglotse durchzuwinken. Das hat bei mir auch nicht geholfen, da der gleiche Wunsch hundertfach in einer Warteschleife ĂŒber meinem Suchtzentrum kreiste. Das hĂ€tte bei mir ein einziges Herumgefuchtel mit den geistigen Kellen gegeben. Mein anderes Extrem.

Die Tatsache, daß die mentale Sucht noch lange nach dem körperlichen Entzug nachklingt, nimmt mir obendrein den Mut.

Der Raucher muss es sich wahrscheinlich ganz fest wĂŒnschen, das Rauchen aufzugeben, vielleicht klappts ja auch bei mir mal ...


Ich finde dein Tagebuch eines werdenden Nichtrauchers gut, weil nachfĂŒhlbar geschrieben.

Viele GrĂŒsse
Andreas

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