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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Tagtraum
Eingestellt am 15. 03. 2004 14:58


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kira sakuya
Hobbydichter
Registriert: Aug 2001

Werke: 2
Kommentare: 33
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Schon seit Wochen ist sie die unumstrittene Herrscherin des Tages. Sie drĂŒckt mich erbarmungslos zu Boden, sie lĂ€hmt meinen Körper und meine Sinne wie ein schleichendes Gift. LĂ€ngst hat sie meinen Willen geraubt, Handeln und Denken unmöglich gemacht. Jeder Widerstand ist zwecklos, ihre Macht kennt keine Grenzen – sengende, unertrĂ€gliche Hitze.
Ich liege jetzt bereits einige Stunden im wenig lindernden Schatten der Veranda, ihrer WillkĂŒr hilflos ausgeliefert. Laut hallt der pochende Schlag meines Herzens zwischen meinen im Schall erzitternden SchlĂ€fen wider, die jeden Moment zu bersten scheinen, doch alles, was ich tun kann, ist warten. Warten auf die erlösende KĂŒhle der Nacht.
Plötzlich klatscht ein Wassertropfen auf meine heiße Stirn. Er trifft mich wie ein eiskalter Blitz. Schlagartig schrecke ich aus dem DĂ€mmerzustand hoch, reiße meine Augen auf und bin wieder hellwach. Sofort zerreißen die verworrenen Ketten aus dunstigem Nebel, die meinen Verstand fesselten, und geben meine Welt wieder frei.
Deutlich spĂŒre ich eine angenehm sanfte Brise auf meiner nun leicht benetzten Stirn, sie bricht das Siegel, dass die Hitze auf meine Sinne legte, mit einem LĂ€cheln, wischt es einfach so weg. Eine Weile sitze ich einfach nur da, den RĂŒcken an die von der Sonne erwĂ€rmte Bretterwand gelehnt, und recke meinen Kopf genießerisch in den erfrischenden Windhauch. Kein Laut durchbricht die wohltuende Stille, die mich noch wie einen Schutzschild einhĂŒllt.
Aber lange ist mir die entspannende Ruhe nicht vergönnt, eine seltsame Unruhe erfasst mich. Ich springe auf und laufe los. Der kĂŒhle Sand federt weich unter meinen Fußsohlen, raue StrĂ€ucher am Wegesrand zerren an meinen Beinen. Doch ich laufe schneller und schneller, wie magisch angezogen von einem unbekannten Ort in der Ferne.
Mittlerweile wird die Stille abgelöst von vereinzelten Vogelschreien und dem stetig anschwellenden Rauschen des Meeres. Mein Weg macht eine abrupte Biegung, schlÀngelt sich den Deich hinauf und verliert sich in den Weiten des Strandes.
Eine salzige Windbö erfasst mich sofort, zupft spielerisch an meinem Kleid und dringt tief in meine Lungen vor. Wie betĂ€ubt stehe ich auf der Kuppe des Deiches, gefangen von der perfekten Harmonie der Elemente an diesem Ort: Das blaugraue Wasser des Ozeans, aufgepeitscht vom stĂŒrmischen Atem des Windes, rollend ĂŒber die feinsten Körnchen der Erde, erleuchtet vom glutroten Feuerball am Himmel.
Lange stehe ich so da und atme mit dem Wind, woge mit den Wellen, werde eins mit der Welt, die mich umgibt.
Auf einmal schleichen sich fremde KlÀnge in mein Bewusstsein: Ein leises Trommeln. Rhythmisch. Dumpf. Neugierig wende ich den Blick, und einige Meter entfernt entdecke ich tatsÀchlich einen flachen Holzbau, erleuchtet von flackerndem Licht.
Wieder ergreift mich die Unruhe, meine Beine tragen mich wie von selbst hinunter zum Strand und weiter in Richtung der HĂŒtte..
Hoch wirbelt das Wasser der Brandung um mich auf, der Wind beflĂŒgelt meine Schritte, immer weiter und schneller werden sie, entziehen sich meiner Kontrolle und vertrauen sich der FĂŒhrung der TrommelschlĂ€ge an. Meine Augen sind starr auf mein Ziel gerichtet, die restliche Umgebung verschwimmt zu vagen Schemen.
Jetzt kann ich eine kleine Bar erkennen, Fackeln an langen HolzstÀben stecken vor dem Eingang im feuchten Sand.
Atemlos laufe ich eine schmale Holztreppe hinauf, schiebe einen Bambusvorhang zur Seite und bin da.
UnzĂ€hlige EindrĂŒcke stĂŒrzen auf mich ein. Lachend und schwatzend drĂ€ngen sich viele Menschen um die kleine Bar in der Mitte des Raumes, der nur vom schmeichelnden Schein an der Wand befestigter Fackeln beleuchtet wird. Durch das gedĂ€mpfte Licht kann ich die Farbenpracht der Wandbemalung nur erahnen, fasziniert bleibt mein Blick an den kaleidoskopartigen Formen und Mustern hĂ€ngen. Eine zierliche, sonnengebrĂ€unte Kellnerin mit schwarzem, glatten Haar und einem strahlenden LĂ€cheln ĂŒberreicht mir einen Cocktail zur BegrĂŒĂŸung.
Eiskalt ist das Glas, ein leichtes Prickeln bemÀchtigt sich sofort meiner Fingerkuppen. Mechanisch hebe ich das GetrÀnk und nehme einen kleinen Schluck, wÀhrend meine Augen immer noch mit der neuen Umgebung beschÀftigt sind.
Wie Feuer rinnt die sĂŒĂŸe FlĂŒssigkeit meine Kehle hinunter und betĂ€ubt meine Sinne einen Augenblick, um sie kurz darauf mit doppelter IntensitĂ€t wieder zu entfachen. Sofort erfasst mich die wilde Musik, das Lachen, das Trommeln. Der Duft von Kokos und exotischen FrĂŒchten lĂ€sst mich begierig einen weiteren Schluck des Cocktails nehmen.
Langsam gehe ich weiter in den Raum hinein, vorbei an filigranen Springbrunnen, kleinen Nischen mit Tischen und ĂŒppigen Töpfen mit betörend duftenden BlĂŒten. Hinter der Bar befindet sich eine freie FlĂ€che, dicht gedrĂ€ngt tanzen die Besucher zur Musik.
Plötzlich öffnet sich eine LĂŒcke, eine TĂ€nzerin löst sich aus der Menge heraus. Mit geschlossenen Augen wiegt sie sich zu den KlĂ€ngen, den Rhythmus ihrer Schritte genau auf die Trommeln abgestimmt. Langsam hebt sie ihre Arme, wĂ€hrend die KlĂ€nge lauter und lauter werden... Ein letzter Trommelschlag, eine kurze Pause – sie öffnet ihre Augen und sieht mich unverwandt an. Dann wirbelt sie mit der wieder einsetzenden Musik herum und ergreift meine Hand, zieht mich hinein in ihren Rausch aus Rhythmus und Klang. Immer schneller und schneller dreht sie sich, weit bauschen sich ihre Röcke, hoch fliegen ihre langen Haare.
Die Umgebung beginnt zu verschwimmen....
Klatsch! Ein dicker Wassertropfen fÀllt auf meine Nase. Schwarze Gewitterwolken stehen am Himmel, wie ein Schlag trifft mich die angestaute Hitze. Die RealitÀt hat mich wieder eingeholt.



um kritik aller art wird dringend gebeten!

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