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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Tagweis gewendet
Eingestellt am 11. 05. 2009 20:35


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Walther
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Tagweis gewendet


Es kommen manche Tage irgendwie hinterhÀltig daher. HÀlenga, nennt der Schwabe das. Sie schleichen sich ins Blickfeld und wollen sich erst aus dem Grau des Normalen nicht lösen. Irgendwie erscheint ein solcher Tag wie festgeklebt auf seinem Hintergrund.

Sonst gehen die ĂŒblichen Tage ein in die alltĂ€gliche Erinnerungslosigkeit. In der stetigen Wiederholung gleichen Tuns hĂ€ufeln sie sich zu Stapeln aus Vergeblichkeiten auf, deren Betrachtung nur ein GĂ€hnen auslöst. Repetition ist nur ein anderer Begriff fĂŒr Langeweile. Das Gute am Leben ist, dass die Zeit in seiner Dauer immer schneller stĂŒrzt und damit selbst aus der Langeweile eine gewisse Kurzweiligkeit erwĂ€chst.

Diese anderen Tage erhalten in ihrem Lauf plötzlich einen Drall, wie wenn eine unsichtbare Peitsche einen Kreisel aufwirbelt. Aus dem Nichts dreht sich der Wind, ein kalter Schicksalshauch in Form eines Anrufs, eines Emails: Plötzlich steht die Welt kopf.

Nur ein Wort genĂŒgt. Und nichts ist mehr, wie es gerade noch schien. Die graue EbenmĂ€ĂŸigkeit erhĂ€lt einen abrupten St.r.ich ins Schwarze. Das LebensgebĂ€ude zeigt augenblicklich einen klaffenden Riss, der es zum Einsturz bringen kann, die taube GefĂŒhllosigkeit gipfelt jĂ€h in einem Schmerzhöhepunkt.

Danach ist alles anders. EndgĂŒltig. Ein ZurĂŒck ist ausgeschlossen. Die Richtung der Zeit ist klar.

Ab jetzt muss erst ein neues Grau, eine flache EbenmĂ€ĂŸigkeit, aus dem momentanen Elend wieder eine neue, ertrĂ€glichere Vergeblichkeit sich herausbilden. Das ist wie bei Nachbeben ein durchaus schmerzhafter, angstvoller, meist lĂ€ngerer Prozess. Nichts ist sicher, nur eines: Auch diese Pendelbewegung tendiert zu einer irgendwie gearteten Mitte, welcher auch immer. Kein Ausschlag ist von langer Dauer. Grau ist alle Entropie.

Doch die Ruhe ist trĂŒgerisch und bleibt das auch: Bis der nĂ€chste Peitschenschlag den Kreisel wieder springen lĂ€sst, Speed gibt und einen neuen Spin, vielleicht in die andere Richtung, in die des unglaublichen, auf die Dauer nicht auszuhaltenden GlĂŒcks.

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Version vom 11. 05. 2009 20:35
Version vom 11. 05. 2009 20:53

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revilo
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Hallo Walther,
am besten gefÀllt mir der St.r.ich. Damit ist alles gesagt.
LG revilo

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