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Leselupe.de > Anonymus
Tak-tak-tak
Eingestellt am 27. 09. 2006 16:21


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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Werner stellt sich vor seine Mutter. „Mama“, sagt er und blinzelt unschuldig, „wir wollen morgen mal nach L.“
Die Mama, die kleine Dickmadame, presst die Lippen zusammen, schnauft. Mit sirenenhaft hoher, kurz vorm Überschlag schrillender Stimme verlangt sie ErklĂ€rung: warum, wieso.
Werner, lĂ€chelnd wie die Jungfrau Maria: „Wir brauchen doch neue Spikes, fĂŒr Leichtathletik. Sind bald Kreismeisterschaften. Wollen mal in die BlechbĂŒchse, in die Spowa. Hammer vielleicht GlĂŒck.“
„Spowa?“
„Na“, erklĂ€rt Werner, „du weißt doch: die Sportwarenabteilung.“
Die Mama nickt misstrauisch. Schielt zu mir. Denkt angestrengt nach. Löst die Hacken vom Boden, wippt auf den Zehenspitzen. Gleich hebt sie ab. Ein Luftballon beim Start! Ich sehe sie schon davonfliegen mit ihrer ausgewaschenen, blaugeblĂŒmten KĂŒchenschĂŒrze. In mir wĂ€chst ein Lachkrampf. DrĂŒckt gegen das Zwerchfell. Die Luft wird knapp.
Werner geht es nicht anders. Aber da mĂŒssen wir durch. Wollen ja schließlich bisschen Fahrgeld abstauben. Wir beißen die ZĂ€hne zusammen.
Der blöde Dackel der Familie rennt herein, stellt sich auf die Hinterbeine, legt die Vorderpfoten auf mein Knie. Schubbert gegen mein Schienbein. Ich weiß mit Hunden nicht viel anzufangen. Dumme Sau, denke ich. Hau ab. Ich lĂ€chle freundlich. Kraule dem Mistvieh scheinheilig den Hals.
Der Ballon startet nicht. Er fĂ€llt in GĂ€nze zurĂŒck auf den Teppich, rollt los. Auf den Dackel zu. Die Mama gibt ihm einen Tritt. „Altes Aas!“, schreit sie. „Raus!“
Aufjaulend, beleidigt mit dem Schwanz wedelnd, verzieht sich das Tier. Idiot, denke ich und starre verlegen auf den nassen Fleck an meiner Hose Wieso habe ich das nicht eher gemerkt. Na warte. Irgendwann zahle ich dem Vieh das heim.
Die Mama verschwindet in die KĂŒche, zieht die TĂŒr hinter sich zu. Werner grinst mich siegessicher an. „Vom Bahnhof ist es nicht weit bis zur Ritze!“, flĂŒstert er mir in verschwörerischem Ton zu. Ich nicke. Melde meine Bedenken an, ob man uns da ĂŒberhaupt reinließe. „Probieren!“, flĂŒstert Werner. „Otto war auch schon drinne, und der sieht aus wie vierzehn und n Keks...“ Meine Bedenken, ob denn die „Ritze“ auch schon am frĂŒhen Nachmittag offen sei, winkt er nur mĂŒde ab.
Die TĂŒr geht auf. Wir werden blass, dann bleich. Die Mama starrt uns entgeistert an. „In die Ritze...“, presst sie hervor, dreht sich um, wankt zurĂŒck in die KĂŒche. Werner tippt sich an die Stirn. „Scheiße, sie hat mitgehört. Nu hammern Problem.“
Irgendwas macht Tak-tak-tak. Irgendwas stimmt da nicht. Wir sehen uns fragend an, stehen auf, schauen leicht bedeppert in den winzigen Durchgangsraum. Sitzt doch die Mama am Tisch, starrt mit aufgerissenen Augen ins Nichts, haut mit einem Knie gegen das Tischbein. Tak-tak-tak.
„Mama“, fleht mein Kumpel. „Du hast dich verhört.“ Er liebt sie wohl doch. Mehr, als er zugibt, das Muttersöhnchen, das Einzelkind. Mir ist unheimlich. Was, wenn die Mama fĂŒr alle Zeit gegen das Tischbein tackert...
„Mama, komm zurĂŒck!“ Keine Reaktion. Tak-tak-tak. Die ganze Frau macht jetzt Tak-tak-tak. Werner rĂŒttelt sie an den Schultern. Tak-tak-tak.
Mir wird schlecht. Die Alte ist durchgedreht, denke ich. Abgehoben hattse, völlig abgehoben. Bestimmt kriege ich wieder die Schuld. Wenn der Vater von meinem Kumpel nach Hause kommt und die Bescherung sieht...
Eine Jawa krawallt auf den Hof. Ich halte den Atem an. Mir bleibt das Herz stehen. Ich zucke mit den Schultern, taumle rĂŒckwĂ€rts Richtung Flur. GewĂ€rtig, im nĂ€chsten Moment mit Werners Vater zusammenzustoßen. Einfach umdrehen, das geht auch nicht. Die Mama wĂŒrde landen, ich weiß das genau...
Ich stoße mit dem RĂŒcken gegen die Garderobe. Eine Vase fĂ€llt runter, meine FĂŒĂŸe werden nass. Jetzt drehe ich mich doch um und renne aus der Wohnung auf den Hof.
Der Alte fummelt noch an seiner zerschrammten 350-er rum. Er guckt mich schrÀg von unten her an. Trotz der TrabilÀnge Abstand rieche ich seine Wodka-Fahne.
„Tach“, nuschle ich bemĂŒht freundlich und harmlos. Mir zittern die Knie. Ich weiß, der Alte hat einen schweren Riemen im Stall, da, wo er immer seine Flaschen versteckt. Mein Kumpel kennt den gut, der Arme.
Nicht zu langsam und nicht zu schnell laufe ich an dem Mann vorbei. Die TrabilĂ€nge verdoppelt sich, verdreifacht sich. Ich fange wieder an zu atmen. Mein Herz puckert wie wild. Hinter mir bellt es. Die blöde Töle verfolgt mich. Sie hat wohl Lunte gerochen. Mistvieh, verdammtes. Ich biege um die Hausecke, drehe mich um, gehe auf den Hund zu. Starre ihn hasserfĂŒllt an. Er duckt sich. Ich warte einen Moment. Trete ihm mit aller Kraft in die Seite. Er ist so ĂŒberrascht, dass er sein Gebell fĂŒr einen Moment vergisst. Dann fletscht er die ZĂ€hne, setzt zum Sprung an, beginnt zu winseln und – hinkt davon. „Na warte, du Gammler!“, schreit jemand von der Hausecke her. Der Alte von meinem Kumpel. Er fuchtelt mit den HĂ€nden, zornrot im Gesicht. Er hat alles gesehen. Aber noch nicht die ganze Bescherung entdeckt. Ich drehe mich um und fange an zu rennen. Meine Sohlen knallen auf den Asphalt: Tak-tak-tak.

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Ully
???
Registriert: Jan 2006

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Pfui!

Einen kleinen Dackel mit dem Fuß zu tracktieren ist verachtenswert.
Außerdem, ein getretener Hund wedelt ganz bestimmt nicht mit dem Schwanz. Sondern er zieht ihn Ă€ngstlich ein.
Wer whrlose Tiere mißhandelt schlĂ€gt auch schnell auf einen Menschen ein.

Warum wohl steht dein Text hier unter Anonym?

__________________

© by Ulla Magonz

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Gandl

AutorenanwÀrter

Registriert: Jul 2003

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Suuuper,
ne 1 weckt bei mir nen spontanwilden Widerspruchsreflex.

@ Ully: weißte nicht, dass manch Geschlagene lustvollst mitm Schwanz wedeln?

@ anonymus: denk dir mal ne hĂŒbsche 8 von mir. Hat Spaß gemacht, son respektloses Zeuch zu lesen. Ich glaub, du musst dich warm anziehen ... Ich gestehe mutigtrotzig an dieser Stelle, dass auch ich ein bekennender Hundehasser bin. Ich fĂŒhre auch alte Leute nicht ĂŒber die Straße. Und bin nicht nett zu Kindern. Putzigböse Szene, die du geschrieben hast.

LG
Gandl

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bonanza
Guest
Registriert: Not Yet

na ja, bevor ich mich totlangweilte, war dann schluß.
ein hinterhoftextlein mit ein bißchen milieustudie.
handlung null. erzÀhlton an der grenze zur manieriertheit/
imitation.

bon.


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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Einen kleinen Dackel mit dem Fuß zu tracktieren ist verachtenswert.

@Ully: Tracktieren ist eine vertrakte Sache, da haste Recht.

@Gandl: Ja, danke fĂŒr den Zuspruch. Ist n Experiment - vom Stil her. Beruht sonst auf Tatsachen. Hundehasser bin ich nicht. Allerdings habe ich auch keinen. Ich habe einen Esel. Passt besser zu mir...

@Bon: Mir fĂ€llt auf, dass du den "Unterhaltungswert" von Lit. als zentrale GrĂ¶ĂŸe fĂŒr QualitĂ€t, Bedeutung un son Zeuch siehst. Damit kann ich leider nicht dienen. Meine Texte sind grundsĂ€tzlich ununterhaltsam - auf den ersten Leseblick.

LG

A.

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Melusine
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo A.,
klingt ein bisschen nach Salinger-Verschnitt. Die respektlosen Gedanken eines Teenies finde ich ganz gut getroffen, die Handlung ist meines Erachtens bullshit, sorry.
* Wie kann die Mutter die geflĂŒsterte Unterhaltung der Jungen durch die geschlossene TĂŒr mithören?
* Wenn sie den Jugendslang nicht versteht (wie du mit dem kleinen, etwas ungeschickt wirkenden Dialog ĂŒber die "Spowa" andeutest) - wieso versteht sie dann, was mit "Ritze" gemeint ist?
* Wieso denken die Jungs, sie könnten mit dem bisschen Fahrgeld, das sie aus der Mama evtl. rausholen können, in den Puff gehen? So naiv können sie doch gar nicht sein.
* Ully hat Recht: getretene Hunde wedeln nicht mit dem Schwanz. Hunde legen auch nicht ihre Pfoten auf die Knie von Hundehassern, sie spĂŒren das nĂ€mlich - die sind nicht so doof wie Menschen. Das Verhalten des Hundes, wie du es am Schluss beschreibst, ist vollends unrealistisch. Außerdem mĂŒsste ein Dackel, der "zum Sprung ansetzt", schon ein anatomisches Wunder sein *gg*.


@ Ully: Wie kommst du darauf, diese Szene könnte autobiografisch sein? Dazu klingt sie bei weitem nicht authentisch genug.


Mel

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