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Leselupe.de > Kurzprosa
Tagesplanung
Eingestellt am 02. 04. 2006 10:08


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Sanddorn
AutorenanwÀrter
Registriert: Jun 2004

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Mein Leben ist so scheiß langweilig, da bin ich heute Morgen aufgewacht und dachte: „Heute bringst jemanden um.“

In Hemd und Anzug bin ich schnell geschlĂŒpft, Mutti bindet mir die Krawatte.
„Viel Spaß wĂŒnsch ich dir.“ Sie winkt.
Ich lÀchle. Das wird ein guter Tag.
Den Mercedes parke ich vor dem Supermarkt. Geldbeutel und Handy werden im Handschuhfach verstaut. TĂŒr zu, abschließen und mit der Menschenmenge hineinströmen.
Zielstrebig steure ich auf die Babynahrungsabteilung zu. Der Gang ist leer. Ich lehne mich ans Klaus Hipp Regal und warte.

Aha. Frau biegt ein. Mit wĂ€ssrigen Augen mustere ich jede ihrer Bewegungen, jeden ihrer ZĂŒge. Die nach oben gezogenen Nasenlöcher zeugen von Einkaufserfahrung. Langsam schlurft sie den Gang entlang. Jedes Glas, jedes Pulver mit der gleichen Aufmerksamkeit musternd. Ich sehe sie.
Anzeichen von Schlafmangel unter den Augen. Das T-shirt spannt ĂŒber den flachen Bauch, die prallen BrĂŒste. Dass sie frĂŒher fĂŒnf Kilo weniger fassen musste, zeigt die weiße Hose deutlich. Kleine Pickel ĂŒberziehen die fast durchsichtige Haut ihres Halses. Die kleine Kuhle zwischen Brust und Hals leuchtet rosa nachdem die kratzenden Finger von ihr ablassen. Ihre Brust hebt und senkt sich, hebt und senkt sich. Ich sehe sie.
Windeln und Wodka im Einkaufswagen, dessen Griff ihre Finger mit einer solchen Kraft umgreifen, dass die Knöchel weiß hervortreten.
Mit zwei Fingern zieht sie den offenbar zwickenden SchlĂŒpfer aus den voluminösen Rundungen. Auch sie scheint zielstrebig das zu tun, was getan werden muss.
Beim Babybrei mit Karotte und Kartoffel bleiben ihre Augen lĂ€nger hĂ€ngen. Das ist mein Moment. Ich nĂ€here mich ihr genauso langsam, wie sie sich mir nĂ€hert. Kurz bevor ich ihre Höhe erreiche drehe ich mich um und betrachte, ganz Familienvater, die BabybreiglĂ€ser auf ihrer Regalseite. Bedacht lasse ich ihr einen Durchgang. Ihr Kopf nur fĂŒnf Zentimeter vor mir. Meine NasenflĂŒgel weiten sich. Chanel No. 5 vermischt mit dem sĂ€uerlichen Geruch von frischgetrocknetem Erbrochenen. Meine Zunge verlĂ€sst die warme Mundhöle, schlĂ€ngelt sich zielstrebig in Richtung...
Plötzlich dreht sie sich um. Wache Rehaugen im Moment des Erkennens. Ich lÀchle. Das wird ein guter Tag.

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Sonnenblume
AutorenanwÀrter
Registriert: Mar 2006

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Hallo Sanddorn !

Erst einmal muß ich mich bei Dir entschuldigen, ich wollte Dir eine 6 in der Bewertung geben, aber ich habe wohl einmal zu viel geklickt. Tut mir leid, ich bin noch nicht so lange bei der Leselupe.

Nun aber zu Deinem Werk: Ich finde es durchaus gelungen. Gekonnt hĂ€lst Du bis zum Schluss die Spannung. Es liest sich sehr flĂŒssig, an einigen Stellen mußte ich schmunzeln. Das Ende hat mich ein bißchen enttĂ€uscht, aber das ist Geschmacksache. Den Titel wĂŒrde ich Ă€ndern, finde ich nicht so passend.

Ansonsten, weiter so !
Sonnenblume

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Sanddorn
AutorenanwÀrter
Registriert: Jun 2004

Werke: 10
Kommentare: 31
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Liebe Sonnenblume,

Herzlichen Dank fĂŒr deinen Kommentar! Dass du mir aus Versehen keine sechs gegeben hast, ist sicher nicht so tragisch. Ich glaube, man kann Texte sogar zweimal bewerten.

Danke auch fĂŒr das Lob! Ja, ja, der Titel.... Ich muss gestehen: Mit Titeln hab ich's nicht so. Jedesmal ist's mir ein GrĂ€ul, einen finden zu mĂŒssen. Vielleicht hast du ja einen Vorschlag?

Einen schönen Abend wĂŒnscht dir,

Sanddorn

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