Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m√ľssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92211
Momentan online:
71 Gäste und 2 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Tante Hildes Papagei
Eingestellt am 08. 08. 2001 17:48


Autor
Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.
Monika M.
Hobbydichter
Registriert: Jun 2001

Werke: 28
Kommentare: 13
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Tante Hildes Papagei


Jahrelang lebte ich alleine in meiner kleinen Mansardenwohnung und nie hatte ich das Gef√ľhl, dass mir etwas fehlte, schon gar nicht ein Haustier. Doch als dann pl√∂tzlich meine Tante Hilde starb, wurde ich an ein Versprechen erinnert, welches ich vor vielen Jahren gegeben hatte. Mit einem Mal war ich Besitzer eines Papageis!
Lore hie√ü der Vogel, den ich bis dahin nur einige Mal bei meinen seltenen Besuchen gesehen hatte. Mein ganzes Wissen √ľber seine Haltung beschr√§nke sich zu diesem Zeitpunkt darauf, dass man ihr besser nicht zu nahe kam, wenn man alle seine Finger noch heil und gesund brauchte. Doch ich hatte Tante Hilde nun einmal versprochen f√ľr den Vogel zu sorgen, wenn sie nicht mehr da sein sollte, und solche Versprechen muss man halten.
Am ersten Tag verhielt Lore sich noch ausgesprochen ruhig. Sie saß verloren auf ihrer Stange, beachtete ihr Futter nicht und gab nur manchmal ein heiseres Seufzen von sich. Insgeheim war ich erleichtert, doch meine Illusion von einem ruhigen Zusammenleben währte nur diesen einen Tag lang.
Schon am n√§chsten Morgen begriff ich, dass nun Lore die F√ľhrung in meinem Haushalt √ľbernommen hatte. Sobald der Morgen graute wurde ich von ihrem ohrenbet√§ubenden Gekreische geweckt. Die ersten Wochen glaubte ich noch, ihr das abgew√∂hnen zu k√∂nnen. Ich zog alle Vorh√§nge zu, hing ein dunkles Tuch √ľber ihren K√§fig, ja ich stellte sogar die Uhren in ihrer N√§he zur√ľck. Doch all das half nichts!
Sie beruhigte sich erst, wenn ich noch halb im Schlaf und vom Schreck betäubt ins Zimmer taumelte. Dann wurde sie ruhig und amte das sanfte Gurren einer Taube nach.
Überhaupt war Lore ein Genie im Nachahmen von Geräuschen. Einmal, als ich ihr eine Standpauke halten wollte, wurde ich laufend vom Klingeln des Telefons gestört. Erst beim vierten Mal, immer wieder klang mir das Freizeichen in den Ohren, begriff ich, wer der Anrufer wirklich war.
Es bereitete Lore keinerlei M√ľhe das Telefon t√§uschend √§hnlich nachzuahmen, auch Hundegebell und das Ger√§usch eines Staubsaugers geh√∂rten zu ihrem vielseitigen Repertoire.
Bald hatte Lore mich soweit, dass ich sie √ľberall in der Wohnung mitnahm. Sie sa√ü morgens auf meiner Stuhllehne und schaute mir beim Fr√ľhst√ľcken zu. Wenn ich kochte, wollte sie in der K√ľche sein, und auch Fernsehen schien ihr Spa√ü zu bereiten. Verga√ü ich sie einmal, erinnerte mich ihr durchdringendes Geschrei schnell an meine Pflichten.
Kam ich abends nach Hause, erwartete sie mich schon.. Sie schlug mit den Fl√ľgeln und rannte auf ihrer Stange entlang. Erst, wenn ich sie begr√ľ√üt hatte und sie auf meiner Schulter sitzen durfte, beruhigte sie sich und begann an meinem Ohr herum zu knabbern.
So gewöhnte ich mich allmählich an Lores Gegenwart. Allerdings vermieden es bald die meisten meiner Freude mich in meiner Wohnung zu besuchen. Seit Lore sie mit leeren Erdnussschalen beworfen und bewiesen hatte, dass sie außer etlichen Geräuschen auch ein beachtliches Maß an Schimpfwörtern beherrschte, sahen sie mich etwas seltsam an.
Darum f√§llt es sicher nicht schwer zu verstehen, warum ich all meine √úberredungsk√ľnste brauchte, um eine Freundin dazu zu bewegen ein paar Tage auf Lore aufzupassen. Ich musste aus beruflichen Gr√ľnden verreisen und dies schien mir die beste L√∂sung. Marina war eine echte Tierfreundin, und so fuhr ich, nach etlichen gutgemeinten Ratschl√§gen, mit ruhigem Gewissen fort.
Es war geradezu paradiesisch. Ich erwachte morgens von dem sanften L√§uten eines unaufdringlichen Weckers, konnte in aller Ruhe und ohne St√∂rungen fr√ľhst√ľcken, niemand biss oder kr√§chzte mir ins Ohr. Und doch ‚Äď mir fehlte irgendetwas!
Ich war regelrecht erleichtert, als das Seminar zu Ende ging, und ich nach Hause fahren konnte. Meine Freundin dr√ľckte mir nur wortlos meine Wohnungsschl√ľssel in die Hand. Ich sah noch die Pflaster auf ihrer Nase und um ihre Finger, dann rauschte sie auch schon davon.
Das alles ist nun schon drei Jahre her. Ich weiß längst, was ich damals vermisste, und es erstaunt mich gar nicht mehr, dass Lore sich so schnell in mein Herz geschlichen hat.
Inzwischen habe ich mich daran gew√∂hnt den Tag fr√ľh zu beginnen. Manchmal klingt Lores Geschrei fast schon melodisch. Ich glaube nicht, dass Tante Hilde jemals geahnt hat, wie innig die Freundschaft zwischen ihrem Papagei und mir werden w√ľrde, doch sie w√§re wohl sicher sehr froh dar√ľber. Da bin ich mir sicher.



__________________
Der erste Schritt seinen Traum zu verwirklichen ist - aufzuwachen...

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Marc Mx
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2000

Werke: 3
Kommentare: 66
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Also... √§hm... es hat mir durchaus Spa√ü gemacht, diese Geschichte zu lesen... Es sind da viele Details, die leicht und locker gut r√ľber kommen und ab und zu ist da eine Prise Humor... das ist okay...

NUR: Es fehlt der Spannungsbogen!

Vielleicht k√∂nntest Du damit anfangen, da√ü die Protagonistin ein schreckliches Erbe antreten mu√ü und bis kurz vorm Ende dauernd dar√ľber nachdenkt, wie sie diesen "Vogel" wieder los werden kann.

Wenn der Leser dann denkt, "Hey, was hast du denn? Der "Vogel" ist doch s√ľ√ü..." - wird er bis zum Ende bei der Stange gehalten! (Ich habe "ihn" n√§mlich liebgewonnen!)

Gruß
MarcPlanet.de

Bearbeiten/Löschen    


Fredy Daxboeck
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2001

Werke: 82
Kommentare: 229
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Fredy Daxboeck eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

*denkt tantchen hat genau gewußt, wem sie ihren papagei anvertrauen konnte . . .

hallo liebe monika

die story ist nett zu lesen . . . aber marc hat recht. es fehlt der spannungsbogen. sie ist zu sehr aufgez√§hlt. vielleicht k√§me es besser r√ľber, wenn du mit deinen freunden beim kaffee sitzt und ihnen erz√§hlst wie du zu lore gekommen bist, ein kleiner telefonanruf zwischendurch, ein paar kleine unartige w√∂rter und vielleicht ein angriff von lore und das entsetzen der freunde. ab hier kannst du auf das ausbleiben deiner freunde zur√ľckkommen und den abschnitt mit dem seminar erz√§hlen

viele liebe gr√ľ√üe

fredy
__________________
du erzählst sehr schön, aber die story klingt besser wenn du einen schritt danebentrittst und mit etwas abstand erzählst . . .

Bearbeiten/Löschen    


Monika M.
Hobbydichter
Registriert: Jun 2001

Werke: 28
Kommentare: 13
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Hallo Fredy, Hallo Marc,

danke f√ľr Eure Kritik. Ich habe im privaten Umkreis leider niemand, der meine Geschichten "vorab" lesen kann oder will. Daf√ľr bin ich f√ľr jeden Hinweis zur Verbesserung dankbar.
viele Gr√ľ√üe
Monika
__________________
Der erste Schritt seinen Traum zu verwirklichen ist - aufzuwachen...

Bearbeiten/Löschen    


Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Monika,

wirklich eine nette Geschichte ist Dir da gelungen.
Ich schließe mich auch den Meinungen von fredy und marc an.
Die erste Spannung beginnt mit: "Bald hatte Lore mich soweit..."
Dann erwartet der Leser aber im Folgenden noch weitere √úberraschungen (Spannung) die dann aber nicht mehr kommt.

Vorschlag: Lass die Lore noch etwas anstellen, was einen Konflikt ausl√∂st, der dann bereinigt wird und schlie√ülich wieder am Ende zum Happy End f√ľhrt.

Trotzdem ein schöner Text.

Gruss
RS

Bearbeiten/Löschen    


gladiator
Manchmal gelesener Autor
Registriert: May 2001

Werke: 10
Kommentare: 592
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um gladiator eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Hallo Monika,

einige haben hier schon etwas zum Spannungsbogen geschrieben, dem mu√ü ich nichts mehr hinzuf√ľgen. Mein zus√§tzlicher Tipp: Manchmal bringen Rhythmus und Melodie einiges an Spannung. Mehr kurze, pr√§gnante, manchmal auch unvollst√§ndige S√§tze w√ľrden dem Text mehr Tempo, Dynamik und Spannung geben. Bis jetzt liest es sich wie eine lustige Geschichte in Form eines Schulaufsatzes.

Zu Lore: Als Leidgepr√ľfter, der viele Jahre das Haus zeitweise mit zwei (!) Amazonen teilen mu√üte, von denen die eine √§hnlich k√§mpferisch war wie Lore, kann ich nur sagen: So ist es und nicht anders!
Allerdings verteilen Papageien ihre Sympathie sehr selektiv. Während einige Mitglieder meiner Familie mit dem Vogel alles anstellen konnten, war ich das Objekt seines ganzen Hasses. Ich habe ihn die ganzen 10 Jahre nicht ein einziges Mal streicheln können...Trotzdem möchte ich keinen Tag mit ihm missen.
Das w√§re vielleicht der Spannungsbogen und das letztlich Unerkl√§rliche, das Du in Deinem Text zwar andeutest, aber nicht konsequent zuende f√ľhrst.

Gruß
Gladiator
__________________
Die Raben fliegen in Scharen, der Adler fliegt allein.

Bearbeiten/Löschen    


Zur√ľck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!