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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Technik und Poesie
Eingestellt am 30. 03. 2006 10:02


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Aminmelalle
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Mar 2006

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„Bis heute hat die Literatur die Gedankenschwere, Unbeweglichkeit, die Ekstase und den Schlaf gepriesen. Wir wollen preisen die angriffslustige Bewegung, die fiebrige Schlaflosigkeit, den Laufschritt, den Salto mortale, die Ohrfeige und den Faustschlag.“

Dieses Zitat stammt von Filippo Tommaso Marinetti und ist in den GrundsĂ€tzen fĂŒr den Futurismus erschienen. Ich werde einen Vergleich zwischen expressionistischen und futuristischen Denken und in Bezug auf Technik und Literatur und werde die Frage behandeln, wie im 21. Jahrhundert, also etwa 100 Jahre spĂ€ter, der rasante technologische Fortschritt und die Welt der Literatur, die auch eine Welt der TrĂ€umereien ist, in Einklang gebracht werden könnte.





Es gibt seit Beginn der Menschheitsgeschichte GegensÀtze die im ewigen Streit zueinander liegen. Dies liegt wohl nicht so sehr an dem Wesen der Menschheit und ihrem Gebrauch dieser GegensÀtze, sondern viel mehr an den GegensÀtzen selber. Sie sind wohl am ehesten mit den beiden Seiten einer Medaille zu vergleichen. Die beiden Seiten lassen sich einfach nicht zu einer zusammenfassen. Eine gewisse DualitÀt beherrscht ja schon immer unsere Gesellschaften.
Emotionales Handel und Denken sowie rationales Handeln und Denken wĂ€re ein Beispiel fĂŒr ein duales System. Des Weiteren wĂ€re auch noch der Gegensatz zwischen einem Leben nach klaren Strukturen und einem Leben nach geistiger Freiheit zu erwĂ€hnen. Bestes Beispiel hierfĂŒr, wĂ€re wohl der immer wĂ€hrende Zwiespalt zwischen der Kirche und der Wissenschaft. Beide Punkte sind aber in einem Streit zu finden, dessen Grundlage in der Zeit des Expressionismus entsprang. Seit die expressionistische Gegenströmung des Futurismus von Filippo Tommaso Marinetti, mit ihrer einschlĂ€gigen, poetischen Verherrlichung der Technik, erdacht wurde, entstand eine große Kluft zwischen der Technik und der Poesie. Zuvor waren Technik und Poesie einfach nur zwei Gebiete, der Wissenschaft und Kunst, die keinen Schneidepunkt hatten. Sie liefen ĂŒber die Jahrhunderte relativ friedfertig nebeneinander her, ohne die Kreise des anderen zu stören. Nun schuf Marinetti aber eine gemeinsame AngriffsflĂ€che. Er verherrlichte die Technik mit den Mitteln der Poesie und erschuf eine ganze literarische Strömung die sich ganz und gar dem Wunderwerk Technik und der Geschwindigkeit verschrieb.
Um die grundlegende Schwierigkeit in der Beziehung dieser beiden absolut verschiedenen Geistesrichtungen verstehen zu können, muss man, wie so oft, in der Geschichte kramen und aus den Jahrhunderten einen Vergleich suchen, dass dem VerhÀltnis zwischen Technik und Poesie nahe kommt, und aus einem geschichtlichen Gesichtspunkt dieses VerhÀltnis analysieren.
Ich möchte hierbei noch einmal die beiden oben angefĂŒhrten Dualsysteme aufgreifen, die den Zwiespalt zwischen Technik und Poesie am besten beschreiben.
Ich möchte einen der beiden Hauptpunkte weglassen, da die Schwierigkeit der Beziehung zwischen emotionalem Denken und rationalen Denken so klar ist, dass sie jeglicher ErklÀrung und Erörterung entbehrt.
Der etwas subtilere Streitpunkt zwischen Technik und Poesie sei somit der, der behandelt werden sollte. Die Problematik zwischen einem Leben, dass sich klaren Strukturen verschreibt und einem, dass sich der geistigen Freiheit verschreibt, ist so sehr in der Geschichte verankert, dass man nicht lange nach einem treffenden Beispiel suchen muss, dass dem VerhÀltnis zwischen der Technik und der Poesie nahe kommt.
Also gehen wir ein paar Jahrhunderte in der Zeit zurĂŒck. Sagen wir zum Beispiel in die Zeit der Renaissance.
Es war eine Zeit in der der Klerus alles beherrschte. Von den Einwohnern Europas bis hin zu der gesamten Wissenschaft. Gedankengut wurde nur dann nicht verurteilt, wenn es dem des Klerus und der Bibel nicht widersprach. In dieser fĂŒr die Freiheit des Seins und des Denken so unerfreuliche Zeit, wurden einige der grĂ¶ĂŸten KĂŒnstler, Wissenschaftler und Poeten der Menschheitsgeschichte geboren. Nur um einige zu nennen: Leonardo Da Vinci, Albrecht DĂŒrer, Donatello, Raffael usw. All diese großartigen KĂŒnstler durften nur Bilder, Skulpturen, Erfindungen und Thesen schaffen, veröffentlichen oder auch nur denken, die im Einklang mit den klerikalen Regeln standen. Ihnen wurde ein Leben nach strickten Anordnung aufgezwungen. Aber es sei gesagt, dass durch die Wiedergeburt des antiken Geistes trotzdem Dinge geschaffen wurden, die bis heute zu den grĂ¶ĂŸten KulturschĂ€tzen der Welt zĂ€hlen.
Einige Dinge konnten aber in dieser Zeit niemals wirklich wachsen oder ohne Widerstand von Seiten der Kirche geschaffen werden. Bereiche wie die Astronomie oder die Physik waren dazu Verdammt auf dem Stand zu treten. Dass sich die Erde um die Sonne dreht, war einfach nicht vorgesehen in dem Weltbild der Kirche.
Geht man nun aber noch ein paar Jahrhunderte in der Geschichte zurĂŒck, muss man leider feststellen, dass in der damaligen Zeit gar nichts auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften, sowie der bildenden KĂŒnste geschaffen werde konnte.
Im FrĂŒhmittelalter hatte die Kirche eine dermaßen allumfassende Macht ĂŒber jegliches Sein des Menschen, dass nur Mönche sowie hohe Adelige ĂŒberhaupt Lesen und Schreiben konnten. All dies nur zu dem Zweck, dass sich die Mitglieder der Kirche von den „Normalsterblichen“ abhoben.
Wenn man nun den Schrecken dieser Zeit beiseite lĂ€sst, dann kann man ganz nĂŒchtern betrachtet sagen, dass den Menschen ein Leben nach klaren Strukturen, Regeln und Dogmen auferlegt wurde und jegliche geistige Freiheit unterdrĂŒckt wurde.
Wenn man dies nun wieder auf unser Hauptproblem bezieht, könnte man sagen, dass die Beziehung zwischen Kirche und Menschen im FrĂŒhmittelalter eine Ă€hnliche war, wie sie seit der GrĂŒndung des Futurismus zwischen Technik und Poesie besteht. Wohl angemerkt, ohne Inquisition, Hexenverbrennung, Ablasshandel, Zensur sowie UnterdrĂŒckung.

Expressionismus ist eine kĂŒnstlerische und literarische Bewegung in der es um die Darstellungen von Erlebnissen geht und diese nicht im Sinne von Ästhetik darzustellen, sondern sie einfach so wieder zugeben, wie sie im Auge des Betrachters erscheinen. Kein idealisiertes Weltbild, sondern die subjektive Wirklichkeit im reinsten Sinne. Außerdem ist der Expressionismus eine durch und durch friedfertige und im nichtigsten Maße hetzerische Kunstströmung.
Hingegen der Futurismus lebt von der Verherrlichung der Jugend, der Geschwindigkeit, der Technik und sogar von der Gewalt des Krieges. Sekunde! Das bedeutet doch, dass der Futurismus idealisiert und eine unglaublich aggressive Seite hat.
Klar erkennbar ist dabei eigentlich, dass der Futurismus mehr und mehr zu einer Analogie der Kirche des FrĂŒhmittelalters wird und der Expressionismus die Analogie zur damaligen Menschheit. Wahnsinn eigentlich. Der Kreis schließt sich. Über das Beispiel der Kirche konnte ich tatsĂ€chlich, ĂŒber das Sprungbrett der Technik und Poesie, auf das wirklich essentielle Thema dieser Erörterung schließen.

Rein geschichtlich betrachtet, wird der Futurismus ganz und gar nicht als etwas mit klarer Struktur angesehen. Nun ja, soweit sich dies auf den Syntax und die Grammatik der futuristischen Manifeste bezieht, gebe ich den Historikern in jeglichem belangen recht. Geht es jedoch darum, wie Werke der Futuristen im grĂ¶ĂŸeren Maße zu sehen sind, sehe ich nicht die geringste geistige Freiheit dahinter. Es ging immer um die gleichen Themen.
Schneller, lauter, aggressiver. Wenn man all sein Denken auf diese drei Begriffe beschrÀnkt, dann kann man nicht wirklich von geistiger Freiheit reden. Jemand der geistig frei ist, der kann malen, schreiben und dichten was er will.
Nun kommt aber der nÀchste Clou hinter dem Megaproblem, dem ich mich gerade widme.
In einem Punkt stimme ich den Literaturhistorikern nĂ€mlich absolut zu. Der Futurismus hat den Expressionismus maßgebend beeinflusst. Und zwar nicht nur mit der Idee jegliche Grammatik und jeglichen Syntax bei Gedichten in den Wind zu schießen. Sondern viel mehr damit, dass die Expressionisten den Futurismus als ein Beispiel fĂŒr eine Weltanschauung sehen konnten, wie sie sie nicht haben wollten.
Nun wissen wir, dass aus dem FrĂŒhmittelalter mit der von der Kirche geschaffen geistigen Lethargie, ein paar Jahrhunderte spĂ€ter das SpĂ€tmittelalter und die Renaissance wurde.
Aus einem Leben nach Regelen wurde ein Leben der freien Gedanken, zumindest annÀhernd.
Genau das geschah auch in dem Wandel zwischen Futurismus und Expressionismus. Wieder einmal ein gutes Beispiel fĂŒr den Spruch: Geschichte wiederholt sich.
Auch wenn der Wandel zwischen Futurismus auf Expressionismus einwenig schneller von statten ging als der Wandel zwischen „Kleruskulter“ und der Wiedergeburt der antiken Kultur.
Wir leben nun mal in einer immer schnelllebigeren Zeit.
Wenn man sich nur die rasante Entwicklung der Technologie ansieht, merkt man eigentlich schon wie unerhört schnell alles im Wandel liegt.
Noch vor 150 Jahren war die einzige brauchbare Skizze einer Flugmaschine von einem Herrn namens Leonardo Da Vinci erdacht worden. Vor 105 Jahren bauten die GebrĂŒder Orville und Wilbur Wright das erste flugtĂŒchtige Flugzeug. Vor 45 Jahren flog der russische Kosmonaut Juri Alexejewitsch Gagarin als ersten Mann in den Weltraum. Vor 36 Jahren betrat mit Neil Armstrong der erste Mensch die OberflĂ€che des Mondes. Und seit dem Jahr 1998 beginnt die Menschheit mit dem Bau einer internationalen Raumstation (ISS 
 International Space Station). Diese Chronologie der Geschichte des Fliegens, zeigt glaube ich am deutlichsten, wie schnell sich die Technik im letzten Jahrhundert weiterentwickelt hat.
Nun soll ich in dieser Erörterung anfĂŒhren, wie man die schnelllebige Technik und das Urgestein der Geisteswissenschaften, die Poesie in Einklang zueinander bringen könne.
Ich frag mich aber viel mehr ob man das kann, oder ob man es ĂŒberhaupt sollte?
Die Technik und die Poesie sind Gebiete die nun wirklich nicht viel miteinander zu tun haben. Die GegensÀtze zwischen beiden habe ich, glaub ich, schon genug erlÀutert. Am besten lÀsst man beiden ihren Frieden und lasst sie das machen was beide wirklich können.
Die Technik verÀndert und vereinfacht unser Leben immer mehr. Und dies sollte sie auch weiterhin im positiven Sinne tun.
Die Poesie soll uns durch ihre Lyrik und Prosa auch weiterhin zum Nachdenken, Schmunzeln und Weinen bringen.
Sie sind in dem Sinne vereinbar, indem sie sich nicht stören. Und das ist die Quint Essenz.

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Das GlĂŒck besteht nicht darin, dass du tun kannst, was du willst, sondern darin, dass du immer willst, was du tust

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